Gentleman’s Box – Deckel

Manchmal ist wirklich der Weg das Ziel und so entwickelt sich das Projekt „Gentleman’s Box“.

Die Teile sind in den letzten Wochen viel & oft gelegen. Manchmal weiß man ja gar nicht, wofür etwas gut ist. Selbst, wenn man es – im Moment nicht erkennt – irgendeinen Sinn hat es schon. Hier habe ich gelernt, dass die bisherige  Konstruktion des Deckels mit seinen doch recht filigranen Hirnleisten, nicht optimal war. Das Werfen konnten „die kleinen Dinger“ nicht verhindern.

So musste ich mir etwas Neues ausdenken und auch eine Lösung finden, mit dem Vorhandenem auszukommen – auch ein Thema, das einem nicht nur in der Holzwerkstatt begegnet…

Der Deckel lag in verleimten, noch unverputztem Zustand in der Werkstatt – sogar aufrecht, so dass von beiden Seiten gleichmäßig Luft dran kam. Also eine Situation, wie sie später in der Box gar nicht auftritt. Dort ist es eher extremer – Aussen die feuchte Bad Luft, Innen die halbwegs trockene Luft. Das Werfen würde also eher noch schlimmer. Ein vernünftiges Schliessen der Box wäre nicht mehr gegeben.

So kann ich es nicht lassen. Was also tun?

Beim Grübeln (und dem Ärgern über mich, nicht noch ein zweites Brett mitgenommen zu haben…) fallen mir die Rest Teile auf, die noch auf der Hobelbank (im Hintergrund) stehen.

Daraus müsste sich doch eigentlich etwas machen lassen?

Hm. Nun gut. Auch die haben sich in den letzen Wochen nach dem Hobeln geworfen.

… das hat man nun davon. Auf diese Art & Weise macht einem das Holz eben klar, dass man nicht so lange Pausen zwischen dem Arbeiten einlegen darf sondern zügig weiterarbeiten soll….

Die Länge passt aber zumindest schon mal.

Ich habe mich dann dazu entschieden, aus diesen Rest Hölzern einen Rahmen zu bauen und den alten „Deckel“ als Füllung zu verwenden.

Das sieht kein Mensch, das da ein Heinz beim Bauen zu langsam war 🙂

Also. Schweren Herzens säge ich die mühsam hergestellte Hirnleiste wieder ab.

Die Reste müssen wieder entfernt und verputzt werden. Ich bin ja nur froh, dass ich nicht alles verleimt hatte.

Maß nehmen am lebenden Objekt.

Wenn ich die „Füllung“ so in den künftigen Rahmen einpassen würde, wäre der Deckel ziemlich schnell gesprengt. Das Holz arbeitet ja – langsam hab auch ich’s kapiert.

Also muss ich für ein wenig Luft sorgen. Die kleine Markierung (links unten an der Füllung) zeigt mir,  wie weit ich einsägen muss.

Das fräse ich dann an der Maschine.

So ganz glücklich bin ich mit der „Maschinen Lösung“ nicht. Ich wollte es eigentlich per Hand hobeln. Der Anschlag an meinem Falzhobel war aber leider sub-optimal.

Da muss ich mal mit dem Christkind sprechen… 🙂

Die Fräsung war gerade – der Deckel/die Füllung nicht.

Den Rest / die Feinheiten machen ich jetzt dann aber doch mit dem großen Lie Nielsen Falzhobel. Jetzt brauche ich ja keinen Anschlag mehr, die grundsätzliche Fräung ist ja da und an der kann ich mir orientieren.

Alles (wieder) im Winkel.

Fertig ist die künftige Deckel-Füllung.

Das Maser Bild gefällt mir – immer noch – ganz besonders. Da freue ich mich schon drauf, das jeden Tag im Bad sehen zu dürfen 🙂

Das Maß wird wieder direkt übertragen.

Und die Maschine an diesem Maß ausgerichtet & eingestellt. So kann ich die Nut für die Deckel – Füllung an der Maschine herstellen.

Bei diesen kleinen Teilen arbeite ich lieber mit zwei Schiebehölzern. Da bin ich einfach „feige“ – und stehe dazu.

Jetzt nur noch ein paar Hobelzüge mit dem Falzhobel, damit die Teile auch gut zusammen gehen.

Trockene Anprobe. Na also. Geht doch.

Ich richte mir alles her zum Verleimen. Es kann losgehen.

Altes Spiel. Die Füllung wird nur in der Mitte verleimt. Sonst ist der Witz weg und das Holz kann sich nicht in der Nut bewegen – und würde so den Rahmen sprengen.

Noch ein paar letzte Feinjustierungen, damit die Füllung auch mittig sitzt und die Fuge halbwegs einheitlich ist.

So soll er nun also aussehen. Der Deckel 2.0.

… Mir gefällt’s.

Wirklich? Irgendwie ist er mir noch zu „hoch“. Die Proportionen stimmen einfach nicht.

Also schneide ich kurzerhand noch ein Stückchen ab.

Das mache ich an der Säge mit dem scharfen Feinschnittsägeblatt (die anderen sind nach mehreren Jahren nun leider ziemlich stumpf…).

Wieder Verputzen mit dem Lie Nielsen Nr. 62 – meinem Universalhobel.

Die Box nimmt langsam Gestalt an.

Doch irgend etwas stört mein Auge – immer noch.

Ich habe – seit Jahren – von einem Besuch in Hamburg noch ein paar Ebenholzstreifen im Keller. Witziger Weise übrigens der gleiche Händler, von dem ich dann auch das Holz für die eigentliche Kiste gekauft hatte.

Dieses Kontrast Holz gefällt mir gut. Das versuche ich mal.

Das Holz ist nur leider ziemlich arg geworfen. Also muss ich es hobeln.

Die erste Seite ist fix an der Hobelmaschine erledigt (wichtig war mir bei diesen kleinen, dünnen Teilen das Schiebeholz!).

Die zweite Seite  ist kniffliger zu hobeln. Da muss ich mir einen „Trick“ einfallen lassen. Meine Dickte „mag“ es nicht, wenn sie Holz so auf ca. 4 – 5 mm hobeln soll. Das sollte so ungefähr meine Zielstärke der Leistchen werden. Mehr Holz hatte ich nicht mehr vom Ebenholz. Da darf also nichts schief gehen.

Also baue ich mir eine „Dickten – Zuführ – Hobellade“. Tolle Wortkreation 🙂 Am Ende klebe ich mit Sekundenkleber eine Anschlagleiste fest. Die Zeit, bis der Weißleim abgebunden hätte, wollte ich nicht warten…

Die schon gehobelte, erste Seite beklebe ich satt mit doppelseitigem Klebeband und klebe es auf die Vorrichtung.

So vorbereitet, schicke ich die beiden Leisten durch die Dickte.

Und siehe da – ein perfektes Hobelbild, ohne Ausrisse.

Prima!

So breit muss ich nun die Streifen aus dem Ebenholz rausschneiden.

Niklas passt auf, dass sein alter Herr nichts falsch macht.

Mit meiner Sägelade und der neuen, selbst gebauten Säge kürze ich die Teile erst mal grob auf Länge auf.

Jedes Teil hat schon mal seinen – sehr groben – Platz.

Nun kann ich sehr penibel Maß nehmen, wo die Gehrung genau hin muss und mit einem Anreissmesser anzeichnen.

Mit dem „immer dabei“ Hobel, meinem Lie Nielsen Nr. 101 versuche ich, die Gehrungsverbinden möglichst genau zu bestossen.

… ich bereue es schon jetzt, noch keine Gehrungslade zum Bestoßen zu haben. Das muss ich „jetzt dann“ mal in Angriff nehmen…

Erste Probe – sollte passen.

Bei einem meiner letzten Besuche bei meinem „Werkzeug Dealer“ (der Begriff passt leider wirklich… 🙂 ). Ist mir diese Flasche Fischleim über den Weg gelaufen.

Das probiere ich jetzt einfach mal aus. Sympathisch fand ich, dass man ihn nicht warm machen muss. Wie hoch die Haltekraft ist, werde ich schon sehen. Auch, wie er sich mit dem Klima im Bad verträgt.

Ich wollte aber einen reversiblen Leim haben; man weiß ja nie, was noch so kommen wird…

So ganz hat das mit den Gehrungen bestossen leider nicht funktioniert. Oder besser gesagt: Es entspricht nicht ganz meinen eigenen Vorstellungen.

So muss ich nun also ein wenig improvisieren. Ich sammle mir ein wenig Sägemehl.

Und behandle etwaige, kleine Lücken damit.

So lasse ich es jetzt erst mal trocknen. Mal sehen, was draus wird.

… manchmal kommt ja mit der Zeit auch die Weisheit 🙂

 

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6 Kommentare zu „Gentleman’s Box – Deckel“

  1. Hallo Thomas,

    darf ich fragen, um welchen Händler in Hamburg es sich dabei handelt? Ich bin auf der Suche nach einem Händler, bei dem ich Holz zum Bau einer Gestellsäge in nicht allzu großen Mengen kaufen kann.

    Danke und viele Grüße
    David

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  2. Hallo Tom,
    ich bin ja eigentlich eher kein Freund von unterschiedlichen Hölzern an einem Objekt, aber hier (so dezent) gefällt es mir sehr. Ähnlich wie bei meinem kleinen Hängeschränkchen – manchmal ist das gerade „das gewisse Etwas“.
    Bin gespannt, ob die Scharniere den Decken exakt führen, so dass die Außenseiten bündig sind. Ich hätte hier wahrscheinlich zur Sicherheit im Deckel oder im Unterteil noch an der Innenseite drei dünne Leisten zur Führung angebracht. Kann man aber auch noch später machen – dann natürlich auf Gehrung!
    Gruß Martin

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  3. Guten Abend,Tom
    das zeichnet Dein Blog so gut aus,das Du uns an Deiner Denkweise sowie den einzelnen Arbeitsschritte teilnehmen lässt.Auf Deiner zukünftigen Agenda sollte zumindest eine Hilfsvorrichtung für Gehrungen auf der bestehenden Bestosslade montiert werden.So habe ich es,und es spart Platz.
    Ansonsten hervorragend umgesetzt.
    LG
    Klaus

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    1. Schönen guten Abend Klaus,
      ja, so ein Gehrungs-Zusatz für meine Stoßlade steht auf dem Programm. Die Notwendigkeit dafür hat mir das hier Gezeigte sehr deutlich gemacht.
      Herzliche Grüße

      Tom

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