Nähkästchen – 4. Teil

Heute steht die Montage von den Beschlägen (www.Brusso.com) an. Solch edle Teile habe ich bisher noch nicht verbaut. Ich bin gespannt, wie ich das hinbekommen werde.

Um die Unterschiede von den zwei verschiedenen Systemen festzustellen, habe ich zwei verschiedene Ausführungen bestellt.

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Das ist die „Quadrant“ – Ausführung. Vorteil ist, dass sie über’s Eck gehen und so die Konstruktion noch unterstützen. Eigentlich könnte man noch so ein kleines Metallstückchen in der Mitte einlassen, das dann als Halterung für den Deckel dient – er wird dann bei etwas mehr als 90 Grad Öffnungswinkel gehalten.

Ich fürchte nur, dass ich mit den recht dünnen Seitenwänden (knapp 10 mm) ohnehin schon Probleme bekommen werde. Ob ich da noch Platz habe, für eine recht tiefe zusätzliche Nut, muß ich mal sehen.

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Ich markiere die Ecken, in die die Beschläge rankommen sollen. Da kommt man (… ich) sonst gerne durcheinander. Sicher ist sicher.

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Ursprünglich wollte ich die Beschläge mit den Stemmeisen einlassen. Mit einem Anflug von Vorahnung habe ich das mal lieber an einem Teststück ausprobiert. Es geht in meiner konkreten Konstellation leider nicht. Die Seitenwände sind für diese Beschläge leider zu schmal. Es bleibt jeweils am Rand neben den Beschlägen nur noch ein – sehr knapper – Millimeter Holz stehen. Beim Stemmen bricht das raus. Schade.

Also: Die Oberfräse muss ran.

Die Tiefe stelle ich mit dem Tiefeneinsteller ein. Das Ding habe ich am Anfang völlig ignoriert. Jetzt bin ich recht froh zu wissen, was man „damit“ alles schönes machen kann – und wie einfach es doch sein kann.

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Dann zeichne ich mir die Umrisse vom Scharnier genau an. Dieses mal mit Bleistift – den sieht man besser, als eine Kerbe vom Messer.

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Brusso bietet zum Fräsen sogar Schablonen an – jeweils passend für die einzelnen Beschläge. Toll. Leider aber nur mit „inch – Maßen“; bis hin zu entsprechenden Anlaufringen und Fräsern. Die habe ich nicht.

Eine andere Lösung muß her. Extra eine anfertigen wollte ich nicht – das wäre aber wohl die ratsame Lösung gewesen. Also, habe ich’s frei Hand versucht. Zunächst aber ein paar mal an Abfallstücken. Als das dann brauchbare Ergebnisse geliefert hat, habe ich mich an das Objekt der Begierde gewagt:

Bewaffnet mit Schutzbrille und einem Kippschutz (= anderer Deckel) und voller Konzentration geht’s los.

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Ok. 100 % perfekt ist es leider nicht geworden. Aber „brauchbar“. So lasse ich es jetzt.

Eine Lehre für die Zukunft ist, stärkeres Holz zu verwenden, wenn ich solch schöne Beschläge verbaue. Mit den Stemmeisen geht dann auch die Passung genauer.

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Nun geht es an die Schrauben. Da hat es mir ein wenig gegraut. Die Schrauben sind sehr schön, aber aus einem sehr weichen Material (Messing?). Eine Metallschraube ist mit dabei. Mit ihr kann „vorgeschraubt“ werden. Das soll das Loch für die richtigen Schrauben vorbereiten.

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Vorbohren ist absolute Pflicht.  Leider auch hier. Ich habe keinen Bohrer mit 2,7 mm.  DSC_8589

Ich war dann froh, einen Bohrer mit 2 mm gefunden zu haben. Die erste Freude hat sich dann in dem Moment verflogen, als ich gemerkt habe, dass das Bohrfutter meiner Tischbohrmaschine offenbar nur Bohrer ab 3 mm fassen kann. Hmpf….

Eine Lösung muß her!

Ich habe mir dann ein Stückchen Papier zusammen gefaltet, um den Bohrer gewickelt und eingespannt.

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Es geht. Und so wird aus einem „Problem“ eine Lösung, über die man sich freuen kann.

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Die passenden Löcher sind dann schnell gebohrt.

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Die Schrauben drehe ich lieber per Hand ein. Einmal abgebrochen und man ist ewig beschäftigt, das Ding wieder rauszubekommen. So merkt man mit ein wenig Gefühl (… was ich als Mann selbstverständlich habe, so feinfühlig, wie ich nunmal bin), wenn eine Schraube droht, abzuscheren.

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Ok – die ersten drei Schrauben sind „drin“. Ich werde mir nun – doch – einen Zentrumbohrer zulegen.

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So fixiert, kann ich die Beschläge am Gegenpart anlegen und das Maß übertragen.

Das war mir lieber, als eine zwar theoretisch richtige Lage der Beschläge, die sich dann aber durch ganz kleine Ungenauigkeiten in der Montage noch einmal geändert hat und dann nicht passt.

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Hm. Nach der dritten Schraube die – trotz Feingefühl – abgebrochen / verbogen ist, wollte ich nicht mehr. Optik hin oder her.

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Ich hole mir also – doch – wieder „normale“ Schrauben mit Senkkopf. Die sehen nicht ganz so edel aus, sind aber lange nicht so mimosenhaft, wie die anderen. Mit dem Unterschied (links vs. rechts) kann ich leben.

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Sehr schön. Gefällt mir ausgesprochen gut. Sieht ziemlich edel aus.

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Nun geht es noch an die anderen Beschläge. Die haben eine andere Form („single rail hinges“) und gehen nicht mehr um die Ecke. Der Deckel wird auch bei bei etwas mehr als 90 Grad fixiert. Diesmal allerdings durch eine schon eingebaute Nase im Scharnier.

Der Einbau sollte – deutlich – einfach sein. Zum einen, weil ich nicht um die Ecke fräsen muß und zum anderen, weil ich keine extra Nut für dieses Metall Teil fräsen muss.

Damit es auch gerade wird, hilft mir der Schreinerwinkel.

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Auch hier stelle ich die Frästiefe mit dem Tiefenstop ein.

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Ein ganz klein wenig Nacharbeit mit dem Stemmeisen noch.

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Und schon ist das Scharnier drin. Das ging – deutlich – schneller, als bei dem anderen.   DSC_8604

Auch hier wieder: nicht 100 % perfekt, aber ganz in Ordnung. Solche Nahaufnahmen sind aber auch gemein 🙂

Das nächste mal, wenn ich diese Beschläge verbaue, werde ich dickere Wandstärken nehmen. Dann ist der Einbau nicht so fummelig und auch nicht so kompliziert.

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Niklas kommt mich besuchen und hat sichtlich Spaß mit dem Auslegertisch, den man auch als Rutschbahn nutzen kann.

Der Lauser….

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Er hat sich dann aber noch eines Besseren besonnen und dem Papa beim Halten geholfen.

 

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Und mit viel Gefühl arbeiten. Nicht, dass jetzt noch irgend etwas kaputt geht.

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Auch diese Scharniere sind nun drin. Auch sehr schön. Kleiner und tragen nicht so groß auf, dafür aber kantiger.

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In der Zwischenzeit hat sich Niklas noch das Zugmesser geschnappt. „Was machst Du denn da?“

„das wird ein Kunstwerk“.

Ach so….

🙂

Es geht weiter mit „Nähkästchen – 5. Teil

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5 Kommentare zu “Nähkästchen – 4. Teil”

  1. Hallo Tom,

    hat das einen bestimmten Grund, warum Du die Single Rail Hinges hast überstehen lassen?
    Normalerweise werden die doch außen bündig montiert.

    Grüße
    Michael

    PS: Die Sachen von Brusso sind schon top verarbeitet.

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    1. Hallo Micha,

      nun ja – so kenne ich’s halt. Dein Kommentar hat mich jetzt stutzig gemacht. Ich habe tatsächlich Bilder gefunden, bei denen das Scharnier hinten bündig abschliesst. Das hat dann aber den Nachteil dass der Deckel nur 90 Grad aufgeht. Die übrigen Bilder, die ich gefunden habe, zeigen sowohl meine Montage Variante, als auch eine, bei der nur die Scharniere nur die halbe Tiefe der Achse überstehen. Ich würde sagen: Geschmackssache.

      So hyperst genau ist das ja leider ohnehin nicht geworden. Das möchte ich das nächste mal genauer machen. Es geht so, aber…

      Herzliche Grüße

      Tom

      PS: wie hast Du deine denn verbaut?

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      1. Hallo Tom,

        zum PS: Noch gar nicht. 🙂

        Die Scharniere haben doch eh ne Öffnungsbegrenzung, wenn man dann die hintere Kante leicht anfast, sollte der Deckel nicht mehr kollidieren. So aus der Theorie raus.

        Grüße
        Michael

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      2. Schönen guten Abend Micha,
        Du bringst mich ja richtig in’s Grübeln 🙂

        Ich habe es mir eben in der Werkstatt noch mal angeschaut. Die Quadros würde ich nicht bündig verbauen wollen. Dann müsste die eine Seitenwand recht dick sein, damit das Scharnier noch Platz hat.
        Die von Dir angesprochenen Single Rails „sollten“ gehen. Die Rückwand müsste dann eben ein wenig „schräg“ gemacht werden. Das – kann – funktionieren, sollte aber natürlich in das Gesamtbild von dem Kästchen passen – das Auge ist da ja manchmal recht unerbittlich, wenn etwas „schief“ ist. Willst Du das mal probieren? Meine sind ja schon verbaut und für die Zukunft würde mich das schon interessieren. Die haben es mir jetzt angetan und Deine Idee „hat ja was“ 🙂

        Dir noch einen schönen Abend.

        Herzliche Grüße

        Tom

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