iPhone Schutzhülle

Ja, ich habe ein iPhone- und ich bereue nichts :-). Das Ding ist nur leider recht mimosenhaft und da man (ich) es auch meist dabei hat, muss es einiges aushalten. Die käuflich zu erwerbenden Schutzhüllen gefallen mir nicht bzw. haben sich nicht bewährt. Bei der bisherigen fällt das Telefon schon mal aus der Hülle raus, wenn man es „falsch“ aus der Tasche zieht. Da hat jemand bei der Konstruktion echt mitgedacht… Als Holzwurm hat es sich angeboten, das Problem nun selbst zu lösen.

Meine Anforderungen an eine Schutzhülle für ein Mobiltelefon sind:

– stabil,

– leicht und

– das Telefon soll unkompliziert ohne Schutzhülle benutzt werden können.

Eine iPhone Schutzhülle muss her.

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Es geht los. Das Kleine soll in das Große.

Weil mir die Maserung vom Zwetschgen Holz so gut gefällt (und ich noch Reste hatte) wird die iPhone Schutzhülle daraus gebaut.

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Ein passendes Stückchen ist schnell rausgeschnitten.

Ich habe lieber noch – deutlich – Übermaß gelassen, dann bin ich flexibler (und habe für „eventuelle“ Fehler noch Korrigiermasse 🙂

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Im ersten Schritt muss das Ganze erst einmal einigermaßen begradigt werden. Das geht mit der Maschine schneller – darf auch mal sein.

… erster live – Einsatz meiner Schiebehilfe

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Niklas wurschtelt auch ein wenig in der Werkstatt rum. Oh, war er da stolz, dass er mit dem „echten“ Stemmeisen arbeiten durfte. Auch, wenn er sonst so das eine oder andere mal mit dem Befolgen von dem, was die Eltern sagen, so seine Problemchen hat. Hier hat er sich penibelst daran gehalten – sonst wäre das Ding sofort weg gewesen.

Wenn er will, kann er – der Racker 🙂

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Das Stück Holz soll in der Mitt aufgetrennt werden. Bei einem Schnitt auf der Tischkreissäge würde ich rd. 3,2 mm für die Sägeblattbreite und noch einmal Hobeln verlieren. Das war mir zuviel.

… Hätte ich jetzt schon die Rahmensäge, würde ich den Trennschnitt damit machen. Da dem aber – noch – nicht so ist, behelfe ich mir mit meiner Gestellsäge.

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Noch verläuft der Schnitt nicht sonderlich.

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Ein kleiner Keil (… ein missbrauchter Schraubenzieher) hilft, dass das Sägeblatt nicht verklemmt.

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Hm – es ist auseinander. Punkt.

Die Zeit bis zum Bau meiner Rahmensäge muss ich jetzt eben erst noch überbrücken.

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Im nächsten Schritt möchte ich die Vertiefung für das Telefon fräsen. Meine Frässchablone im ersten Einsatz. 🙂

Den Fräser suche ich mir – einigermaßen – passend zur Rundung an den Ecken vom Telefon aus.

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Nun kann, ausgehend vom eingesetztem Kopierring, das benötigte Maß ausgerechnet werden, auf das die Schablone einzustellen ist (d.h. die Dicke vom Kopierring + Abstand zum Fräser (innen) sind zum benötigten Maß hinzuzurechnen).

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Das so ermittelte Maß kann nun an der Schablone eingestellt werden.

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Die benötigte Tiefe wird mit dem Kombinationswinkel eingestellt.

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Die Schablone noch fixieren und die Absaugung an die Fräse anschliessen.

Los geht’s!

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Na, das hätte ich mal früher machen sollen. Das geht ratz fatz und wird sehr gut.

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Das Telefon passt grundsätzlich schon mal rein.

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Ein ganz klein wenig mehr habe ich aber doch noch weg genommen. Weil ich ihn auch mal wieder ausprobieren wollte, hole ich den großen Grundhobel raus.

Das ist schnell erledigt.

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Jetzt passt das Telefon – bündig – in die Vertiefung. So soll es sein.

Nun ist gewährleistet, dass das Telefon beim Öffnen nicht ungewollt rausfällt. Wäre blöde…

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Damit die Schutzhülle in der Tasche nicht ungewollt aufgeht, bringe ich einen kleinen Magneten ein. Das Ding kostet – nichts -, besteht aus den „seltenen Erden“ und hat eine ausreichend große Kraft. Er ist nur eingepresst – mal sehen, ob das dann hält. Wenn nicht, kann ich ja immer noch Leim angeben.

Weil derjenige, der das Telefon konstruiert hat, offenbar noch nicht so gut mit dem Design Programm umgehen konnte, mußte ich noch eine kleine Vertiefung für die hinten überstehende Kameralinse anbringen (= kleine Kerbe in dem ausgefrästen Stückchen).

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Nun kann ich schon mal in der Höhe einen feineren Zuschnitt machen.

Fritz & Franz ist für so etwas super. Endlich kann ich das Schnittgut im !nicht Gefahrenbereich“ so anlegen, dass ich sehe, wo dann der Schnitt ist – Schnittkante = Kante von Fritz & Franz. Toll.

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Nun kann ich auch die zweite Seite begradigen. Hierzu übertrage ich das Wunschmaß ausgehend von der am Anfang gehobelten, ebenen Fläche mit dem Streichmaß ringsum.

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Jetzt kann ich mich sukzessive an das Wunschmaß mit dem Hobel ranarbeiten. Das macht Spaß.

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Ich muss mir noch über das Scharnier Gedanken machen. Eines aus Metall wollte ich nicht – darum. Basta.

Ich habe mich dazu entschieden, eines selbst zu machen. Dazu leime ich mir ein kleines Stückchen Holz in der Mitte vom Deckel an.

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So in etwa sollen die beiden Teile dann zusammen kommen. Ich habe versucht, die Maserung – einigermaßen – stimmig aussehen zu lassen.

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Der „Verleimaufbau“ – keep it simple 🙂

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In der Zwischenzeit, in der der Leim trocknet, kann ich schon mal den Gegenpart ausarbeiten.

Mit der kleinen Säge geht das sehr gut. Man darf sie nur nicht zu sehr belasten, die Madame. Sie will von den groben Händen gestreichelt werden. Sonst zickt sie unweigerlich rum und quittiert das mit einem gerissenem Sägeblatt.

Weichei 🙂

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Die Feinarbeit mache ich dann mit dem Stemmeisen.

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Nun muss ich ein Loch in mein selbst gebautes Scharnier machen. Da das ganz genau werden soll, markiere ich mir lieber exakt die Mitte.

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Als Grobmotoriker gehe ich dafür lieber an die Tischbohrmaschine. Die kann das lotrechte Bohren besser als ich per Hand.

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Hm – und woher nehme ich jetzt ein Scharnier?

Mein kleinster Boher hat 3 mm. Noch kleinere brechen bei mir einfach immer; das bringt nichts.  Selbst die kaufe ich, wie andere Leute Semmeln. Ts, ts, ts…

Wie es der Zufall so will, hat mein Nagel 2,7 mm. Wozu so ein Nagel nicht alles gut sein kann….

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Ein passendes Stückchen ist schnell mit einem Bolzenschneider abgetrennt.

Achtung – das andere Ende springt dann gerne weg (z. B. Auge?). Festhalten!

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Da hat es mal wieder jemand eilig gehabt.

Ich konnte es mir nicht verkneifen, das Scharnier gleich auszuprobieren. Passt. Wunderbar.

Dumm nur, dass ich die Ecken noch nicht abgerundet habe und sich die beiden Teile nun keinen mm mehr bewegen lassen. Und nu, alles kaputt?

Wie hat mein Vater immer gesagt? Dumm kann man sein, man muß sich nur zu helfen wissen. Der Herr Newton war ja ein recht schlauer Mensch. Und mit seinem Trägheitssatz im Hinterkopf, habe ich es dann – doch noch – geschafft, den Stift durch „sanftes“ Klopfen (Loch nach unten) wieder rauszubekommen.

Wieder um eine Erfahrung reicher…

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Aber nu. Die Rundung stelle ich mit einem Stemmeisen her. Mit der Oberfräse / Tischfräse und einem Viertelstabfräser war mir zu heiß. Da ist zu schnell zu viel weg – und ich kann von vorne anfangen.

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Die Rundung muß einen Halbkreis beschreiben -sonst läßt sich der Deckel nur um 90 Grad öffnen. Hier noch nicht perfekt. Das lasse ich jetzt erst einmal so – es sind noch weitere Anpassungsarbeiten zu machen, sonst habe ich kein „Fleisch“ mehr.

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Den mittleren Teil vom Scharnier runde ich mit dem kleinen „immer dabei Hobel“, dem Lie Nielsen Nr. 102 ab. Hier kann ich die Teile nun gut so aneinander anpassen, dass sich eine – einigermaßen – durchgehende Linie ergibt, die „dem Auge“ gefällt.

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Nachdem das erledigt ist, kann der Überstand abgeschnitten werden. Auch hier sind mir Fritz & Franz gute Helfer.

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Die finalen Verputz Arbeiten mache ich dann mit dem Lie Nielsen Nr. 164 in der Hinterzange. Richtig Druck kann / sollte man auf die Schutzhülle nicht mehr ausüben. Der Boden hat noch eine Wandstärke von rd. 2 – 3 mm; sonst wird das Ding zu schwer.

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Die erste Qualitätskontrolle hat die Schutzhülle schon einmal bestanden 🙂

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Weil ich ja in Physik gut aufgepasst habe weiß ich, dass ein Magnet Holz nicht hält 🙂

Als Gegenpart nehme ich einen zweiten kleinen Magneten, das geht einfacher und sieht besser aus, als eine kleine Schraube. Beim Einpressen vom Magneten sollte man allerdings darauf achten, dass sie richtig rum gepolt sind – sonst geht da gar nichts … 🙂

Das Maß übertrage ich gleich direkt.

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Fertig.

Gefällt mir sehr gut. Jetzt muß es sich nur noch im „harten Alltag“ bewähren. Ich bin gespannt.

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6 Kommentare zu „iPhone Schutzhülle“

  1. Hallo Tom,
    erst mal dir und deiner Familie ein gutes neues Jahr!
    Die Zwetschgen-Eiföhn-Hülle sieht wirklich sehr gut aus! Das wäre glatt ein Projekt zum Nachbau.
    Ich wünsch dir noch ein schönes Wochenende,
    herzliche Grüße,
    Dominik

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  2. Hallo Tom,
    das sieht wirklich sehr gut aus und ist eine tolle Idee. Sehr feine und gelungene Umsetzung! Ich bin neidisch! *lach

    Herzliche Grüße aus Berlin,
    Marcel

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  3. Ganz große Klasse!!
    ich würde interessieren, wie gut das iPhone (ist keine Schande :D) darin hält? Kannst du es reinklemmen oder fällt es raus?
    Grüße,
    Thomas

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    1. Hallo Thomas,
      Das kannst Du ja nach Belieben machen. Meines ist so gemacht, dass es noch ohne zu klemmen raus kann, aber nicht hin und her wackeln kann. Beim telefonieren möchte ich es schnell aus der Hülle bekommen können.

      Herzliche Grüße

      Tom

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  4. Hallo,

    das ist ja sehr liebevoll geworden und hat fast die Ausstrahlung eines knusprigen Schnitzels (Sorry, der Magen knurrt, da kommt man manchmal auf genau diese Gedanken).

    Jetzt wäre es natürlich noch interessant, das Ding auf eine Feinwaage o.ä. zu legen (ohne Telefon). Die magische 10kg-Marke für eine Telefonhülle wird sie wohl nicht ganz überschreiten, aber irgendwie habe ich noch keine Vorstellung.

    Liebe Grüße & guten Rutsch

    Augustin

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    1. Schönen guten Abend Augustin,
      🙂
      Nein, essen würde ich sie nicht. Die Spreissel zwischen den Zähnen wären nicht sonderlich bekömmlich. Gefühlt wiegt die Hülle in etwa so viel, wie das Telefon selbst. Das schaffe ich – gerade so – noch. 🙂

      Dir noch einen schönen Abend – und ein gutes Essen.

      Herzliche Grüße

      Tom

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