Hocker – Teil 1

Vielleicht kennt Ihr das auch? Man ist im Garten, möchte sich gerne „irgendwo“ hin setzen, aber nicht unbedingt gleich in den Rasen oder die Erde. Das gleiche bei der Gartenarbeit. Dieses andauernde, ewige knien geht ziemlich in die Knochen. Ich werde wohl alt 🙂

Ein Hocker muß her!

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Einen Hocker soll die Oma von uns zum Geburtstag bekommen. Den hat sie sich für die Gartenarbeit gewünscht. Normale Stuhlbeine scheiden daher aus – die drücken sich immer in die Erde / den Rasen ein. Wir brauchen einen Stuhl mit größerer Auflagefläche am Boden.

Niklas hat schon mal einen Plan gezeichnet. Es kann also los gehen

🙂

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Auf dem Weg zu unserem Holzhändler sind wir am Isar Kanal vorbeigekommen.

Die ganz hart Gesottenen lassen sich vom Wetter nicht abhalten. „So was“ hält man aber bei rd. 15 Grad Aussentemperatur auf dem Wasser nur mit (mindestens) 3 Mass Bier aus. Quasi als „Wies’n Training“.

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Und welches Holz wollen wir jetzt für den Stuhl von der Oma nehmen Papa?

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Das möchten wir – da können wir schöne Sachen draus machen.

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2 Bretter Eiche haben wir aber auch noch ergattert. Das war mir lieber, als die Fichte. Und Herr Gar hat uns dann sogar bereits gehobelte Bretter zum Preis vom rohen Holz gegeben. Bin ich auch nicht böse, wenn ich nicht gar so viel hobeln muss.

Ein leidiges Thema: Wie soll der Hocker aussehen?

Wir haben mal wieder unseren bewährten Weg beschritten – und den Gockel – Bildersuchdienst bemüht. Wir haben uns dann für eine Mischvariante entschieden. Es wird im Kern einer, wie hier abgebildet, aber mit den Rundungen in der Sitzfläche von dem in der Mitte abgebildeten. Zusätzlich möchte ich noch eine Querverstrebung unten einbringen – das wird mir sonst zu instabil.

Die Maße habe ich von meinem Werkstatthocker – grob – übernommen (vor allem die Sitzhöhe).

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Die Schnittliste ist dann auch schnell erstellt. Ich nummeriere mir die gleichen Teile immer durch und arbeite mich dann von Aussen nach Innen durch.

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So. Nun kann es also losgehen. Das sind die beiden Bretter von unseren heutigen Jagd. Weil das aber doch wieder ein wenig knäpplich werden wird, habe ich noch ein wenig gewühlt und noch zwei Restbretter Eiche gefunden.

Das muss reichen.

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Zunächst müssen die Bretter auf „Werkstattgröße“ gekürzt werden. 4,4 m kann ich hier einfach nicht bearbeiten…

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Nun geht es daran, die Bretter so aufzuteilen, dass das Holz reicht, aber der Hocker dennoch ausreichend stabil ist.

Da hilft mir meine Felder und der Parallelanschlag. Geht prima.

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Mit diesen kleinen, selbst gebauten Hilfsmitteln kann ich auch schmale Teile sicher am Sägeblatt vorbeiführen, ohne Angst um meine Hände zu haben.

Für „Fritz & Franz“ hat’s bei mir immer noch nicht gereicht. Auch eines dieser „das muss ich dann mal machen – Projekte“…

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Der Parallelanschlag ist zwar sehr gut – wirklich gerade ist ein Sägeschnitt aber dann doch nicht.

Also wieder auf die Hobelmaschine und an einer Ecke einen 90 Grad Winkel angebracht.

Die Leisten lege ich mir in diesem Stadium immer noch so hin, wie sie aus dem Brett gekommen sind. So kann ich die Holzmaserung besser beurteilen und habe beim Hobeln nicht so ein Theater mit Ausrissen. Wobei das erst später beim Hobeln / Verputzen mit der Hand richtig relevant werden wird.

Aber gute Vorarbeit hat noch nie geschadet.

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Kleine Zeichen helfen mir dabei, die wirklich vielen Einzelteile nicht durcheinander zu bringen. Die „X“ zeigen mir, dass dort noch zu hobeln ist.

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Nachdem der erste Winkel an der Hobelmaschine angebracht ist, kann ich die Leisten durch die Dickte schicken, um die Flächen zueinander parallel zu bekommen.

Das ist eine wirklich tolle Erfindung gewesen! Per Hand geht das auch, dauert aber – deutlich – länger und wird wahrscheinlich auch lange nicht so genau (zumindest bei mir…).

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Niklas macht sich nützlich. Da hinten kann ihm auch nichts passieren und er ist aufgeräumt.

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Ne ganze Menge Holz haben wir da jetzt.

Nun kann es losgehen.

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Im ersten Schritt werden die Teile abgelängt. Am liebsten säge ich Teile, die hinterher die gleichen Maße haben sollen, gleichzeitig.

Das ist am genauesten.

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Beim Messen nehme ich bei großen Maßen am liebsten mein Alu – Meter Maß. Das Maßband ist wirklich nur für grobe Arbeiten geeignet. Die Alu Leiste hat keine Nieten, die sich um 1 – 2 mm verschieben können.

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Jetzt ist es also doch passiert.

Der Zuschnitt ist soweit durch – und wir haben noch zuviel Holz! Und nu? Mal eine ganz neue Situation – sonst ist es immer anders rum.

Na, dann machen wir eben nicht nur zwei sondern einfach drei Stühle. Auch gut. Kann man immer gebrauchen. Und die Arbeit ist ja fast die gleiche und es dauert nur unwesentlich länger. Einen einzelnen Stuhl zu bauen ist, was die Effizienz angeht, am ungünstigsten.

Hier kann ich nun „vom lebenden Objekt“ (= Leisten) die Maße auf das noch vorhanden Eichen Brett übertragen – natürlich mit Zugabe für die Schnitte und etwaige kleinere Fehlerchen…

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Einfach strukturierte Männer wie ich brauchen Ordnung. Jeder Stuhl hat nun seine Teile. Jeder Stuhl hat seine Reihe; die Reihen sind so geordnet, wie die Nummern in der Schnittliste. So fällt gleich auf, wenn irgend was fehlt, oder anders ist, als bei den anderen und man muß nicht bei jedem Teil überlegen, wo welcher Schnitt wie hin muß.

Um mir das Leben zu erleichtern, habe ich die Leisten quadratisch gemacht – dann wird das mit dem Messen nicht ganz so kompliziert. Einzig die Sitzfläche bekommt breitere Leisten.

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Die vielen Teile für sich müssen natürlich auch eindeutig gekennzeichnet werden.

Mache ich das nicht, komme – ich – sicher früher oder später völlig durcheinander und das Chaos ist perfekt.

Ich ziehe meinen Hut vor Menschen, die das nicht brauchen!

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Erster Versuch für die Verbindungen der Streben. Ich sollte Zapfen machen mit der Stemm Maschine.

Das hier auf dem Bild wird mir aber „zu heiß“. Da ist unten und an der Seite kein „Fleisch“ mehr. Das hält wahrscheinlich nicht. Den Zapfen aber großartig dünner zu machen lohnt auch nicht. Darauf lastet dann ja später die ganze Last.

Zapfen scheiden also aus.

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Nächste Idee – Schlitz & Zapfen. Das sollte gehen.

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Da kommen einige Schlitze & Zapfen zusammen. Das werde ich mit der Tischfräse und dem Verstellnuter machen.

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Um nicht wieder auch noch ein Messinstrument justieren zu müssen (und evtl. weitere Fehlerquellen aufzutun) übertrage ich das Maß (Fräshöhe) von der Leiste, an der ich eben schon die Maße angezeichnet habe.

Warum sich das Leben unnötig schwer machen, wenn auch einfach geht?

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Das gleiche mit der Frästiefe, die der Dicke der Leisten entspricht.

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Erster Versuch an der Tischfräse.

Ich lege 4 Teile, welche die gleiche Färsung erhalten sollen hintereinander und fräse sie gleichzeitig. Hinten am Austritt des Fräsers kommt noch ein Opferholz dazu, um Ausrisse zu minimieren. Um meine Finger zu schonen – und das Holz besser halten zu können, fixiere ich die Leisten mit dem Niederhalter.

Soweit so gut.

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Hm. So gut war’s dann doch nicht. Der Niederhalter kann doch nicht alle Teile gleichzeitig ausreichend fest halten. Die Fräse hat ein Teil „gefressen“…

Und nun? Im Anflug einer Naivität habe ich keine „Ersatzteile“ geschnitten.

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Glücklicherweise habe ich aber noch Leisten mit den richtigen Aussenmaßen übrig. Die müssen nur noch auf das richtige Maß gebracht werden.

Meine Sägelade (zusammen mit der Lie Nielsen Säge) und die Stoßlade (zusammen mit dem Lie Nielsen Bestoßhobel Nr. 51) helfen mir hier mal wieder sehr gut.

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Nach dem nun also die Schlitze fertig sind, kann es auch schon an die Zapfen gehen.

Unterkante Zapfen = Oberkante Schlitz.

Das Maß wird übertragen – ach ja. Als Feigling mache ich bei solchen Sachen IMMER vorher den Hauptschalter aus.

Sicher ist sicher…

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So geht es besser. Teil für Teil nacheinander und mit Splitterschutz hinten.

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Schön geworden. Alle Teile sind gleich und fluchten perfekt.

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Und wieder. Die Teile immer wieder markieren. Wichtig ist nur, das man bei den vielen Zeichen am Ende nicht durcheinander kommt 🙂

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Ein klein wenig Nacharbeit ist hie und da dann doch noch nötig. Dabei helfen mit der Lie Nielsen Simshobel Nr. 610 und der Lie Nielsen Float. Der Float ist neu. Ein tolles Teil! Die Oberfläche wird deutlich besser, als mit einer Feile. Der Vorteil ist auch noch, dass das Ding schärfbar ist.

So was mag ich ja – wenn man sich selbst behelfen kann und nicht darauf angewiesen ist, dass es ein Teil x oder y in 20 Jahren noch gibt.

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Ein erster Trockentest, ob alles richtig zusammengeht.

Sieht schon mal gut aus.

Es geht weiter mit „Hocker – Teil 2„.

 

8 Kommentare zu “Hocker – Teil 1”

  1. Hallo…… Wieder mal ein sehr schöner Bericht, und aufgrund der relativen lokalen Nähe immer nett, kleine Impressionen aus der Heimat zu sehen…. Vor allem die Bilder hier von dem Holzhandel verleiten mich dann doch zu einem Kommentar/Frage….
    Ist das der Holzhandel in Egling, und ist der wirklich gut ?
    Scheinbar zumindest sehr netter Kontakt.

    gruss…Uwe aus Penzberg

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    1. Hallo Uwe,
      Ich kaufe sehr gerne bei Holz Gar ein. Immer sehr nett, nimmt sich Zeit und – er verkauft an Privat. Um die Ecke noch einen Fisch mitgenommen und auch die Regierung ist wohlgesonnen -:). Ich komme mir dort immer sehr gut aufgehoben vor. Leider hat er nur „gängiges“ Holz (z. B. Fichte, Eiche, Douglasie) auf Lager und zum Aussuchen – auch „das Brett ganz da unten“…. . Er bestellt aber „jedes“ Holz.
      herzliche Grüße

      Tom

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  2. Toller Artikel!
    Ich beneide Dich ja wirklich um die Felder…
    Meine Werkstatt ist ähnlich groß / klein wie Deine, aber bei weitem nicht so aufgeräumt.
    Ich freue mich auf den zweiten Teil!
    Herzliche Grüße aus Lübeck!
    Frank

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  3. Hallo Tom,
    als Dein neues Werkzeug hast du den Lie Nielsen Float vorgestellt.
    Bei den angesagtesten Händler wie Feine Werkzeuge oder Dictum
    habe ich den Float nicht gefunden.Kann es sein,das man den Lie
    Nielsen Float aus den USA bestellen muss?.
    Herzliche Grüße
    Klaus B.

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    1. Schönen guten Abend Klaus,
      ich habe den Float direkt im Laden in München gekauft. Auf der Seite von Dictum (http://www.mehr-als-werkzeug.de/product/715160/Lie-Nielsen-Fraeserfeilen-Hobelbett.htm) findest Du den Float unter Fräserfeile (BestNr. 715160). Sollte Dictum mal ein Lie Nielsen Werkzeug nicht haben, bestellen sie es Dir – dann hast Du das Theater mit dem Zoll nicht. Eine andere Möglichkeit ist, in GB zu bestellen. Von dort habe ich die beiden – ganz neuen – Nr. 98 & 99. Die Seite von Lie Nielsen geht gerade nicht – findest Du dann aber unter den dort gelisteten Händlern. Das lief – völlig – problemlos.

      Herzliche Grüße

      Tom

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  4. Hallo Tom,

    kurze Anmerkung zum Maßband: Der Haken muss lose und (um dessen Starke) verschiebbar sein, sonst sind keine Innen- UND Außenmessungen möglich.
    Der „wackelige“ Haken sagt erst mal nichts über die Genauigkeit des Maßbandes aus.

    Grüße

    Micha

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    1. Schönen guten Morgen Micha,
      das stimmt – persönlich liegt mir ein starres Messinstrument aber besser. Wohl auch, weil ich es gerne mal „im Eifer des Gefechtes“ nicht hinbekomme, zu berücksichtigen, ob der Haken nun gerade in der einen- oder anderen Position war / zu sein hat. Es bleibt – ein weiterer Aspekt – den man beim Messen zu berücksichtigen hat. Neben den vielen anderen Dingen, die „bei so was“ schon schief gehen können. Aber: da hat ja jeder seine Präferenzen.

      Am liebsten nehme ich gar kein Messinstrument und nehme „am lebenden Objekt“ das Maß – da gibt’s solche Themen nämlich gar nicht. Das passt immer.

      Herzliche Grüße

      Tom

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