Hobelbau mit Gerd Fritsche

Am Wochenende hatte ich ein echtes Highlight – ich durfte zusammen mit Gerd Fritsche einen Hobel A 1 (17 1/2 “) – Rauhbank bauen. Ich habe mich riesig gefreut. Ein durchwegs gelungenes Wochenende. Eine Erfahrung, die ich jedem nur wärmstens an’s Herz legen kann.

Viel Spaß mit den Bildern.

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Vor rund einem halben Jahr standen wir schon an genau der gleichen Stelle – heute wird aber im Gegensatz zu damals gearbeitet.

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Das ist der Hobelbausatz, den man so von Gerd kaufen kann. Die Teile sind per Laser ausgeschnitten und das Holz für die Griffe grob vorgesägt.

Ich bin ja gespannt, was da auf mich zukommen wird. Ich habe von Metallbearbeitung ja ungefähr so viel Ahnung, wie ein Fisch vom Fahrradfahren.

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Es geht los.

Die Hobelsohle muß an vier Ecken ein wenig nachgearbeitet werden. Der Fräser hat „runde Ecken“ hinterlassen. Die Seitenteile müssen da rein und das Eckige passt nun mal nicht in das Runde.

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Nachgearbeitet wird mit einem kleinen Eisen.

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Das war schnell erledigt.

Nebenbei gesagt: Der Schraubstock ist eine echte Wucht!

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Gerd macht den ersten groben Test. Es wird Maß genommen.

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Und nun geht’s los. Das Feilen. Ich denke, in einer Schlosserlehre geht’s nicht groß anders zu.

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Die Sohle wird mit den Seitenteilen mit einem „doppelten Schwalbenschwanz“ verbunden. Hier ist der erste Teil vom Schwalbenschwanz anzufeilen.

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Mit einem Filzstift werden die Teile angeschwärzt. Dann kann ganz exakt mit einer Anreißnadel angerissen werden.

Los geht’s!

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Auf einmal war Gerd weg.

Er sägt etwas an der Bandsäge.

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Dann auch noch an seiner Hobelbank gefeilt und geschliffen. Was wird das denn?

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Ein kleines Mäuschen 🙂

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Da wird sich Lina aber freuen.

Eine ihrer beiden Mäuse ist am Wochenende leider gestorben. Zwar kein echter Ersatz, aber hoffentlich ein kleines Trostpflaster.

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Es geht weiter mit dem Hobel.

Die erste Seite passt rein – fast.

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Gerd macht die Seitenteile noch ein klein wenig kürzer.

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Und setzt ein paar „Profi Feilenstriche“.

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Nun kann die erste Anprobe mit samten Zureden gemacht werden.

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Nun aber.

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Es ist drin.  _NIK0496

Die oberen Kanten von den Seitenteilen sollen leicht abgeschrägt werden. Gerd zeigt mir, wo was weg soll.

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Dann bin ich wieder an der Reihe mit Feilen. Ein echtes Männerspielzeug diese Riesenfeile.

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Aha – so geht’s auch.

Mit der Maschine geht’s natürlich leichter und schneller. Hätte ich mal eher wissen sollen 🙂

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In der Zwischenzeit kann Gerd noch einen Griff an der Bandsäge aussägen.

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Ja, sieht schon mal ganz gut aus.

In der Werkstatt von Gerd ist bei dem herrlichen Frühlingswetter ein phänomenales Licht.

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Mit dem Fenster und dem natürlichem Licht ist das ein sehr angenehmes Arbeiten.

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Das Holz wartet auf seine künftige Verwendung als Hobel.

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Während ich noch am Feilen bin, bereitet Gerd schon mal die Schablone vor, die wir dann nachher brauchen, um die Seitenteile mit der Sohle zu vernieten.

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Ich beschäftige mich nun mit dem zweiten Teil vom doppelten Schwalbenschanz. Diesmal sind die Seitenteile zu feilen. Die Halterung hilft, den Winkel besser zu treffen.

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Da muss ich mich schon konzentrieren und es muss auch einiges weg.

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Ziel ist es, einen Winkel von 10 Grad zu treffen.

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Das ergibt dann später eine defacto unlösbare Verbindung.

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Ja, is ja gut. 🙂

So 100 % genau ist es bei mir dann leider doch nicht geworden. Gerd setzt noch ein paar Striche – und dann passt es.

Es macht eben doch einen Unterschied, ob man das das erste mal macht oder schon den ein oder anderen Hobel in seinem Leben gebaut hat.

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Das Hobelmaul wird festgelegt. Dort soll dann die Klappe hin.

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Einige von den Klappen, die Gerd aus dem Vollen fräst. Sehr edel.

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Nun können die Löcher in die Seitenteile gebohrt werden, durch die dann die Schrauben kommen, mit denen das Holz fixiert wird.

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Das Widerlager für  die Klappe muß ganz exakt werden und darf kein Spiel haben. Das gebohrte Loch wird also noch mit einer Reibahle nachgearbeitet. Absolut präzise.

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Der Rohbau steht.

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Die Teile von der Vorrichtung von der Schablone werden gebohrt und gesenkt.

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Erste Anprobe – Hobel / Schablone. Sieht schon ganz gut aus.

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Noch ein Druckbalken, damit die Hobelsohle ganz exakt und gleichmäßig aufliegt.

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So soll es sein. Alles kraftschlüssig.

Es kann losgehen mit dem Vernieten.

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Die kleinen Zwischenräume, die zwangsläufig entstehen, weil man den Winkel beim Feilen doch nicht immer so 100 % trifft, werden geschlossen. Das geht erstaunlich gut.

Hier in der Richtung von der Seite.

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Und hier von oben.

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Das ist echte Arbeit – und dauert durchaus seine Zeit.

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Ein Büromensch wie ich kommt da schon gerne mal mit dem Winkel durcheinander – „war’s nun rechts- oder doch linksum?“. Beachtet man das nicht, lässt sich das Metall schlechter treiben.

Also: Winkelhilfen per Filzstift an den Druckbalken – eine Hilfestellung für Dummies 🙂

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… ich bin noch mit dem Vernieten beschäftigt.

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Langsam wird’s was.

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Und weil das Ganze mit der Zeit recht laut wird, hole ich mir doch lieber die Ohrenschützer.

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In der Zwischenzeit arbeitet Gerd an den Griffen weiter.

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Die Rundungen lassen sich mit der Horizontalfräsmaschine recht gut ausarbeiten.

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Ein tolles Teil.

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Es fliegen aber nicht nur Holzspäne in der Werkstatt. Das Hobeleisen wird vorbereitet.  _NIK0575

Und dann geschärft.

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Die Spiegelseite zieht Gerd auf einem Lederstreifen ab.

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Den Haartest besteht das Eisen – sau scharf.

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Ein kritischer Blick von Gerd auf meine „Klopferei“ – bestanden. 🙂

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Die unweigerlich entstandenen Überstände werden mit der Fräse grob entfernt.

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Auf auf der Langbandschleifmaschine für Erwachsene fein geschliffen.

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Wird ja langsam. Alles ist vernietet und geschliffen.

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Nun will das Hobelmaul noch lieb gehabt werden. Auch hier sind ein paar Feilenstriche zu platzieren.

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Ein erster Test, ob das Eisen so passt.

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Nun kann das Inlay – Holz angepasst werden. Die Schraube im Vordergrund (das unscharfe Teil im Vordergrund zwischen den Seitenteilen) drückt die Seitenteile ein klein wenig auseinander, damit das Holz rein geht. Damit die schönen Seitenteile nicht verkratzen, haben wir ein kleines Stückchen Klebeband untergelegt.

Noch so eine pfiffige Idee von Gerd.

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Mit Hilfe einer Schablone werden die Konturen vom hinteren Teil vom Griff (unteres Stückchen davon) angezeichnet.

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Und ausgesägt. Selbstredend mit einer von Gerd selbst gebauten Säge.

Ein tolles Werkzeug.

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Ich widme mich dem vorderen Griff. Feilen ist angesagt.

Ich hatte bisher gar keine Vorstellung, welch tolle Feilen und Raspeln es gibt. Da habe ich durchaus noch Potential nach oben….

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Meine Hand gibt das Maß vor. Es soll ja nicht drücken und der Griff muss gut in der Hand liegen. Sonst gibt es hinterher Blasen.

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Die Feinarbeit wird dann mit Schleifleinen erledigt – bis 320 hoch.

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So gefällt er mir und er passt gut in der Hand.

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Beim hinteren Griff wird wieder Maß genommen. Er geht in den Hobel.  _NIK0604

Nun muss er noch meiner Hand passen.

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Und wieder. Feilen und Schleifen…

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Gerd widmet sich dem Hobelkörper und redet im mit dem Bandschleifer gut zu 🙂

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Nun können wir uns noch einmal den Kanten widmen. Es wird immer feiner.

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Die beiden Teile vom hinteren Griff sind fertig zum Verleimen.

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Am vorderen Griff ist noch eine kleine Ecke winklig zu fräsen.

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Nun kann der hintere Griff verleimt

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und zum Trocknen im Hobel eingesetzt werden.

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Langsam wird es ein Hobel.

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Man erkennt nicht viel – mir gefällt das Bild aber trotzdem mit dem schönen Licht 🙂

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Diese Schrauben kommen durch die Seitenteile in das Holz und fixieren es dann später.

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Mit der Tischbohrmaschine werden die winkligen Löcher gebohrt.

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Und die Löcher werden gesenkt. Aber nur so tief, dass die Schrauben später noch abgeschliffen werden können. Die Schraubschlitze sollen nicht mehr zu sehen sein.

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Die Norris Verstellung. Vollständig von Gerd selbst gefertigt. Ich bin baff!

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Die letzten Feinheiten für das „Loch“ für die Norris Verstellung werden noch genau ausgefräst.

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Und mit dem Stechbeitel auch noch die Ecken nachgearbeitet.

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Nun noch die Löcher in den Griffen fertig bohren.

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Die Gewindebuchsen werden eingeklebt und mit dem Schraubstock eingetrieben.

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Das Bett für das Hobeleisen wird – natürlich mit einem Hobel von Gerd – geebnet.

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Und immer wieder: Messen

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Ich kümmere mich um die finalen Arbeiten am Hobelkörper mit immer feiner werdenden Schleifleinen, die auf ein Holzstückchen aufgeklebt sind.

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Nun passt der Verstellmechanismus rein und das Hobelbett ist eben.

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Die Holzgriffe können mit dem Hobelkörper verschraubt werden.

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Die Schrauben sind nun drin, stehen aber noch über.

Hier wird klar, weshalb Gerd die Schraubenköpfe abschleift. Das sieht sonst nicht wirklich schön aus.

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Die Anprobe von der Hobelklappe.

Geht sie rein?

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Eine kleine Hobelarmada.

Meiner ist der zweite von vorne. Es geht also durchaus noch größer – aber auch kleiner 🙂

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Die Löcher für die Klappe werden mit dem Körner angestoßen.

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Und präzise an der Tischbohrmaschine gebohrt. Ein Gewinde wird auch noch angebracht. Das muss alles präzise senkrecht sein, sonst funktioniert es hinterher nicht richtig.

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Wird langsam und passt rein.

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Ein funktionsfähiger Hobel.

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Der erste Hobelzug. War ich gespannt!

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Er zieht wunderbare Späne – herrlich! Und das, obwohl das Feintuning inkl. der Hobelsohle erst noch bevorsteht. Ziemlich beeindruckend, wie gut die Teile vorgefertigt sind.

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Nun widmen wir uns der Feinarbeit.

Die Seitenteile und die Hobelsohle werden geschliffen und geplant. War ich froh, das Gerd diese riesen Schleifmaschine hat. per Hand hätte das eine Ewigkeit gedauert.

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Natürlich achten wir darauf, dass alles im Winkel ist.

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Ich wollte gerne das Zeichen von Gerd auf der Klappe haben. Also hat Gerd seinen Schlagstempel rausgeholt.

Einmal kräftig mit dem großen Hammer – „Wumms“ und

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es ist klar, aus welchem Stall der Hobel stammt 🙂

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Nun können die seitlichen Schrauben von der Klappe final montiert werden.

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Und der Hobel noch ganz fein geschliffen / verputzt werden.

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Als letzten Schritt bringe ich noch Öl auf.

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Und nun noch einmal ein Test.

… das sind mal Späne – herrlich!

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Ohne Worte – ein echtes Kunstwerk. Ich kann mich gar nicht satt sehen an dem wunderschönen Hobel.

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Herzlichen Dank Gerd – das ist eine Erfahrung, die ich noch sehr lange in Erinnerung behalten werde. Den Hobel gebe ich nicht mehr her.

Das war ein wunderbares Wochenende. Ich habe mich bei Gerd und seiner Frau Hanne pudelwohl gefühlt. Hanne hat alles daran gesetzt, dass es ein gelungenes Wochenende wird – und Hanne ist eine begnadete Köchin 🙂

Herzliche Grüße

Tom

PS: Gerd und seine liebe Frau werden übrigens auch zum Sommerfest kommen

5 Kommentare zu “Hobelbau mit Gerd Fritsche”

    1. Schönen guten Abend Ricc,
      Danke – ich war ja nur froh, dass Gerd mit dabei war. Im Grunde alles keine Zauberei. Man sollte aber schon wissen, was man macht. Unter Anleitung geht’s dann doch leichter.

      Herzliche Grüße

      Tom

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  1. Hallo Tom,

    Vielen Dank für den tollen Bericht! Da könnte man ja direkt neidisch werden 😉

    Ich freue mich schon auf unser nächstes Treffen, da wirst Du uns ja bestimmt das Schmuckstück vorstellen 🙂

    Und das Gerd Fritsche zu unserem Treffen kommen wird macht mich jetzt schon ganz aufgeregt, super Klasse!

    Viele Grüße

    Andreas

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