17. Schlussarbeiten

Heute wird der Tisch nach fast einem halben Jahr Bauzeit fertig 🙂

Es waren noch folgende Arbeiten zu erledigen:

  • Tischplatte schleifen
  • Kanten brechen
  • Oberflächenbehandlung

Alles Arbeiten, die nicht unbedingt zu meinen Lieblingsarbeiten zählen, aber ein Projekt durchaus noch zu Fall bringen können, wenn etwas dabei schief geht.

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Die Tischplatte und die Ansteckplatten hatte ich ja schon – grob – vorgehobelt. Die letzten Feinarbeiten, damit eine einheitliche und glatte Fläche entsteht, stehen aber noch aus.

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Hobeln konnte ich leider nicht mehr. Die hohe Belastung durch das Hobeln wollte ich dem Tischgestell nicht auf Dauer zumuten.

Also musste meine Schleifmaschine ran. Nur gut, dass ich die Möglichkeit habe, das unter dem Carpot im Freien zu machen. Da stört der Staub nicht so sehr.

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Und es fällt – einiges – an Staub bei dieser Arbeit an. Ich gehe durch die Körnungen 80, 180 und 220.

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Mein Schleifteller ist offenbar schon ein wenig in die Jahre gekommen – die Klebung hat sich mittendrin verabschiedet. Also musste ich wohl oder übel die Arbeit unterbrechen und so um die 40 € für so ein blödes Kunststoff Teil ausgeben…

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Zwischendrin immer wieder mal ein Check, ob alles gerade und einheitlich ist.

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Der kleine Lauser hilft mir sogar, den vielen Schleifstaub zwischendrin weg zu putzen.

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Die Kanten gleiche ich mit meinem Nr. 102 an. Das Ding habe ich wirklich sehr oft in der Hand.

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Als letzten Schritt nehme ich mir dann Handschleifpapier mit Korn 400. Ich achte darauf, nur in Faserrichtung zu schleifen. Das Ergebnis ist eine wunderschön glatte Oberfläche.

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Die Rundung an den Kanten mache ich einheitlich mit einem Viertelstabfräser und der Oberfräse. Das wird einheitlicher, als mit einem Handhobel.

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So gefällt es uns – die Regierung hat das so abgenommen.

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Nun kommt ein Part, den ich gar nicht mag. Die Oberflächenbehandlung. Ich habe damit einfach zu wenig Erfahrung.

Lack wollten wir nicht – der natürliche Holzeindruck tritt zu sehr in den Hintergrund. Ahorn dunkelt sehr stark nach, also brauchen wir etwas mit einem gewissen UV Schutz. Mir wurde empfohlen, den Tisch mit Kernseife zu behandeln. Das ist ein sehr altes und durchaus übliches Vorgehen z. B. in Wirtshäusern.

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Gesagt – und ausprobiert. Niklas stößt ein paar Stückchen klein. Die vermischen wir dann mit ein wenig Wasser und testen das ganze an einem Reststück.

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Zum Vergleich habe ich mir noch eine Lasur mit Weißpartikeln und  UV Schutz und eine vom gleichen Hersteller ohne die Weißpartikel, dort jedoch mit einem UV Blocker (wo auch immer da der konkrete Unterschied liegen mag…) bestellt.

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Das haben wir dann alles auf Resthölzern jeweils in zwei Schichten ausprobiert und dem Familienrat zur Entscheidung vorgelegt.

Oben links: Kernseife (wenn die Oberfläche nass wird, bildet sich ein leichter Film)

Oben rechts: Lasur – ohne Weißpartikel (das war uns zu „dunkel“)

Mitte: Lasur – mit Weißpartikeln

Unten: Natur, unbehandelt

Die Entscheidung ist auf die Lasur mit Weißpartikeln gefallen. So soll es also sein.

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Die Lasur wird satt aufgetragen.

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Nach ca. 15 min, muss der dann noch vorhandene Überstand unbedingt mit einem trockenem, nicht fuselndem Tuch abgenommen werden. Macht man das nicht, klebt die Oberfläche hinterher.

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Dann habe ich den Tisch erst einmal 1 Tag ruhen lassen.

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In der nächsten Runde mussten wir uns erst einmal wieder neuen Stoff holen.

Niklas stellt unter Beweis, wie kräftig er ist. Ok – ich habe mit dem alten Hobeleisen ein wenig nachgeholfen, und den Stoff angeritzt…

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Doch bevor die zweite Schicht aufgetragen wird, schleife ich den Tisch noch einmal – ganz leicht – mit Körnung 400 in Faserrichtung und per Hand. Dadurch wollte ich die leider unweigerlich durch die Maschine entstehenden Schleifkringel reduzieren. Das hat leider nicht ganz funktioniert, man sieht sie aber nur noch in einem „ganz bestimmten Blickwinkel“. So ist das jetzt eben. Der Tisch wird wohl in den nächsten Jahren noch die ein oder andere zusätzliche Macke bekommen 🙂

Da ist nicht viel Unterschied zu einem Mensch, der älter wird.

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Gleiches mit den Ansteckplatten.

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Den feinen Schleifstaub nehme ich dann mit einem leicht angefeuchteten Schwamm auf.

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Jetzt kann die zweite Schicht aufgetragen werden. Auch hier gilt wieder, dass der Überstand nach ca. 10 min. abzunehmen ist.

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Damit der Tisch auf dem Parkett hinterher nicht so scheuert, klebe ich noch Filzgleiter unten drunter. Die Filzplatten werden zurecht geschnitten.

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Nun kann der Tisch mit vereinten Kräften und mit Hilfe von zwei Rollbrettern an seinen künftigen Bestimmungsort geschoben werden.

Bin ich froh, dass ich das Trumm nicht mehr aus dem Keller wuchten musste! Er ist – richtig – schwer…

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Mit beiden Ansteckplatten ist er schön groß. Das sollte auch mal für ein Familienfest reichen. 12 Personen finden bequem Platz.

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Für alle Tage steht er dann quer und ohne die Ansteckplatten.

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Hier noch einmal die fertige Kante. Das gefällt mir richtig gut.

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Der Tisch stand kaum an Ort & Stelle – schon wollte er eingeweiht werden.

Fertig.

Ich bin sehr froh, dass ich den Tisch nun fertig habe. Das war ziemlich viel Arbeit. Das Ergebnis freut mich.

Er ist sehr stabil. Durch die abgeschrägten Kanten wirkt er leichter und das trotz der fast 5 cm starken Tischplatte; ein Design Element, das mir sehr gut gefällt. Die schönen, breiten und auch in die Ansteckplatten durchgehenden Lamellen, unterstreichen den Massivholzcharakter vom Tisch. Man sieht es ihm auf den ersten Blick nicht an, dass er ausziehbar ist und er hat keine Fuge in der Mitte, die Ausziehtische sonst so häufig haben. Die Ansteckplatten sind sehr stabil, unter dem Tisch verstaubar und man sieht sie nicht. Die sehr aufwändige Lösung mit dem Eigenkonstrukt der Gratleisten funktioniert sehr gut. So einen Tisch habe ich bisher noch nicht gesehen.

Was mir aber besonders gut an dem Tisch gefällt ist, dass man ihn entdecken muss. Auf den ersten Blick ist es „halt ein Tisch“. Erst nach und nach, wenn man sich ein wenig mit ihm beschäftigt hat und sich auf ihn einlässt, erkennt man seine Besonderheiten und merkt, dass da „mehr drin steckt“ und was er alles kann. Da passt er sehr gut zu uns. Ein Tisch der sich in den Hintergrund hält, aber da ist, wenn man ihn braucht.

Ein echtes Unikat.

Zurück zur Projektübersicht “Esszimmertisch“.

Die Oberflächenbehandlung ist unter „Oberflächenbehandlung – Esstisch, Couchtisch & Barhocker“ dargestellt.

… jetzt, wo die alten Stühle am neuen Tisch stehen: das passt nicht mehr. Da muss sich doch was machen lassen… 🙂

 

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17 Kommentare zu „17. Schlussarbeiten“

  1. Gerade wieder gesehen und immer noch davon angetan. Es freut mich natürlich besonders, dass Dein angesagter Abstand zur Oberflächenbehandlung ein wenig kürzer geworden ist.
    Die Entscheidung für die Holzlasur Alpin war für mich erst einmal überraschend. Wir verwenden sonst eher das Pigmentöl in Kalkweiss mit einem entsprechenden Finish. Wie Du diese aber angewendet hast (quasi als Ölbeize) war genau richtig.

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  2. Hallo Tom,

    der Tisch ist klasse geworden.
    Die Schleifkringel wären aber vermeidbar gewesen, würde ich mal vorsichtig behaupten. Deine Sprünge in den Körnungen von 80, 180 , 220 und 400 sind zu groß, vorallem von 80 auf 180. Da fehlt min. noch 120. Mit dem 180 bekommt man die Schleifspuren vom 80er Papier nicht raus. Gleichzeitig saugst Du den Staub aus Holz und ausgebrochenen Schleifpartikel nicht ab, sondern „reibst“ in mit der Maschine immer mit über das Holz.
    Mein Schleifaufbau ist 80, 120, 180, 240, 320, ggf. noch 400.
    Dazu wird abgesaugt, und am besten noch nach jeder Körnung mit einem Lappen oder breitem Pinsel die letzten Reste von der Oberfläche entfernen.
    Damit habe ich in der fertigen Oberfläche keine sichtbaren Schleifspuren.

    Grüße
    Michael

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    1. Schönen guten Abend Micha und Johannes,
      vielen Dank für Euere Hinweise. Ich bin mir recht sicher, dass ich den Tisch künftig mal abschleifen werden muss. Dort kann ich dann die richtige Schleifabfolge durchziehen. Es hat offenbar schon seinen Grund, weshalb ich lieber hobele…

      Herzliche Grüße

      Tom

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  3. Hallo Tom,

    einen schönen Tisch hast Du da gebaut. Aber der Versuch die Schleifkringel mit 400er wegzubekommen mußte scheitern. Der Fehler war der Sprung von 80er auf 180er Schleifpapier. Da gehört mindestens 120er dazwischen.

    Es grüßt Johannes

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  4. Hallo Tom,

    eine solche Arbeit zum Abschluss zu bringen und dann mit diesen diversen Lösungen auch noch ein schönes Möbel zu schaffen – meine Hochachtung.

    Viele schöne und erbauliche Stunden an diesem Zentralort der Familie!

    Herzliche Grüße

    Uwe

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  5. Hallo Tom,
    zunächst herzliche Glückwünsche zu Deinem wirklich gelungenen Objekt „Esszimmertisch“.Die technische Umsetzung,-die Detaillösungen und die bewiesene Nervenstärke sowie die Geduld sind einfach einzigartig.Tom,ich beneide dich.
    Viele Grüße aus MN.

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  6. Servus Tom,
    herzlichen Glückwunsch zu eurem sehr schönen Tisch! Der ist dir wirklich sehr gelungen. Mir gefallen vor allem deine Lösungen für die Ansteckplatten unter dem Tisch. Sowas gibt´s wohl nur einmal ;-).
    Was deinen Blog betrifft, kann ich mich Andy und Jan nur anschließen. Der zählt auch meiner Meinung nach zu den Besten Holzblogs.
    Schöne Grüße,
    Dominik

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  7. Ich habe bislang immer still mitgelesen und möchte dir jetzt meinen Respekt und Dank übermitteln.
    Respekt vor der Arbeit!
    Danke, dass deine Leser so sehr und im Detail daran teilnehmen durften!
    Für ich hast du einen der besten Holzwerkerblogs!
    Grüße
    Jan (aus dem hohen Norden)

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  8. Ganz tolle Arbeit. Der Tisch sieht super aus. Und die Detaillösungen sind auch klasse.

    Und vielen Dank, dass wir dank deines super Blogs an der Entstehung teilhaben durften.

    Gruß aus dem schönen Saarland.

    Andy

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