9. Schubkästen – Zuschnitt

Der Werkzeugschrank soll noch drei Schubkästen erhalten. Ich möchte sie gerne mit halbverdeckten Zinken verbinden; die mache ich mit der Leigh D4R. Als Holz kommen Reste vom Hobelbankbau (kanadischer Ahorn) und drei Frontstückchen zum Einsatz, die ich mir noch aufgehoben habe. Wichtig war mir, dass die Maserung über die drei Schubkästen durchgehend wird – das gefällt mir recht gut.

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Das sind noch die allerletzten Reste, die ich damals von den Bohlen der Hobelbank gekürzt habe. Das sieht zum Teil recht wild aus, es sind auch einige Risse drin.

Mal sehen, was sich draus machen läßt.

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Um ausreichend viele Brettchen rauszubekommen, werde ich die Stücke teilen müssen. Mein Plan sieht wie folgt aus:

1. Alle 4 Seiten winklig hobeln

2. Stückchen teilen (jedes Brett hat nun bereits eine Referenzfläche)

3. Brettchen auf Endstärke hobeln (mit der Dickte)

Hier bin ich beim ersten Schritt und erzeuge die erste plane Fläche auf dem Hobel.

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Nachdem der erste 90 Grad Winkel hergestellt ist (am Anschlag), prüfe ich immer lieber noch einmal mit einem Winkel, ob das auch – tatsächlich – 90 Grad geworden sind.

Manchmal drückt man / ich doch nicht zu 100 % gleichmäßig und der Winkel ist ein klein wenig verzogen. Ein solcher Fehler zieht sich dann durch das gesamte Projekt; braucht kein Mensch.

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Um mir die Arbeit an der Dickte ein wenig zu erleichtern, habe ich mir jeweils drei Stückchen gleich breit gesägt – dann brauche ich nicht gar so viele Einstellungen vornehmen. Dazu kommt noch, dass ich die Hobelmaschine nicht gar so belaste (die Hobelwelle), wenn ich immer mindestens zwei Stücke durchlasse. Dann verteilt sich der Druck besser.

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So geht es aber sehr schnell.

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Der erste Schritt wäre erledigt – ich habe nun Bretter mit zueinander parallelen Flächen.

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Solche „Trümmer“ kann ich aber nicht in die kleinen Schubläden einbauen. Also kommt nun der zweite Schritt.

Die Bretter werden am Parallelanschlag geteilt. Hier muß ich immer wieder aufpassen, dass ich beim Umdrehen des Brettes (das Sägeblatt geht bei einem Schnitt nicht durch das gesamte Brett und so muß ich zweimal sägen), die gleiche Referenzfläche erwische. Sonst gibt es unweigerlich einen Versatz zwischen den Schnitten und das muß dann alles wieder weggehobelt werden. An sich nicht wirklich schlimm – die Bretter werden dann aber noch dünner…

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So hat das aber gut geklappt 🙂

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Nun zahlt es sich aus, dass ich am Anfang bereits schon alle vier Seiten des Brettes parallel gehobelt habe. Diese Fläche kann ich nun als Referenzfläche nutzen und muß die geteilten Brettchen nur noch einmal durch die Dickte lassen.

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Der zweite Schritt wäre damit nun auch fertig.

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Hm – wirklich?

Bernhard wird über mich grollen, wenn ich solch dicke Bretter bei so kleinen Schubläden verbaue. Die Proportionen passen einfach nicht.

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Also – alle Bretter noch einmal durch die Dickte. Zieldicke ist diejenige von den Frontbrettern (rd. 1 cm).

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So sieht das schon viel besser aus.

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Nun geht es daran, die Frontbretter ihrem künftigen zu Hause anzupassen.

Das Maß nehme ich natürlich wieder vom Objekt ab, anstatt mir mit einer abgelesenen Messung, die ich übertragen muß eine zusätzliche Fehlerquelle einzuheimsen.

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Für diese Feinarbeit ist meine Stoßlade in Kombination mit dem Lie Nielsen Nr. 51 Bestoßhobel prädestiniert. Der zieht auch im Hirnholz wunderbar durchgehende Späne.

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Alles im Winkel – einfach toll das Teil!

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So gefällt mir das sehr gut. Ich freu mich schon drauf, wenn die Schubkästen fertig sind.

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Nun gilt es, das Maß der Seitenwände abzunehmen (Tiefe).

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Da Mußte ich mal wieder meinen Hirnschmalz anstrengen.

Die Markierung mit dem Streichmaß gibt an, wie tief die Böden später eingelassen werden sollen. Ausgehend von dem sich dann ergebenden Maß kann dann das Maß (Breite) der Böden abgenommen werden.

Die Feinarbeiten hierfür hat dann wieder die Stoßlade mit dem Nr. 51 erledigt.

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Es geht weiter. Konzentration ist weiterhin angesagt!

Mit diesem Fräser möchte ich dann die halbverdeckten Schwalbenschwänze fräsen.

Das wird die künftige Tiefe – das wird markiert.

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Um nun rauszubekommen, wie lang die Seitenwände werden, muß ich zweimal das Maß von der Tiefe der Schubläden abziehen. Alles klar?

Mir war’s nicht (gleich) klar. Ich wollte fast schon die Seitenbretter alle abschneiden. Doch halt! Ich muß die Bretter ja nicht um die Tiefe kürzen, die der Fräser in das Front- und Rückenbrett geht. Genau die andere Seite (das, was dann noch „stehen bleibt“ beim Fräsen) ist der Teil, um den die Seitenbretter sonst zu lang wären.

Bin ich froh, dass ich das noch gemerkt habe. Sonst wäre das mal wieder ein Klassiker geworden. Ein Tag Arbeit, um dann am Ende, wenn alles fertig ist, festzustellen, dass die Schubkästen zu groß sind.

Ganz nach dem Motto: wir haben drei schöne, fertige Schubkästen, suchen wir uns eine Öffnung, wo sie reinpassen….

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Bei den Anpassungsarbeiten hilft mir wieder die Stoßlade – diesmal beide Seitenteile gleichzeitig, damit sie auch absolut gleich groß sind.

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Nun geht es daran, die Bretter für die Schubladen – Rücken herzustellen. Die bereits ausgehobelten Bretter haben nicht mehr gereicht. Ich muß mir meine Bretter für die Böden selbst zusammen leimen.

Das Fügen der Bretter mache ich mit der Lie Nielsen Nr. 7 Rauhbank.  Hier ist mir die sehr lange Vorderzange eine gute Hilfe. Beim Verleimen sollte man darauf achten, dass die Jahresringe der beiden Bretter jeweils anders rum sind (d.h. einmal rechte Seite, einmal linke Seite). Das reduziert die Neigung zum Schüsseln.

Wenn der Hobel dann zwei durchgehende Späne zieht (dann sind die Kanten durchgehend gerade) mache ich in der Mitte immer noch einen Hobelzug (Hohlfuge). Das hilft, dass die spätere Leimfuge besser hält. Beim Verleimen wird der Druck dann an den Enden dadurch erhöht und hilft, dass die Bretter über die Jahre nicht an den Enden zuerst aufgehen.

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Um beim Verleimen nicht durcheinander zu kommen (da soll es ja durchaus mal hektisch zugehen…), zeichne ich mir die Bretter mit dem Schreinerdreieck an.

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Nun geht’s an das Verleimen. Nun ja. Geplant hatte ich, alle drei / sechs Bretter gleichzeitig und miteinander zu verleimen (Stapelmethode). Geklappt hat das so allerdings nicht. Ich konnte die ganzen Zwingen nicht ausreichend gut anbringen.

Also wurde ich ein ganz klein wenig hektischer (ich hatte den Express Leim verwendet, weil ich ja gleich weiter arbeiten wollte….).

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So habe ich dann kurzerhand umdisponiert und doch alle drei Bretter einzeln verleimt – und verzwingt (sagt man das so?).

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Noch bevor der Leim vollständig ausgetrocknet ist und eine Kaugummiartige Konsistenz hat, nehme ich die Überstände mit meiner „Leim – Ziehkinge“ ab. Das erspart später viel Arbeit und schont die Hobelmesser.

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Die fertig verleimten Bretter für die Rücken der Schubläden.

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Nun können die Rückbretter zugeschnitten werden. Das Maß nehme ich von den Frontbrettern ab – dann muß ich nicht messen.

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Jetzt ist es leider schon zu spät für die Färsung – da brauche ich immer einen klaren Kopf. Das kommt das nächste mal.

Damit sich mein heutiges Tagewerk aber nicht verzieht, lagere ich das Holz aufrecht – so kann von allen Seiten Luft dran und das Holz verzieht sich nicht.

Es geht weiter mit „10. Schubkästen – halbverdeckte Schwalbenschwänze

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2 Kommentare zu “9. Schubkästen – Zuschnitt”

  1. Hy,
    ich wollte mal sagen, dass du eine supertolle Seite hast. Ehrlich,gefällt mir sehr, alles ausführlich erklärt und mit tollen Bildern. Ich habe gelesen, dass Du Jura studiert hast – auch toll. Hast Du beruflich eigentlich mit Internet Technik zu tun oder war die Seite Neuland für dich ? Ich möchte so was auch mal mit der Zeit starten; also evtl. Videos und eine Internetseite. Wäre mein Traum. Ich habe lange gebraucht, bis ich meinen Anschlag und die Anschlagreiter montiert habe; ich kannte mich nicht wirklich aus und habe mich nicht getraut. 😉

    Boah! Dein Handwerkszeug ist sehr schön. Für mich sind die leider ein wenig teuer und für mich fast unleistbar – vielleicht irgendwann? Hast Du in Zukunft mal vor, Videos zu machen? Ich wäre Dein erster Abonnent. Weil Du würdest das toll machen, alleine mit deiner Präzision und deinem Geschick. Naja auf jeden Fall muss ich dir nochmal sagen, das Deine Seite der Hammer ist (ich habe sie bei den Favoriten).
    Dir und deiner Familie ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch euch allen

    staubige Grüße aus Österreich

    Gefällt mir

    1. Hallo Rami,

      Danke für die netten Worte.

      Mit den Videos habe ich im Hinterkopf. Ich habe bisher nur noch keinen Zugang zu den Videos. Eine ordentliche Kamera habe ich auch nicht (wenn man mal die Videofunktion von einer kleinen Knipse aussen vor läßt). Der Aufwand, ein Video zu machen ist auch um einiges größer, als „nur“ Fotos, die ich nur machen und einlesen muß.

      Du hast aber natürlich die Möglichkeit, die Seite auf Facebook zu „liken“ oder auch zu abonnieren.

      Dir auch ein geruhsames und friedliches Weihnachtsfest.

      Herzliche Grüße

      Tom

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