Leserprojekt – Hobeltuning

Mich hat eine eMail von Martin erreicht, über die ich mich sehr gefreut habe. Er hat ein Thema aufgegriffen, das sehr viele von uns betrifft – der Aufbereitung eines Hobels. Das ist immer wieder relevant, wenn man einen Hobel vor sich hat, der an der ein oder anderen Stelle nicht so ideal ist; sei es, weil der Hersteller nicht 100 % exakt gearbeitet hat oder sei es, weil der Hobel schon das ein oder andere Jahr auf dem Buckel hat.

In jedem Fall lohnt sich die Arbeit. Aber seht selbst, wie professionell Martin vorgegangen ist. Konstruktive Kommentare sind – wie immer – sehr gern gesehen. Nur zu!

PS: Martin hat – bewusst – darauf verzichtet, den Hobel „an sich“ kenntlich zu machen. Wir möchten hier keine Diskussion, „der Hobel x ist super, der Hobel y aber überhaupt nicht“. Hier soll es um die grundsätzlichen Arbeitsschritte gehen – und die sind bei allen Hobeln gleich; unabhängig von der Marke.

 

 

Inbetriebnahme eines Einhand-Blockhobels – Hobeltuning

Neulich gelangte ein neuer Blockhobel in meine Werkstatt. Vor dem ersten Einsatz habe ich ihn etwas überarbeitet, so dass er meinen Anforderungen gerecht wird.

1. Das Eisen
Zuerst habe ich mir das Eisen vorgenommen und hier zuerst die Spiegelseite. Es hat sich erwiesen, dass die Spiegelseite zumindest im Bereich der Schneide vollkommen eben und möglichst glatt sein muss. Andernfalls wird man nie ein scharfes Eisen erhalten.
Zur Überprüfung der Planheit werden mit einem Stift mehrere Linien gezogen (quer und längs zur Schneide).

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Es folgen ein paar Züge über einen sehr gut abgerichteten groben Schleifstein, in meinem Fall eine diamantbeschichtete Platte mit grober Körnung. Bei diesem Eisen ist die Spiegelseite glücklicherweise leicht konkav. Das erkennt man daran, dass die Linien am Rand fast vollständig abgetragen wurden, während die in der Mitte noch vollständig vorhanden sind. (Japanische Stemmeisen werden sogar absichtlich so geformt.) Ein konvex geformtes Eisen bedeutet in der Regel sehr viel mehr Arbeit und Zeit – man darf ja auch mal Glück haben!IMG_2587

Um zu einem guten Ergebnis zu gelangen, muss in diesem Fall nur relativ wenig Material abgenommen werden. Im Prinzip reicht es, wenn im Bereich der Schneide und über die gesamte Eisenbreite eine ebene Fläche erzeugt wird, d. h. die Schleifspuren müssen bis zur künftigen Schneide reichen. Ratsam ist es, so lange mit dem groben Stein zu schleifen, bis die erforderliche Ebenheit erreicht ist. Erst dann auf feinere Steine wechseln und immer solange schleifen, bis die vorherigen Schleifspuren verschwunden sind.
Als zweiten „Stein“ habe ich eine feinere Diamantplatte (ca. 1000er Körnung) verwendet, danach einen 8000er Wasserstein und schließlich noch eine Polierpaste.
Auf dem folgenden Bild ist deutlich zu erkennen, dass schon eine recht ordentliche, plane Fläche erzielt wurde, jedoch sind noch ein paar kleinere Macken vorhanden, die noch entfernt werden müssen:

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Nach ein paar weiteren Zügen (immer noch auf der groben Platte) sieht es schon deutlich besser aus. Hier habe ich aufgehört, weil es jetzt schon recht zäh vorwärts ging. Die restlichen Macken sind sehr klein und werden dann später beim Bearbeiten der Fase beseitigt.

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Das nächste Bild zeigt die Spiegelseite nach dem Bearbeiten mit der zweiten Diamantplatte – das geht jetzt schon richtig schnell vorwärts:

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Nach dem 8000er und der Polierpaste sieht die Spiegelseite dann schon recht ordentlich aus und wird ihrem Namen gerecht:
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Jetzt ist die Fase dran. Ich habe mich für einen Winkel von 30° und eine Mikrofase entschieden. Das Eisen wurde mit 25° ausgeliefert und es wäre viel zu viel Arbeit bzw. Materialverschwendung, wenn ich die Fase vollständig umschleifen würde. Deshalb werden nur etwa die ersten 2mm umgeschliffen – bei mir wieder in der Reihenfolge grobe Diamantplatte, feine Diamantplatte und anschließend auf dem 8000er (polierenden) Wasserstein.
Das folgende Bild zeigt den Fortschritt nach der feinen Diamantplatte. Schön zu sehen ist der sich durchgängig gebildete Grat – ein Zeichen, dass die zukünftige Schneide durchgängig bearbeitet wurde.

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Die „Mikrofase“ beträgt nur 30,4°. Aufgrund der sehr schmalen 30°-Fase wird erstere bei diesem ersten Schärfvorgang komplett durch die Mikrofase ersetzt.

Durch das Umschleifen von 25° auf 30° wurden die Macken auf der Spiegelseite vollständig beseitigt. Dies muss aber kontrolliert werden, denn sonst gibt es keine durchgehende, linienförmige Schneide!

Zuletzt noch den Grat entfernen, indem die Spiegelseite flach aufliegend und mit wenig Druck längs der Schneide ein paar Mal auf dem 8000er bewegt wird.
Insgesamt hat das jetzt etwa eine halbe Stunde gedauert. Zukünftig wird das Schärfen des gut vorbereiteten Eisens aber innerhalb weniger Minuten erledigt sein.

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2. Das Hobelmaul
Bei diesem Hobel kann das Hobelmaul durch Verschieben einer Zunge/Platte verstellt werden. Diese Platte ist im Bereich des Hobelmauls und an der Vorderseite recht rauh und teilweise mit Farbe versehen. Mit einer feinen Feile werden die Oberflächen geglättet. Die Vorderkante erhält zudem eine kleine Fase, damit beim schiefen Aufsetzen des Hobels später die Holzoberfläche nicht verkratzt wird. Im Bereich des Hobelmauls habe ich den vorhandenen Winkel belassen und bin zusätzlich ein paar Züge über die Schleifsteine gegangen. Je glatter die Oberfläche, desto besser gleiten die Späne später über diese Kante!
Das folgende Foto zeigt die Kante zum Hobelmaul. (Hier könnte man sicher noch etwas nachlegen…)

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3. Die Hobelsohle
Mit einem Haarlinieal wird im Gegenlicht die Planheit der Sohle überprüft. Im hinteren Bereich ist eine kleine Vertiefung erkennbar – die stört meiner Meinung nach nur den Pedanten, hat aber keinen Einfluss auf das Hobelergebnis.

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Deutlich störender ist die auf dem folgenden Foto zu sehende Vertiefung im Bereich des Hobelmauls. Beim Hobeln, d. h. wenn der Hobel sich komplett auf dem Brett befindet, liegt die Sohle deshalb in diesem Bereich nicht auf. Die Fasern, die sich unmittelbar vor der Schneide befinden, werden deshalb nicht nach unten gedrückt und es können kleine Ausrisse entstehen. Außerdem wird der Span nicht in gewünschter Weise durch das Hobelmaul geführt.

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Ein weiteres Problem resultiert aus dem Umstand, dass, um auf der Brettfläche einen Span abheben zu können, das Eisen so weit herausbewegt werden müsste, dass es diesen Spalt überbrückt (und noch einen zusätzlichen Hauch weiter).
Beim Ansetzen des so eingestellten Hobels an der Brettkante liegt die Sohle aber zunächst recht ordentlich auf. Dies bewirkt jetzt aber, dass das Eisen viel zu weit draußen steht und einen viel zu dicken Span abheben wird. Wird der Hobel weiter bewegt, dann wird der Span regelrecht aus dem Holz gezogen.
Das hört sich jetzt recht theoretisch an, aber ich bilde mir ein, dass ich einen deutlichen Unterschied vor/nach dem Bearbeiten der Sohle feststellen konnte. Man muss aber zugeben, dass die Sohle dieses Hobels schon in einem recht guten Zustand war – die Lichtspaltmethode sieht hier dramatischer aus, als es ist. Bei einem anderen Hobel, den ich bereits überarbeitet habe, war der Mangel deutlich ausgeprägter und dementsprechend der Unterschied deutlicher spürbar.

Die Sohle schleife ich mit gutem Nassschleifpapier auf einer Fensterbank. Diese ist schon recht eben und reicht für meine Ansprüche. Eine nicht zu dünne Glasplatte geht wohl auch. Weil wenig Material abzutragen war, habe ich mit 100er Körnung begonnen und mich über sämtliche Stufen (120, 150, 180, 220, 240, 280) bis schließlich zum 320er Papier durchgearbeitet.
Auch hier gilt: der eigentliche Abtrag muss mit dem ersten Papier erfolgen, die weiteren dienen dann nur noch dem Glätten der Oberfläche.
Wie beim Eisen wird auch hier mit einem Stift ein Muster aufgetragen und der Fortschritt kontrolliert.

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Die einzelnen Schleifblätter werden auf beiden Seiten ordentlich angefeuchtet. Dadurch bleibt das Papier eben und klebt regelrecht auf der Fensterbank fest. Der Hobel wird mit eingelegtem, zurückgezogenem Eisen mit gleichmäßigem Druck und regelmäßigen Zügen auf dem Schleifpapier hin und her bewegt. Ab und zu kann man den Hobel auch mal drehen, damit gleichmäßig abgetragen wird. Die Bewegung geht aber immer längs des Hobels.
Bereits nach wenigen Zügen greift das Papier schon fast vollflächig.

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Schließlich wird auch hier zuletzt mit Polierpaste gearbeitet, der Hobel nochmals vollständig zerlegt, gereinigt und leicht eingeölt. Die Sohle kann sich jetzt wieder einigermaßen sehen lassen:
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4. Die ersten Späne
Getestet wurde anhand eines Brettes aus Kirsche. Einmal die Kante längs zur Faser und einmal Hirnholz.
Der so gehobelte Span ist so dünn, dass er tatsächlich 2 bis 3 Sekunden braucht, um aus 2 Meter Höhe auf den Boden zu schweben:
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Anschließend wurde die Stirnseite geebnet, bis sich ein durchgehender Hirnholz-Span abnehmen ließ:
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Auch die entstandene Oberfläche – und hierauf kommt es ja schließlich an – kann sich sehen und befühlen lassen:
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5. Résumé
Nach insgesamt etwa knapp 1,5 Stunden Arbeit bin ich mit dem Ergebnis mehr als nur zufrieden. Es hat sich gelohnt und der Hobel wird zukünftig sicherlich oft und gerne eingesetzt werden.
Man muss aber betonen, dass sich dieser Hobel bereits anfangs in einem recht guten Zustand befunden hat und sicherlich auch nach kurzen Abziehen des Eisens „arbeitstauglich“ gewesen wäre. Wer höhere Ansprüche hat, der muss eben etwas Zeit investieren. Bei teureren Hobeln muss in der Regel weniger nachgearbeitet werden, aber ein paar Stellen, an denen optimiert werden kann, findet man eigentlich immer. Besonders einfach und in gleicher Weise lassen sich (alte) Holzhobel optimieren, wobei meiner Erfahrung nach die Eisen oft deutlich mehr und die Hobelkörper deutlich weniger Zeit erfordern.
Und jetzt viel Spaß beim Hobeln!

 

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2 Kommentare zu „Leserprojekt – Hobeltuning“

  1. Danke für die Beschreibung!
    Ähnlich habe ich versucht, meine 3 Metallhobel zu „tunen“. Ich tat mir jedoch mit der Wahl des Schleifpapiers zunächst sehr schwer. Mein letzter Versuch war mit ERSTA Matador Naßschleifpapier. Allerdings konnte ich auf die Schnelle nur normale Bögen und keine Meterware bekommen. Und nach einem Hobel war das Blatt auch schon recht weit „runter“.
    Was für ein Scheifpapier hast Du eingesetzt?
    Denn leider muß ich da noch einmal ran …

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