Nr. 5 – 21.11.2015 – Stiftedrechseln

„Mama, wir haben Holzwürmer im Keller!“

Lina hat es mal wieder auf den Punkt gebracht. Im Allgemeinen besteht ein gewisses Spannungsverhältnis zwischen dem gemeinen Holzwurm und einem Holzwerker. In diesem Fall war das aber anders. Am Samstag (21.11.2015) habe ich in meiner Werkstatt Besuch von Andreas, Martin, Rolf und Harald bekommen. Andreas hat angeboten, uns einmal zu zeigen, wie man Stifte drechselt.

Ein sehr entspannter Nachmittag, der mit zwei ziemlich leckeren Kuchen (gebacken von der weltbesten Ehefrau) und einem Cappuccino (gemacht von einer über beide Ohren stolzen Lina) begonnen hat und beim Italiener um die Ecke einen gemütlichen Ausklang gefunden hat.

„Dazwischen“ ist aber auch noch was passiert:

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Die Vorbereitungen auf einen Drechselnachmittag in der Werkstatt laufen:

Die Eisen werden frisch geschärft.

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Niklas nutzt die Zeit und bastelt etwas aus Resten, die er in unserer „Nirvana Ecke“ im Keller gefunden hat.

Bitte sagt mir mal jemand, dass wir nicht die Einzigsten sind, die eine „kleine“ Ecke im Haus haben, wo immer alles reingeschmissen wird, nur um dann nach einem halben Jahr wieder völlig unverhofft aufzutauchen. „Ach, da ist das Teil!“

… 🙂

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„Das ist ein Männchen – und das schenke ich meinem Freund“

So soll es sein. Hat er ganz allein gemacht, viel Spaß gehabt -und wieder etwas gelernt. Auch aus vermeintlichem Abfall kann man mit ein wenig Phantasie noch etwas machen, mit dem man anderen Freude bereiten kann.

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In der Zwischenzeit hat Andreas bei sich zu Hause das Holz für die Stifte vorbereitet.

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Die Löcher für die Hülsen werden vorgebohrt. Im Anschluss daran werden die Hülsen dann mit einem feinen Schmirgelpapier aufgeraut und mit Sekundenkleber eingeklebt.

Dabei hat die Tochter von Andreas (13 Jahre) geholfen – also „kinderleicht“.

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So sollen die Stifte dann mal – in etwa – aussehen.

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Andreas hat einiges von seinem Werkzeug mitgebracht.

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Im Vordergrund der Mandrell, auf den dann später die Hölzer aufgespannt werden. In der einen Tüte (Mitte) sind die Hülsen und sonstigen Metallteile für die Schreiber. In der anderen Tüte (Hintergrund) ist das vorbereitete Holz.

Eine tolle Auswahl hatte Andreas da mit dabei 🙂

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Um mit der Maserung später nicht durcheinander zu kommen und das durchgehende Bild zu erhalten, wird eine Markierung angebracht.

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Der Rohling mit eingeklebten Hülsen.

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Dann werden die beiden Enden mit einem Senker begradigt.

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Die spätere Sollstärke – viel Holz bleibt da nicht mehr stehen. Da werden wir ganz schön feinfühlig arbeiten müssen.

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Nun können die vorbereiteten Hölzer auf das Mandrell aufgespannt werden.

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Andreas hatte sogar seine Drechselbank mitgenommen.

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Zuerst machen wir die Teile mal mit einer Röhre rund.

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Wir hatten ein wenig Zeit, bevor die anderen „Holzwürmer“ gekommen sind und so habe ich mich schon mal an einem Stift versucht.

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Die Feinarbeit dann mit einem Meissel.

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Hm. Blöd. War mir nicht klar, dass das schon „so“ dünn war.

Kaputt.

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Nun gut. Kein Weltuntergang. Die Hülsen können wieder verwendet werden. Das verbleibende Holz ist schnell abgedreht.

Da muss ich dann besser aufpassen. So „hat’s ja keiner gesehen“ …

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Die restlichen Holzwürmer sind da – und das Fachsimpeln geht auch schon los.

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Eine kurze Sicherheitseinweisung sollte schon noch sein.

NIE von vorne an das Werkstück fassen. Ein Finger zwischen Werkstück und Handauflage – das geht nicht gut aus. Am besten fasst man ohnehin nicht bei drehendem Werkstück an das Werkstück.

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Die ersten Stifte werden ganz vorsichtig gedrechselt.

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An die Röhre muss man sich erst einmal gewöhnen.

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Beim Meissel muss man ein wenig mehr aufpassen – aber er macht eine tolle Oberfläche. Eben der „Verputzhobel“ des Drechslers.

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Seine Eisen schärft Andreas auf Ölsteinen – auch mal frei Hand.

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Nachdem alles soweit fertig gedreht ist, schleifen wir uns durch die Körnungen.

Die Sprünge zwischen den Körnungen sind so gewählt, dass die nächste Körnung ca. die Hälfte der letzten mehr ist.

Beispiel:

  1. Schleifgang = 80
  2. Schleifgang = 120  usw.

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Nun geht es an die Oberflächenbehandlung.

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Die Grundierung machen wir mit einem „Zauberzeug“ (= rechte Dose). Ein wenig zwischen die Finger, die Handauflage zur Seite – und schon kann’s losgehen.

Das mag gut sein – hat meine Nase aber nicht erfreut. Lina hat gemeint, „das riecht ja wie Schuhcreme“….

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Den Zwischenschliff machen wir mit 600 Korn.

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Zum Schluss kommt dann Shellawax drauf.

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Auch das wird wieder mit den Fingern aufgetragen. Kann man natürlich auch mit einem Tuch machen.

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Die fertigen Hülsen. Nur nicht die Ausrichtung ändern – sonst tut man sich mit der durchgehenden Maserung schwer.

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„Welche Variante hätten’s denn gern?“

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Die Metallteile müssen eingepresst werden. Das geht sehr gut auf der Drechselbank mit diesen beiden extra angefertigten Teilen.

Sowas mag ich ja. Einfach, aber sehr effektiv.

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Zwischen die Spitzen genommen und dann mit dem Handrad gefühlvoll eingepresst.

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Fertig ist ein toller Stift.

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Ja, da darf man sich freuen. Sehr schön geworden!

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Im Anschluss konnte jeder einen eigenen Stift drechseln. Es sollte ja jeder etwas davon haben.

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„Die sind ja toll geworden“

🙂

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Als ich einen meiner Schränke aufgemacht habe, kam mein selbst gebauter Hobel von Gerd zum Vorschein. Der musste natürlich sofort einmal ausprobiert werden.

„Ein tolles Teil!“

Das kann ich nur bestätigen.

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Nach meinem Fehlversuch vom Anfang, wollte ich natürlich auch noch ein kleines Erfolgserlebnis haben und habe mich noch einmal an einen Stift gemacht.

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„Ui, Papa. Der ist aber glatt geworden.“

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Ich wollte mir im vorderen Bereich, wo der Finger aufliegt, noch eine kleine Vorrichtung anbringen, damit man nicht so leicht abrutscht.

Mit einem Draht, den man an das drehende Holz hält, geht das ganz gut.

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Mir gefällt’s – und der Finger rutscht nicht mehr so leicht ab.

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Mein erster, selbst gemachter Stift.

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Jeder hat einen Stift – und freut sich.

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Lina und ihre Freundin wollten unbedingt noch ein wenig mit der Absaugung „spielen“.

Uns war’s nur recht. Dann mussten wir uns nicht mehr um’s Saubermachen kümmern und die beiden Mädels hatten ihren Spaß.

Irgendwie haben wir es geschafft, dass die gesamt Familie in der Werkstatt war – inkl. jeweils der Freunde von Niklas und Lina, die uns am Nachmittag auch alle besucht haben.

Ein richtig schöner Nachmittag. Meinen Dank an alle Teilnehmenden – und besonders an Andreas.

 

 

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Ein Kommentar zu “Nr. 5 – 21.11.2015 – Stiftedrechseln”

  1. Hallo Tom, hallo Holzwürmer,
    es war ein toller Tag mit Euch! Danke an Andreas für die Vorbereitung, das Material und den Einsteigerkurs – und natürlich an Caro und Lina für die hervorragende Bewirtung. Besser geht’s nicht!
    Wo kriege ich jetzt den Platz für eine Drechselbank her?
    Freue mich schon auf unser nächstes Treffen – hoffentlich klappt das am avisierten Termin
    Gruß Martin

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