11. Schubkästen – Bodennut + Verleimen

Es sind noch einige Arbeiten an den Schubkästen zu machen. Man glaubt gar nicht, wie viel Arbeit in so einem an sich simplen Teil steckt. Eine wunderbare Übung. Es geht los mit der Nut für die Böden, dem Verputzen, dem Verleimen der Schubkästen und dem Einpassen der Böden.

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Die Nut für die Böden muß angebracht werden. Das Maß nehme ich  direkt ab.

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Die eigentliche Nut mache ich auf der Tischkreissäge. Meine selbst gebaute Einstell Messuhr kommt zum Einsatz – und funktioniert prima.

Eine Anmerkung an dieser Stelle zum Veritas Nuthobel, den ich mal hatte, nun aber wieder verkauft habe. An sich wäre der für die nun anstehende Arbeit ja geradezu prädestiniert.

Ich war mit der Fertigungsqualität der Tiefen – Einstell – Schraube vom Eisen jedoch nicht zufrieden. Wenn die Schraube fest gezogen war und das Eisen fixiert hat, war alles in Ordnung. Sobald die Schraube aber nur ein paar Gewindegänge im Gewinde war (ca. 5 Gewindegänge; das sollte im Allgemeinen reichen), hat sie gewackelt – und mehr, als nur ein bisschen. Ich bin dann zum Händler zurück gegangen. Dort haben wir insgesamt 4 baugleiche Hobel angeschaut. Bei allen das gleiche „Problem“. Dann noch eine Rückfrage in der Zentrale – „das ist bei allen so“.

Es mag so funktionieren und wahrscheinlich passiert auch über viele Jahre der Nutzung gar nichts. Wirklich wohl habe ich mich damit aber nicht gefühlt. Womöglich auch tatsächlich nur eine „Gefühlssache“, mag sein. Für mich war das aber – mal wieder – ein Grund, warum ich mich mit meiner Entscheidung für Lie Nielsen nach wie vor sehr wohl fühle. Wenn es da – mal – tatsächlich ein Thema geben sollte, wird das umgehend beseitigt (da habe ich sogar mal mit Thomas Lie Nielsen an einem Hobel gearbeitet, um ihn wieder zum laufen zu bringen). Wackelnde Schrauben habe ich aber bei Lie Nielsen aber noch nie erlebt.  Veritas hat da offenbar andere Qualitätsstandards.

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Also. Zurück zur Tischkreissäge.

Der Parallelanschlag hält den richtigen Abstand; das Maß kann vom eben angezeichneten Stückchen übertragen werden.

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Damit die Finger nicht in den Gefahrbereich vom Sägeblatt kommen können, habe ich das Sägeblatt runter gefahren (nur so hoch, dass ca. 3 Zahnspitzen oben rausschauen). Druck von oben kann ich mit meinem Schiebeholz ausüben und für den seitlichen Druck hilft mir ein Abfallholz.

Funktioniert wunderbar.

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Sehr hilfreich ist es, wenn man bei diesem Arbeitsschritt nicht durcheinander kommt und die Nut z. B. mal eben an der falschen Seite vom Brett anbringt – könnte ja mal passieren….

Ich lege mir die Teile lieber immer so hin, dass sofort klar & eindeutig ist, wo die Nut hin soll. Damit kommen Menschen wie ich besser zurecht.

Man muß seine Grenzen kennen.

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Nachdem nun die Nuten ringsum angebracht sind, können die Böden auch auf die finale Breite gesägt werden.

Das Maß wird direkt abgenommen (wie sonst – gibt’s da eigentlich noch eine andere Möglichkeit? 🙂 ).

Wichtig beim Boden ist (Danke an Bernhard…), dass das Holz nach hinten arbeiten kann; die Maserung also quer verläuft. Anders rum, würde das die Struktur durch das Arbeiten des Holzes mehr belasten (in Längsrichtung arbeitet das Holz deutlich weniger als quer). Nach hinten ist noch Platz; zu den Seiten nur begrenzt.

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Die Nut wollte ich nicht so breit machen, wie die Böden dick sind. Das wäre zu mächtig gewesen. Ich habe mich für die Hälfte entschieden. Das möchte ich mit dem Hobel wegnehmen.

Um zu wissen, bis wohin ich hobeln muß, zeichne ich mir die Maße an. Das mache ich hier mit dem Bleistift. Mit einem Streichmaß wäre im Holz eine „Furche“ – und die würde man immer sehen. Den Bleistiftstrich kriege ich aber schnell & einfach wieder weg – ohne einen Riss im Holz.

Kleine Ursache, große Wirkung.

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Um zu einer einheitlichen Abplattung zu kommen, zeichne ich mir die Tiefe auch gleich noch mit an.

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Etwas, das mich, seit ich meine Hobelbank gebaut habe, immer schon gestört hat – durchrutschende Bank Haken.

Die Löcher sind zwar „ähnlich“ groß, aber eben nicht identisch. Das hat zur Folge, dass die Haken immer durchgerutscht sind, sobald die Hinterzange gelockert wird.

Eine Feder anzubringen, die die Haken hält, steht seit jeher auf meiner „das muß ich dann mal erledigen Liste“. So ein kleines Abfallhölzchen oben auf den Haken geschraubt tut aber auch, was es soll und ist schnell gemacht.

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So vorbereitet, kann es losgehen.

Kurz vor Lang.

Zuerst hobele ich die „kurzen Seiten“ (= quer zur Faser). Die dann – zwangsläufig – auftretenden Ausrisse (links im Bild) können beim dann anschliessenden Hobeln längs der Faser beseitigt werden.

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Zwischendrin immer mal wieder testen, ob die Teile schon passen. Hier bin ich fertig.

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Schon bald war mit das Hobeln mit dem Lie Nielsen Einhand Simshobel Nr. 60 1/2 zu fummelig. Meine Wursthände brauchen was Größeres. Der große Lie Nielsen Simshobel Nr. 610 kommt mir da wie gerufen. Da hat man was in der Hand. Einzig der fehlende Anschlag geht mir ab (… „schade, dass es so was nicht gibt“…).

Ein Finger, unter die Hobelsohle gehalten hilft aber, einen gleichbleibenden Abstand zu halten. Das ist ja wieder meins.

Simpel & effektiv.

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Er zieht auch im Querholz schöne, durchgehende Späne. Das funktioniert prima.

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Hm. Die Bits der „großen grünen Marke mit der roten Schrift“ waren auch schon mal von besserer Qualität. Ich weiß gar nicht, wie oft mir das mit den Dingern schon passiert ist. Nun ja. Wenn das so weiter geht, habe ich das Problem bald nicht mehr….

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Mit einem neuen Bit habe ich die zweite Evolutionsstufe meiner Spezial Bank Haken mit kleinerem Kopf dann doch noch fertig stellen können.

Das funktioniert und ich muß mich nicht ständig nach runtergefallenen Bank Haken bücken.

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Der Boden nimmt langsam Gestalt an.

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Noch ein Trocken Test, ob auch alles so passt, wie es soll.

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Noch vor dem Verleimen werden die Teile verputzt. Dazu hole ich den Lie Nielsen Nr. 164 raus. Den mag ich für solch feine Arbeiten sehr gerne, weil er die Vorteile eines Flachwinkelhobels (z. B. Möglichkeit, großer Schnittwinkel) mit denen eines Bevel Down Hobels (z. B. Verstellbarkeit während des Hobelns) vereint.

Er ist sehr fein eingestellt und zieht hauchdünne, durchsichtige Späne.

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Doch bevor ich mit dem Verleimen anfangen kann, muß ich erst einmal die Sauerei auf meiner Verleimunterlage beseitigen. Mit einem ausrangierten, alten Hobelmesser geht das sehr gut & schnell.

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Jetzt nur keine Hektik! Es liegt alles bereit. Es kann losgehen.

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Leim gebe ich mit einem feinen Pinsel an. Aber nur in die Zinken. Sonst drückt es den Leim nur wieder unnötig raus (das ist ja alles so eng und passend gearbeitet – klar, wie sollte es auch anders sein… 🙂 ).

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So klein – und trotzdem so viele Zwingen haben wollen. Klar doch.

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Ausgetretenen Leim nehme ich mit meiner Leim – Ziehklinge ab, sobald er kaugummiartige Konsistenz hat.

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Noch ein Test, ob auch alles tatsächlich im Winkel ist.

Passt.

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Puh – geschafft. Hat dann ganz gut geklappt.

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Die Böden waren beim Verleimen bereits eingeschoben – das gibt zusätzliche Stabilität und hilft, den Winkel zu halten.

Nun geht es darum, die Löcher für die Schrauben zu bohren, welche die Böden dann an der Rückwand halten sollen. Um nicht genau neben die Rückwand zu bohren, übertrage ich mit dem Umschlagwinkel die innerste Kante von der Rückwand.

Dann sollte das Bohren ein Leichtes sein.

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Zuerst an der Ständerbohrmaschine das Loch bohren. Die Löcher ein wenig größer, als die Schrauben dick sind – dann kann der Boden nach hinten arbeiten ohne die Schrauben abzureissen.

Bei so kleinen Schubladen ist das nicht so entscheidend. Je größer das Ganze aber wird, desto mehr tritt das Thema „Arbeiten des Holzes“ in den Vordergrund.

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Und weil’s ja schön werden soll, auch noch mal mit dem Senker.

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So gefällt mir das.

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Jetzt, wo die Böden fixiert sind, können die Böden auf ihr Endmaß geschnitten werden.

Das Sägeblatt wieder runtergefahren (dann ist auch nicht gleich die ganze Hand ab im Fall der Fälle …) – das verringert die Ausrisse ein Stückchen. Am Parallelanschlag geführt, sollte das ganz gut funktionieren.

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Hat ja gut geklappt. Den allerletzten 0,5 mm nehme ich dann später mit dem Hobel weg.

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