Spannhilfen

Heute hat mich eine eMail von Martin mit einigen, wie ich finde, sehr hilfreichen Tips und Ideen zum Thema Spannen erreicht.

Man darf „gespannt“ sein:

Anleimen von Starkfurnierkanten oder langen Leisten an Plattenkanten

Die Kanten von Platten, die nicht aus massivem Holz bestehen (Holzwerkstoffplatten, Tischlerplatten), versehe ich aus Gründen der Optik und Haltbarkeit gerne mit einer Starkfurnierkante oder einer selbst hergestellten Leiste. Bei einer Starkfurnierkante handelt es sich um etwa 1 bis 3 mm starke Massivholzstreifen, die man „von der Rolle“ quasi als endlose Ware kaufen kann. Sie werden auf die benötigte Länge zugeschnitten und können dann mit normalem Holzleim an die Plattenkante geleimt werden. Die Optik und Haltbarkeit ist der eines einfachen Umleimers, der meist nur aufgebügelt wird, deutlich überlegen.
Für das Anleimen einer Starkfurnierkante oder von Leisten an Plattenkanten gilt allgemein:
– Die Leiste sollte etwas breiter sein als die Platte dick ist. Der Überstand kann später einfach mit einem Handhobel oder auch mit der Oberfräse entfernt werden. Ggf. noch mit Schleifpapier nacharbeiten.
– Die Ecken, an denen zwei aufgeleimte Leisten aneinander stoßen, können als Gehrung ausgebildet werden; die Leisten können aber auch nur stumpf aufeinander stoßen.
– In manchen Fällen kann es vorteilhaft sein, erst die Leiste anzuleimen und dann erst die Platte auf Maß zu sägen. Bei Regalbrettern reicht z. B. meist eine Leiste an der Vorderkante. Wird das Regalbrett erst nach dem Verleimen auf Länge gesägt, dann schließt die Leiste mit dem Brett perfekt bündig ab.

Um eine vollflächige und dichte Verleimung zu erzielen, muss möglichst auf der gesamten Fläche ausreichend Druck ausgeübt werden. Dafür verwende ich zwei verschiedene Hilfsmittel:

1. „Combi-Teil“ von Klemmsia
Von Klemmsia sind unter dem Namen „Combi-Teil“ die Spannarme der Zwingen einzeln erhältlich. Zusammen mit einer herkömmlichen Zwinge kann hiermit Druck auf die Kante einer Platte bzw. auf die anzuleimende Leiste ausgeübt werden.

Die mit Leim versehene Starkfurnierkante wird an der Plattenkante positioniert. Zur besseren Druckverteilung wird zusätzlich eine etwas dickere Leiste darüber gelegt. Nun wird ein entspanntes Combi-Teil auf die Leiste gesetzt und mit einer normalen Zwinge fixiert. Das Kombi-Teil liegt jetzt an zwei Punkten (jeweils am Ende) an der Leiste an und an einem Punkt (Mitte) an der Schiene der Zwinge. Durch Bewegen des Exzenterhebels des Combi-Teils kann nun sehr gefühlvoll Druck aufgebaut werden.
In den beiden Bildern wird an eine hochkant stehende Dreischichtplatte eine etwa 5mm starke Leiste aus Fichte angeleimt. Zur Druckverteilung dient eine gut 2cm dicke Leiste aus Lärche. Für die knapp 60cm breite Platte werden drei Combi-Teile verwendet.
Die Combi-Teile sind recht preisgünstig und es lässt sich sehr komfortabel damit arbeiten. Der erzielbare Druck reicht auf jeden Fall aus, es ist aber immer eine zusätzliche Leiste zur Druckverteilung erforderlich. Vorteilhaft ist auch, dass keine langen oder besonders stabilen Zwingen benötigt werden und diese Methode bei jeder Plattengröße durchgeführt werden kann.

Klemmsia 1

Klemmsia 2
2. „Bow clamps“
Bei dieser Methode verwende ich je Kante eine Latte, an die ich einen Bogen gehobelt habe, so dass die Enden etwas dünner sind. Oder anders ausgedrückt, eine Längskante ist leicht konvex. In den USA sind diese Latten als „bow clamps“ bekannt. Außerdem sind zwei stabile und ausreichend lange Zwingen erforderlich. Ich verwende hier gerne Korpuszwingen.

Die mit der Starkfurnierkante zu versehende Platte wird auf zwei liegenden Korpuszwingen aufgelegt. Die beiden Zwingen müssen ganz an den Enden der Platte positioniert werden. Dann wird die mit Leim versehene Starkfurnierkante an der Plattenkante positioniert und die „bow clamp“ mit der konvexen Seite zur Platte zeigend angelegt. Zunächst berührt nur der Mittelpunkt der „bow clamp“ die Kante, während die Enden noch abstehen.  Nun werden die Zwingen wechselweise immer stärker angezogen, bis die beiden Enden der „bow clamp“ an der Plattenkante anliegen. Liegen diese nicht an, dann wird der Druck nicht vollflächig aufgebracht. Mehr Druck hilft aber auch nicht weiter, da dieser nur an den Enden wirken kann.

Im ersten Bild ist eine Platte mit gespannter „bow clamp“ zu sehen. Eine weitere entspannte „bow clamp“ liegt auf der Platte. Das zweite Bild zeigt ein Ende der Anordnung mit Zwingenbacke, „bow clamp“, Leiste und Platte. Nicht zu sehen, aber wichtig sind dünne Distanzblättchen zwischen Zwingenschiene und Platte, damit die anzuleimende Leiste etwas über die untere Fläche der Platte überstehen kann.

„Bow clamps“ können sehr leicht mit einem Handhobel selbst hergestellt werden. Wichtig ist, dass der Bogen schön gleichmäßig ausgebildet ist und parallel zur gegenüber liegenden Kante verläuft. Andernfalls wird es Bereiche geben, an denen kein Druck ausgeübt wird. Die Krümmung des Bogens, die Stärke der verwendeten Leiste und die Holzart bestimmen den Druck, der aufgebracht wird. Hier muss man einfach etwas experimentieren. Gute Erfahrung habe ich mit Dachlatten aus Fichte gemacht.
Vorteilhaft ist, dass nur zwei Zwingen benötigt werden. Diese müssen allerdings schon ordentlich Druck aufbauen können und unter Umständen recht lang sein. Bei sehr großen Platten muss ggf. auf die erste Methode ausgewichen werden.

bow clamp 1

bow clamp 2

Spannhilfe für das Verleimen von Gehrungen

Für das Verleimen, insbesondere von breiteren Gehrungs-verbindungen, bei denen größerer Druck benötigt wird, eignet sich diese einfache Spannhilfe. Hierfür wird auf ein etwa 15cm langes Stück einer Leiste ein mit einer Schräge versehener Abschnitt geleimt. Der Winkel der Schräge entspricht dem der zu spannenden Gehrung – hier 45°. Auf die Unterseite klebt man noch einen Streifen Schleifpapier, damit die Spannhilfe später nicht verrutschen kann. Es wird immer ein Paar benötigt.

Gehrung 1

Zuerst werden die Spannhilfen mit je einer Zwinge an den zu verbindenden Teilen befestigt. Dann wird mittels einer weiteren Zwinge Druck auf die Gehrung ausgeübt. Die Spannhilfen sollten so positioniert werden, dass die Kraft etwa in der Mitte der Gehrung eingeleitet wird. Durch Verschieben kann die Richtung der Krafteinleitung variiert werden.

Gehrung 2

Schön ist hier, dass die Kraft konstruktionsbedingt bereits ziemlich genau in die korrekte Richtung wirkt und nicht, wie beim Spannen mit zwei Zwingen, als Resultierende zweier senkrecht zueinander stehender Kräfte. Beim Spannen werden die Teile deshalb nicht so leicht wieder gegeneinander verschoben. Bei größeren Bauteilen/Rahmen wird man aber aus Stabilitätsgründen sicherlich zusätzlich Dübel o. ä. vorsehen, wodurch ein Verrutschen unmöglich wird.  Bei der hier gezeigten Verleimung hat die Ausbildung als Schlitz-und-Zapfen-Verbindung die erforderliche Führung bewirkt . Um auch auf die Seitenflächen der Verbindung Druck ausüben zu können, wird eine vierte Zwinge mit Zulagen angesetzt.

Gehrung 3

3 Kommentare zu “Spannhilfen”

  1. Ein sehr schöner Bericht und gut beschrieben. Da ich demnächst auch mit einer Tischlerplatte arbeiten möchte kommen mir diese Tips mehr als gelegen.

    Danke und Grüße Andreas S.

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