Nähkästchen – 5. Teil

Heute soll das Projekt beendet werden. Es sind noch die Scharnierstangen herzustellen & zu montieren;  ein paar Kleinigkeiten hier & da noch. Dann ist es geschafft.

Aber seht selbst, was passiert ist:

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Das sind noch ein paar Reste von der Bohle. Aus denen können die Scharnierstangen gut hergestellt werden.

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Für die Schraubenköpfe sind sie breit genug.

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Und – Glück gehabt – auch dick genug.

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Damit ich ausreichend viele habe, werden drei gleich breite Leisten hergestellt. Das Maß gibt die schmalste Leiste vor; eingestellt wird direkt & ohne zu messen an der Säge.

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Dann geht es mit dem kurzen Parallelanschlag und der Sägeblattabdeckung auch schon los.

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Die Hobelmaschine wollte ich jetzt nicht extra wegen der drei Leisten umbauen, nur um sie auf eine einheitliche Stärke zu bringen.

Mit der Raubank (Nr. 7) und am Anschlagbrett geht das genauso und wahrscheinlich auch ebenso schnell.

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Wie lang müssen die Scharnierstangen (… oder wie auch immer solche Teile heissen…) eigentlich werden?

Das Original gibt das Grundprinzip vor; d.h. in der Mitte eine lange Stange mit drei Schrauben, oben & unten je eine Stange mit zwei Schrauben.

Im Gegensatz zum Original möchte ich aber das alles nicht nur mit normalen Holzschrauben zusammen halten. Das leiert mit der Zeit aus – das merkt man sehr deutlich am Original mit seinen wackelnden Kästchen.

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Der Zuschnitt ist dann schnell auf der Säge erledigt.

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Ein klein wenig Fleißarbeit und die Kanten sind gebrochen; natürlich wieder mit meinem „immer dabei“ – Hobel dem Nr. 102.

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Niklas hat sich auch in die Werkstatt locken lassen. Nun gut. Es war mal wieder nett, eine Geschichte von den Fünf Freunden mehrfach hintereinander zu hören. Jetzt ist aber auch wieder gut.

Er möchte sich aus den Holzresten aus der Abfallkiste ein Häuschen bauen.

„So lang müssen die Leisten dann werden, Papa“.

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„Also Papa. Das Holz ist ja überhaupt nicht gerade. Da muss ich erst noch hobeln“.

… woher hat er das nun nur wieder? 🙂

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Nun gut. Einen wirklichen Mehrwert hatte das Ziehmesser nicht. Ihm hat es aber Spaß gemacht – und darum geht’s in der Werkstatt. Ziel erreicht und Vater & Sohn waren wieder ein paar Stunden zusammen.

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Zurück zur eigentlichen Arbeit.

Die Mitte der Scharnierstangen reisse ich mit dem Streichmaß an.

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Um bei den nun anstehenden 28 Löchern nicht ständig messen zu müssen und um mehr Präzision in die Geschichte zu bringen, habe ich mir eine kleine Vorrichtung gebaut. In der

– können die Leisten immer gleich angelegt werden; d.h. die Löcher sind absolut gesehen immer an der gleichen Position und

– es liegt noch ein Opferholz unter; das soll Ausrisse unten am Holz beim Austritt des Bohrers verhindern.

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So vorbereitet, ist es im wahrsten Sinne des Wortes ein Kinderspiel. Pfiffig wie der junge Mann ist, hat er sich den Schiebetisch so hingeschoben, dass er sich hinsetzen kann.

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Damit die Scharnierleisten alle die gleiche Steigung bekommen und parallel zueinander laufen, richte ich sie mit der Schmiege aus.

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Um den Überblick nicht zu verlieren, zeichne ich mir alles auf.

Kontrolle ist besser…

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Ein kleines „kannst Du mal kurz“ – Projekt von der Regierung.

Wir sind Abends bei Freunden zum Essen eingeladen. Das kleine Mitbringsel braucht noch eine passende Aufbewahrungsmöglichkeit. Also kurzerhand aus der Brennholzkiste ein „Waldkantenstück“ geholt und Maß genommen.

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Die Rinde entferne ich mit dem Ziehmesser – ja, ich darf auch mit dem Teil arbeiten, nicht nur Niklas 🙂

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Nun kann das Maß der Fläschchen auf das Holz übertragen werden.

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Na, da bin ich mal wieder über meine Stemm Maschine recht froh. Das erleichtert diese an sonsten recht lästige Arbeit ungemein.

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Noch schnell ein paar Hobelzüge mit dem Nr. 4 1/2.

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Und fertig ist einkleines Mitbringsel.

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Jetzt kann ich auch wieder am eigentlichen Projekt weitermachen.

Der Heinz am PC hat leider Schrauben bestellt, die 10 mm zu lang sind. Ich meine, er hat bei der Bestellung gesagt „besser zu lang als zu kurz; abgeschnitten ist schnell“.

Hat er Recht. Nur die Sache mit dem „schnell“ ist relativ. So habe ich dann eine – gefühlte – Stunde an den Schrauben rum gesägt, gefeilt und Gewinde nachgeschnitten. Nun gut. Auch so etwas ist irgendwann vorbei.

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Nun können die Löcher in das Nähkästchen für die Rampamuffen gebohrt werden.

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Das Klebeband soll mir die Bohrtiefe anzeigen. Das hat nur nicht so gut geklappt, da sich recht schnell Bohrstaub unter das Klebeband geschoben hat und so ein einheitliches Maß nicht mehr zu halten war.

Wenn man allerdings vorsichtig bohrt und den Finger Innen / unten anlegt, merkt man schon, bevor der Bohrer droht, aus der anderen Seite auszutreten. Das ging dann am besten.

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So vorbereitet, können die Rampamuffen dann mit der Hand und Gefühl eingedreht werden.

Es war gar nicht so einfach, diese Teile zu bekommen. Sie durften keine Spitze haben und nicht länger als 9 mm sein – sonst wären sie Innen wieder raus gekommen.

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Das ist soweit ja schon mal ganz gut geworden.  DSC_8666

Bevor es an den Zusammenbau gehen kann, müssen noch die vielen Kanten Innen und Aussen gebrochen werden.

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Der kleine Nr. 102 ist für solche Arbeiten wie geschaffen – und zieht wieder diese „lustigen“ Späne.

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Kleiner Cut – näheres dazu dann weiter unten.

Das Nähkästchen braucht noch ein paar Füße und Griffe. Beides ein recht leidiges Thema. Ich habe mich dazu entschieden, sie schlicht zu halten. Dafür werde ich mir aus restlichen Leisten etwas „zusammenschneiden“.

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Weil die – natürlich – nicht gerade und glatt sind, müssen sie erst noch gehobelt werden.

Für solche Arbeiten ist das Anschlagbrett wie geschaffen. Kein ständiges hin- & her Spannen; die Auflagefläche ist mit der Hobelbankplatte perfekt. Das klappt prima.

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Das Ergebnis gefällt mir dann auch entsprechend – alles gerade.

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Den Zuschnitt erledige ich dann auf der Sägelade – das kleine Unterlegklötzchen (links) ist für so etwas recht praktisch, da die Leiste dann gerade aufliegt.

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Der Griff bekommt, damit man besser fassen kann, noch ein kleines Vorsatzbrettchen. Das soll natürlich in die Mitte. Messen ist angesagt.

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Ausgehend von dem eben ermittelten Maß, kann ich mir dann auf der Säge einen schmalen Streifen vom Brettchen abschneiden.

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Auch hier wieder erledige ich die Feinarbeiten mit der Sägelade.

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Noch die Schnittflächen bestoßen.

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Und die Mitte angezeichnet, damit beim nun anschliessenden Verleimen nicht doch noch etwas schief wird. Da kenn ich mich…

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Verleimt ist dann schnell.

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Während der Leim trocknet, geht’s an die Füße. Da mache ich jetzt keine Weltgeschichte draus. Das werden simple Klötzchen. Das Maß übertrage ich vom ersten auf die weiteren, dann werden sie alle gleich groß.

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Auch hier noch: Kanten brechen.

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Damit die Füßchen alle gleichmäßig befestigt werden und das Auge nicht schimpft, markiere ich mir den einheitlichen Abstand mit dem Streichmaß.

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Und schon sind sie dran.

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Nun ist auch der Leim von den Griffen hinreichend trocken. Mit Hilfe von Fritz & Franz kürze ich beide auf ein einheitliches Maß.

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Noch den ausgetretenen Leim mit der Leim Ziehklinge entfernt

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und die Kanten gebrochen. Fertig sind die Griffe.

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Jetzt können sie angeleimt werden.

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Die Zwinge hilft, das die Griffe nicht doch noch verrutschen.

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Gefällt mir gut – das schlichte Design.

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Fertig ist ein Nähkästchen.

🙂

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Das gehört auch dazu. Ich habe sämtliche Hobel und Stemmeisen nach dem Projekt geschärft. Ein Tag  Arbeit. Nun gut. Jetzt ist alles wieder richtig scharf.

Leider hat sich meine Veritas Schärfhilfe MK II verabschiedet. Die Rolle dreht sich nicht mehr. Das Thema „Schärfhilfe“ beschäftigt mich schon einige Monate. Nun ist mir denke ich – endlich – etwas brauchbares eingefallen. Die Teile sind schon bestellt. Wenn dann tatsächlich alles so klappt, wie ich mir das vorstelle, werde ich berichten. Man darf gespannt sein. 🙂

 

Aber: War das – wirklich – schon alles?

Leider nein. Ich möchte auf dem Blog nicht so tun, als ob alles Friede, Freude Eierkuchen wäre und etwas vorgaukeln, was nicht ist. Daher zeige ich auch, wenn etwas nicht so optimal gelaufen ist. Das mag bei dem ein oder anderen nicht professionell ankommen. Ich nenne es: authentisch.

Von daher: Das ist passiert.

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Pieeeeeeeeep!

Ich könnte schreien. Es funktioniert – so – nicht. Irgendwo während des Maßnehmens, Bohrens oder auch beim Übertragen der Löcher auf die Scharnierstangen hat sich eine kleine Ungenauigkeit eingeschlichen.

Ergebnis: Die Kästchen bewegen sich nicht parallel sondern schief. Es passt nicht und alles ist schief und krumm.

Das lass ich jetzt erst einmal liegen. Vielleicht fällt mir ja noch was ein. Ich war schon dabei, ein neues Brett zu holen und ganz von vorne anzufangen. Nach dem Motto: das kann ich doch nicht auf dem Blog zeigen, da lachen sie mich ja aus. Aber. Kneifen gilt nicht. Missgeschicke passieren nun mal – wenn jemanden „so etwas“ noch nicht passiert ist, spendiere ich ein Bier; bitte melden 🙂

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Nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe (das hilft tatsächlich meist; wenn man ein wenig Abstand zu der Sache gewonnen hat – nicht nur in der Werkstatt…), habe ich mir ein paar Zapfenschneider von Veritas bestellt. Die kosten nicht die Welt und schneiden konische Dübel. Davon verspreche ich mir, dass sie leichter in die Löcher passen.

Ich werde also die alten, falschen Löcher zumachen und neue, dann hoffentlich passende bohren. Ich schaue mir das dann mal an, wie das mit einem aus dem passenden Holz gefertigten und sauber eingepassten Dübel aussieht. Die Dübellöcher sind ja im „nicht – Sicht Bereich“ unter den Scharnierstangen.

Sollte das funktionieren, wäre ja alles doch noch gut.

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Die Zapfen schneide ich aus einem „Waldkanten“ – Brett, das schon auf dem Kamin Stapel lag. Manchmal ist es tatsächlich gut, wenn man sich das Holz noch bis zum Ende vom Projekt aufhebt. Man weiß ja nie.

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Hm. In der Handbohrmaschine geht’s suboptimal. Der Zapfen bleibt im Zapfenschneider hängen und man kriegt ihn erst wieder raus, wenn man ihn zerstört. Das kann ja nicht im Sinn des Erfinders sein.

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Neuer Versuch. An der Tischbohrmaschine. Da kann ich die Bohrtiefe einstellen und so verhindern, dass ich zu tief bohre und der Zapfen wieder verklemmt.

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Das geht dann besser.

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Eigentlich schneidet man die Dinger dann mit einer Bandsäge raus – die habe ich aber nicht. So geht’s aber auch. Mit einem kleinen Meissel lassen sich die Dübel ganz gut rausbrechen.

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Da kommen eine ganze Menge Dübel bei raus.

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So sehen sie dann aus. „Sind die nicht putzig?“ 🙂

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Einen Klecks Leim in’s Loch.

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Und mit einer Schraubzwinge reingepresst. Auf den recht filigranen Kästchen wollte ich nicht mit einem Hammer rumhauen. Das geht recht gut – und gefühlvoll (zumindest sage ich als Mann das 🙂 ).

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So. Trocknen lassen.

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Nun können die überstehenden Zapfen mit der Dübelsäge bündig abgeschnitten werden. Das funktioniert sehr gut und verkratzt die Oberfläche nicht.

Damit ist  der kleine Exkurs dann auch beendet. Nun gut. Wieder was gelernt.

Darüber hinaus halte ich für mich aber fest:

– Ziel war es, das Zinken per Hand zu üben => das hat super geklappt, da freue ich mich.

Nun „traue“ ich mich auch einmal, in einem Projekt die Zinken per Hand zu machen. Es geht. Und wohl auch flexibler und schneller, als mit der Maschine.

– Das „Neben – Ziel“ (= Nähkästchen) ist Stand fertig.

Leider nicht an allen Punkten so, wie ich mir das eigentlich vorgestellt hatte. Auch die neuen Löcher sind nicht 100 % gleichmäßig geworden. Das Bohren klappt nicht richtig.

Mitgenommen habe ich aber schon mal, dass es – auch beim Schreinern – nicht reicht, nur vieles richtig und gut zu machen. Man muss sich bis zum letzten Arbeitsschritt 100 % konzentrieren.

Ich muss mich da ja an meine eigene Nase fassen. Das Ziel vor Augen, habe ich das mit dem Löcher bohren nicht mehr ganz so ernst genommen – ich hatte ja sauber Maß genommen und extra alles aufgezeichnet. Zusammen dann mit dem Original Nähkästchen, war dann scheinbar alles glas klar und einfach.

Ich denke aber, dass sich Lina über das Nähkästchen freuen wird. Im Großen & Ganzen ist es ja ganz schön geworden.

Zurück zur Projektübersicht Nähkästchen

 

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5 Kommentare zu “Nähkästchen – 5. Teil”

  1. Hallo Tom,
    zum Thema Zapfenschneiden,hätte ich einen Vorschlag zu unterbreiten.Ich setze den Zapfenschneider sehr weit nach außen an,sodas ich einen kleinen Freischnitt erhalte.So kannst Du links + rechts vertikal mit dem Stemmeisen freistechen und zum Schluss
    den Zapfen mit einem Hieb freischlagen.Somit erhälts Du immer schöne
    saubere Zapfen ohne Macken oder Dellen ohne diese Dinger mit dem Meißel heraus zu fummeln.
    Ich kann dich jedoch trösten,das ich auch schon Projekte kurz vor der
    Fertigstellung ein klein wenig „versiebt“ habe.Vielen Dank an dieser Stelle für Deinen hervorragenen Blog.
    Viele Grüße
    Klaus B.

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  2. Hallo Tom,

    wenn ich mich recht erinnere hab ich bei dir noch nie was zur Oberflächen Behandlung gelesen. Wie machst du das? Öl, Wachs, Lack, …?

    Gruß
    Michael

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    1. Hallo Michael,
      🙂
      ertappt…. Das ist ein Prozess Schritt, der mir nicht so sonderlich behagt.

      Das Nähkästchen bekommt wie die anderen Sachen ein Hart Öl. Das schützt recht gut, ist in der Anwendung unproblematisch und stinkt nicht so. An Schellack traue ich mich – noch – nicht. Da bin ich noch auf dem Probier Niveau.

      Herzliche Grüße

      Tom

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