3. Fügen, Verleimen Hobeln – per Hand

Die letzten Tage waren sehr arbeitsreich. In erster Linie sehr körperlich anstrengend. Die 2,3 m lagen und rd. 5 cm dicken Ahorn Bohlen waren zu fügen und zu Verleimen. Anschliessend mussten die Brettflächen zu einer schönen, geraden und glatten Ebene gehobelt werden. Das ging dann nur noch per Hand.

Zitat Lina: „Papa, Du hast ja wieder so Fahrrad Hände“.

Für die Nichteingeweihten. Das sind Hände, auf denen die Schweißperlen stehen.

Und das hat sich am Tisch getan:

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Die Bohlen werden immer kürzer, aber immer noch mit – ein wenig – Übermaß.

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Na so ein „Zufall“. Die 2,2 m kann ich noch am Ausleger ablängen und der Teleskopauszug passt noch über die Hobelbank. Da hat jemand glatt mitgedacht, als er die Hobelbank geplant & gebaut hat.

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Die so abgelängten Bretter werden für die Tischplatte so sortiert, dass die Maserung möglichst stimmig aussieht und die Verleimregeln eingehalten werden.

Ok – so ganz einfach ist das nicht. Der Auswahlpool ist recht begrenzt. So 100 % konnte ich die Regeln nicht einhalten. Ich „hoffe mal“, dass das trotzdem gut geht…

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Damit ich bei dem, was anschliessend kommen wird, nicht durcheinander gerate, markiere ich mir die einzelnen Bohlen mit dem Schreinerdreieck und nummeriere sie durch. So finde selbst ich die einzelnen Bretter verwechslungsfrei – so ist zumindest die Theorie 🙂

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Die künftigen Gratleisten habe ich auch gleich noch abgelängt. Das macht das Handling einfacher.

Die lege ich jetzt aber erst einmal sauber aufgeklotzelt zur Seite.

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Es geht los mit dem Fügen.

Zu dem dahinter stehendem Thema und einigen „technischen Details“ habe ich mir auch schon mal näher Gedanken gemacht („Das Fügen„).

Da freue ich mich richtig drauf. Der erste, richtige Einsatz von meinem schönen neuen Hobel von Gerd Frische, den ich selbst gebaut habe („Hobelbau mit Gerd Fritsche„).

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Die beiden Flächen sind zueinander im Winkel. Das ist immens wichtig, weil sonst später beim Verleimen keine gerade Fläche entsteht – und dann die anschliessende Hobelarbeit sehr anstrengend wird. Die zu hobelnde Fläche ist viel größer.

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Immer wieder (….) ist zu prüfen, ob die beiden zueinander gehörigen Bretter so zueinander passen, dass die künftige Leimfuge wirklich dicht ist und keine unschönen Spalten entstehen.

Das ist, bei der Länge und Stärke der Bretter durchaus anspruchsvoll und dauert seine Zeit.

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Um mir die Sache ein wenig zu erleichtern, markiere ich mir die Stellen, bei denen ich noch nacharbeiten muss.

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Der Span ist einheitlich, durchgehend und geschlossen. Das über die ganze zu fügende Fläche.

Sieht gut aus.

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Das sagt auch das Präzisionslineal. Wenn da kein Licht mehr durchkommt, kann man getrost von einer ebenen Fläche ausgehen.

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Den Span schaue ich mir immer wieder an. Nicht nur, weil ich die tatsächlich „schön“ finde. Sondern auch, weil man daran sehr gut den Arbeitsfortschritt erkennen kann.

Es macht durchaus Sinn, seine Sinne (Hören, Tasten / Fühlen und Sehen) beim Arbeiten einzusetzen. Es ist immer wieder erstaunlich, dass man allein am Geräusch, den ein Hobel beim Arbeiten erzeugt, erkennen kann, ob es ein „guter“ oder „schlechter“ Span wird.

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Zwischendrin ist dann auch mal Schärfen angesagt. Mit der neuen Schleifhilfe geht das aber recht fix.

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Jetzt bin ich – bei dieser zu fügenden Fläche – am Ziel.

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Sieht gar nicht schlimm aus. Das TÄUSCHT. Ich bin ein Büromensch, der echtes, Arbeiten einfach nicht mehr gewohnt ist.

In einem Fitness Studio kann es nicht großartig anders zugehen. Ein Brett wiegt so um die 17 kg. Pro zu fügende Kante kann man (… ich…) sicherlich davon ausgehen, dass man so ca. 5 – 7 Versuche braucht, bis die Kanten passen. Da braucht es nicht viel Rechnerei, um sich auszumalen, was da los ist. Das Hobeln selbst ist auch anstrengend bei dem harten Holz.

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Damit die Flächen wirklich winklig zueinander stehen, habe ich auch noch was anderes ausprobiert. Mit meinem LN Bestoßhobel und den Brettern auf der Hobelbank – eine „große Stoßlade“.

Das funktioniert erstaunlich gut. Setzt nur eine absolut gerade Hobelbankfläche voraus. Sonst ist der Witz weg.

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Eine andere Möglichkeit, einen kleinen Winkelfehler zu korrigieren ist, den Hobel ein klein wenig versetzt zu führen. Das geht auch sehr gut.

Setzt aber Gefühl voraus – ich als Grobmotoriker muss mich da schon gehörig anstrengen.

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Irgendwann hab aber auch ich’s. 🙂

Alles gerade.

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Die Fugen sind dicht. Letzte Anprobe vor dem Verleimen.

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Nun geht es an die Ansteckplatten. Das sollte einfacher gehen – die sind kleiner.

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Da muss ich auch nicht immer so schwere Bretter durch die Gegend wuchten.

Ein kleiner Klotz am Ende der Zwinge hilft, dass das alles nicht so schief wird und die Mechanik wird geschont.

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Auch hier ist immer wieder zu schauen, ob es passt. Ein leichter Druck mit dem Finger hilft da schon sehr viel, um zu erkennen, ob noch irgendwo ein „Berg“ ist, der verhindert, dass alles dicht wird.

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Irgendwann ist es dann so weit und die Flächen passen. Das markiere ich mir mit einem roten Zeichen.

Fertig.

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Es liegt alles bereit zum Verleimen. Da muss es immer schnell gehen. So kann ich mich darauf beschränken, 4 Flächen einzustreichen und die Zwingen zu setzen.

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Das schaffe ich gerade so in der Zeit, innerhalb derer der Leim noch offen ist. Mit den „dicken Blauen“ lässt sich sehr gut extrem hoher Druck aufbauen. Die sind toll. Ich brauche sie nicht sehr oft. Wenn ich sie aber brauche, sind sie Gold wert.

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Sobald der Leim dann kaugummiartig ist, nehme ich ihn mit meiner Leim Ziehklinge ab. Dann schmiert der Leim die Poren nicht nur zu, lässt sich aber noch gut abmachen.

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Für die Tischplatte muß ich umbauen und meine „Verleimwand“ aufbauen.

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Der Silikonspachtel hat sich sehr bewährt. In den letzten Monaten habe ich fast keinen Pinsel mehr benötigt; nur noch in sehr kleinen Ecken. Er ist einfach praktischer, weil er sich leichter reinigen lässt.

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Beim Verleimen gehen mir immer die Hände aus. Niklas ist da eine sehr willkommene Hilfe.

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So bleibt die Platte jetzt über Nacht.

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Vorher aber kommt noch der Leim weg – wie oben schon beschrieben.

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Auch der zweite Teil von der Tischplatte muß noch verleimt werden. Das läuft wie bei dem großen Teil (oben) ab.

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Die Platten sind sogar hinreichend gerade aus den Zwingen gekommen. Da hat sich das genaue Arbeiten vom Anfang ausgezahlt.

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Ich habe ein „kleineres“ logistisches Problem mit der großen Tischplatte. Ich bekomme sie nicht mehr aus dem Keller, wenn sie vollständig verleimt ist.

Die eine Überlegung war, alle folgenden Arbeitsschritte in der Garage zu machen. Das traue ich mich nicht. Derzeit ist es bei uns recht regnerisch. Wenn’s blöd läuft, verzieht sich die Platte noch bevor die Gratleisten drin sind. Dann ginge die Hobelei wieder von vorne los. Eine andere Lösung muss her.

Ich habe mich dann dazu entschieden, die Platte in zwei Teilen zu fertigen und die Arbeiten weitestgehend im Keller im Haus zu machen. Erst die allerletzten Arbeiten erledige ich dann in der Garage. Ich hoffe, das dauert dann nicht zu lange – und die Platte hält.

Damit mir bei den nun folgenden Bearbeitungsschritten nicht immer zu die Platte verrutscht, habe ich mich dazu entschlossen, sie mit zwei lose eingesteckten Holzdübeln zu fixieren. Die müssen nur sehr exakt gebohrt werden; sonst passt es nicht.

Dazu habe ich mir aus Resten diese kleine Bohrschablone gebaut.

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Die vier Löcher sind so dann schnell gebohrt. Ausgerichtet wird an dem Strich in dem Loch oben.

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So sieht’s dann vor dem Zusammenstecken aus.

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Fertig ist eine „Schummel – Platte“ 🙂

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Lina macht sich nützlich und entfernt mit einem alten Hobeleisen die letzten Leimreste. Das schont die frisch geschärften, „richtigen“ Hobeleisen. Da freut sich der Papa.

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Nun geht es los mit dem Hobeln dieser doch beachtlichen Fläche. Damit die Ausrisse beim Quer – Hobeln nicht ganz so stark werden, breche ich die Kanten an den Längsseiten mit dem Nr. 102.

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Jetzt kann der neue Hobel seine Stärke ausspielen – seine Masse. Einmal in Bewegung gesetzt, flutscht der nur so durch das harte Ahorn Holz. Äste sind ihm praktisch egal.

Toll!

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Es geht los quer zur Maserung. Das Holz an der Wand dient nur dazu, den Hobel zu schützen, wenn ich „über das Ziel hinausschiesse“.

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Immer wieder ein Test mit dem Präzisions Lineal, ob alles gerade ist.

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Die Späne quer zur Maserung sind nicht so „schön“, wie die längs zur Faser. Das Eisen ist an den Ecken abgerundet (die Ecken sind „hochgezogen“). Das soll verhindern, dass diese Hobelstreifen in der Fläche entstehen. Das ist an dem Span recht gut zu erkennen – zum Rand hin wird er immer dünner, so lange, bis er vollständig ausläuft.

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Längs wechsle ich dann auf die Rauhbank Nr. 7. Die Eisen sind unterschiedlich eingestellt und dann muss ich das nicht immer wieder aufs Neue machen.

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Ok – ich geb’s zu. Nach fast 2,5 Stunden Maloche ist mir schlicht die Kraft ausgegangen. Ich habe – doch – die Schleifmaschine rausgeholt. In diesem Stadium ist das noch vertretbar.

Hm – ok. ….

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Aber. Es wird gerade – nur nicht so schön, wie gehobelt.

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Das ist toll Papa! Die Hobelspäne nehme ich für meine Mäuse.

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Nächster Tag, neues Spiel. Die Ansteckplatten müssen auch noch gemacht werden.

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Auch hier muss so ca. 1 – 2 mm weg.

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Der „Fritsche Hobel“ ist ein echtes Arbeitstier – und nimmt den Mund ganz schön voll.

Nur im Gegensatz zu manch anderen hält er dann auch, was er verspricht.

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Mit dem Lineal prüfe ich, wo noch was weg soll und markiere mir die Stellen mit Bleistift.

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Wieder: Schärfen.

Ich meine, bei so viel Hobelarbeit ist das ein – sehr gutes – Ergebnis, wenn die Fritsche Eisen so lange halten. Die LN Eisen habe ich zwischenzeitlich fast komplett ausgetauscht.

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Die feinsten Abeiten mache ich dann mit dem Nr. 164 . Der Flachwinkler erzielt hervorragende Ergebnisse beim Verputzen.

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Hier eine schöne Übersicht von der Hobelarmada, die im Einsatz war.  DSC_9162

Ich komme wieder ganz schön ins Schwitzen – es wird warm 🙂

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Die lange Kante vom Hobel kann man auch sehr gut zum schnellen Prüfen zwischendurch nehmen, ob alles schon gerade ist.

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Magst Du was Essen Papa – du schaust so aus, als ob Du was brauchen könntest.

… der Lauser!

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Das wird aber schön glatt Papa.

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Auch Niklas macht sich nützlich und kehrt die ganzen Hobelspäne zusammen.

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So, jetzt hoffe ich mal, dass sich die Bretter bis zum nächsten mal nicht so schlimm verziehen und alles wieder von vorne losgeht.

… Ich habe ein paar Bretter, aus denen ich einen Tisch bauen kann.

Es geht weiter mit „4. Tischplatte abplatten + Gratleisten

Zurück zur Projektübersicht „Esszimmertisch„.

11 Kommentare zu “3. Fügen, Verleimen Hobeln – per Hand”

    1. Hallo Thomas,
      ja, die Messer von Lie Nielsen sind sehr gut. Die von Gerd Fritsche sind aber – noch – besser. Ich habe zu dem Thema mal einen Test gemacht (Hobeleisentest). Klarer „Sieger“ waren die Eisen von Gerd.

      Herzliche Grüße

      Tom

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  1. Hallo,

    ich finde deine Verleimwand sehr interessant, um welche Teile handelt es sich da? Bin nämlich am überlegen ob ich mir selbst eine Leimpresse baue da ich bisher nichts passendes (auch in Bezug auf den Preis) gefunden habe. Vor allem würden mich da deine Erfahrungen interessieren.

    Gruß André

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    1. Schönen guten Abend André,
      diese Zwingen (oder auch Leimknechte / Türspanner) gibt es so leider nicht mehr in Deutschland zu kaufen. In Frankreich hat es sie vor noch rd. 1 Jahr gegeben (ich habe leider keine aktuelle Bezugsquelle). Da mich zu den Dingern recht viele Nachfragen erreicht haben, habe ich hier ein wenig mehr dazu geschrieben (https://holzwerkstattblog.com/werkstatt-2/das-werkzeug/). Selbstbau hatte ich mir auch überlegt, ist aber recht aufwändig. Die käuflichen Lösungen, die ich damals gefunden habe lagen so um ab 1 T€…

      Herzliche Grüße

      Tom

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      1. Hallo Tom,
        vielen Dank für deinen Hinweis auf die Türspanner, wenn ich es jetzt richtig gesehen habe, dann gibt es Türspannervon Holzprofi noch in Deutschland zu kaufen.

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  2. Hallo Tom,
    ein schönes Projekt hat Du Dir da vorgenommen! Und gut zu sehen, dass bei Dir die Werkzeugschätze auch wirklich eingesetzt werden und das auch noch erfolgreich. Bin mal gespannt, ob wir beim nächsten Treffen etwas zu sehen bekommen…
    Selber bin ich auch grade fleißig am Üben von verschiedenen Verbindungen – ohne Maschinen anstrengend, aber auch sehr befriedigend. Wenn man aber voran kommen will, dann muss man ab und zu elektrische Hilfe annehmen.
    Gruß und bis bald
    Martin

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  3. Hallo Tom
    eine beeindruckende Arbeitsleistung, Ich mache es mir beim Fügen etwas einfacher, indem ich immer zwei Bretter gleichzeitig hobele. Dabei habe ich eine breitere Auflage für den Hobel und auch wenn der Winkel nicht ganz 90° ist, durch den Komplementärwinkel wird das Brett nach dem Verleimen gerade.
    Viele Grüsse
    Gerd.

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    1. Hallo Gerd,
      das mit den zwei Brettern gleichzeitig fügen hatte ich mir auch überlegt; habe das aber bisher nur mit dünneren Brettern gemacht. Die beiden Bretter sind knapp 10 cm und für meine Hobel zu breit. Das dahinter stehende Prinzip funktioniert aber natürlich trotzdem, da hast Du völlig Recht.

      Tollen Hobel haben wir da zusammen gebaut!

      Herzliche Grüße an den Bodensee,

      Tom

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  4. Hallo Tom,
    sehr schön Deine Bretter.

    Ich wollte ja auch einen Tisch bauen. Obgleich meine Platte viel kleiner ist (1300 x 900 x 45), bin ich auch mächtig ins Schwitzen gekommen beim Hobeln. Ich fand es darüber hinaus auch recht anspruchsvoll eine eben Fläche hinzubekommen, nachdem das mein erster Hobelversuch überhaupt war. Am Ende hat mich Kraft und Geduld verlassen und ich bin Kompromisse eingegangen. Das Ganze läuft nun unter „Übungsstück“, bevor ich den richtigen Tisch baue.

    Schöne Grüße
    Benno

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    1. Hallo Benno,

      ja, ich war auch überrascht – freue mich jetzt aber, dass es doch ganz gut geklappt hat. Dran bleiben!

      Herzliche Grüße

      Tom

      PS: … solche „Übungsstücke“ habe ich natürlich auch 🙂

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