Tourenrodel

Ich habe von Bernd eine eMail mit einem Leserprojekt bekommen, das sehr gut zu meinem aktuellen Projekt vom Rodel / Schlitten Bau passt. Bernd hat einiges anders gemacht als ich und so finde ich es sehr schön, wenn auf diese Art & Weise auch ein anderes Vorgehen dargestellt werden kann.

Lasst Euch überraschen, wie Bernd den Rodel gebaut hat:

 

 

Hallo zusammen,

inspiriert von Tom’s Baubericht über seinen Rodel, hab ich mich entschlossen, meinen Rodel in den Leserprojekten ebenfalls vorzustellen. Entstanden ist der Rodel im Dezember 2012.

Ziele des Selbstbauprojektes waren wie so oft Spaß am Bauen, die Herausforderung was für mich Neues zu machen, zu lernen und nicht zuletzt auch Geld zu sparen.

Randbedingungen:

Es sollte ein Sport- oder Tourenrodel für einen Erwachsenen, auch mal mit einem Kind werden. Zur Not sollten auch zwei Erwachsene fahren können. Der Rodel sollte einen Hängesitz aus Plane haben.

Erster Schritt: Herstellen der Leisten

Vom Herstellen der Leisten hab ich leider keine Fotos. Ausgangsmaterial war eine allseitig gehobelte Eschebohle mit ca. 5 cm x 12 cm Querschnitt, ca. 2 m lang. Von dieser Bohle hab ich im Haus der Eigenarbeit – „Hei“ (Anmerkung Tom: das ist ein Anbieter in München, bei dem man in der dortigen Werkstatt vor Ort arbeiten und Werkzeuge / Maschinenzeit mieten kann) auf der Formatkreissäge Leisten der Größe 50 mm x 8 mm gesägt.

Zweiter Schritt: Bau der Kufenform

Ich war damals in meinen Holzwerkfähigkeiten noch nicht so weit wie heute. Meine Form ist aus Resten alter Möbelplatten, Dachlatten,  Fichtebrettern und einem Haufen Schrauben bunt zusammengeschustert.

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Danach machte ich mir Gedanken, wie ich die Leisten vernünftig biegen konnte. Dämpfen ist ideal. Man kann das Holz, wenn es feucht und heiß ist hervorragend biegen. Das geht dann echt kinderleicht, fühlt sich an, als ob das elastische, feste Escheholz aus Alublech wäre.

Also hab ich mit einem Bräter und dem größten Topf schräg über den Herd meine provisorische Dämpfstation eingerichtet. Das reichte von der Länge aus, da ich ohnehin nur den vorderen gebogenen Teil der Kufen dämpfen wollte. Die Deckel einfach auf das Holz gelegt und zur Abdichtung gegen Dampf- und Hitzeverlust ein Geschirrtuch darüber gelegt. So hat es bei voller Hitze ca. 30 Minuten je Lage gedauert. Ich habe immer drei Leisten gleichzeitig gedämpft. Für 5 Leisten je Kufe waren also 4 Dämpfdurchgänge notwendig.

Die Leisten wurden, als sie plastisch waren, so schnell es ging auf die Form aufgespannt. Die Zwingen und die Form waren in Reichweite in der Küche bereitgelegt. Zwei weitere Helferhände standen ebenfalls bereit.

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Hier sieht man den Gesamtaufbau in der Küche.

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Hier sieht man die Leisten zum Kühlen und Trocknen aufgespannt. Während die neuen Leisten auf dem Herd dämpfen, kühlen die bereits gebogenen aus. Nach dem Abkühlen sind die Leisten wieder so elastisch und fest wie zuvor, nur dass sie wunderbar die neue Form halten. Ein wenig Rückfederung ist da, hält sich aber in Grenzen. Ich würde 5 – 10% der Gesamtbiegung schätzen.

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Nachdem alle Leisten gedämpft und vorgebogen waren, ging es ans Formverleimen. Als Leim hab ich Titebond III Ultimate verwendet.

Es hat sich beim Vorbiegen gezeigt, dass meine Konstruktion mit den kleinen Querleisten nicht formstabil ist, wenn man im auskragenden Teil spannt. Also schnell mit dem Forstnerbohrer Löcher für die Schraubzwingenarme gebohrt. So konnte ich die Leisten mittig auf die Form legen, wo sie vom Unterbau gestützt wurden.

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Mit nur einer Unterform braucht man ganz schön viele Zwingen zum Verleimen.

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Die Kufen sind schon mal nicht schlecht geworden! 5 Lagen à 8 mm Eschenholzstreifen. Darauf sollte man aufbauen können.

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Die Kufen werden gemeinsam geschliffen, um die letzten Ungenauigkeiten zu beseitigen.

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Die Böcke sind aus 40 mm Birkemultiplex gesägt. Das hab ich im „Hei“ auf der Bandsäge gemacht. Das geht super, damit lassen sich selbst in dem harten Multiplex die Radien wunderbar raus arbeiten.

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Die Zapfen am Bock sind einfach aus dem Multiplex heraus gesägt. Sollte das nicht halten, kann ich immer noch Löcher in die Böcke machen und lose Zapfen einsetzen.

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Der Rohbau nimmt langsam Formen an. Die Zapfenlöcher in die Kufen sind gebohrt und die Ecken raus gestemmt.

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Auf den Böcken erkennt man schon die Gummiunterlagen auf den Zapfen. Die Holme werden ebenfalls auf eine einfache Form aus einem Brett verleimt. Hier die Trockenprobe. Ich würde niemals auf dem Wohnzimmerboden verleimen…

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Die Stahlkufen bestehen aus 30 x 4 mm Flachstahl. Ich habe kaltgewalzten Stahl genommen, der ist blank hat bereits halbwegs scharfe Kanten. Warmgewalztes Material hat dagegen immer eine schwarze dünne Zunderschicht und verrundete Kanten.Die Gewindebolzen sind von einer Gewindestange gesägt und im Hei mit MIG/MAG aufgeschweißt.

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Die nächsten Schritte

Die Kufen sind nach oben hin verjüngt, die Stahlkufen sind angeschraubt und die Böcke sind auf der Oberseite nach ausführlichem Maßnehmen angepasst. Im „Hei“ auf der Bandsäge gesägt und auf dem Spindelschleifer sauber geschliffen. Der vordere Bock hat zwei Mulden für die Oberschenkel, der hintere eine für den Rücken.

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Detail der Verschraubung von Bock und Kufen. Die Schlitzzapfenverbindung hat viel Spiel. Das Gewicht wird über die Gummiunterlagen übertragen. Gehalten wird das Ganze mit Schlossschrauben. Die runde Seite nach außen (Verletzungsgefahr), die Sicherungsmutter nach innen.

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Nochmals ein Bild der Kufen mit den Stahlsohlen.

Herstellen der Holme

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Die Holme werden verleimt.

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Der Rohbau ist damit fertig. Als nächstes kommt die Sitzbespannung.

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Ich habe mich für ein Stück rote LKW-Plane entschieden. Das war noch aus einem früheren Projekt übrig.

Anmerkung Tom: … da freut sich aber jemand !:-) 

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Jetzt sieht es aus wie ein Schlitten. Für die Abspannung hab ich rot-schwarze Reepschnur gekauft. An den Holmen und auf dem hinteren Bock hab ich Rohrisolierung aus dem Heizungsbau angebracht. Das sollte blaue Flecken verhindern, falls ich mich in einer rasanten Abfahrt mal kaum auf dem Sitzhalten kann.

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Hier ist der Schlitten fertig zu sehen.

Die Holme und die Kufen sind vorne an der Spitze nur über zwei Gummistreifen miteinander verbunden. Die Streifen sind an den Kufen als Schlaufe verschraubt, die Holme sind nur durchgesteckt. Dadurch ist der Rodel in sich sehr beweglich.

Der Rodel ist für mich als Renn- oder Tourenrodel gemacht. Ich bin sehr froh, dass er funktioniert. Im Vergleich mit gekauften Rodeln schneidet er nicht schlecht ab.

Dass ich ein Kind bequem auf dem Schoß mitnehmen kann, ich natürlich toll. Mittlerweile sind wir auch schon zu zweit (also zwei Erwachsene) auf dem Rodel gefahren.

 

Viele Grüße,

Bernd

 

PS: Das sehr empfehlenswerte Haus der Eigenarbeit – „Hei“  findet man auch im Internet: www.hei-muenchen.de

 

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