Küchen Rollregal – ein Geschenk

Eine Freundin von uns braucht für ihre Küche ein “Spezial – Rollregal”. Das ganze soll natürlich in eine bestimmte Ecke – die Außenmaße stehen daher fest. Als Holz war Buche oder Ahorn besprochen. Bekommen haben wir dann Lärche. Das Design kommt von ihr.

Los geht’s!

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Der Plan – die Außenmaße stehen fest.

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Das Ausgangsmaterial.

6 sägerauhe Bretter Lärche. Dazu habe ich noch 4 Rollen besorgt (Tragkraft je 30 kg – das sollte reichen).

1. Aushobeln

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Im ersten Schritt ist die erste Seite der Bretter zu hobeln. Das mache ich mit der Maschine.

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Nachdem die erste Seite plan gehobelt ist, kann die zweite Seite durch die Dickte.

2. Verleimen der Bretter

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Die Bretter sind zu schmal für das Regal. Ich muß je zwei Bretter miteinander verleimen.

So sollen sie dann mal zusammen geleimt werden. Die Maserung soll möglichst „stimmig“ sein. Ich finde, so geht’s.

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Um später nicht durcheinander zu kommen (welche Kante kommt noch mal wie zu der anderen? …) zeichne ich mir das Schreinerdreieck auf. Das funktioniert wunderbar und ich weiß zu jeder Zeit, wie die Bretter zueinander gehören.

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Die Schmalseiten füge ich lieber mit dem Handhobel. In der Maschine kippen die schmalen Bretter gerne mal weg und der Winkel ist wieder dahin.

Um mir das Leben zu erleichtern, spanne ich beide Bretter zusammen und füge gleichzeitig. So gleicht sich ein evtl. Winkelfehler wieder aus und das geleimte Brett ist eben.

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Der Lie Nielsen Nr. 62 zieht schöne, gleichmäßige Späne – fertig.

Den mag ich 🙂

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Feintuning.

Ist die Fuge zwischen den beiden Brettern – wirklich – dicht?

Hier passt es recht gut. Noch ein letzter kurzer Hobelstrich in der Mitte (sog. Hohlfuge). Dadurch wird erreicht, dass der Druck beim Leimen an den Enden erhöht wird. Beim späteren Brett hält die Leimfuge so deutlich besser.

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Nun geht es an’s Verleimen. Die „großen Blauen“ müssen ran.

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Die bringen richtig Kraft auf. Um mir einen Arbeitsgang zu sparen, leime ich beide Bretter gleichzeitig.

Die Unterstützungen in der Mitte sind wichtig. Sonst „wölben“ sich die Bretter unter der Last des Zwingen und sie werden später „rund“.

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Nach rd. 2 Stunden ist der Leim annähernd fest, aber noch nicht ganz ausgetrocknet. In diesem Zustand nehme ich den überschüssigen ausgetretenen Leim mit meiner „Leim – Ziehklinge“ ab. Das schont später die Klingen von den Hobeln – und spart mir Schärfarbeit 🙂

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Ein ganz kleiner Versatz ergibt sich immer.

Also lasse ich die Bretter noch einmal mit ganz wenig Zustellung durch die Dickte.

Niklas freut sich, dass er mitmachen darf – und ich mich über den fleißigen Helfer.

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So – kaum hat man rd. 2 Stunden gearbeitet. Schon hat man „ein paar Bretter“ mit denen es losgehen kann.

3. Zuschnitt

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Damit das Schränkchen später auch gerade wird, schneide ich die Bretter, die hinterher die gleiche Länge haben müssen, in einem Rutsch.

Das hat sich sehr bewährt.

4. Verbindungen der Böden zu den Aussenbrettern – Gratnut- & -Feder

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Erstes, grobes Maß nehmen. So sollen die Bretter später einmal zusammen.

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Die Rollen sollen unten nur ein klein wenig rausschauen. Das übertrage ich lieber wieder vom „lebenden Objekt“, als zu messen. Da mache – ich – weniger Fehler…

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Die Positionen der Böden habe ich angezeichnet. Nun können die späteren Gratnuten angezeichnet werden.

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Damit die Böden später – sicher – in einer Höhe sind, müssen die Gratnuten  das auch sein. Also klebe ich beide äusseren Bretter mit einem Klebeband zusammen. Dann kann die Nut in einem Rutsch gefräst werden.

Wenn alles gut geht, ist es dann hinterher auch wirklich gerade. Mal sehen…

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Letztes Maß nehmen für die Nut. Der Mittelstrich von der künftigen Nut soll mit der Mitte des Fräser so einigermaßen fluchten (Augenmaß).

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Nun kommt wieder der Bearbeitungsschritt, bei dem mir immer ein wenig warm wird. Da sind mir schon mal 2 Fräser abgebrochen.

Damit mir das nicht wieder passiert, fixiere ich die Bretter mit dem Niederhalter und auch noch dem Queranschlag.

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Das hat gut funktioniert. Alles ist gerade geworden – und kein Fräser ist abgebrochen.

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Nun muss die Gratfeder an die Gratnut angepasst werden. Ich gehe da so vor, dass ich sowohl in der Nut, als auch an der späteren Gratfeder jeweils die Mitte markiere.

Nun kann ich – ausgehend von der Nut – die äußeren Flanken der Nut auf die Gratfeder übertragen.

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Mit diesem „Urmeter“ kann ich nun den Fräser einstellen, um die Gratfedern zu fräsen.

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Um mir die Arbeit zu erleichtern – und meine Hände in Sicherheit zu bringen, nutze ich wieder meine Vorrichtung, die ich eigentlich mal gebaut hatte, um die Federn einer Nut- & Feder Verbindung an der Tischkreissäge zu sägen.

Für die Gratfedern leistet sie mir aber auch sehr gute Dienste.

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Mit dieser Unterstützung kann ich die Einstellungen leicht vornehmen.

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Trotz allem, mache ich mir lieber ein Probestück.

Da passieren sehr gerne & schnell ganz, ganz kleine Ungenauigkeiten und schon passt alles nicht mehr richtig zusammen.

Fehler kann ich mir nicht leisten – ich habe kein weiteres Holz mehr.

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Nun kann es an’s Fräsen gehen.

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Das hat schon mal sehr gut geklappt. 🙂

5. Schwalbenschwänze für die Blenden

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Die Blenden müssen auch noch „irgendwie“ angebracht werden. Sie haben zweierlei Aufgaben:

1. Die Dinge, die später in das Regal gelegt werden, am Heraussollen hindern.

2. Stabilität in das Regal bringen (Stichwort: ein Dreieck bleibt, ein Viereck geht) – eine Rückwand kann ich nicht einbauen, da das Regal von beiden Seiten zugänglich sein soll.

Um Ausrisse beim Fräsen zu minimieren, fräse ich die Schwalbenschwänze in einem Rutsch. So können sich die Teile gegenseitig unterstützen und alles wird schön einheitlich.

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Ist sehr schön geworden.

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Nun müssen die Böden noch angepasst werden. Konkret muß ich die Dicke der Blenden noch von den Böden abschneiden, sonst stehen die Blenden später über.

Das sähe blöd aus.

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So markiert, ist das Brett schnell am Parallelanschlag abgesägt. Das hat gleich noch den Vorteil (war – natürlich – von mir auch so geplant…), dass die kleinen Ausrisse am Schwalbenschwanz vom Fräsen auch gleich mit abgesägt werden – ich habe von beiden Seiten je einmal die Stärke von den Blenden abgesägt.

6. Verputzen

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Nun geht es auch schon an’s Verputzen.

Das mache ich mit dem Lie Nielsen Nr. 62 am Anschlagbrett und einem ganz engen Maul. Er zieht wieder wunderbare, dünne Späne.

Die Oberfläche wird herrlich glatt und spiegelnd.

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Da kommt dann doch ganz schön was zusammen – und ich fange an, zu schwitzen.

7. Leimen

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Nun können die Böden verleimt werden. Um dem Ganzen das Arbeiten weiterhin zu ermöglichen, leime ich nur in der Mitte. Dann kann das Holz jeweils nach Aussen hin arbeiten.

So sollte nichts reissen.

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Ein wenig gut Zureden (der Gummi Hammer hilft, die Argumente zu verstärken) und die Böden gehen zu ihrem künftigen Bestimmungsort.

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So. Das wäre schon mal geschafft.

Wichtig ist hier, dass die Stärke der Blenden noch bleibt – daher auch der kleine Versatz im Bild.

8. Anbringen der Blenden – Schwalbenschwänze per Hand

Hm – das wird ganz schön Arbeit werden. Mit der Fräse komme ich nicht mehr ran.

Das Positive: Ich kann mal wieder meine Fähigkeiten üben, per Hand auszustemmen (nicht unbedingt meine Kernkompetenz); schadet auch nicht 🙂

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Nun gilt es, die Blenden an den Rahmen zu bringen.

Ich habe da – lange – gegrübelt. Und mich am Ende für eine Schwalbenschwanzverbindung entschieden.

Maß nehmen.

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Das Maß der Schwalbenschwänze kann mit einem Anreismesser gut übertragen werden.

Hier mache ich sehr gerne Fehler. Das Teil verrutscht ein ganz klein wenig beim Anreissen – und schon passt alles später nicht mehr.

Konzentration!

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Um eine saubereLinie zu bekommen, bringe ich ringsum eine Kerbe mit dem Stemmeisen an.

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Nun geht’s los. Übermäßig große Fugen sollte es bitte nicht geben. Das sähe blöde aus.

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Ok – so geht’s.

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Dann kann ich die erste Blende auch schon einleimen.

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Damit das Holz beim Eintreiben nicht ausbricht, bringe ich „unten“ noch eine kleine Fase an. Dann rutscht alles besser zusammen und die sehr empfindlichen Kanten brechen nicht ab.

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Der Gummihammer hilft mir wieder beim gut Zureden.

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Den überschüssigen, ausgetretenen Leim nehme ich gleich mit meiner „Leim  – Ziehklinge“ ab; da geht es noch leichter, als später, wenn alles trocken & hart ist.

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Das Ganze ist recht viel Stemm Arbeit.

Ich habe doch eine Stemm Maschine 🙂 Wäre doch gelacht, wenn sich nicht ein Großteil der ganzen Arbeit damit zu erledigen wäre.

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Meine Version der Stemm Maschine ist leider kein Präzisions Werkzeug.

Ich habe mich daher dazu entschieden, so zu stemmen, dass noch ein ganz klein wenig stehen bleibt und ich dann nur noch den Rest per Hand mit den Stemmeisen mache.

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Geht schon mal ganz gut. Bei den nächsten stemme ich dann nicht mehr so tief mit der Maschine, dann wird auch noch der Grund sauberer. Aber das ist nur „Optik“ – die noch dazu nach dem Zusammenbau keiner mehr sieht 🙂

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Zum Leimen nehme ich nun den ganz kleinen Pinsel. Damit kann ich den Leim genauer auftragen, dann tritt hinterher nicht so viel aus.

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Noch ein Check mit der Spiegelseite vom Stemmeisen, ob alles gerade ist.

Noch nicht ganz; ein klein wenig fehlt noch.

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Niklas ist – natürlich – wieder von der Partie und will alles ganz genau wissen.

Das freut mich – vielleicht kann ich ihm auf diese Art & Weise ja tatsächlich was mit auf seinen Weg geben.

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Nicht, dass ich nicht „100 %“ genau gearbeitet hätte 🙂

Aber sollte – doch einmal – eine Fuge nicht ganz dicht sein, kann man das mit ein wenig Weißleim und Sägemehl wieder sehr gut kaschieren. Idealer weise nimmt man das Sägemehl von den verwendeten Brettern – dann passt auch der Farbton.

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So gefällt mir das 🙂

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Noch ein letztes mal ein klein wenig mit dem Lie Nielsen Nr. 62 verputzen.

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Nun müssen nur noch die Rollen dran.

Um mir das ewige Messen zu ersparen, schnappe ich mir einfach kurzerhand eine kleine Leiste aus der Abfallkiste. Das wird mein einheitlicher Abstand.

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Wozu so ein Schiebetisch der Tischkreissäge nicht immer gut sein kann.

Hier hilft er mir, die Oberkante der Seitenteile nicht am Boden zu zerkratzen, während ich die Rollen montiere.

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Die paar Schrauben sind schnell angebracht.

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Fertig.

Jetzt muß er nur noch der Auftraggeberin gefallen 🙂

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11 Kommentare zu “Küchen Rollregal – ein Geschenk”

  1. Das Rollregal ist aber sehr schön geworden. Besonders schön finde ich die Fertigung. Man könnte fast sagen, dass es sich um einen privaten Ladenbau handelt. Ich bin überzeugt, dass auch sehr schöne Theken und Verkaufsregale gebaut werden könnten.

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  2. Hallo, super regal, ich hätte es auch genommen wenn es der Dame nicht gefallen hätte, sieht alles sehr schön aus, kann man denn deine tollen selbstgemachten Sachen auch irgendwo kaufen, ich bin sehr begeistert von den super schönen Holz Sachen,
    weiter so, toller Blog und ein schönes Wochenende
    herzliche Grüsse

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    1. Hallo Sascha,
      das weiß ich noch nicht. Der Auftraggeberin werde ich Hartöl empfehlen. Die verwendeten Bohlen harzen nicht. Das war aber Anfangs auch meine Befürchtung.

      Herzliche Grüße

      Tom

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  3. Sehr schönes Regal und guter Baubericht! Wenn das der Auftraggeberin nicht gefällt, nehmen wir es 😉
    So ein Massivholzprojekt ist halt schon was schönes, und dann noch mit gratfedern! Echt für die Ewigkeit gebaut.

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