Nähkästchen – 1. Teil

Lina näht sehr gerne. Von unserer Oma haben wir noch ein altes Nähkästchen; das ist aber leider schon recht kaputt. Da Lina bald Geburtstag hat, wäre ein neues Nähkästchen für sie ein passendes Geschenk. Als Holz möchte ich Kirsche nehmen.

Eine sehr gute Gelegenheit, am Projekt „Zinken per Hand“ weiter zu machen.

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Das ist das gute Stück. So einen luxuriösen „Plan“ habe ich bisher noch nie gehabt. Ich kann die Maße gleich direkt abnehmen.

Die Ausführung vom Original gefällt mir allerdings an ein paar Punkten nicht so gut. Das möchte ich anders machen. So ist der Boden z. B. von unten in eine Nut eingeleimt und besteht auch nur aus Sperrholz; die einzelnen Kästchen sind mit einem Profil verleimt worden.

Das geht besser.

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Aus dieser rohen Kirsch Bohle soll das kleine Schmuckstück hergestellt werden. Ich finde es – immer wieder – Wahnsinn, was man aus „so was“ alles Schönes machen kann.

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Um es mir aber leichter zu machen und nicht immer mit so einem langen Brett durch die Werkstatt rennen zu müssen, halbiere ich es mit der Stichsäge.

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Dann können die Bretter besäumt werden. Ich bemühe mich, möglichst wenig Verschnitt zu produzieren – das Holz ist teuer und der Baum hat lange gebraucht, um so groß zu werden. Da hat er es auch verdient, dass man sorgsam mit ihm umgeht.

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Vier Schnitte später stehen zwei rohe Kirschen Bretter in der Werkstatt.

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Die erste Seite wird gehobelt. Die Maserung, die da zum Vorschein kommt, gefällt mir sehr gut.

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Sobald die erste Seite plan gehobelt ist, kann auch die zweite Seite parallel zur ersten in der Dickte gehobelt werden.

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Nun habe ich schon mal zwei Bretter, deren Hauptflächen parallel zu  einander stehen.

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Das Holz ist aber mit nun noch rd. 26 mm für ein Nähkästchen deutlich zu stark. Ich muss es also dünner kriegen. Einfach durch die Dickte jagen und Späne produzieren wollte ich nicht.

Also werde ich die Bretter auf der Tischkreissäge halbieren. Mein Sägeblatt schafft 104 mm; dann geht’s mit zwei Schnitten pro Brett.

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Also. Erst halbieren.

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Aus zwei mach vier.

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Mit meinem Lineal für Dummies ist die Mitte schnell gefunden.

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Nun kann ich die Bretter am Parallelanschlag auftrennen. Das ist leider immer eine rechte Sauerei in der Werkstatt. Die Haube muß ich abmontieren und die Untertischabsaugung schafft nicht so sonderlich viel Staub weg. Nun gut. Mit einer Staubmaske bleibt die Belastung dann aber im Rahmen.

Wichtig ist mir, dass ich mit den beiden Schiebestöcken arbeite. Verrutscht man bei so einer Arbeit, sägt man sich – ganz schnell – mal in die Hand; ganz im Sinne von „gerade war das Sägeblatt doch noch innerhalb vom Brett – jetzt ist es in der Hand“.

Braucht kein Mensch.

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So. Nun habe ich also schon 8 Bretter.

Fast so, wie die wundersame Vermehrung.

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Ausgehend von der oben hergestellten Bezugsfläche, kann nun die Sägefläche in der Dickte parallel gehobelt werden.

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Kaum werkelt man 1,5 Stunden rum, schon hat man Bretter, mit denen man anfangen kann. Bin ich froh, dass ich auf eine Maschine zurückgreifen kann.

Selbstverständlich kann man das – alles – auch per Hand machen. Mit einer großen (Hand) Säge und ein paar gescheiten Hobeln geht das auch. Es dauert aber und ist anstrengender; wahrscheinlich auch schwieriger. Aber. Es geht.

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Wie hoch sollen die einzelnen Kästen denn nun eigentlich werden? Das Original gibt das Maß vor.

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Das stelle ich dann am Parallelanschlag ein.

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Und nun habe ich schon mal Bretter, die – in etwa – die Endbreite haben. Hier muss ich allerdings darauf achten, dass der untere Kasten eine (größere) Breite hat, als die oberen Kästchen.

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Nun müssen noch die (Schmal) Kanten abgerichtet werden. Das mache ich mit dem Hobel; der Winkelanschlag wird noch kontrolliert.

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Die erste Kante wird rechtwinklig gehobelt.

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In der Dickte werden die Kanten parallel gehobelt. Weil die Bretter recht schmal sind, halte ich sie zusammen, damit sie nicht kippeln und der Winkel kaputt geht.

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Die Winkel stimmen. Das ist essentiell wichtig für die nun anstehenden Zinkungen.

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Endlich – die fertigen Bretter.

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Wie groß soll das Kästchen eigentlich – genau – werden?

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Diese Maße stelle ich nun am (kurzen) Parallelanschlag ein. Das hat sich sehr bewährt, dass ich mir den zugelegt habe. Gerade bei solchen Arbeitsschritten kann sich das bereits abgesägte Holz, das nach hinten geschoben wird, nicht mehr verklemmen.

Die – ganz genaue – finale Länge säge ich dann aber am Queranschlag. Das ist (wiederhol) genauer.

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Der Zuschnitt ist erledigt. Ich habe darauf geachtet, dass die vielen, einzelnen Brettchen nicht durcheinander geraten.

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Denn nun kann ich die Maserung rund um die Kästchen laufen lassen. Das sieht später besser aus.

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Das Schreiner Dreieck hilft, die große Konfusion zu vermeiden.

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Ich bin bei sowas recht einfach strukturiert. Ich brauche da einfach Ordnung, sonst komme ich durcheinander.

Also. Pro Kästchen habe ich zwei Ersatzbretter (… ich kenne mich…). Jedes Kästchen ist in einer Reihe.

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Die Winkel stimmen alle; den Bestoßhobel muss ich gar nicht rausholen.

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Die Zinkeneinteilung mache ich diesmal mit dem Stechzirkel.

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Ich möchte mit den Schwalben anfangen (… ich weiß; eine ewige Diskussion…).

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Mit der Schablone ist das schnell erledigt.

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Die Stärke der Brettchen nehme ich gleich direkt ab.

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Und reiße die Brettchen mit dieser Einstellung an.

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Niklas macht sich nützlich und gibt mir die Brettchen an.

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Nun geht’s an das Sägen. Nicht unbedingt meine Kernkompetenz. Nun gut. Nur Übung macht den Meister.

Eine Sägeführung will ich nicht – aus Prinzip. Ich nehme zweiFinger, das geht genauso gut – und kostet gar nichts. Wichtig ist allerdings, dass es zwei Finger sind, sonst kann die Säge trotzdem wackeln.

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Nur nicht zu tief sägen – das sähe blöd aus. Mit meiner Lie Nielsen Vorderzange bin ich recht zufrieden. Sie spannt zuverlässig und bietet mir auch die Möglichkeit, zwischen den Gewindestangen mal eine Korpusseite spannen zu können. Meine Ulmia kann das nicht.

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Nicht 100 % perfekt, aber nicht schlecht. So kann’s weitergehen.

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Im nächsten Schritt kann dann der (senkrechte) Einschnitt von der anderen Seite gemacht werden.

Ich habe es so gehandhabt, dass ich – immer – die gleichen Sägeschnitte hintereinander gemacht habe und nicht ständig den Winkel gewechselt habe. Das hat zwar den Nachteil, dass man ständig umklemmen muß. Das hat – bei mir – aber bessere Ergebnisse ergeben. Das mag daran liegen, dass sich die Hand so besser an die einheitliche Bewegung gewöhnen kann. Keine Ahnung. Bei mir geht es so besser.

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Bevor ich mit dem Stemmen anfange, ziehe ich die Mikrofase am Stemmeisen noch einmal nach. Ich gehe bis 8.000 hoch.

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Die (Mikro) Fase ist einheitlich, durchgehend und spiegelt sehr schön. Es kann losgehen.

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So vorbereitet, zieht das Stemmeisen hauchdünne Späne; selbst im Kopfholz.

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Bei diesen Stemmarbeiten muss man höllisch aufpassen, dass das recht scharfe Eisen nicht mal eben „aus Versehen“ in der Hand oder der Brust ist.

Ich habe mich daher dazu entschlossen, das ganze in der Hinterzange zu machen. Die hält bombenfest und dort habe ich gleich noch die Möglichkeit, ohne Messen zu müssen, das Werkstück senkrecht einspannen zu können. Das ist wichtig, weil man sich dann leichter tut, einen geraden Schnitt zu setzen.

Perfekt. Gefällt mir gut so.

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Immer noch ein Check, ob alles auch tatsächlich gerade und plan ist.

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Niklas hat sich entschieden, dass er nicht nur zuschauen, sondern auch selbst etwas bauen möchte.

Diesmal soll es ein Schild werden. Er hat sich für ein „Vorfahrtsstraße“ Schild entschieden.

Die grobe Form steht bereits.

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Die Schrauben darf er selbst mit dem Schrauber eindrehen.

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„Schau mal Papa!“

🙂

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Damit der Rahmen ringsum einheitlich wird, habe ich ihm den kleinen Kombinationswinkel gegeben – ein echtes „Erwachsenen Werkzeug, auf das man sehr gut aufpassen muß“.

„Klar doch Papa“. Nun ja…

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Nun kann es dann auch schon an’s Ausmalen gehen. Das Schulmäppchen ist kurzerhand in der Werkstatt eingezogen.

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Es geht weiter mit der eigentlichen Arbeit.

Am besten hat es bei mir geklappt, wenn ich immer nur kleine Stückchen abgestochen habe. Zunächst am Riss ringsum, dann die Mitte.

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Geht wunderbar, keine Ausrisse.

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Es geht weiter mit den Zinken. Um nicht durcheinander zu kommen, lege ich mir die Teile genau so hin, wie sie dann später zusammen kommen sollen.

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Auch hier wieder. Ich markiere das Abfallstückchen. Nicht, dass der Heinz hinter der Säge noch genau das falsche Stück raussägt…

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Bevor es losgeht, noch ein Check. Die Teile sehen alle gleich aus – passt also.

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Zuerst mit der Zinkensäge.

Ach ja: Immer im Abfall Stückchen sägen – sonst gibt’s hinterher blöde Lücken und ein Großteil vom Reiz der Zinkung per Hand ist dahin.

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Dann mit der Läubsäge. Das Ding ist recht mimosenhaft – sie will gestreichelt werden, sonst quittiert sie das ohne Umschweife mit einem gerissenen Sägeblatt. Die Ergebnisse, die sie abliefert sind aber sehr gut.

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Man weiß ja nie, wozu es gut ist. Ich hebe mir das Sägemehl lieber auf…. 🙂

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So ein Glück; das Stemmeisen passt genau. Ich könnte jetzt behaupten, dass ich das – genau so – geplant und errechnet habe.

… das wäre aber gelogen.

Passen tut’s trotzdem und das spart Arbeit 🙂

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Ich stemme von jeder Seite jeweils bis zur Hälfte. Wenn doch einmal was ausbricht, dann ist das in der Mitte – und da sieht’s hinterher kein Mensch mehr.

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Ja – so gefällt mir das. Scheint gut zu passen. Eine vollständige Probepassung möchte ich noch nicht machen. Nicht, dass die Verbindung „ausleiert“ und die gute Passung dahin ist.

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Nun sind aber auch noch die Verbindungen vom unteren (höheren) Kasten herzustellen.

Ich übernehme die Einstellungen von bisher. Jeweils von den Seiten nach Innen gestochen – das ergibt dann eine einheitliche Einteilung.

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Man muß es am Anfang ja nicht übertreiben. Ich habe mich für die „Anfänger“ Aufteilung entschieden – und keine super dünnen Zinken gemacht.

Immer ruhig mit den jungen Pferden…

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Das habe ich jetzt mal anders gemacht, als ich es bisher gesehen habe.

Eingespannt in der Hinterzange geht das Übertragen sehr gut. Bei diesem Bearbeitungsschritt habe ich bisher die meisten Ungenauigkeiten produziert. Die Winkligkeit ergibt sich von ganz alleine und die Höhe ergibt sich auch von selbst, da das Schwalbenbrett nur auf der Hobelbank aufliegt.

Das mag ich ja. Einfach, aber effektiv.

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So. Das wäre schon mal geschafft. Fünf Kästen sind gezinkt.

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Nun soll die Nut für den Boden angebracht werden. Ein wenig tricky ist es, die Nut so anzubringen, dass sie im fertigen Zustand (trotz der Zinkung) nicht zu sehen ist.

Ich tue mir leichter, wenn ich sehe, wo ich die Nut anbringen muss. Das kann ich an den bereits erstellen Originalen der Kästchen (oben) gut machen.

Ich möchte die Nut diesmal per Hand herstellen. Um die Ausrisse zu minimieren, reisse ich mir die Nut mit dem Doppel Streichmaß an. Das Ding hatte ich lange nicht mehr in der Hand und wollte es (fast) schon wieder verkaufen. Für so etwas ist es aber Gold wert. Das Ding darf bleiben.

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Nun kommt mein Record Kombinations Hobel zum Einsatz.

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Erstaunlich. Ein paar Hobelzüge und schon ist die Nut angebracht. Toll!

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Die Nut ist gerade und winklig.

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Die Nuten an den Schwalben – Teilen treffen sich. Perfekt.

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Bevor ich mich aber an die Zinken machen kann, muß ich die Bodenbretter zusammen leimen. In der Zeit, wo der Leim trocknet, kann ich dann die weiteren Nuten an den Zinken – Teilen herstellen. Das geht nur leider nicht zu hobeln. Die Nut darf nicht durchgehen, sonst wäre sie später zu sehen.

Zunächst müssen die Bretter mal so zusammen gestellt werden, dass sich ein schönes Maserungsbild ergibt. So gefällt mir das.

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Die Bretter füge ich per Hand und meiner Lie Nielsen Nr. 7 Rauhbank. Dazu werden die sie zusammen in die Vorderzange gespannt, dann gleicht sich ein evtl. Winkelfehler vom Hobeln automatisch aus und das Brett ist trotzdem nach dem Verleimen gerade. Näheres zum Fügen ist hier zu finden.

Lina interessiert sich sehr für die Hobelspäne, die da rauskommen. Die will sie für ihre Mäuse haben.

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Wenn dann zwei gleichmäßig dicke und durchgehende Späne über die ganze Länge kommen, sieht’s gut aus.

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Was man nicht alles aus Hobelspänen machen kann? 🙂

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Für die Feinarbeit beim Fügen spanne ich dann aber nur ein Brett in die Vorderzange und prüfe, ob das andere Brett eine perfekte Kante bildet / kein Lichtspalt geblieben ist. Das ist ein wenig fummelig. Die Belohnung ist dann aber eine absolut dichte Leimfuge.

So soll das sein.

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Lina macht sich nützlich und gibt den Leim an.

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Recht praktisch. Endlich stehen mir mal zwei zusätzliche, helfende Hände zur Verfügung.

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Und den überschüssigen Leim hat Lina auch gleich noch abgenommen.

Wenn sie wüsste, für wen das eigentlich ist… 🙂

Es geht weiter mit „Nähkästchen – 2. Teil

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2 Kommentare zu “Nähkästchen – 1. Teil”

  1. Hallo Thomas,

    wie gewohnt ein richtig guter Beitrag der mir sehr gefält. Auch die Art der Ordnung (für Dummies wie Du so schön schreibst) ind ich klasse, so kann niemand durcheinander kommen. Weiter so.

    Grüße Andreas

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