Die letzte Mühle in München

Mir war nicht bewusst, dass es in München nur noch eine (!) Mühle gibt. Ich bin über Jahre hinweg an dem sehr unscheinbaren Gebäude vorbeigelaufen. Von Aussen sieht es aus, wie viele andere auch. Erst anlässlich einer Stadtführung haben wir erfahren, welcher Schatz da noch mitten in der Stadt ist.

Es ist – tatsächlich – die letzte ihrer Art.

Sie heißt „Kunstmühle“, weil es damals, als es noch mehrere gab, eine „Kunst“ war, gutes Mehl zu mahlen. Heute ist noch eine – kleine – Bäckerei angeschlossen. Das Brot dort schmeckt anders. Man ist das „richtige“ Brot gar nicht mehr gewohnt. Wahrscheinlich sind die Geschmacksnerven schon verdorben von den vielen Emulgatoren, chemischen Zusätzen und dem ganzen Dingen, die in unseren Broten drin sind und von denen wir aber lieber nichts wissen wollen.

Diesen Artikel gibt es – auf dieser Seite – , weil ich der Meinung bin, dass es wichtig ist, „altes Wissen“ weiterzugeben. Es liegt an uns, diesen Schatz über die Generationen zu retten. 

Wir kaufen seither sehr gerne wieder „richtiges“ Brot. Es hat jeder in der Hand. Und in dem Fall von der kleinen Bäckerei kostet es auch nicht – sehr – viel mehr. Die Semmeln sind ein wenig kleiner. Aber das ist wie immer im Leben.

Ist wirklich die Größe entscheidend oder nicht eher das, was man davon hat?

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Die beiden einzigen – kleinen – Hinweise auf der Strasse Mitten in der Innenstadt (hinter dem Hofbräuhaus) auf die letzte Mühle.

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Sie ist übrigens die einzigste  Mühle hier in der Gegend, die noch das „00“ Mehl machen kann. Die Pizzabäcker könnten ohne dieses Mehl keine Pizza machen. Da die „richtigen“ Bäcker langsam aber sicher immer mehr von den Discount „Bäckern“ vertrieben werden (die aber nur noch Backmischungen warm machen…) und es (fast) keine mehr gibt, die noch selbst backen, besteht der Hauptkundenstamm der Mühle zwischenzeitlich auch aus den  Pizzerien in München. So ändern sich die Zeiten.

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Das alte Stehpult im „Mahlraum“. Hier werden die Aufträge bearbeitet und die Maschinen überwacht. Die sind > 100 Jahr alt – und arbeiten noch immer einwandfrei. So kann’s auch gehen. Ein Traum, wenn man bedenkt, wie lange heutige Maschinen im harten gewerblichen Einsatz „halten“…

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In der Mühle arbeiten insgesamt 8 Maschinen, mit je 2 Walzwerken.

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Einfach schön anzuschauen. Kein Firlefanz. Einfach. Funktional.

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Das sind die Walzen, zwischen denen das Mehl zerrieben wird. Die Oberfläche wird von Mahlgang zu Mahlgang feiner.

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Diese Mühle ist auch heute noch in Betrieb. Mit ihr wird das Vollkornmehl gemahlen.

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Sogar eine alte Hobelbank (Ulmia?) steht da noch rum. Ab und zu wird sie auch noch gebraucht wurde mir versichert.

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Über Aufzüge wird das gemahlene Mehl in die darüberliegenden Stockwerke transportiert.

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Oben angekommen wird es in den Rüttlern gesiebt. Die Rüttler hängen übrigens nur an Bambusstäben. Die sind am flexibelsten und halten am besten. Echtes Hightech.

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Diese Siebe sind in den Rüttlern verbaut. Nach unten hin wird’s immer feiner.

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Das konnte sich Niklas mit seinen 5 Jahren nicht verkneifen. Der Lauser 🙂

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Über diese Wendelrutsche werden die Mehlsäcke nach unten transportiert. Früher wogen die Säcke noch bis zu 100 kg! Das mußte auf dem Rücken transportiert werden. Heute sind’s nur noch 25 kg…

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Dennoch ganz schön schwer.

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Richtig lecker. – So – sieht richtiges Brot aus.

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