iPhone Hülle 2.0

Caro hat ein neues Handy bekommen und meine im letzten Jahr gebaute Hülle ist mir im letzten Urlaub leider beim Rennradeln aus der Trikot Tasche gefallen und hat einen Riss bekommen.

Zwei neue Handy Hüllen müssen her. Ich freue mich auf einen entspannten Nachmittag in der Werkstatt 🙂

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Nur notdürftig habe ich die zerbrochene Hülle geleimt – für die Restwoche nach dem Urlaub hat es gereicht. Aber so kann das natürlich nicht bleiben.

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Ich hatte noch ein Stückchen vom Pflaumenholz (links), aus dem ich die erste Hülle gebaut habe. Caro hat sich Ahorn gewünscht (rechts).

So soll es sein.

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Ich mache es mir ein wenig leichter und richte die erste Seite mit der Hobelmaschine ab – darf auch mal sein.

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Gleiches bei der ersten 90 Grad Kante. Aber auch hier: Kontrolle ist besser.

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Ich möchte aber auch – endlich – mal wieder ein wenig mit dem Handhobeln arbeiten. Die zweite Seite möchte ich also auf die „klassische Art & Weise“ machen.

Damit die zweite Seite parallel zur ersten wird, reisse ich mir ringsum mit dem Streichmaß die Sollstärke an.

Vorsicht – das Teil ist ziemlich scharf! Einmal abgerutscht und die haltende Hand dahinter und schon hat man einen ausgewachsenen Schnitt in der Hand. Nicht, dass mir so etwas schon einmal passiert wäre – ich habe nur davon gehört… 🙂

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Dann geht’s los mit dem Lie Nielsen Nr. 4 1/2. Das Arbeiten macht richtig Spaß!

Montiert ist ein frisch geschärftes Fritsche Eisen. Das läuft super.

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Damit ich mir beim Hobeln ein wenig leichter tue und nicht ständig schauen muss, habe ich mir am Rand eine Kante bis zur Anrisslinie angehobelt. Wenn die dann nicht mehr zu sehen ist, weiß ich, dass ich dort bin, wo ich hin wollte.

Man darf sich das Leben auch leichter machen.

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Zwischendrin wird immer mal wieder mit der Kante vom Hobel kontrolliert, ob auch alles schön plan ist.  iPhone2.0 - 12

Irgendwann war ich dann fertig und die beiden Hölzer müssen aufgetrennt werden. Da ich gerade auf dem „Handarbeits – Werkzeug – Trip“ war, habe ich meine Rahmensäge rausgeholt. Das hat noch den Vorteil, dass ich nicht so viel Holz durch den Sägeschnitt verliere, als wenn ich das mit der Kreissäge mache (das Sägeblatt ist deutlich schmäler, als die rd. 3,3 mm von der Kreissäge).

Schadet gar nicht. Da komme ich mal wieder in’s Schwitzen.

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Von beiden Seiten eingesägt, geht das recht schnell.

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Nicht ganz perfekt, aber schon recht gut. Ich bin zufrieden.

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Die kleinen Unebenheiten werden noch fix mit dem 4 1/2 egalisiert.

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Und da liegen sie nun. Die zwei Stücke Holz.

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Nun müssen die Teile nochmal jeweils in der Mitte aufgetrennt werden.

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Diesmal mache ich das – doch – mit der Maschine. Wir wollen für heute ja schließlich nicht übertreiben 🙂

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Ich mag meine Finger und so schiebe ich das kleine Holz nur mit den beiden Schiebehölzern am Sägeblatt vorbei.

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Auch hier wieder: Die Sägespuren werden mit dem Putzhobel (hier den Lie Nielsen Nr. 164) verputzt.

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Besser geht das aber an meinem Anschlagbrett an der Hobelbank. Da habe ich eine größere Anschlagbreite.

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Nun geht es an das Fräsen der Vertiefung im Holz, in der dann später das Handy liegen wird. Das möchte ich mit meiner Frässchablone machen.

Ein wenig Rechnerei ist da schon immer mit dabei.

Maß vom Handy

+ Breite Anlaufring

+ Abstand Fräser zum, Anlaufring

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Mit dem so ermittelten Maß kann die Schablone dann eingestellt werden.

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Nun gut. Mit Rechnen haben’s die Juristen nicht so und daher habe ich mich entschieden, lieber eine Probefräsung zu machen.

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Damit ich mich besser auf dem Holz orientieren kann, habe ich mir eine kleine Papierschablone vom Handy gemacht und den Umriss aufgezeichnet.

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So vorbereitet, kann die Schablone recht einfach & schnell ausgerichtet werden.

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Dann geht’s auch schon an’s Fräsen.

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Mit der Oberfräse geht das recht fix.

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Im Pflaumenholz (rechts) ist es besser geworden. Ist aber nicht schlimm, den letzten kleinen Rest schleife ich dann später weg.

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Mit „Fritz & Franz“ kann ich nun die Teile für die Holzscharniere absägen.

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Aus diesen Stückchen gilt es nun, ein funktionsfähiges Scharnier zu bauen.

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Das erste mal habe ich die Rundung vollständig gehobelt. Das war „verbesserungswürdig“.

Dieses mal möchte ich das Gros mit einem Viertelstabfräser abrunden. Dieser passt recht gut.

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Mit diesem Maß kann ich dann auch die Maschine einstellen.

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Diese kleinen Fummel – Teile sind recht heikel zu fräsen. Mit einem Schiebeholz und einem Niederhalter ging es dann aber recht gut – und die Finger waren aus dem Gefahrenbereich.

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Gut geworden.

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Diese Rundung habe ich dann an den Scharnierhölzchen und an den beiden anderen Brettchen angebracht.

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Damit das Scharnier hinterher auch funktioniert, muss ich die Höhe vom Scharnierhölzchen noch an diejenige vom „Hüllen – Holz“ anpassen. Das Maß wird vom lebenden Objekt gleich direkt übertragen.

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So angezeichnet, kann der Überstand dann abgesägt werden.

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Die Aussparung am Hüllenholz säge ich an den beiden Endpunkten mit der Hand ein – das ist genauer.

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Den langen Schnitt erledige ich mit der Stichsäge.

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Nicht perfekt, aber hinreichend gut.

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Den letzten Rest egalisiere ich mit dem Stemmeisen.

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Nun kann ich das Maß für das Scharnierhölzchen übertragen.

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Das wird dann auf der Sägelade passend abgelängt.

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Passt rein.

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So vorbereitet, kann ich das Hölzchen in einer „Spezial Vorrichtung“ mit der Hinterzange zum Trocknen fixieren.

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Sinnigerweise steht die Kameralinse am Handy ein Stückchen über – wer auch immer sich so einen Quatsch ausdenkt…

Also hole ich mir meine Schablone raus und markiere die Stelle, an der Linse später ist.

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An der Tischbohrmaschine kann dann mit einem Forstnerbohrer das Loch gebohrt werden.

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Hm. Ideal ist das nicht. Der Führungszapfen in der Mitte schaut einen Tick auf der anderen Seite raus. Nicht schlimmer, hätte es aber nicht wirklich gebraucht. Nun gut. Ist ja Handwerk.

 

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Die Scharniere mache ich mir aus einem Nagel. Dessen Stärke wird gemessen.

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Und er Kopf mit einem Bolzenschneider abgemacht. Vorsicht, das abgetrennte Teil kann durch die Gegend springen (z. B. ins Auge!). Also: Hand drüber.

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Meine High Tech Scharniere für lau. 🙂

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Das Loch für die Scharniere bohre ich an der Tischbohrmaschine. Das ist einfach genauer, als frei Hand.

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Nun kann ich an die Feinarbeit machen. Das geht mit einem Handhobel besser.

Ok. An dieser Stelle ist mir ein Missgeschick passiert. Die Rundungen waren noch zu klein. Also habe ich mir gedacht, gehst Du halt einfach mit einem größeren Fräser noch mal drüber. Gesagt getan. Ich kürze es ab. Es funktioniert nicht – und es sind böse Worte in der Werkstatt gefallen….

Der Fräser hat das Holz gefressen und ruiniert. Alles noch einmal von vorne machen wollte ich aber nicht. Also hab ich das Corpus Delicti abgeschnitten und ein neues Scharnierhölzchen angeklebt. Nicht schön, wenn man’s aber nicht weiß, fällt es kaum auf….  iPhone2.0 - 56

Die beiden Hüllen im Rohbau.

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Mit einem Schnitzmesser habe ich dann, um die Scharnierhölzchen nicht zu sehr zu schwächen am Gegenstück versucht, eine Rundung anzubringen.

Das geht „leidlich“. Ein rundes Schnitzmesser wäre da besser gewesen – so eines habe ich aber nicht. Geht auch so.

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Nach viel Fummelei waren die Scharniere dann so weit, dass die Hülle um 180 Grad aufging.

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Die Löcher, in denen die „Scharniere“ stecken, müssen noch verschlossen werden. Die Nägel fallen sonst immer raus. Ein Learning von der ersten Hülle.

Hierfür schnitze ich mir einen kleinen Zapfen, der in das 3 mm Loch passt.

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Mit einem Tropfen Leim wird das Ding dann gesichert.

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Und der Überstand mit einer Dübelsäge abgetrennt.

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Als nächstes kann die Hülle dann an allen Seiten gerade abgeschnitten und die Überstände beseitigt werden.

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Jetzt sieht die Handyhülle (fast) wieder wie aus einem Stück aus; die Maserung geht durch.

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An der langen Seite möchte ich dieses Mal eine kleine Griffmulde habe.

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Angezeichnet hatte ich nach Augenmaß. Wie es der Zufall aber so will, war das genau 1 cm.

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In dieser Stärke habe ich sogar einen Spiralnutfräser. Ich wollte nicht wieder eine mordsmäßig komplizierte Vorrichtung bauen.

Die Hinterzange tut’s hier auch.

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Und die Griffmulde ist fix freihändig gefräst.

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Die Kanten werden noch mit dem kleinen Immer dabei Hobel (Lie Nielsen Nr. 102) gebrochen.

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Und alles noch schön sauber mit dem Nr. 164 verputzt.

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Sehen gut aus unsere beiden Handyhüllen.

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Zum Schutz kommt noch eine Schicht Hart Öl drauf.

Fertig.

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Mein Weg als Hobbyschreiner

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