Pyramiden Lampe

Ein Projekt, das mir mindestens 50 zusätzliche graue Haare beschert hat. Oft kann ich mir das nicht mehr leisten. Aus einer „mal eben nach Feierabend Arbeit“ ist dann ein ganzer Tag und zwei Hörbuch Folgen von „Die Tribute von Panem“ geworden. In der von mir gewählten Variante müssen am Ende 24 Flächen korrekt zueinander stehen – das wird durchaus anspruchsvoll.

Der berühmte Schifterschnitt. Das Internet nennt das – ein wenig untertreibend – „Elementargeometrische Betrachtung eines Standardproblems des Tischlerhandwerks“ und führt dann Formeln aus, mit denen ich das letzte mal zu Schulzeiten in Berührung gekommen bin. Als Ergebnis werden dann Winkel mit 49,11 Grad ausgegeben. Da sag ich mir doch: ok – dann mach ich das halt mal so…

Juristen können nicht rechnen – zumindest bei mir stimmt der Spruch. Ich habe es mir – unbewusst – dann auch noch besonders schwer gemacht. Aber alles der Reihe nach.

Es geht los mit dem normalen Schreinerhandwerk.

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Das Ausgangsmaterial. Der aller letzte Rest vom Bau der Hobelbank – kanadischer Ahorn.

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So soll sie dann mal aussehen die Lampe. An sich gar nicht so kompliziert, sollte man meinen.

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Wie teile ich nun am geschicktesten den Ahorn Riegel auf? Weil das Auge ja auch geschmeichelt werden will, soll es nicht bei einem simplen rechteckigem Querschnitt bleiben.

Die Stäbe sollen auch eine Pyramiden Form erhalten – das Unglück nimmt seinen Lauf…

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Bevor ich aber anfangen kann, muß das Holz erst noch exakt gehobelt werden. Den Anschlag kontrolliere ich lieber immer noch einmal mit dem Winkel.

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Die erste Seite wird gehobelt.

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Und immer wieder die Kontrolle, ob der Winkel auch stimmt. Hier wird die Basis für die künftige Passgenauigkeit gelegt.

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Zwischendrin kommt Lina noch in die Werkstatt und will „mal kurz“ was bauen. Eine Bilderwand soll es diesmal werden. Da hat sie sich auch gleich Reste vom Kanu Bau geschnappt.

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So sollen die Bilder dann ausgelegt werden. Ein Test.

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„Papa, da müssen wir (…) aber noch Löcher für die Schnur zum Aufhängen dran machen. Da sollen sie hin“.

Klare Ansage von der jungen Dame 🙂

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Papa darf dann Zubringerdienste an der Tischbohrmaschine beim Bohren erbringen.

Wenn sie’s glücklich macht.

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Es geht weiter mit dem Aushobeln. Nun können in der Dickte parallele Flächen hergestellt werden.

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So gefällt mir das ja. Alles schön gerade.

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Da ist er nun der Ahorn Riegel.

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Mit meinem Lineal für Dummies ist die Mitte schnell gefunden.

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Und in der Mitte aufgetrennt.

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Gleich wieder durch die Dickte.

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Jetzt habe ich zwei plane und gerade Ahorn Riegel.

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Und noch einmal über die Säge.

Über das Problem habe ich ja noch geschmunzelt. Die Werkstatt ist mal wieder zu klein für das Holz. Wenn ich das Holz aber am Anfang vom Schnitt ein wenig anhebe geht’s.

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Mit der Schiebehilfe läßt sich der Riegel dann auch gut führen. Das ist mir lieber, wenn die Hand weiter vom Sägeblatt weg ist.

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Aus eins mach vier – noch ungehobelt.

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Auch die vier Leisten kommen wieder durch die Dickte.

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Und nun habe ich dann auch meine vier Leisten.

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Und auch gerade. Das ist enorm wichtig.

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Der ursprüngliche Entwurf wird noch ein wenig „verkompliziert“. Es soll oben keine Spitze sein (die ist so schlagempfindlich) und in die dann entstehende Fläche soll noch eine Nut rein.

Uff…

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Ok – das kriege ich noch hin. Zwei Linien auf Holz zeichnen.

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Rechnen gilt nicht. Der Winkel wird mit der Schmiege abgenommen.

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Und auf die Fräse übertragen.

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Und mit „voller Montur“ an Sicherheitsvorkehrungen gefräst.

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Da fliegt – doch – einiges an Spänen durch die Gegend. Ich setze lieber  auch noch die Schutzbrille auf.

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Ein Dreieck fräsen habe ich also schon mal hinbekommen.

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Da liegen sie – die vier Dreiecke.

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Nun muß die Nut rein. Das mache ich auf der Kreissäge. Damit der Nutgrund gerade wird, montiere ich das grobe Zuschnitts Sägeblatt mit den geraden Sägezähnen. Eingestellt wird mit der selbst gebauten Einstell Meßuhr.

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Damit die Führung der langen Leiste besser ist, montiere ich hier doch wieder den langen Parallelanschlag. Da da ja nichts wegfliegen kann, ist das mA auch nicht weiter problematisch.

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So. Das Profil ist damit fertig. Gefällt mir gut.

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Der grobe Zuschnitt ist dann schnell erledigt. Das Dreieck soll eine Schenkellänge von 32 cm erhalten. Als Zugabe gebe ich auf jeder Seite rd. 5 cm.

Jetzt geht es los – das mathematische Problem.

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Keep it simple – ich mache ein gleichschenkliges Dreieck, dann sind die Winkel an allen Seiten gleich.

Eine Regel, die sich noch von meinen Schulzeiten (d.h. vom vorletztem Jahr :-)) festgesetzt hat ist, dass die Summe der Winkel in einem Dreieck immer 180 Grad beträgt.

Demnach haben die Innenwinkel 60 Grad. So weit, so gut.

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Ich bin ein großer Freund von „ich nehme das Maß direkt ab“. Also mache ich mir eine Schablone von der Pyramiden Grundstruktur.

Das Zeichen des Bösen hat auch schon Einzug auf der Hobelbank gehalten – das Geodreieck.

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Das gemeine an der Sache ist, dass ich 60 Grad nicht mehr „normal“ am Queranschlag sägen kann. Mit zwei Zwingen kann ich mir da aber noch ganz gut behelfen.

Das Sägeblatt kann man ganz gut mit einem langen Lineal am Sägeblatt ausrichten. Den Hauptschalter von der Maschine mache ich bei Arbeiten direkt am Werkzeug lieber aus; das ist mir zu heiß – und die Finger zu wichtig.

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So vorbereitet, ist der Schnitt schnell erledigt.

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Die Kanten glätte / begradige ich noch schnell mit ein paar wenigen Hobelzügen.

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Um keine Verwechselungen zu provozieren, nummeriere ich mir die einzelnen Seiten lieber durch.

… wenn das mal nur das Problem gewesen wäre…

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So. Nun kann’s also losgehen. Das Ausgangsmaterial ist gerüstet.

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Um den Schnitt sauber und vor allem einheitlich führen zu können, brauche ich noch eine Vorrichtung, in der ich die Leisten ordentlich & möglichst gefahrarm an der Säge vorbeiführen kann.

Hierzu richte ich mir Holz sauber ab – die Winkel stimmen alle.

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Weil ich zwei Vorrichtungen brauche und die – absolut – gleich sein müssen (sonst gehen die Winkel nicht auf), schraube ich die zwei Bretter kurzerhand zusammen.

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Und säge sie mit einem Schnitt durch. Der einheitliche Winkel ist garantiert.

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Ok – das sieht gut aus.

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Ja, auch das Geodreieck sagt, dass das 60 Grad sind.

Passt.

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Ich brauche noch je zwei Leisten, in denen die Profile fixiert werden können. Die Flanken müssen den Winkel von der Leiste so aufnehmen, dass sich die Flächen im Schifferschnitt genau so in der Mitte treffen, dass sie wieder die 60 Grad ergeben. Jede Fläche muss demnach 30 Grad haben.

… und nu? Mit Messen am lebenden Objekt ist da nicht mehr viel…

Ich behelfe mir notdürftig mit dem Winkel.

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Die erste Leiste wird mit Hilfe von Fritz & Franz geschnitten.

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Die zweite folgt sogleich.

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Klar – weil’s sonst zu einfach gewesen wäre, haben beide Leisten natürlich einen anderen Winkel.

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Die so gefertigten Leisten können nun auf die eben zugeschnittenen und abgerichteten Hölzer aufgeschraubt werden.

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Um nicht ständig den Queranschlag umständlich neu montieren zu müssen und damit potentielle Fehler zu produzieren, setze ich noch eins drauf.

Ich baue mir mit den beiden Schablonen und einer Sperrholzplatte eine Gehrungslade für die Kreissäge. So ist sichergestellt, dass alle Winkel wiederholgenau exakt sind. Am Ende einer jeden Vorrichtung habe ich mir noch einen kleinen Stop Klotz montiert. Dann werden alle Leisten sicher einheitlich lang.

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Die Flächen verputze ich noch einmal mit einem frisch geschärften Hobel (LN Nr. 102). Die Flächen müssen absolut plan sein; das Kopfholz hobelt sich anspruchsvoll, aber sonst ist die Leimverbindung zu instabil.

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So gefällt mir das. Die Flächen treffen sich in der Mitte, sind sauber und die Winkel einheitlich.

Geht doch.

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Ein Test mit Verschnitthölzern, ob das Verleimen mit dem Kopfholz überhaupt ausreichend stabil wird.

Es scheint zu gehen.

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Das Verleimen ist herausfordernd – wie sollte es auch anders sein?

Das beste Ergebnis habe ich erhalten, wenn ich die Leisten zweistufig verleime. In ersten Schritt werden drei Leisten verleimt. Zwingen kann ich nicht vernünftig ansetzen, so behelfe ich mir mit Paketband.

Das hat gut funktioniert.

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Den Leim trage ich wieder mit dem Silikon Spachtel auf. Das Ding hat sich bewährt. Schnell sauber gemacht, und die elastischen Kanten können auch mal überschüssigen Leim sauber abnehmen.

Pinsel sauber machen adé.

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Nach rd. 30 min, wenn der Leim noch kaugummiartige Konsistenz hat, nehme ich den überschüssigen Leim mit meiner Leim – Ziehklinge ab. Die Leimfläche muss absolut sauber sein.

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Jetzt gehen mir die Hände aus. Niklas hilft mir 🙂

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Caro hat dann auch noch mit geholfen. Zusammen konnten wir dann die Pyramide tatsächlich zu Ende verleimen.

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Der Verleimaufbau. Das hat gut geklappt.

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Ok – so lass ich das jetzt. Nicht perfekt, aber in Ordnung.

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Noch ein Loch für das Kabel und ein Haken angebracht, an dem die Lampe dann aufgehängt werden kann. Ich klemme lieber noch ein Abfall Holz unter, damit die Holzfasern beim Bohren nicht so stark ausbrechen.

Pyramidenlampe

Fertig.

 

… Wirklich? Noch nicht ganz. Der ein oder andere wird sich gefragt haben, wo denn nun eigentlich das Problem war, von dem ich die ganze Zeit gesprochen habe?

Weil ich nicht den (falschen) Eindruck erwecken möchte, dass mir das oben Dargestellte völlig selbstverständlich von der Hand gegangen ist, hier noch ein paar Eindrücke vom „Weg des Leidens“:

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Leute, die rechnen können, machen sich ein Excel Sheet – und erhalten dann als Ergebnis, dass man einen Winkel von 49,11 Grad schneiden soll.

Also ich kriege das einfach nicht hin oder die Formel stimmt nicht. Es geht so einfach nicht zusammen. Punkt.

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Der erste Versuch, die Leisten, ausgehend von der Ursprungs-Pyramide (mit „Messen am lebenden Objekt“…) zu schneiden.

Super Idee! So geht’s schon mal nicht. Ok – das hätte mir noch mit ein wenig Überlegen selbst einfallen können.

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Also. Ich fertige mir eine Schablone mit einer Winkelhalbierenden an.

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Da kann ich dann das Maß wieder am lebenden Objekt abnehmen.

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Ja. Die Schnitte kann man auch mit der Handsäge machen. Weil es einige Schnitte waren, habe ich sogar meine schöne Sägelade entsprechend eingeschnitten.

Ich mach’s kurz. Quatsch. Das ist nur ein normaler „schiefer“ Schnitt; kein Schifterschnitt, bei dem noch ein zweiter Winkel hinzu kommt.

Schade um die schöne Sägelade.

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Ach ja. Einen Bestoßhobel habe ich ja auch noch.

Gleiches Problem, wie bei der Säge. Auch kein Schifterschnitt.

… nun habe ich langsam angefangen, an mir zu zweifeln. Zweimal den gleichen Fehler…

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Und weil ich gerade beim Hobeln war, habe ich mir meine LN Rauhbank Nr. 7 geschnappt und einen entsprechenden Winkel angehobelt.

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An sich auch ganz gut geworden. Schön gerade.

… geholfen hat’s aber auch nichts. Die 30 Grad sind nicht die, mit denen ich die Leiste kippen muss, damit sich die Flächen genau treffen.

Aber wie zum Geier, komme ich nur in Gottes Namen auf diesen vermaledeiten Winkel?

Piiiiiiiiiip………

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Kleine Kamikaze Frust- / Not Lösung.

Hat nicht funktioniert – und war mir dann auch wirklich zu gefährlich. Die Leisten hätten hochkant am offenen Sägeblatt geführt werden müssen.

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Mit dieser Vorrichtung hat es dann – endlich – grundsätzlich funktioniert. Einzig die Handhabung war ziemlich umständlich. Man kann immer nur eine Seite sägen, muss dann alle Leisten in einem Rutsch sägen. Dann muß der Anschlag ummontiert werden und das ganze Spielchen geht von vorne los.

Geht, ist aber fehleranfällig.

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Ok. Das war ein Denkfehler von mir. Im ersten Versuch beim Verleimen habe ich, um den Verleimprozess handhabbarer zu gestalten, in zweier Paaren verleimt.

Das ergibt dann aber keine Pyramide.

Ich hoffe, ich konnte den ein oder anderen helfen – auch mit den von mir gemachten Fehlern / Entwicklungsschritten. Muss ja nicht jeder so einen umständlichen Weg machen.

Ergebnis

Schifterschnitte sind ungefähr genauso „elementargeometrisch“ – einfach wie eine Revisionschrift.

 

 

 

8 Kommentare zu “Pyramiden Lampe”

  1. Servus, vom Schifterschnitt wage ich nur zu träumen, obwohl mein Nachname derselbe ist. Eben deshalb hab ich aufmerksam mitgelesen.
    Mir gefällt, wie Du Deine Arbeiten schön mitdokumentierst.
    Liebe Grüße aus Wien
    Alexander Schifter

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    1. Schönen guten Abend Alexander,
      Danke – da das ganze ja nur Hobby ist, kann man sich auch den Luxus leisten, einfach mal drauf los zu arbeiten. Bisher ist – immer – etwas brauchbares dabei rausgekommen. Nicht immer 100 % nach Plan. Aber wer kennt den am Ende?

      Herzliche Grüße

      Tom

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  2. Aber: ich bin wieder ein Stückchen weiter gekommen auf meinem Holzweg und das freut mich

    Das kann ich gut nachvollziehen. Es freut mich auch immer wieder, wenn ich was dazu gelernt habe. Die Überlegungen und v.a. auch die Vorrichtungen für diese Lampen sind wirklich klasse.

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    1. Hallo Andreas,
      ja. Dieses, an sich simple Projekt, hat mich ziemlich gefuchst. Um so schöner ist es, wenn es dann – doch – klappt. Im Grunde liegt der Schwerwpunkt sogar eher auf der mathematischen, als auf der holzhandwerklichen Seite.
      Aber, und das freut mich am meisten, man kann auch aus „Fehlern“ etwas Gutes ziehen. Ich nehme sehr viel mit bei solchen Aktionen.

      Herzliche Grüße

      Tom

      … ich bin überzeugt, dass Du auf dem Blog noch so das ein oder andere Projekt finden wirst, das Dir gefällt…

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    1. Schönen guten Morgen Andy,

      🙂 Danke.

      Ob ich bissig bin. Ich weiß nicht – ich denke nein. Aber das hat mich jetzt „gefuchst“. Nach hinten schauend bin ich aber sehr froh, dass ich es doch durchgezogen habe. Zwischendrin bin ich nämlich durchaus schon aus der Werkstatt gegangen und hab zu mir gesagt, dass es das jetzt war. Nur, um es dann 30 min. später doch wieder mit einer anderen Idee zu versuchen.

      Aber: ich bin wieder ein Stückchen weiter gekommen auf meinem Holzweg und das freut mich.

      Herzliche Grüße

      Tom

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