Bücherregal für Lina

Lina hat sich ein Bücherregal gewünscht – aber „der Papa soll das Regal mit mir bauen“. Was kann der Papa da schon entgegensetzen?

Also ab in den Keller – wir haben tatsächlich noch eine Gerüstbohle vom Baumhaus übrig. Das sollte reichen.

Hier die Bilder von 2,5 Stunden von Papa mit Lina in der Werkstatt

🙂

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Das Brett, aus dem das Bücherregal entstehen soll. Mehr haben wir nicht mehr in unserem „Holzlager“ im Keller.

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Papa – das Buch muß da reinpassen. Nun gut, schauen wir mal, was man da machen kann.

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Hier ist wieder Prozess Ablauf Logik gefragt. Das Brett ist aufzutrennen. Damit ich beim Auftrennen eine ebene Anschlagkante habe und dann nach dem Auftrennen schon eine Referenzfläche für die Dickte habe, werde ich die Bohle an allen vier Seiten hobeln. Nach dem Auftrennen müssen die Bretter dann nur noch einmal durch die Dickte – und fertig.

Andersrum wäre der Auftrenn Schnitt – sicher – nicht gerade geworden. Das Hobeln in der Dickte ist dann auch leichter – das macht die Maschine 🙂

Also – es geht los.

Ich kann mir wieder den Umstand zu Nutze machen, dass meine Ulmia Hobelbank und die Felder die gleiche Arbeitshöhe haben. Im ersten Schritt ist eine gerade Bezugsebene auf dem Hobel zu schaffen.

Das Brett ist (noch) 2,5 m lang. Das ist die maximale Dimension, die ich in meiner Werkstatt ohne groß umzustellen, auf den cm bearbeiten kann. Das Brett ist 20 cm breit. Auch das geht sich an der Absaugung & Tischbohrmaschine – gerade so – aus, dass ich nichts umstellen muß, das Brett aber noch durch den Hobel paßt. Ich könnte jetzt sagen, das hätte ich bei der Werkstatt Planung berücksichtigt – das wäre gelogen. Das hat sich „entwickelt“ – und ich hab „Glück“ gehabt. Darf auch mal sein.

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Nun wird die erste Kante in Bezug auf die eben gehobelte Fläche hergerichtet.

Der Anschlag der Felder ist zwar „gut“, beim Hobeln bewegt er sich dann aber doch ein wenig. Mein Vorbesitzer der Maschine ist mir ihr denke ich, nicht sonderlich pfleglich umgegangen. Wenn man den Anschlag neu justiert, muß ich immer noch mal nachmessen, ob der 90 Grad Winkel auch eingehalten ist. Ich denke, er hat „wie ein Schmied“ die Sicherungsschrauben angezogen – mit dem Effekt, dass das weiche Alu ein wenig nachgegeben hat und nun für kleine Ungenauigkeiten sorgt.

Jetzt weiß ich es und der Aufwand ist nicht sonderlich groß. Neu hätte die Maschine das dreifache gekostet…

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Nun kann dann auch die zweite Kante zur ersten in der Dickte parallel gehobelt werden. Mit einem breiteren Brett geht das leichter, als mit zwei schmalen. Die kippen sehr leicht und mit einem genauen 90 Grad Winkel ist es nicht mehr weit her.

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Mit dem Maßstab „für Dummies“ mit der „0“ in der Mitte, läßt sich die Mitte des Brettes sehr schnell & einfach markieren.

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Mit voll ausgefahrenem Sägeblatt (Längsschnitt) schaffe ich etwas mehr als 10 cm. Geht sich genau aus.

Der erste Schnitt sitzt schon mal.

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Nun geht es an den zweiten Schnitt. Hier muss man höllisch aufpassen, dass man die gleiche Bezugsfläche erwischt – sonst ergibt sich ein blöder Versatz beim Schnitt und das spätere Brett wird – noch – schmaler.

Hier hat es aber sehr gut geklappt.

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Sieht schon mal gut aus.

Mit einer Bandsäge würde so was wahrscheinlich besser gehen. Die habe ich aber nicht – und Platz wäre auch keiner mehr. So geht’s auch.

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Jetzt macht sich der Aufwand vom Anfang bezahlt. Ich muß die beiden Bretter nur noch einmal durch die Dickte schicken. Fertig.

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Nun kann es „richtig“ losgehen.

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Die ersten Kapp Schnitte werden gemacht. Mehr als 80 cm gibt die Maschine rechts vom Blatt nicht her. Das reicht aber – sagt Lina.

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Die erste Anprobe.

Ja, so geht das ganz gut Papa. So können wir (…) es machen.

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Ein Trick, den ich von Garrett Hack habe.

Die Böden sollen mit einer Gratnut &-feder verbunden werden. Damit alles gerade ist, werde ich die Gratnuten in einem Zug fräsen. Wenn man die Bretter mit einem Tesaband zusammen klebt, kann – sicher – nichts verrutschen.

Die Gratnuten werden gerade – und einheitlich. So soll es sein.

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Vorher müssen aber erst noch die Maße vom lebenden Objekt auf die Bretter übertragen werden.

Gut, dass Lina aufpasst…

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Der Fräser gibt die Tiefe vor. Das mache ich „Auge mal pi“.

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Die Höhe wird dann mit Hilfe der neuen Einstell – Meßuhr eingestellt. Ein tolles Teil!

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Da soll sie dann hin – die Grat Nut.

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Ein wenig war ich schon aufgeregt. Eben bei diesem Bearbeitungsschritt sind mir schon 2 Fräser abgebrochen (jeweils so um die 50 €).

Hier habe ich mir aber gedacht, das ist weiches Holz, die Gratnut ist nicht so lang. Und schließendlich habe ich das Werkstück auch noch fixiert und am Queranschlag mit dem Anschlagbacken einen Widerhallt „eingebaut“.

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Diesmal hat alles wunderbar geklappt.

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Sieht gut aus.

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Kleiner Umbau an der Maschine und schon können die Gratfedern gemacht werden.

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Hat auch sehr gut geklappt.

Sollte sich hinterher beim Einbau noch eine gewisse „Unpässlichkeit“ ergeben, könnte ich noch mit dem neuen Grathobel Feintuning machen. Da ich heute „Glück“ hatte, würde der verwendete Fräser vom Winkel mit dem vom Hobel zusammenpassen. Sachen gibt’s…

Das war hier aber nicht nötig.

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Nachdem nun auch die Gratfedern angebracht sind, können die Böden noch gekürzt werden, damit die Rückwand noch vorbei kann. Das hat auch gleich noch den Vorteil, dass die Ausrisse vom Gratfedern Fräsen abgeschnitten werden (Stichwort: das Teil immer erst mit Übermaß bearbeiten und erst ganz am Schluss auf Maß sägen).

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Der Rohbau ist fertig.

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Lina darf mit dem Rotex schleifen. Da freut sie sich – und ich bin ziemlich stolz auf meine Große!

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Ein ganz klein wenig Kunst am Bau muß schon auch sein. Das Fußteil bekommt noch eine kleine Rundung. Das Schleifpapier muß als Vorlage herhalten.

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Und schon geht’s an das Aussägen. Lina paßt auf, dass der Papa alles richtig macht.

Das gleichzeitige Sägen der beiden Aussenteile hat gleich zwei Vorteile. Zum einen gibt es nur einmal Ausrisse. Zum anderen haben beide Teile – sicher – die gleiche Form. Sieht sonst blöd aus – und spart viel Messarbeit.

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Papa – da muss man aber noch schleifen! Das ist ja noch gar nicht richtig glatt. Ts, ts, ts…

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Nun gut. In der Zwischenzeit kann ich mich dem Feintuning der anderen Teile widmen. Die Teile bekommen eine kleine Fase und die Front – Kante wird noch geglättet. Der Lie Nielsen Nr. 102 ist mir da eine große Hilfe.

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Schau mal Papa. Da kommt richtig tolles Engelshaar raus. Die will ich haben!

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Der Zusammenbau beginnt. Lina gibt in den Gratnuten vorne jeweils nur ca. 2 cm Leim an. Dann sind die Böden gesichert. Vorne bleibt eine einheitliche und glatte Kante. Nach hinten kann das Holz aber arbeiten.

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Mit ein wenig gutem Zureden, gehen die Böden dann auch rein.

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Nun noch Maß nehmen für die Rückwand (klar, wieder am lebendem Objekt…).

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Lina freut sich. Fertig.

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Dafür, dass alles komplett ohne Plan und quasi „aus dem Stand“ gemacht worden ist, ist es recht ordentlich geworden.

Lina freut sich – Papa auch.

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4 Kommentare zu “Bücherregal für Lina”

    1. Hallo Wolfram,

      der Fräser war bei meiner Leigh D4R mit dabei. Konkret war das der „60/8“ (8 mm Spannzange; ich meine, der hat einen Winkel von 17 Grad). Auf die Schnelle habe ich leider keine genau passende Seite im Netz gefunden. Wenn Du aber bei Hacker in Rosenheim anrufst, helfen sie Dir da sicher gerne & schnell weiter (http://www.leigh.de). Alternativ gehen natürlich auch die von Festo – billiger wird das dann aber auch nicht…

      Ich bin mittlerweile der Ansicht, dass bei mir aus zwei Gründen die Fräser abgebrochen sein können. Zum einen habe ich das Werkstück nicht genug fixiert. Durch die dadurch entstehende Bewegung und den sehr langen Hebel bricht so ein filigraner Fräser schon mal ab – die Kräfte potenzieren sich da offenbar ziemlich. Zum anderen war ich wahrscheinlich ein wenig zu schnell beim Vorschub (die Fräser sind mir im Hartholz abgebrochen). Da liegt die Kraft dann offenbar tatsächlich in der Ruhe & Langsamkeit.

      Dir viel Erfolg!

      Herzliche Grüße

      Tom

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  1. Hallo Tom,
    das schaut super aus und das ganze in nur 2,5 Stunden, naja ihr ward ja auch zu zweit 😉
    An eine Gratnut /-feder Verbindung werde ich mich jetzt auch mal ran wagen, da hab ich noch viel Respekt davor.

    Grüße

    Andreas

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