10. Schubkästen – halbverdeckte Schwalbenschwänze

Es geht weiter mit den Verbindungen der Schubkästen Teile. Ich habe mich für halbverdeckte Schwalbenschwänze entschieden. Ursprünglich wollte ich das mit der Leigh D4 R machen – bis ich bemerkt habe, dass das Ding eine Mindeststärke für die Bretter hat. Erübrigt sich zu erwähnen, dass die fertig zugeschnittenen Brettchen diese Stärke nicht (mehr) hatten.

Eine Lösung mußte her.

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Zumindest ich komme im Eifer des Gefechtes gerne bei den vielen Einzelteilen durcheinander. Daher lege ich mir die Teile immer genau so hin, wie sie später auch zusammen sollen.

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Die Frästiefe wird am Riss eingestellt.

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Das sieht ja schon mal ganz vielversprechend aus.

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Hm – das passt nicht. Die Teile passen nicht.

Woran liegt’s?

Ich habe zig verschiedene Einstellungen und Fräserkombinationen ausprobiert – insgesamt sicherlich 1 Stunde. Ich mach’s kurz – es geht nicht.

Hätte ich die Bedienungsanleitung mal eher & ausführlicher gelesen, hätte ich gemerkt, dass die Leigh eine Mindestdicke für die zu fräsenden Teile hat. Die 10 mm der Brettchen liegen drunter. Basta! Das ist mal wieder ein „schöner“ Beweis dafür, dass man selten an wirklich alles denken kann. Ich ziehe meinen virtuellen Hut vor Leuten, die „so was“ können.

Und nun?

Nach kurzzeitigen schlimmen Phasen des Kellergeistes (mir kommt so was ja nicht über die Lippen) habe ich es geschafft, wieder einigermaßen klar denken zu können. So habe ich an mein „altes“ Projekt „Zinken per Hand“ erinnert.

Wann, wenn nicht jetzt? Einfach machen!

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Es geht los mit den Schwalbenschwänzen.

Um mir – dann doch – einiges an Arbeit zu sparen, werde ich aber die Schwalbenschwänze – doch – mit der Leigh fräsen. Dann muß ich nicht so viel sägen (das ist sicherlich nicht meine Kernkompetenz – ein weiteres Projekt…).

Mein Urmeter. Dieses Maß habe ich schon genutzt, um die richtige Länge der Seitenteile herauszubekommen. Damit die Schwalben nun  aber auch die Länge haben, die sie auch haben sollen, nutze ich doch gleich eben dieses Maß und übertrage es auf das Streichmaß.

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Dieses Maß wird nun auf das Seitenteil übertragen.

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Damit kann nun die Frästiefe an der Leigh D4R eingestellt werden.

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Rund 20 min. später hatten die Seitenteile ihre Schwalben.

Nun wird’s aber wirklich ernst – die Gegenstücke für die Schwalbenschwänze müssen hergestellt werden. Das geht nun nur noch per Hand (… ich will nicht drüber reden…).

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Auch hier nehme ich das Maß, wie tief die Schwalbenschwänze gehen von den Seitenteilen direkt ab – dann sollte es hinterher sicher passen.

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Das Maß muß nun noch auf die Rückseite der Schubkästen Bretter übertragen werden – viel „Fleisch“ bleibt da nicht mehr.

Genaues Arbeiten ist gefragt – da ist sonst schnell mal was ausgebrochen.

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Ein Bearbeitungsschritt, bei dem sich bei mir schnell Ungenauigkeiten eingeschlichen haben.

Mit diesem Trick (Danke Bernhard) geht es aber ganz gut. So sind die Bretter sicher winklig zueinander.

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Wichtig ist aber, dass man das Brettchen – einmal angelegt – (gar) nicht mehr verrutscht. Sonst ist sie dahin, die Präzision…

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Lieber zweimal markieren – als zweimal schneiden 🙂

Damit ich im Eifer des Gefechtes nur ja nicht genau das falsche Teil rausmache (das soll dem Einen oder Anderen ja durchaus schon mal passiert sein…) kennzeichne ich mir lieber die Abfall Bereiche. Sicher ist sicher; und wirkliche Mehrarbeit ist das ja auch nicht.

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Jetzt fehlt nur noch die Brettstärke, die auf die Rückwand zu übertragen ist. Die nehme ich vom Brett direkt ab.

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Und übertrage sie auf die Rückwand.

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Der letzte Schritt von den „Vorarbeiten“ ist noch, die Flanken bis zum eben angerissenen Strich zu verlängern. Mein Umschlagwinkel hilft mir dabei.

Den habe ich sehr häufig in der Hand. Für solche Arbeiten nutze ich lieber den, als z. B. einen Kombinationswinkel – bei dem kann man / ich nämlich doch einen ganz kleinen Versatz produzieren…

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Nun kann ich aber – endlich – loslegen.

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Ich fange an mit dem Sägen.

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Ich habe – hier – lieber „so“ gesägt. Die Vorder- und Hinterzange waren belegt (umräumen wollte ich nicht ständig). Die „alte Hobelbank“ war von den Kindern in Beschlag genommen.

So habe ich aus der Not eine Tugend gemacht – und festgestellt, dass das sogar sehr gut funktioniert.

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Man braucht tatsächlich – einiges – an Werkzeug für die „Handarbeit“. Die große Hobelbank ist mir da – mal wieder – eine gute Hilfe.

Die Konstruktion mit dem Niederhalter in der Hinterzange habe ich von Bernhard. Das funktioniert wunderbar – und ich muß keine Löcher in meine Bankplatte bohren.

Als sehr praktisch hat sich meine Hilfskonstruktion vom zu bearbeitenden Brettchen, hin zu Wand erwiesen. So kann ich auch die in „Längsrichtung“ stemmen ohne, dass das Brettchen laufend verrutscht. Das war mir lieber, als das Ganze senkrecht zu machen. Auf diese Art & Weise ist das dünne noch verbleibende Stückchen Holz der noch gut unterstützt und die Neigung zu brechen ist minimiert.

Ein kleines Lederstückchen schützt das Brettchen vor eventuellen Druckstellen.

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Ich habe zunächst ein kleines Stückchen vor dem Riss gestemmt – so wird die spätere Flanke nicht durch die Kompression des Stemmeisens beschädigt.

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Im Wechselspiel (senkrecht, waagerecht) habe ich mich dann bis zum Grund durchgearbeitet.

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Es bleibt hier – sehr wenig (2 – 3 mm) Überstand nach vorne. Das dünne „Ding“ bricht sehr schnell. Daher war beim Flankengrund absolute Vorsicht geboten. Es darf nichts kaputt gehen (ich habe kein Holz mehr…).

So habe ich mich bis ca. 0,5 mm über den Flankengrund vorgearbeitet und das letzte kleine Stückchen nur noch durch Druck mit der Hand weg gestochen; nur ja nichts mit Gewalt machen oder mit dem Stemmeisen „weg brechen“.

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Ist alles gut gegangen.

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Im nächsten Schritt habe ich die Seitenflanken noch ein wenig nachgestochen. Auch hier. Nur ja nicht zuviel weg nehmen – sonst passt es hinterher nicht mehr. Lieber ein mal mehr Maß nehmen, als einmal zu schnell weg gemacht…

Alles schön gerade und plan (vgl. den Test mit der Spiegelseite vom Stemmeisen).

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Die letzten kleinen Eckchen, in die man mit einem „normalen“ Stemmeisen nur sehr schlecht reinkommt, steche ich noch kurz mit einem Fishtail – Stemmeisen nach. Braucht man nicht sonderlich oft, wenn, dann hilft es aber ungemein.

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Sieht doch ganz gut aus – ich bin zufrieden.

Das war jetzt meine erste „richtige“ Arbeit mit den Stemmeisen. Bisher habe ich immer nur kleinere Test Stückchen gemacht. Mal mehr, mal weniger gut. Hier war ich jetzt „gezwungen“ mit der Hand zu arbeiten. Ein solcher Tritt in den bequemen Hintern ist (bei mir) manchmal gar nicht schlecht…..

Ich habe zwar noch nicht „alles“ per Hand gestemmt. Aber die Richtung stimmt und der erste Schritt ist getan.

Wäre doch gelacht, wenn ich künftig nicht doch mehr mit der Hand stemmen würde. Ich muß aber auch zugeben, dass ich noch einiges an Übung brauchen werde – das hat einen kompletten Tag gedauert. Das kann ich in der Geschwindigkeit nicht oft machen…

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Jetzt sind die halbverdeckten Schwalbenschwänze aber fertig.

Es geht weiter mit „11. Schubkästen – Bodennut + Verleimen

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6 Kommentare zu “10. Schubkästen – halbverdeckte Schwalbenschwänze”

  1. Sehr schöne Arbeit !
    Warum auch immer einfach, wenn es auch umständlich geht.
    Nein , scherz beiseite , mir geht es auch oft so. Bei mir zeigen sich die Fehler nur immer wenn es schon zu spät ist.
    Hätte es nicht auch geklappt wenn du (ich sage mal Du) den einen Teil mit der Maschine gemacht hättest und das andere Teil (Schwalbe\Zinke) von Hand angepasst hättest ?
    Hut ab für die tollen und auch ehrlichen Berichte ! Weiter so .

    Gruß aus Wolfsburg ,

    Achim

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  2. Hallo Tom,

    das ist doch ein schöne Kombination von Maschinen- und Handarbeit, auch wenn die etwas unfreiwillig erfolgt ist.

    Die Kästchen sehen sehr gut aus, gerade der Kontrast von dem hellen und dunkeln Holz hebt die Zinkenverbindung hervor, richtig was fürs Auge.

    Zum Übertragen der Schwalben nehme ich gerne ein Anreißmesser, damit kommt man besser in die Ecken.

    Weiter so!

    Viele Grüße
    Christoph

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  3. Hallo Tom,

    respektabel was du da händisch wegen deines Fehlers toll wie immer umgesetzt hast.

    Wie groß ist denn die erforderliche Mindestbrettstärke für die Leigh?

    Danke
    Jürgen

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    1. Schönen guten Abend Jürgen,
      der kleinste Fräser geht 9 mm tief; in der Anleitung steht etwas von 13 mm Mindestdicke bei den halbverdeckten Schwalbenschwänzen. Meine Brettchen haben noch rd. 9,5 mm. Das war dann zu wenig.

      Dir noch einen schönen Abend.

      Herzliche Grüße

      Tom

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