Mit der Wies’n hat das nicht viel zu tun – Wasmeier Museum

Gestern ging die Wies’n los. Für alle Nicht Bayern: das Oktoberfest. Mit den Kindern ist das zwar jedes Jahr ein „Muss Termin“. Wir wollten ihnen aber auch ein Kontrastprogramm dazu bieten. Dieses mal haben wir die Möglichkeit genutzt, das Wasmeier Museum zu besuchen.

Wir haben viele schöne Eindrücke von einem Bayern mitgenommen, dass es „so“ nicht mehr gibt. Für den interessierten Holzwerker dürfte aber das ein oder andere Interessante dabei sein.

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Eines der vielen alten Bauernhäuser, die dort stehen. Da soll mir mal einer sagen, dass der große Dachübelstand ein Haus nicht schützt.

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Schön, wie man einen Balkon als gestalterisches Element an einem Haus nutzen kann.

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Die Balken halten über die Jahrhunderte mit einer solchen Verbindung. Schön zu sehen, dass es nicht immer nur mit high tech geht.

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Die Dame hat mir erzählt, dass es der Bäuerin von früher ein echtes Anliegen war, dass in den Bauernhäusern das Feuer nicht ausgeht.

Die bösen Geister wären sonst ins Haus gekommen.

Das hat aber noch den positiven Nebeneffekt, dass man über der Feuerstelle den Schinken räuchern kann. Ich denke ja eher, dass das wie immer ist. Ein Kern Wahrheit ist meist mit dabei – hier ist es eben wichtig, dass das Räuchergut gleichmäßig im Rauch steht.

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Das eine „Teil“ ist zum Butterstampfen. Was man mit der Maschine links gemacht hat, habe ich noch nicht rausbekommen.

Einen herzlichen Dank an Jan für nachfolgende Erläuterung:

„Das links im bild ist eine zentrifuge. man trennt damit den rahm von der milch. danach wir aus dem rahm die butter gemacht… die modelle gibts auch mit elektromotor (wenn der bauer denn strom hatte). diese zentrifugen sind auf der einen oder anderen (alm) noch heute so in betrieb!“

@Wasmeier-Museum: die „Maschine links im Bild“ deren Funktion Du nicht kennst, ist eine alte Milchzentrifuge mit der man die Rohmilch in ihre unterschiedlich fetten Bestandteile trennen kann. LG Schorsch

… Danke Schorsch

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Eine interessante Anregung für einen platzsparenden Tisch. Auffällig ist, dass man nicht einfach einen schnöden Tisch gemacht hat. Das simple Brett hat noch eine Verzierung bekommen.

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An dem alten Bauerntisch sind schön die Gratleisten zu sehen. Selbst über die vielen Jahre ist die Platte eben geblieben.

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Man beachte die – wirklich – kleinen Lederstiefelchen. Wie klein sie sind, erkennt man erst an den Holzlatschen – die haben eine geschätzte 41.

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Das Schlafzimmer der Bauersleut. Sicher nicht unbedingt repräsentativ; aber so konnte es auch zugehen.

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Die konische Gratleiste mit den umgeschlagenen Nägeln ist gut zu erkennen. Selbst das Schloss konnte aus Holz gefertigt werden.

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Das Ding ist eine Hechelbank (Hachlbank), Damit wurde allerdings nicht Wolle behandelt sondern Flachs (Lein). Daher kommt auch der Ausdruck ein Thema durchhecheln.

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In dem Schaff wurde Sauerkraut gepresst. Saft/Weinpressen hatten unten Löcher damit die Flüssigkeit austreten kann.

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Eine Presse. Ich denke, dass man damit z. B. Wein pressen konnte oder beim Käsen.

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Diese Schaufel mutet ein bisschen wie die Plastikdinger aus Italien an. Ist aber meiner Meinung nach ein „Speibtücherl“ mit Sägemehl gefüllt, konnte man den reichlich anfallenden Schleim loswerden. Siehe Rauchhaus. Damit es nicht ganz so ekelig zu Ausleeren war hatte es einen langen Griff. Und ab ins Feuer. Gabs in feineren Haushalten auch mit Deckel.

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Ein Butterfass.

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Nochmal ein Butterfaß. Für eine Waschmaschine viel zu klein und zu wenig Platz für die Wäsche.

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Ein paar Jahre später, gab’s die dann auch mit Strom. Ein Museumsbesucher, der gerade neben mir stand, hat mir erzählt, dass er – genau so ein Teil – auch noch hatte. In der DDR.

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„So eine“ Kasse kenne ich auch noch – die stand noch im Tante Emma Laden im Dorf, bei einem Freund von mir. An dem alten Bauernhaus dort haben wir schon einen Teil des Daches neu eingedeckt.

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Das sind sogenannte Blockhäuser; eine Art Wagenheber.

Durch den Schlitz wird eine Stange gesteckt und nach unten gekippt. Ein Stift durch das passende Locher gesteckt. Dann nach oben ein weiter Stift durch ein Loch aus der anderer Reihe. Dann wieder nach unten und der Stift nachgerutscht. So hangelt man sich langsam nach oben. Zu kompliziert erklärt? Wenn du Interesse hast schick ich Dir gerne eine Zeichnung.

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Ja, so kann man auch eine Walze machen.

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Die Holzschindeln für die Dächer werden geschnitten. Das Schneiden / Spalten verhindert, dass die Holzfasern getrennt werden (wie beim Sägen). Das hilft, dass das Wasser nicht so stark ins Holz eindringen kann – und so ein Dach hält „ewig“.

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Simpelst und  die Kinder hatten einen heiden Spaß dabei.

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Das nenne ich mal einen Hobel. Ich meine, so ein Mordtrumm von Hobel heißt „Balken Hobel“ – oder hat jemand eine andere Bezeichnung dafür?

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Sicher bin ich mir hier nicht, aber ich meine, dass man damit Zigarren gepresst hat.

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Natürlich gab es Mäuseprobleme, dafür aber auch hungrige Katzen. Diese Fallen wurden im Getreidelager aufgestellt. Hier durften die Katzen nicht rein, weil sie sie sonst in die Körner geschi… hätten.

Diese Falle hat den Vorteil, das sie auch nach dem ersten Fang noch ’scharf‘ war

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Und ja, es gab auch Werkzeug für die Holzbearbeitung. Ob diese Zwingen richtig halten, würde mich fast interessieren.

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Diesen Aufsatz muss man sich echt mal durchlesen – einfach nur KÖSTLICH 🙂

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Niklas wollte sich natürlich noch den Schmied anschauen.

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Der große Blasebalg hilft, das Feuer am laufen zu halten.

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Das Zentrum vom Schmied. Der Amboss.

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Als wir da waren, wurde gerade ein Messer geschmiedet. Es war wohl eine recht blöde Frage von mir, weshalb er das Messer nicht im Wasser abschreckt. Wie ich nun weiß, ist das ein Stahl, der an der Luft härtet – daher liegt das Messer auf dem Holz.

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Nachdem das Messer aus dem Feuer kommt, wird es mit dieser Bürste gesäubert.

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Und dann darf es wieder abkühlen.

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Das Ganze dreimal.

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Messer kann man auch so schärfen. Ob das dann allerdings – mit „so einem“ Stein – wirklich so scharf geworden ist, wie wir das heute so gewohnt sind. Ich bin mir da nicht so sicher…

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Nachdem wir nun auch langsam mit dem Brotbacken anfangen, schauen wir natürlich auch mal, wie man das so früher gemacht hat.

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In der großen Schüssel wurde offenbar der Teig hergerichtet.

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Die große Version von einem Holzbackofen.

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Und eine kleinere Version. Auffällig ist, dass bei beiden Varianten ein recht großes Vordach ist. Wohl, damit man bei jedem Wetter backen kann.

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Interessant fand ich hier, dass man die in der Erde steckenden Enden verkohlt hat. Offenbar macht das das Holz haltbarer.

Kommentar Hans-Peter:

Die Pfähle kohle ich heute noch an, weil der Pfahl fault ja nur im Grenzbereich zwischen Erde und Luft ab. Drunter fehlt der Sauerstoff, drüber die Feuchtigkeit. In dem verkohlten Holz fühlen sich die Fäulnispilze nicht so wohl.

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So ganz läßt sich der Hintergrund vom Wasmeier Museum dann doch nicht verleugnen 🙂

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Auch im Bobbau hat sich offensichtlich einiges getan.

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Nach einem so anstrengenden Tag, haben wir uns dann einen Besuch im Biergarten verdient.

Dort wurde sehr schnell klar, dass die auf der Wies’n so viel zitierte  bayerische Gemütlichkeit nicht mehr viel mit deren Ursprung hatte.

… so kann man eine herrliche Mittagspause verbringen.

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Diese Biertische haben mir von der Konstruktion her ganz gut gefallen. Einfach, aber sehr stabil.

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Der Bayer schlechthin ist ja durchaus ein geselliger Typ. Die Kinder haben da bestimmt eine Stunde lang gespielt – und wir konnten in Ruhe essen.

… so etwas kann man doch bestimmt auch selber machen…. 🙂

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Und wenn’s dann mal kälter wird und die Seen zugefroren sind (das scheint’s früher tatsächlich noch gegeben zu haben…), kann man beim Eisstock Schießen auch eine menge Spaß haben.

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Das war der wohl beste Schweinebraten, den ich in den letzten Jahren gegessen habe 🙂

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Das – selbstredend – selbst gebraute Bier war eine echte Wucht.

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Und zum Schluss natürlich noch die obligatorischen „Auszogenen“.

… auf die richtige Wies’n werden wir aber wohl trotzdem noch gehen müssen… 🙂

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2 Kommentare zu “Mit der Wies’n hat das nicht viel zu tun – Wasmeier Museum”

  1. Servus Thomas,
    ich bin über Deinen Blog gestolpert und habe auch mit Interesse den Bericht über das Bauernhofmuseum am Schliersee gelesen.

    Darin bittest Du um Kommentare, wenn sich jemand einen Reim auf die Gegenstände machen kann.
    Bei einigen Dingen kann ich Dir vielleicht weiterhelfen.

    … {die Kommentare / Änderungen habe ich direkt bei den Bildern eingearbeitet} ….

    So Thomas, ich hoffe es war nicht zu klugscheißerisch. Ich habe Freude an deinem Blog.
    Viele Grüße nach München
    Hans-Peter

    PS: Schau doch mal auf meiner HP vorbei: Klick

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