8. Gratleisten – Vorbereitungen

Die Vorbereitungen für die Gratleisten vom Schubkästen Regal gehen weiter. Ich möchte unbedingt den wunderschönen Gesamteindruck der sehr beeindruckenden Birnen – Bohle erhalten. So breite Bohlen dieses Holzes gibt es nicht allzu oft. Ich habe zwar schon viel über „die eine“ Bohle geschimpft, weil sie so wildwüchsig ist. Aber die andere Seite der Medaille ist, dass sie eine herrliche Maserung hat. Das würde ein Trennschnitt zunichte machen.

Ich muss mir dann aber etwas einfallen lassen, damit das doch recht breite Brett (max. Breite rd. 37 cm) weder reisst noch schüsselt.

Gratleisten müssen her. So weit. So gut.

Gratleisten braucht es bei Massivholz immer dann, wenn ein Brett am „Werfen“ gehindert werden soll. Die Gratleiste verläuft im 90 Grad Winkel zu den Fasern des Brettes und bewirkt durch ihre Form („V“ – Form), dass sich die Fasern des Brettes mit der Gratleiste verkeilen und eine sehr stabile Verbindung eingehen. Dies verhindert, dass das Brett mit der Zeit „rund“ wird (die Fasern des Brettes sind nach dem Sägen – vereinfacht ausgedrückt – in einer Halbkreis – Form. Die Feuchtigkeitsveränderungen in der Luft bewirken, dass sich die Fasern einer Geraden angleichen wollen. Mit der Folge, dass ein ursprünglich gerades Brett „rund“ wird (=> schüsselt).

Da die Gratleiste nicht oder nur an einem Punkt (SEHR WICHTIG!) geleimt wird, kann das Brett, welches die Gratleiste hält, zwar in der Breite immer noch arbeiten, verhindert aber, dass das Brett „rund“ wird.  Einfach, aber genial, was sich unsere Vorväter da so ausgedacht haben.

In der Anfertigung ist eine Gratleiste leider durchaus anspruchsvoll (zumindest für mich… 🙂 ). Es muß sehr genau gearbeitet werden. Eine kleine Ungenauigkeit – und schon passt alles nicht. Zu fest darf es nicht sein, da sonst das Brett nicht mehr arbeiten kann und schlimmsten falls reissen würde. Zu locker darf es aber auch nicht werden, da sonst der gewollte Effekt (hindern am Schüsseln) nicht erreicht wird.

Also: es muss  passen.

Nachdem ich bei dem Wohnzimmerschränkchen „schlechte Erfahrungen“ mit Gratnuten an der Tischfräse gemacht habe, versuche ich es heute mal mit der Handoberfräse. Ich bin gespannt….

Leider hat mich das sehr verwachsene Holz ziemlich viel Zeit gekostet, so dass ich nicht ganz fertig geworden bin.

Aber seht selbst:

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Die Position der Gratnuten und der künftigen Seiten- & Zwischenwände wird an dem Deck – Brett angebracht. Mal wieder einiges an Rechnerei.

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Die Gratleisten möchte ich aus dem Verschnitt von den Bohlen machen („Waldkante“). Dafür reicht’s schon noch. Warum das schöne Holz wegwerfen? Ist doch schade drum.

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Hm. Meine Hobelmaschine mag das Holz offenbar nicht. Das ist die Bohle, bei der ich beim Deckbrett schon so geflucht habe. Ausrisse, soweit das Auge reicht.

Geht das schon wieder los…

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Es hilft nichts. Der Handhobel (Lie Nielsen Nr. 7 1/2) muß ran.

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Es geht los. Wäre doch gelacht, wenn ich das nicht doch noch hinbekomme. Nur gut, dass es immer mehrere Alternativen gibt, um ein Ziel zu erreichen.

In Alternativen Denken ist angesagt…

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Na, sieht doch schon mal gar nicht schlecht aus. Alles im Winkel.

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Und auch gerade. Die „Lichtspalt Methode“ (gerade = wenn kein Licht an einer geraden (!) Kante durchkommt) ist immer wieder eine gute Hilfe.

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Der Span ist lang, gleichmäßig und durchgängig. Geschafft.

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Noch ein paar letzte Hobelzüge – soll ja auch „schön“ werden.

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Geht doch. Alles glatt und gerade.

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Noch ein Check – nun ist aber gut.

Rund 30 min. Arbeit….

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Die Gratleisten hatten zwar nicht ganz so schlimme Ausrisse, mußten aber trotzdem mit dem Hobel nachgearbeitet werden.

Meine Anschlagleiste ist mir hier – mal wieder – sehr behilflich. Das Ding hat sich sehr bewährt. Der Vorteil ist, dass das zu hobelnde Stück flächig auf der Hobelbank aufliegt, sich also während des Hobelns nicht durchbiegen kann. Das ständige Spannen entfällt auch, da es nur durch den Druck vom Hobeln an der Anschlagleiste gehalten wird. Alles nichts weltbewegendes, aber sehr angenehm. Darf ja auch mal sein.

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Wieder die „Spanprobe“. Sieht gut aus.

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Mir hat das mit der Hobelmaschine keine Ruhe gelassen. Da ich auch noch 2 weitere Gratleisten für den Boden brauche, habe ich mir noch ein „Waldkanten“ Brett geholt. Das habe ich dann – noch mal – durch den Hobel gelassen. Gleiche Einstellungen, gleiche Messer, gleiche Vorschubgeschwindigkeit.

Da geht’s.

Ich kann mir das nur mit dem – sehr – ausgeprägten Wildwuchs in der einen Bohle erklären. Sonst fällt mir kein sinnhafter Grund dafür ein, weshalb das einmal geht und einmal nicht.

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Die Position für die Gratleisten wird auf das Bodenbrett übertragen.

Kleine Anmerkung am Rande:

Man beachte, dass das Deckbrett (= per Hand gehobelt…) und das Bodenbrett (= maschinell gehobelt) durchgehend genau die gleiche Dicke haben 🙂

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Das Brett (aus der Restekiste) für die Führungsschablone wird angepasst. Damit möchte ich dann die Gratnut fräsen.

Ich möchte wie folgt vorgehen:

1. (gerade) Nut fräsen. Das soll bewirken, dass der Gratnutfräser später nicht mehr so viel auf einmal wegnehmen muß. Wird es ihm zuviel – bricht er (wieder…) ab.

2. Gratnut mit dem Gratnutfräser fräsen. Der muß dann nur noch die Flanken in der Gratnut wegnehmen. Das sollte gehen. Ein wenig kniffelig ist die Einstellung der korrekten Frästiefe. Aber auch das sollte lösbar sein.

Der Vorteil der Schablone ist, dass beim Fräserwechsel keine neue Einstellung vorgenommen werden muß. Die Fräse fährt immer genau den gleichen Weg ab. Ist das nicht gewährleistet, pass die Gratnut hinterher nicht.

Wenn man es „ganz genau“ machten möchte, fertigt man die Schablone so, dass sie an einer Seite einen Tick breiter ist. Nur einen Tick. Das hat den Sinn, dass die Gratnut & Gratfeder später leichter ineinander schieben lassen. Das geht – sehr gerne – ziemlich stramm und dann fallen wieder schlimme Worte in der Werkstatt. Das will kein Mensch…

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Das Brett aus der Restekiste ist leider zu dick. Der Fräser kommt – so – zu wenig tief in das Brett rein. Die Gratnut würde so, denke ich, nicht ausreichend halten.

Also:

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Das Brett für die Führungsschablone muß noch mal durch die Dickte. Der „Wulst“ von der Führungshülse steht rd. 8 mm über. Ich habe das Brett für die Führungsschablone auf 9 mm gehobelt. So ist sichergestellt, dass die Oberfläche des Brettes – sicher – nicht verkratzt wird.

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Die beiden Bretter, aus denen die Führungsschablone gemacht wird, werden zusammen geschraubt. Hier muss man auf die exakte Passung achten. Sonst ist der ganze Aufwand für die Katz.

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Da kommt sie dann hin. Die Gratnut.

Weiter geht’s mit Teil „9. Korpus – Zinkungen

 

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5 Kommentare zu “8. Gratleisten – Vorbereitungen”

  1. OK dann hast du das Problem gefunden. Mit 15.000 U/min kannst du nicht mit einem Nutfräser durch Hartholz gehen. Der Fräser glüht und bricht ab. Die OF solltest du auf jeden Fall auf die Einstellung 3 herunterdrosseln (musst mal sehen was in deiner Gebrausanleitung dazu steht.) Ich glaube aber 3 müsste bei Festo stimmen – kommt auch auf das Modell an.

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  2. Hallo Tom,
    weil du geschrieben hast, dass dir schon mehrfach die Fräser abgebrochen sind?! Du denkst schon dran, die Drehzahl bei den dicken Fräsern entsprechend niedrig zu wählen – damit die Fräser nicht überhitzen!
    Staubige Grüße
    Volker

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