4. Tischplatte abplatten + Gratleisten

In den letzten Tage habe ich  begonnen,

– die Kanten der Tischplatte abzuplatten. Im ersten Schritt habe ich das Gröbste gesägt. Hierfür musste ich mir eine recht massive Vorrichtung bauen, damit ich das überhaupt sägen kann.

– die Gratnuten in die Tischplatte und

– die Gratleisten zu fräsen – hier musste ich mir eine sehr spezielle Lösung einfallen lassen.

Es ist mal wieder Prozesslogik gefragt.

Ich muss die Gratnuten fräsen und die Abplattungen anbringen. Die Gratnuten sollen aber nicht in die Abplattungen ragen. Also muss ich die Abplattungen zuerst machen. Erst dann weiß ich, wie weit ich die Gratnuten fräsen kann.

Es geht los:

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Gut, dass mir das noch eingefallen ist. Es macht durchaus Sinn, die Platten vor dem Abplatten auf die Endmaße zu schneiden. Sonst wird hinterher alles krumm und schief an den Abplattungen und das sieht richtig blöd aus.

Also: Auf Breite und

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und auf Länge sägen.

Alles nicht so einfach mit so einem Mordsdrumm von Brett.

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Es geht los mit den Abplattungen der Tischplatte. Damit möchte ich zweierlei erreichen:

– die Tischplatte mit ihren knapp 5 cm Stärke soll nicht so wuchtig wirken; mit ein wenig Glück wirkt das Ganze dann später mal so, als ob die Platte „schwebt“

– an den Überständen kann / möchte ich keine Gratleisten anbringen; durch die Abplattung werden die Kräfte im Holz reduziert, so dass ich „hoffe“, dass die Platte auch an den letzen 8 cm die nicht mehr von der Gratleiste gehalten werden, stabil bleibt.

Um mir nicht gleich das ganze Holz zu versauen, mache ich mir lieber an einem Reststück ein Muster. Mit diesem Anschauungsobjekt kann dann die Regierungsentscheidung ob des weiteren Vorgehens eingeholt werden.

„Genehmigt“ 🙂

… wenn ich damals schon gewusst hätte, was ich mir damit einfange.  Ich bin mir nicht sicher, ob ich das zur Wahl gestellt hätte. Dazu aber später mehr…

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Der gewünschte Winkel wird mit der Schmiege abgenommen

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und auf den Parallelanschlag übertragen. Ok – keine gute Idee.

Ich hatte vollkommen verdrängt, dass ich recht große „Bretter“ habe. Die lachen sich ja einen Bauch über den süssen, kleinen Parallelanschlag. Dann ist es nicht mehr weit her mit einem halbwegs geraden Sägeschnitt.

Eine andere Lösung muss her!

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Gehirnschmalz ist gefragt.

Wie wäre es, wenn ich das Brett auf dem Schiebetisch fixieren könnte und in dem zu schneidenden Winkel am Sägeblatt vorbeiführen würde?

Hört sich gut an – ich brauche also eine Vorrichtung zum „Tischplatte abschrägen“; das lasse ich mir patentieren 🙂

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Das Ding ist schlussendlich recht massiv geworden; es muss einiges halten (Gewicht) und muss sicher fixiert werden können.

Während des Schnittes darf nichts mehr verrutschen.

Nicht schön, funktioniert aber – es kommt ja auf die inneren Werte an im Leben 🙂

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Damit mir die Platte – trotz der Schraubzwingen – nicht runterrutscht, führe ich sie mit dem Parallelanschlag. Das hat recht gut funktioniert.

Den ersten Testschnitt am „richtigen“ Holz mache ich an den Ansteckplatten. Da mache ich im Fall der Fälle nicht ganz so viel Holz kaputt.

Hat funktioniert – puh!

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Der Winkel ist doch recht groß geworden; gut, dass die Säge so ein großes Blatt hat.

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Nachdem das schon mal geklappt hat, wage ich mich an die große Platte.

Hier ist auch gut zu sehen, dass das am Parallelanschlag nie geklappt hätte; zumal ich die Platte – alleine – nur schlecht gerade über den Maschinentisch hätte schieben können.

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Hier ist die Abplattung mal zu sehen.

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Nach nur einem Vormittag Arbeit sind dann auch schon alle Abplattungen an den Tischplatten fertig gesägt.

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Die Gratnut möchte ich nicht tiefer machen, als die Hälfte der Platte.  Das Ganze soll ja stabil bleiben.

Also: 2,1 cm – so soll es sein.

Das schafft nur noch mein größter Gratleistenfräser mit einem 12 mm Schaft.

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Nur gut, dass ich für meinen Fränstisch auch eine 12 mm Spannzange habe.

Bei den Gratleisten muss ich ein wenig zaubern.

Problem: Ein klassischer Zielkonflikt

Die Gratleisten

– dürfen nicht zu viel unter der Tischplatte herausstehen, sonst habe ich keinen Platz mehr für die Ansteckplatten (die Füße hätten sonst keinen Platz mehr unter dem Tisch und würden anstossen). Es hat schon seinen Grund, warum nur sehr wenige / keine Massivholztische in dieser Bauart zum Ausziehen sind.

– müssen so viel Kraft haben, dass sie eine rd. 5 cm starke Ahornplatte dauerhaft in einem Raum gerade gerade halten können, in dem ein Kamin mit 15 kw steht und die Luftfeuchte über das Jahr zwischen 25 und 70 % schwankt.

– sollen nicht an den Rändern der Tischplatten zu sehen sein. Ein Nachteil der „klassischen“ Gratleisten, die in die fertige Tischplatte von der Seite eingeschoben werden und man immer etwas sieht (selbst im aufwendigsten Fall, in dem man ein passendes Stückchen Holz einleimt, sieht man das).

Nur aus Holz müsste so eine Gratleiste – mindestens 5 cm stark sein; eher mehr. Das geht nicht. In der Schweiz gibt es einen Hersteller, der in einem Aluprofil eine nach meinem Empfinden recht dünne Metallschiene einbringt und die Platte so hält. Das mag funktionieren und diese Schiene erfüllt auch die Anforderung, dass man die Gratleiste nicht am Rand sieht.

Das war mir aber zu „windig“. Ich habe gerne einen Sicherheitspuffer.

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Also habe ich mir dieses kräftige T Profil mit 4,5 mm Wandstärke besorgt. Das T baut mit 20 mm nicht sehr stark auf, so dass ich die Gratleiste dünn halten kann.

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Leider ist dieses Profil nicht wirklich „genau“ gearbeitet. Das muss ich im weiteren Verlauf berücksichtigen.

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Die Fräshöhe nehme ich vom lebenden Objekt ab.

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Ebenso die Frästiefe.

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Das Ausgangsmaterial für die Gratleisten.

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Sehr wichtig ist, dass die Jahresringe stehend sind – sonst dreht sich die Gratleiste später aus der Gratnut raus und kann ihre Haltefunktion nicht mehr wahrnehmen.

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Gefräst wird dann – natürlich – mit allen Sicherheitsfeatures.

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So sieht die Gratleiste dann aus. Gut geworden.

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Und hier noch einmal in der Übersicht – ich bin aber noch nicht fertig mit der „Spezial – Gratleiste“.

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Und nun kommt der „Trick“.

Die Mitte der Gratleiste wird mit meinem „Lineal für Dummies“ ermittelt.

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und der Parallelanschlag mit diesem Maß eingestellt.

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Mit meinen beiden Schiebestücken kann ich dann die Gratleisten halbieren.

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So soll es dann einmal aussehen.

Unter die mittig geteilten Gratleisten kommt das T Profil. Die dann entstandene Lücke werde ich mit einem passend zugerichteten Holzstück kraftschlüssig verleimen.

Dann habe ich das Ziel erreicht:

– eine an den Rändern der Tischplatte nicht sichtbare Gratleiste,

– die so flach baut, dass ich auch noch die Ansteckplatten unter dem Tisch unter bringe und

– die so kräftig ist, dass sie auch eine knapp 5 cm starke Ahornplatte halten kann.

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Nun kann ich mit den Gratnuten weiter machen.

Dafür muss ich mir wieder eine Schablone bauen. Der Anlaufring gibt die Stärke der Schablone vor – sonst verschenke ich zuviel Frästiefe. Da die Gratnuten recht massiv werden und meine Fräser (wie natürlich alle Fräser…) nur eine begrenzte Nutzlänge haben, ist Rechnen angesagt.

8 mm – ein Wort.

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Leider ist meine schöne neue Frässchablone zu kurz für die Tischplatte – hm, blöd.

Also muss ich mir eine neue, spezielle für dieses Projekt bauen. Ich schnappe mir ein billiges Nadelholzbrett und hoble es auf die Stärke vom Anlaufring.

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Das Maß gibt die künftige Gratleiste vor.

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Die Position der Gratnuten wird auf die Tischplatten übertragen. Um nicht jedes mal auf‘ Neue messen zu müssen, habe ich mir ein Brett als Maß geschnappt.

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Das gleiche Prinzip (Brett als Maß) dann noch für die Breite der Gratnut. Hier muss man nur berücksichtigen, dass die Gratleiste + T Profil gut reinpassen…

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Wie breit die Schablone letztendlich wird, muss ausgerechnet werden.

Breite künftige Gratnut

+ Stärke Anlaufring

+ Abstand Fräser / Anlaufring (Innen)

In diesem Fall ergibt sich dann:

2 * (Stärke Anlaufring + Abstand Fräser) + Breite Gratnut = Abstand zwischen den beiden Anschlagleisten der Schablone

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Mit diesem Maß kann ich dann die Schablone bauen.

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Die Anschlagleisten habe ich ein Stückchen hoch genommen. Das soll verhindern, dass Holzspäne zwischen Schablone und Fräse geraten; das ruiniert sonst ein korrektes Fräsen.

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Die Schablone selbst habe ich ich mit dünnen Nägelchen fixiert. Das Loch vom Nagel verschwindet später unter der Gratleiste. Das hält bombenfest und stört keinen Menschen.

So was mag ich ja 🙂

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Die Frästiefe lässt sich sehr komfortabel am Tiefenstop einstellen.

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Im ersten Schritt fräse ich mit einem 12 mm Nutfräser in mehreren Schritten eine 2 cm tiefe Nut. Das soll den Gratfräser schonen, weil er dann nicht mehr so viel Holz ausräumen muss.

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Dann kann ich auf den 12 mm Gratfräser wechseln.

Hier habe ich mir eine zweite Oberfräse gewünscht. Das dauernde hin- und her hält ziemlich auf  – und ist leider auf fehleranfällig.

Also. Theoretisch. Mir passiert das natürlich nicht. Klar. …

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Das dauert bei 8 zu fräsenden Gratnuten dann schon seine Zeit, da ich ständig am hin- und her Wechseln war. Die Schablone wollte ich – einmal festgenagelt – nicht mehr verrutschen.

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Und ich war ganz gut beschäftigt mit den je zwei Gratnuten in den Ansteckplatten und derer vier in der eigentlichen Tischplatte.

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Schliesslich passen die Gratleisten aber sehr gut in die Gratnuten rein.

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An den Enden habe ich jeweils – satt – Platz gelassen, damit das Holz Raum zum Arbeiten hat.

Bei mir in der Werkstatt arbeite nicht nur ich sondern auch das Holz 🙂

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An der großen Tischplatte habe ich sehr penibel gemessen, gerechnet und angezeichnet. Da darf nichts schief gehen.

Ich war recht dankbar, dass mir der „Trick“ mit den beiden Holzdübeln eingefallen ist, mit denen ich die beiden noch nicht verleimten Platten fixieren kann. So verrutscht nichts mehr und ich kann ich der Werkstatt im gleichbleibenden Raumklima arbeiten. In der Garage wäre das Risiko – deutlich – größer, dass sich das Holz verzieht.

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Ein Umstand, der mich echt ärgert. Der Sack ist so voll, dass nichts mehr reingeht. Der Sauger läuft heiß und kann keine Späne mehr absaugen – und bei dieser Aktion fallen sehr schnell, sehr viele Späne an.

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Nach dem zweiten Sack, der ratz fatz voll war (konkret: noch nicht einmal eine Gratnut), war mir dass dann zu blöde. Der ist noch nicht einmal zu einem 1/4 voll und kostet mehrere Euro. Das ärgert mich.

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Ich habe ihn dann an einem Ende aufgeschnitten und mit der großen Absaugung ausgesaugt.

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Mit so einer Klammer aus dem Büro wurde das Ganze dann wieder verschlossen. Funktioniert prima.

Für mich ist das aber eine Lehre. Kaufe kein „billiges“ Werkzeug! Dieser Sauger nervt mich. Nicht nur, weil er sehr laut ist. Auch das Thema mit dem Sack ist einfach nur blöde. Ein Schelm, wer böses dabei denkt, wie das von der Industrie konstruiert worden ist …

Nun kommt ein neuer Werkstatt Sauger auf die Anschaffungsliste – das wird nur noch eine zeitlang dauern. Aber so oft brauche ich ihn ja nicht.

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Aber irgendwann waren dann auch die Gratnuten an der Tischplatte fertig.

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Und ich konnte die Tischplatte wieder auseinander nehmen.

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Schön geworden. 🙂

Es geht weiter mit „5. Tischplatte – Abplattungen hobeln (1. Teil)

Zurück zur Projektübersicht „Esszimmertisch„.

 

 

3 Kommentare zu “4. Tischplatte abplatten + Gratleisten”

  1. Hallo,
    ich bin wirklich begeistert von deinen Projekten, deswegen möchte ich das ein oder andere nachbauen.

    Ich hätte hier die Frage, ob du es wieder mit einem T-Profil machen würdest ?!
    Also ist es wirklich notwendig oder sollte es auch ohne gehen ?

    Gruß

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    1. Schönen guten Abend Christoph,
      ja, das würde ich immer wieder so machen. Sicher eine Gratleiste. Die Variante mit dem T-Profil war & ist eher dem Sicherheitsbedürfnis und auch den doch sehr speziellen Gegebenheiten mit dem nicht vorhandenem Platz unter dem Tisch geschuldet. Ohne diese Besonderheit wäre es eine „einfache“ (…) Gratleiste geworden. Ich wollte einfach nicht riskieren, dass die Arbeit über mehrere Monate „kaputt“ gemacht wird, weil ich mir ein paar Stunden Mehrarbeit nicht aufhalsen wollte.
      Ohne Gratleiste kann es gut gehen und die Platte bleibt eben. Mit Gratleiste geht’s – sicher – gut.

      Viel Erfolg!

      Herzliche Grüße

      Tom

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