Besuch bei Gerd Fritsche

Heute hatte ich die Möglichkeit, Gerd Fritsche ( http://www.traditional-handplanes.com/index_de.php ) in seiner Werkstatt zu besuchen. Wir haben uns über ein Online Forum kennen gelernt und im Rahmen vom Hobeleisen Test haben wir ein paar mal telefoniert. Ich war schon ganz gespannt, Gerd endlich einmal persönlich kennen zu lernen und wie es in der Werkstatt aussieht, aus der diese wunderbaren Hobel und Sägen kommen.

Gerd hat mir
– seine wunderschöne Werkstatt gezeigt,
– erläutert, wie er zu diesen rattenscharfen Eisen kommt,
– in Stichpunkten erläutert, wie seine Hobel zusammengesetzt werden
– seine neue Rückensäge vorgestellt

… einen wunderschönen Vormittag – und damit ein Vor – Weihnachtsgeschenk gemacht.

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Gerd hat sich heute Vormittag mehrere Stunden für mich Zeit genommen – ein richtiges Weihnachtsgeschenk.

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Die Stimmung war sehr locker – und Gerd’s Frau hat es sich nicht nehmen lassen, uns Kaffee und Plätzchen anzubieten.

Da steh ich ja total drauf 🙂

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Gerd hat eine sehr schöne Werkstatt – sehr groß und vor allem mit Tageslicht.

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Im hinteren Bereich lagern Holzvorräte und „diverse Kleinigkeiten“.

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Im vorderen, hellen Bereich wird mit dem Handwerkszeug gearbeitet. Hier der Werkzeugschrank mit den (gekauften) Hobeln und den Sägen.

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Ja, da kommt einiges an Sägen zusammen.

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Auch die historischen Sägen haben ihren Platz.

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Aber auch die herzurichtenden Hobel müssen irgendwo gelagert werden.

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Gegenüber warten die Edelhölzer auf ihren künftigen Verwendungszweck als Griff oder auch als Holzhobel.

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Und, wie könnte es bei einem Hobelbauer anders sein, ein Schrank voller selbst gebauter Hobel – allerdings hier nur einen Teil des gesamten Sortiments.

Wahnsinn!

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Diese Hobelbank hat Gerd selbst gebaut (Buche). Klassisch mit deutscher Vorderzange und Bankknecht. Hat was.

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Sehr interessant finde ich ja diese Art der Lagerung von den unzähligen Feilen, Raspeln und Hammern (oder Hämmer? keine Ahnung, was der korrekte Plural von Hammer ist; mehrere Hammer eben).

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Die vielen kleinen Dinge, die man so in einer Werkstatt braucht, finden in den vielen Schubkästen ihren Platz.

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Die Säge (noch so ein Gussmonster), im Hintergrund die Absaugung und ein Tellerschleifer.

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Eine richtig schöne Tischbohrmaschine. Die macht nicht den Eindruck, als ob sie vor einem ausgewachsenem Stück Stahl Angst hätte.

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In der Maschinenecke findet sich so einiges Interessantes.  DSCF0836

Es geht los mit einer Feilmaschine, die man aber auch als Kupiersäge umbauen kann.

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Die Bandsäge – schon „sehr alt“ – und funktioniert tadellos. Da könnten sich die heutigen Maschinenhersteller mal eine Scheibe von abschneiden.

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Eine Horizontalfräse – hier als Langlochbohrmaschine genutzt .

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Und eine ausgewachsene Bandschleifmaschine – Achtung, ich beisse.

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Die Drechselmaschine ist neu – die beiden müssen sich erst noch aneinander gewöhnen (da geht es ihm genauso wie mir mit meiner „neuen“ Drechselmaschine).

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Der Doppelschleifer – fürs Grobe mit einer Edelkorundscheibe bestückt (Korn 40).

Das war er, der Maschinenpark.

… gemerkt? Der Hobelbauer hat keine Hobelmaschine…

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Ich habe Gerd gebeten, mir einmal seinen Weg zu zeigen, wie er zu diesen „rattenscharfen“ Eisen kommt.

Neue Fasen werden auf dem Doppelschleifer ratz fatz angebracht.

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Dann geht es an die Feinarbeit in der Schärfecke. Die ist ein Traum. Direkter Wasseranschluss mit einem riesen großen Waschbecken (ich kenne die Dinger noch vom Fußballplatz, wo wir immer unsere Fußballschuhe sauber gemacht haben).

Mit der von Gerd entworfenen & gebauten Schleifhilfe (erhältlich bei Gerd) läßt sich der Winkel schnell und einfach einstellen. Der digitale Winkelmesser hilft dabei. Die Schleifsteine werden mit zwei Keilen fixiert. Alles liegt auf einer großen Schleifunterlage aus Korian.

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Die Spiegelseite machen wir auch gleich noch mit.

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Für besondere „Härtefälle“ hat sich Gerd ein Stückchen Holz so zurecht gemacht, dass das Hobeleisen genau reinpasst – so kann das Eisen besser geführt werden. Sehr praktisch.

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Die Feinarbeit an der Spiegelseite erledigt Gerd mit seiner Geheimwaffe.

Er legt eine MDF Platte für mehrere Tage in z. B. Hartöl. So lange, bis die Platte nichts mehr aufnimmt. Das wird dann über mehrere Wochen getrocknet und die Oberfläche anschliessend mit einem Hobel geplant. Das ganze wird dann auf eine Trägerplatte aufgebracht, um sie besser einspannen zu können.

So hat er sich drei Platten präpariert. Auf diese trägt er Diamantpaste auf – ganz, ganz wenig (so ca. Stecknadelkopf groß). Die Pasten sind in der Abstufung von 40, 15 bis rauf zu ca. 3 Mikron. Gelagert werden die Platten – jeweils – in luftdichten Plastikschüsseln, zusammen mit den Dia – Pasten.

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Jede Körnung braucht nur ein paar Züge. Man spürt förmlich, wie die Paste arbeitet.

Kleine Anmerkung am Rande: der Schraubstock ist eine Wucht – echt beeindruckend diese Wuchtbrumme…

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Nach nicht einmal 2 min. macht die Spiegelseite ihrem Namen alle Ehre – und hier haben wir es noch nicht einmal auf die Spitze getrieben.

Das hätte ich – so – mal eher gezeigt bekommen sollen!

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Gerd wollte mir gerne noch einige von seinen Nut- und Falzhobeln zeigen, nachdem ich mit dem Veritas Nuthobel überhaupt nicht glücklich geworden bin (und ihn nun wieder verkauft habe).

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Ist der nicht „süß“ – der Kleine (ein Rapier)? Den und noch einen Record Nr. 405 (Multi Plane) hat Gerd mir verkauft.

Da Habe ich mich richtig gefreut – solche Hobel kriegt man Heute sonst gar nicht mehr zu kaufen.

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Ich wollte aber auch einmal die Gelegenheit nutzen und mit so einem wunderschönen Hobel von Gerd zu hobeln. Ausprobiert habe ich dann seine Rauhbank – einfach toll!

Da kann sich meine LN Rauhbank – ganz weit – dahinter verstecken.

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Weil ich aber bei einem echten Hobelbauer zu Besuch war, habe ich – natürlich – die Gelegenheit genutzt, mir einmal den Weg vom Rohen Metall hin zu einem fertigen „Fritsche Hobel“ zeigen zu lassen.

Die Metall Teile läßt Gerd lasern. So kommen sie dann bei ihm an. Hier wurde die Froschaufnahme bereits von ihm angebracht.

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Die Flanken und die Sohle müssen miteinander verheiratet werden – die Schwalben müssen also an die Sohle angepasst werden.

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Hierzu hat sich Gerd eine Lehre gebaut, in die die rohen Teile genau passen.

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So fixiert, können die Teile bearbeitet werden (wenn man das kann, ich hätte da wohl meine Problemchen…).

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Und weil das ganze ja kein Kindergeburtstag ist, hat Gerd auch richtiges Männerwerkzeug.

Dass nenne ich mal eine Feile 🙂

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So wunderschön kann ein Hobel dann aussehen. Da werde ich fast ein wenig neidisch.

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Ein kleines Spielchen konnten wir uns nicht verkneifen. Es heißt immer, die Flachwinkler könnten schwieriges Holz wie dieses besonders gut hobeln und ein Bevel down (Fase unten) Hobel könnte das nicht so gut.

These: viel entscheidender ist es, ein – wirklich – scharfes Eisen zu haben; neben einem perfekt eingestellten & funktionierenden Hobel (selbstredend).

Na, schaun wir mal…

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Der Hobel wird also schön sauber & sehr fein eingestellt mit einem dünnen Stückchen Holz.

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Nach ein paar Hobelzügen sieht selbst dieses, echt fiese, Holz wunderschön aus und glänzt.

These belegt.

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Um evtl. Rost keine Chance zu geben, werden die Hobel von Zeit zu Zeit mit diesem Mittelchen behandelt.

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Aber auch einen Hobel im Krenov Stil baut Gerd schon gelegentlich. Hier „mal eben“ aus einem Stückchen Eiche vom Brennholzstapel.

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So sieht dann ein fertiger Hobel im Krenov Stil von Gerd aus.

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Stolz hat mir Gerd noch seine historische Säge gezeigt (Biedermaier – Zeit?).

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Das ist sogar noch geschnitzt. Schön zu sehen, dass man auch „so“ arbeiten kann und es nicht immer nur auf schnell, schnell und Gewinnmaximierung ankommt.

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Da mußte ich ein wenig schmunzeln. Meine Vermutung hat sich dann auch bestätigt. Das ist das Material, aus dem Gerd ein Sägeblatt für mich machen wird für mein „Rahmensägen Projekt“.

Da freue ich mich schon sehr drauf. Wir werden uns wiedersehen.

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So sieht dann ein frisch gelasertes Blatt aus (in diesem Fall für eine Rückensäge).

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Die unzähligen diversen Vorlagen, z. B. für die Griffe. Da kommt ganz schön was zusammen.

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Einige Griffe befinden sich schon in Arbeit – das fällt ja nicht vom Himmel.

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Zwischendrin noch ein Test mit verschiedenen Sägen.

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Tara – eine echte Premiere! Die erste, von Gerd gebaute Rückensäge.

Hier mal in der Übersicht vom rohen Holz (geriegelter Ahorn / unten), über den grob ausgesägten, hin zum fertigen Griff an der Rückensäge. Dazwischen liegt viel Können, Wissen, Arbeit – und ein „Trick“ wie das Holz eine so wunderbare Färbung bekommt 🙂

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Ich hatte die Möglichkeit, mit ihr schon zu sägen zu dürfen. Ich war geneigt zu sagen, „so eine hätte ich gerne“. Meine Lie Nielsen müssen sich da hinten an stellen.

Hm – toll. Jetzt bin ich offenbar infiziert – mit dem Sägen Virus. Danke auch Gerd!

🙂

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Zum Schärfen der Sägen hat sich Gerd eine Kluppe selbst gebaut (Eiche).

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Nach der „KISS“ Regel (keep it short and simple) befestigt Gerd an der Spitze einer herkömmlichen Dreiecksfeile ein Stückchen Holz. Auf diese Art & Weise kann der Winkel einfach gehalten werden.

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Ein wenig komfortabler ist dann schon diese Winkellehre.

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Und noch einen Schritt weiter geht dann diese „Feilenführung“ – die nutzt Gerd aber nicht mehr sehr oft.

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Ein kleiner Auszug von den Schränkzangen (Eclipse Nr. 77).

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Und weil es beim Sägenschärfen recht klein zugeht, hat Gerd sich eine große, beleuchtete Lupe zugelegt.

Kann man durchaus brauchen, so ein Teil.

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Auch hier wieder. Eine selbst gebaute Halterung.

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Damit kann er die Griffe gut spannen.

Bei dieser Gelegenheit durfte ich einmal erleben, welchen Unterschied es macht, mit einer richtigen Feile & Raspel zu arbeiten.

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Und gerade, als ob ich nicht schon genug beeindruckt gewesen wäre, dann noch das. Dieses Boot hat Gerd komplett selbst gebaut! Was sagt man dazu?! Ich bin sprachlos.

Das war ein sehr schöner Vormittag. Ich habe mich riesig gefreut, Gerd und seine Frau kennen lernen zu dürfen. Der Einblick in seine Werkstatt und das, was dort hergestellt wird, wird mich sicherlich noch sehr lange begleiten.

Herzlichen Dank an Gerd und seine Frau!

 

 

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6 Kommentare zu “Besuch bei Gerd Fritsche”

  1. Hallo Tom,
    dein Bericht ist wirklich gut geschrieben! Beim Lesen bekomme ich gleich selber wieder Lust mich nochmal mit meinen Hobeleisen zu beschäftigen. Die sind zwar nicht von der Qualität wie von Gerd Fritsche, aber scharf genug können diese auch nicht sein.
    Den Tipp mit der Diamantpaste finde ich sehr interessant. Wobei sicherlich mehrere Wege nach Rom bzw. scharfen Eisen führen :-).
    Schönen Gruß,
    Dominik

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  2. Guten Morgen!

    Ich lese die pragmatischen Tipps etc. von Herrn Fritsche im bekannten Woodworking-Forum recht gerne. Er scheint niemand zu sein, der aufgrund seines Könnens auf andere herabblickt („Neulinge“, „Schreibtischtiger“ noch im „schlimmsten“ Fall).

    Ich kenne seine Homepage mit dem Blog und dem Onlineshop und dachte mir schon seit Monaten: „Mensch, ich wünschte ich könnte mal zwei Wochen Urlaub machen und währenddessen ein Praktikum bei ihm, damit ich auch kennenlerne, wie man vielleicht einen Hobel baut, oder in der Kürze der Zeit wenigstens das Basiswissen für die Herstellung von Hobeleisen“. Mir ist klar, dass das naiv ist, es stehen vermutlich (?!) jahrzehntelange Erfahrung dahinter – und eine Ausbildung und / oder ein einschlägiges Studium.

    Tja, und jetzt dieser Blogeintrag. Ich bin begeistert, großes Lob schonmal an den Blogbetreiber! Tolle Fotos – und schön, wie Du die Arbeit von H. Fritsche in den Vordergrund treten lässt und Dich selbst dabei zurücknimmst.

    Meine Naivität nimmt jetzt aber überhand, denn nun habe ich plötzlich das unstillbare Verlangen, meinen Schreibtischjob zu kündigen und bei Herrn Fritsche eine komplette Lehre anzufangen. Was für eine Traumvorstellung, die nächsten Jahrzehnte über mit individueller Werkzeugherstellung in Premiumqualität zu verbringen. Schade, das wird wohl nicht passieren und im Januar muss ich wohl wieder dahin… an den Schreibtisch. 🙂

    Ich wünsche alles Gute!

    PS:
    Interessant, wie unterschiedlich die Ansprüche sind – bin mit meinem Veritas-Nuthobel vollkommen zufrieden. Oder auch mit meinen Juuma- und sonstigen Hobeln: Die machen ja alle, was sie sollen. Aber klar, hätt‘ ich die Möglichkeit, würde ich auch sofort zugreifen bei noch besserer Qualität.
    PPS: Ach ja, die gute Rahmensäge. Letztes Jahr das Tom Fidgen-Buch geschenkt bekommen. Seither weiß ich, dass es sowas gibt, seither wurmt mich das Thema genauso wie den Blogbetreiber. Ich hoffe Du haltest uns auf dem Laufenden!
    Wird Herr Fritsche Sägeblatt und ggfs. Metall-Kleinteile vielleicht in seinen Onlinekatalog mit aufnehmen?

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    1. Schönen guten Morgen Herr P,

      Gerd bietet auch einen Bausatz für die Hobel an; evtl. ist das eine Alternative für Dich? Ob er das Sägeblatt für die Rahmensäge auch in sein Angebot mit aufnimmt – ich werde ihn fragen.

      Herzliche Grüße

      Tom

      PS: ich hätte Dich sehr gerne mit „richtigem“ Namen angesprochen; mehr weiß ich aber nicht über Dich 🙂

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  3. Hallo Tom,

    ja, das kann nur beeindrucken. Fachmann, Persönlichkeit aber auch besonderes Umfeld. Das ist wohl eine besondere Erinnerung an die Vorweihnachtszeit 2014, die Dir da mitgegeben wurde. Wenn man die Bilder betrachtet, dann werden die eigenen Bilder im Kopf sofort wieder hergestellt. Es ist eine sehr schöne Begegnung zu früherer Zeit, die auch ich nicht missen möchte, und ich freue mich auf das nächste Treffen. Dir viel Glück mit Deinen Rahmensägeprojekt,

    herzliche Grüße

    Uwe

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  4. Servus,

    toller Bericht!
    Ein kleiner Fehler hat sich aber eingeschlichen:
    Die Langlochbohrmaschine ist eigentlich eine als Langlochbohrmaschine missbrauchte Horizontalfräse (für die Metallbearbeitung) 🙂

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