Longworth Futter

In den letzten Wochen habe ich mich zunehmend mit dem Drechseln beschäftigt. Meine ersten Versuche mit kleinen Schalen haben mir schnell vor Augen geführt, dass man sich recht bald Gedanken darüber machen muss, wie man am Ende den Boden abdreht.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man das machen kann. Es gibt einige gute Lösungen, die man kaufen kann; z. B. Segmentscheiben, Longworth Futter („Schweden Futter“), man behilft sich mit einem Zapfen, den man innen in die Schüssel klemmt dann den Boden abdreht oder man kann die Schüssel auch gegen eine Scheibe drücken.

Ich habe mich für ein Longworth Futter entschieden. In einer für meine Drechselbank passenden Größe würde so ein Ding rd. 150 € kosten (man könnte aber natürlich auch noch mehr dafür ausgeben, klar). Im Internet kursieren einige Bauanleitungen für derartige Futter. Ich habe mich näher mit dieser hier beschäftigt und nachgebaut – angepasst an meine Bedürfnisse.

Und so hab ich’s gemacht:

Das Prinzip ist recht simpel – wie das eben immer ist. Es kommt nur erst mal keiner drauf.

  1. Gewünschten Durchmesser festlegen (= Spitzenhöhe abzüglich 2 cm)
  2. Anzahl der beweglichen Segmente festlegen (= 8 Stück); den Kreis durch Linien (durch das Zentrum) entsprechend oft teilen
  3. Innerer Kreis, auf dem die Zentren der Teilkreise liegen anzeichnen. Das maximale Maß gibt die Befestigungsmethode vor (= Durchmesser Planscheibenring + ein wenig Puffer)
  4. Äußeren Kreis festlegen; ein Abstand zum Rand, bei dem man sich „wohl fühlt“ (= 1,5 cm)
  5. Die Kreissegmente für die beweglichen Teile ergeben sich dann. Der Mittelpunkt der (Teil) Kreise liegt auf dem inneren Kreis am Schnittpunkt zu den Segmenten (= 8 Stück). Der Kreis geht dann vom äußeren Kreis bis zum inneren Kreis.

Ein Plan, wie das jemand schon mal gemacht hat ist hilfreich; konkrete Maße sind nach dieser Methode nicht zwingend erforderlich.

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Im Baumarkt habe ich mir für ein paar Euro eine Multiplexplatte (25 mm) und eine Multiplexplatte (15 mm) besorgt. Dazu dann noch einen passenden Planscheibenring. Man könnte auch eine Planscheibe nutzen. Die wäre nur teurer und hat noch den praktischen Nachteil, dass das Futter bei Nichtgebrauch mehr Platz wegnimmt. So kann ich das Spannfutter an der Maschine lassen und ohne Umspannen das Longworth Futter montieren.

Das erscheint mir praktischer.

Leider habe ich die Maße vom Holz nicht noch im Baumarkt nachgemessen. Es war dem Mitarbeiter offensichtlich nicht möglich, das bestellte Quadrat zu schneiden. So habe ich zwei Rechtecke. An sich nicht super schlimm. So wird mein Futter nun leider rd. 3 cm im Durchmesser kleiner. Ärgerlich. Leider habe ich den Auftragszettel nicht mehr, sonst hätte ich die Bretter wieder zurück gebracht. Wieder was gelernt.

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Ein wenig kniffelig bei einem Planscheibenring ist es, die Mitte zu finden. Hierzu habe ich mir einen „Trick“ überlegt.

Ich mache mir einen Kreis, der genau in den Planscheibenring passt und in die Mitte bohre ich ein Loch. So etwas mag ich ja. Simpel und effektiv.

Niklas hilft mir natürlich….

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Die Rohform ist schnell aus einem Abfallholz geschnitten.

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Um die Scheibe besser spannen zu können, bohre ich mit einem dünnen Bohrer durch. So kann weiß ich schnell & einfach, wo auf beiden Seiten die Mitte ist.

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So vorbereitet, kann ich einen „Kreis drehen“.

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In der Zwischenzeit „schnitzt“ Niklas ein wenig mit einem Messer an einem Reststück Leder.

Nun gut. So lernt er, dass er bei scharfen Messern gut aufpassen muss. Hat er verstanden. Alles gut gegangen.

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Passt genau rein 🙂

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Nun muss ich in der Mitte noch ein Loch anbringen. Das mache ich so breit, wie meine Bleistifte dick sind.

Maß nehmen am lebenden Objekt.

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Das Loch ist dann kurzerhand an der Ständebohrmaschine gemacht.

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Ok – das hat schon gut geklappt.

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Welchen Durchmesser darf mein Longworth Futter eigentlich haben? Ich nehme direkt Maß an der Maschine.

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Wie es der „Zufall“ so will, kann ich das „Maß – Abfall – Stück“ nun gleich als Zirkel nutzen.

Sachen gibt’s… 🙂

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Damit beide Scheiben genau gleich groß werden, bearbeite ich sie ab jetzt gleichzeitig. Dafür klebe ich sie mit doppelseitigem Klebeband zusammen.

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Nun kann ich die Kreisform grob mit der Stichsäge ausschneiden. Senkrecht gespannt,  fällt das Sägemehl gleich runter und verdeckt mir nicht die Sicht.

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Nun kommt meine super duper Speziallösung das erste mal zum Einsatz – das Zentrum ist schnell gefunden.

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In der Mitte habe ich dann noch zusätzlich schon mal die künftige Zentrumsschraube angebracht. Man weiß ja nie, ob dieses Klebeband dann auch das hält, was die Werbung immer so verspricht…

So kann – sicher – nichts passieren.

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Das erste mal aufgespannt an der Drechselbank.

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Bevor’s losgeht, glätte ich die Handauflage noch mal kurz mit einer Feile.

Die werde ich wohl noch durch eine mit einer runden, gehärteten Auflage ersetzen.

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So vorbereitet, kann ich die beiden Scheiben „rund machen“.

Ich war ziemlich erstaunt, was die kleinen Ungenauigkeiten von dem mit der Stichsäge gesägtem Kreis ausmachen. Anfangs konnte ich rd. 500 U/min. einstellen. Am Ende waren es rd. 1.700 U/min.

Da werde ich ziemlich genau arbeiten müssen, wenn das hier so sensibel ist…

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So. Rund sind die beiden Scheiben schon mal.

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Hm, ok. Mein Fehler.

Ich muss noch zwei Kreise anzeichnen. Den Zirkel kann ich mit einem Loch in der Mitte nicht mehr ansetzen. Ein Holzdübel hilft mir, das kleine Missgeschick zu beheben.

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So habe ich nun also wieder die Mitte.

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Der erste (innere) Kreis gibt dann das Maß für die Zentren der weiteren Kreise vor.

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Nun muss die Schreibe in 8 gleiche Teile geteilt werden. Irgendwo lag noch mein altes Geodreieck rum (man glaubt es kaum, dass die – so 1 oder 2 Jährchen… – seit meiner Schulzeit so gut überstanden hat…

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Nun hilft mir der Dübel von vorhin noch ein weiteres mal. Diesmal für den großen Zirkel.

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Nun geht es an die Kreissegmente, die ich ausfräsen muss. Bei so vielen Linien hätte ich gerne ein wenig Farbe ins Spiel gebracht.

Niklas ist mir da flux eine große Hilfe und leiht mir seinen „guten roten Stift“…

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So vorbereitet, erkennt man leichter, wo ich fräsen muss. Ich habe mich dafür entschieden, die Kreissegmente über „3 Linien“ (= 2 Kreissegmente oder 90 Grad) zu machen.

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Damit da später beim Fräsen nur ja nichts verrutschen kann, bohre ich im Zentrum Löcher. Dort kann ich dann einen „Pin“ einstecken.

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Die Kreissegmente müssen präzise gefräst werden. Dieses Multiplex Zeug macht einen ziemlichen Dreck.

An sich ginge der nun folgende Arbeitsschritt auch mit einer normalen Oberfräse. An meiner Tischfräse ist die Absaugung aber besser, so dass ich das dort mache.

Mein „Zentrums – Pin“ fixiere ich mit einer kleinen Hilfskonstruktion am Maschinentisch.

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Doch zuerst mache ich lieber noch eine Probefräsung. Sicher ist sicher – und ich kenn mich ja… 🙂

Fräsen für Dummies.

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Man (ich) kommt bei den vielen Markieren schnell durcheinander. Also habe ich mit Farben und Nummern gearbeitet und mir auf dem Brett auf dem Maschinentisch auch eine Markierung angebracht.

Da tue ich mir leichter, das hilft, unnötige Fehler zu vermeiden.

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Nun kann ich loslegen. Konzentration.

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Das hat schon mal ganz gut geklappt. Ok – bis auf einen. Aber das kann ich verschmerzen.

Ich habe einen 8 mm Spiralnutfräser genutzt. Immer mit so um die 3 – 4 mm Zustellung. Die Herausforderung war, dass ich von unten gefräst habe; d.h. ich sehe nicht, wo ich fräse. Erst, wenn ich durch bin, sehe ich das Ergebnis. Da ist es im Fall der Fälle allerdings schon zu spät. Daher auch der eine zu lange Teil – Kreis.

Danach habe ich dann die Zahlen angebracht und ab da ging.

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Nun noch einmal kurz mit dem Schleifer drüber.

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Und noch vier Grifflöcher in die Scheiben gebohrt.

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Der Rohbau ist fertig.

Nun kann es an den Zusammenbau gehen. Die Scheiben werden „entgegengesetzt“ zusammengebaut.

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Die Zentrumsschraube wird gekontert. Damit sich da ja nichts löst.

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Ich habe mich für Türstopper als Haltepin entschieden. Das geht, die Dinger, die ich erwischt habe, sind allerdings nicht optimal.

Die werde ich noch austauschen.

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Mit meinem tollen „Zentrumsfinder – Teil“ kann ich nun den Planscheibenring montieren.

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So geht das sehr einfach & schnell.

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Fertig ist das Longworth Futter – wieder einiges an Geld gespart.

🙂

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Das schlicht geniale Prinzip von dem Futter sorgt dafür, dass das „Drechselgut“ immer im Zentrum ist und fest gespannt wird.

Toll.

Mein Weg als Hobbyschreiner

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