16. Schubkästen – halbverdeckte Zinkung & Schwalbenschwänze

Heute konnte ich mal wieder schön in der Werkstatt rumwerkeln 🙂

Die Schubkästen waren dran. An sich wollte ich das Ganze per Hand zinken.

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Nach rd. 1 Woche üben (jeden Abend eine Ecke) krieg ich’s bisher leider noch nicht so hin, wie ich mir das so vorstelle. An sich schon „gar nicht so schlecht“ – es dauert aber noch ewig und so richtig drauf verlassen, dass alles auch funktioniert, kann ich mich noch nicht.

Daher habe ich mich entschlossen, das dieses mal noch mal mit der Leigh D 4R zu machen. Da wird’s zumindest „dicht“. Die Optik kommt nicht an eine handgemachte Verbindung ran. Klar. Ich bleibe an dem Thema aber dran. Das fuchst mich jetzt… 🙂

Hier nun also die Bilder von heute:

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Die Leigh D 4R wird eingerichtet.

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Am Brett reiße ich mit dem Streichmaß das Maß an, wie tief der Fräser eingestellt werden muß.

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Das Einrichten / Installieren der Leigh D 4R ist – zumindest für mich … – durchaus anspruchsvoll. Man muß an wahnsinnig viele Dinge denken, sehr genau arbeiten und bei jedem Brett teuflisch aufpassen, wie man es einspannt. Die Bedienungsanleitung ist mir da eine unabdingbare Unterstützung…

Ich habe mir daher angewöhnt, zunächst immer (!) ein Probebrett zu machen. Und zwar in genau den Abmessungen, wie das hinterher zu fräsende Brett. Das hilft dann später beim echten Objekt – schon allein deswegen, weil man dann ein Muster hat, das man auch mal in der Realität drehen und wenden kann und sich nicht nur alles vorstellen braucht.

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Die „Finger“ können individuell eingestellt werden. Damit ist man flexibler, als mit den festen Schablonen. Bei denen muß man sogar schon bei der Planung am Anfang (die fällt bei mir meist recht kurz aus… 🙂 ) die Abmessungen der Frässchablone berücksichtigen. Da bin ich überzeugt, dass das bei mir schief gehen würde… 🙂

Im ersten Schritt mache ich die offenen Schwalbenschwänze (hinten)

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Das Brett für die Schwalben muß mit der Aussenseite nach vorne eingespannt werden. Bei den Zinken ist’s genau andersrum.

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Der Fräser wird genau auf den Riß (siehe oben) eingestellt.

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Damit das senkrechte zu fräsende Brett besser hält (schon ein kleinstes Verrutschen versaut die gesamte Färsung)   habe ich rechts davon noch ein anderes Brett angespannt (dank der tiefen Schürze an der Hobelbank geht das auch; an meiner Ulmia ginge das nicht – da hat ja jemand mitgedacht, als er das Ding gebaut hat 🙂 ). 

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So – die ersten Schwalben sind schon gefräst. Sieht doch schon mal nicht schlecht aus.

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Diesmal habe ich auch die Staubsaugung wieder angeschlossen. Dann braucht’s auch nicht diese Staubmaske. Geht so auch sehr gut – ich brauche bloß ungeheuer viele von den teuren Säcken für den Staubsauger. Ich kann die meist nur 1 – max. 2 mal mit der großen Absaugung aussaugen. Danach sind sie einfach kaputt.

Da werde ich mir in Nürnberg auf der Messe mal was von Festo anschauen, was es da so an Saugern gibt. Schön wäre einer, der möglichst leise ist und bei dem man diese wiederverwendbaren Säcke einbauen kann.

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Ein ganz klein wenig Nacharbeit braucht’s trotzdem. Die ersten 2 Bretter haben sich – minimal – bewegt. Schon ist ein kleiner Versatz drin.

Zunächst steche ich mit dem Stechbeitel vor.

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Noch eine ganz kleine Ecke.

Da muß man höllisch aufpassen, diese wahnsinnig scharfen Stechbeitel bei so einer Aktion nicht in die Hand zu rammeln. Es hilft aber, das Stechbeitel ganz kurz vorne mit der Hand zu nehmen und die andere Hand in einer Position zu halten, in der der Stechbeitel auch, wenn man abrutscht, nicht hinkommt.

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Sehr gut geht das auch mit einer sehr feinen Feile. Ich finde sogar fast feiner / gerader , als mit dem Stechbeitel.

Jetzt gehts an die halbverdeckten Zinken (vorne).

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Einmal mit der Fräse von links nach rechts langgefahren, verhindert das später Ausrisse.

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Die eigentlichen Zinken macht man dann wieder von links nach rechts. Alles perfekt gerade & eben.

In – der – Güte hab ich’s per Hand bisher einfach noch nicht hinbekommen.

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Sieht sehr gut aus.

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Nun sind die halbverdeckten Zinken an der Reihe. Schön ist, dass man auf diese Art & Weise ganz dicht nach vorne gehen kann (hier unten im Bild zu sehen). Dadurch können die Schwalben größer gemacht werden – die ganze Verbindung wird stabiler.

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Per Hand gefertigt ist das – mit einem so dünnen Steg nach vorne – sehr schwierig. Beim Stemmen bricht eben dieser dünne Steg gerne schnell mal weg – und alles geht wieder von vorne los – inkl. neuem Frontbrett (… nicht schon wieder… ).

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So sehen die halbverdeckten Zinken dann aus. Hier allerdings noch nicht verputzt. Alles sehr schön dicht.

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Hier ist noch ein kleines Eigenkonstrukt zu sehen, mit dem ich das zu fräsende Brett (vorne) zusätzlich gesichert habe. Eine schlichte Schraubzwinge – das bringt sehr viel. Ab da ist – sicher – nichts mehr verrutscht.

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Fertig. Ganz schöne Arbeit.

Das lästigste an der Leigh D 4 R ist an sich diese Einstellerei. Gerade bei den halbverdeckten Zinken kann das schon mal dauern. Da kann man auch nicht einfach noch mal nachfärsen wie bei den offenen Schwalbenschwänzen. Bei den halbverdeckten muß man alles noch mal machen. Ich habe diesmal insgesamt 3 Versuche gebraucht.

Also: Einstellerei insgesamt rd. 2 Stunden. Eigentliche Fräsen rd. 2 Stunden.

Ich sag mal so. Per Hand hätte – ich – deutlich länger gebraucht und hätte sicher nicht so ein Ergebnis hinbekommen. Hier stimmt das also durchaus mal. Ich nehme eine Maschine, weil ich eine Fertigkeit (noch) nicht drauf habe. Ob das per Hand aber für alle 4 Schubkästen komplett in 4 Stunden fertig gewesen wäre – keine Ahnung. Ich denke fast nicht.

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Jetzt geht’s an den Boden. Der soll auch „massiv“ werden.

Bernhard hat mich – richtigerweise – darauf aufmerksam gemacht, dass die Maserung quer laufen muß; d.h. ich kann das Brett nicht einfach abschneiden (das wäre einfacher & schneller gewesen). Ich muß auseinander schneiden und dann wieder zusammen leimen, damit ein ein Brett rausbekomme, das lang genug ist, um die Schublade zu auszufüllen.

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Der Zuschnitt der 4 Böden ist flux auf der Tischkreissäge gemacht (im Vordergrund).

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Die beiden Hälften füge ich wieder per Hand. Endlich mal wieder etwas per Hand gemacht. Kein Lärm. 

Ich mache das mit der Umschlagmethode. Selbst, wenn man dann beim Fügen nicht 100 % gerade hobeln sollte, gleicht sich ein evtl. Winkelfehler wieder aus. Das Brett ist hinterher – sicher – gerade; richtiges Verleimen & -Aufbau vorausgesetzt.

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Saubere, durchgehende Späne von beiden Hälften der Brettchen. Die Kante ist fertig gefügt.

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Um nicht durcheinander zu kommen, mache ich noch schnell das Schreinerdreieck drauf.

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Damit sich der Boden hinterher nicht allzu sehr wirft, werden die beiden Brettchen „gegensätzig“ verleimt; d.h. einmal rechte Seite (dem Kern zugeneigte) nach oben, einmal nach unten. Dann gleicht sich das Werfen – in etwa – aus.

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Das verleimen der Brettchen geht los. Auf der Multiplexplatte mit der Beschichtung leimt es sich sehr gut. Etwaige Austritte können da sehr gut weg gemacht werden.

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Man glaubt gar nicht, wieviele Zwingen an 4 Brettchen ran kommen. Muß aber sein. Es soll ja gerade werden und die gefügte Kante soll dicht sein.

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In der Zwischenzeit, in der der Leim für die Böden trocknet, kann ich schon mal die umlaufende Nut in den Seitenwänden einbringen.

Das mache ich wieder auf der Tischkreissäge. Das hat sich bewährt, geht schnell und ist sehr genau. Damit die Nut später nicht sehr unschön zutage tritt, muß ich einen „gestoppten Schnitt“ machen; d.h. ich kann das Brett nicht vollständig über das Sägeblatt ziehen, sondern muß es vorher wegnehmen. Um zu wissen, an welcher Stelle, mache ich mir eine kleine Markierung an den Parallelanschlag (Bleistiftstrich).

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Der an sich sehr unspäktakuläre Aufbau. Wichtig ist mir die Absaugung hinter dem Brett. Das nimmt noch mal sehr viel von dem Staub weg. Das habe ich anfangs unterschätzt.

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Hat super geklappt mit dem gestoppten Schnitt. Perfekt – der Schnitt hört genau am Zinken auf.

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Die umlaufende Nut trifft sich genau.

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In der Zwischenzeit ist der Leim getrocknet. Die Böden können verputzt werden.

Da ist mir – mal wieder – mein Anschlagbrett an der Hobelbank eine sehr gute Hilfe. Das geht schnell, das zu hobelnde Brett braucht nicht ständig umgespannt zu werden und – das wichtigste – es liegt flächig auf der Hobelbank auf und wird nicht durch Spannkräfte leicht verbogen (wie sie sonst beim Spannen an der Hinterzange auftreten).

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Die Innenseiten der Schubkästen verputze ich noch schnell vor dem Verleimen. Jetzt geht das noch völlig unproblematisch. Einmal zusammengebaut, wird’s schon aufwändiger.

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Es geht an’s Verleimen. Das ist immer Streß pur – das muß schnell gehen. Ich hab mir schon überlegt, künftig mal mit einem anderen Leim zu probieren. Die vergangene Woche hatten wir im Forum dazu eine sehr interessante Diskussion. Evtl. ergibt sich da ja was. Mal sehen.

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Ich gebe immer nur ganz wenig Leim an. Und auch nur in die Stellen, „in die etwas“ geschoben wird. Anders rum, würde sich sonst der Leim beim Zusammenstecken an der Sichtkante abstreifen – und die ganze Verbindung hätte gar keinen Leim. Auch blöd.

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Meine „dicken Blauen“ leisten mir mal wieder sehr gute Dienste. Diese Türspanner haben einfach eine bärige Kraft und verwinden sich kein bisschen. Mit den normalen Schraubzwingen gings nicht. Dann hab ich schnell auf die Türspanner gewechselt – und schon konnte ich die strammen Verbindungen parallel zusammen drücken.

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Beim Ansetzen der Zulagen muß man aufpassen, die so zu platzieren, dass die Zinken, die „raus wollen“ eben das auch können…

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Soviel zum Leimaustritt – nur eine kleine „Kugel“. Das ist (ganz) schnell mit der Ziehklinge weggemacht.

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Der Check – diagonal gemessen. Ergibt sich der gleiche Wert, ist alles gerade. Ich nehme da lieber einen durchgehenden Maßstab – das ist genauer. Ein Zollstock oder Metermaß hat da Toleranzen. Und hier geht’s um mm…

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Hat alles gut geklappt. So kommt die Schublade aus dem Türspanner raus. Alles noch nicht verputzt, man sieht aber, dass alles dicht &/ gerade ist. Bin ich froh – das lag mir ziemlich im Magen.

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Mein heutiges Tagwerk.

Ich freu mich.

Es geht weiter mit Teil „17. Verputzen – Teil 1

Zurück zur Projektübersicht vom Schubkästen Regal.

2 Kommentare zu “16. Schubkästen – halbverdeckte Zinkung & Schwalbenschwänze”

  1. Hallo Tom,

    wieder eine sehr schöne Dokumentation von dir. Die Schubladen gefallen mir sehr gut. Ist der Rest der Schublade aus Ahorn?

    Ich hätte mich nicht getraut die Schubladenfronten direkt zu zinken. Mit dem aufwändigen Frontbrett wär mir da das Risiko zu groß gewesen. Schubladen extra bauen und mit den Schubladenfronten verschrauben wär da eher meine Methode gewesen ;-). So kann man auch die Spaltmaße besser einstellen.

    Dein Staubsaugerproblem kann ich gut nachvollziehen. Hast du schon mal an einen Zyklon für deinen Staubsauger gedacht? Oneida und Dust Deputy wären da die Stichwörter. Von diesem Hersteller gibt es auch eine deutsche Handelsvertretung bei der ich auch meinen für die große Absaugung gekauft habe. Funktioniert wirklich gut. Wenn es dich interessiert teile ich auch gern meine Erfahrungen damit.

    Schöne Grüße
    Alexander

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    1. Hallo Alexander,
      Die Schubladenfronten sind aus Birne. Der Rest ist aus kanadischem Ahorn (noch vom Hobelbank Bau übrig).
      Mit den Zinken in den Fronten hast Du schon Recht. Bei dem Wohnzimmerschränkchen hab ich’s ja so gemacht, dass ich eigenständige Schubkästen gebaut habe und da dann die Fronten drangeschraubt wurden. Hier wollte ich jetzt – bewusst – einmal etwas Neues probieren. Das das Thema mit den einheitlichen Fugen dann durchaus anspruchsvoll werden wird ist mir bewusst. Aber es soll ja auch Herausforderung und Ansporn zugleich sein… 🙂

      Mit den Staubsauger lass ich jetzt mal auf mich zukommen. So oft brauche ich den ja nicht. Mittel- / langfristig möchte ich das Zinken per Hand machen. Dann hat sich das Thema ohnehin erledigt. Wie lange das aber noch dauert, bis ich das so drauf habe, wie ich es mir vorstelle, weiß ich noch nicht. Wenn’s dann aber mal soweit ist, habe ich – fast – keine Verwendung mehr für den „kleinen“ Staubsauger. Das läuft alles über die große Absaugung – die ist super. Sprich, ein Konstrukt mit Zyklon würde sich – bei mir – gar nicht lohnen. Ich finde das aber sehr interessant und es scheint ja super zu funktionieren. Danke – trotzdem – für den sehr guten Tip!

      Herzliche Grüße

      Tom

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