Gentleman’s Box – Korpus

Ich geb’s ja zu, ein blöder Titel – gefällt mir aber trotzdem 🙂

Ich habe endlich wieder Zeit und kann in die Werkstatt. Ein sehr guter Freund hat mir ein paar Holz Schätze aus Hamburg mitgebracht. Daraus möchte ich „etwas“ machen. Gerade hoch im Kurs ist das Rasieren mit dem Rasiermesser. Ich find’s immer blöde, wenn ich unterwegs bin und mit dem Elektro Rasierer rasieren muss (das wird einfach nicht so gut, wie mit dem Messer; ist wohl ähnlich wie das Schleifen & Hobeln…). Also möchte ich etwas, in dem die gesammelten Rasier Utensilien mit auf die Reise kommen können.

A Gentleman’s Box eben – klar doch!

Die Entscheidung fällt auf das größte Mitbringsel – ein Brett von einem Pistazien Baum.

Das muss alles in die Box rein. In den Untiefen der Werkstatt habe ich sogar noch sehr schöne Brusso Beschläge aus den USA „gefunden“, die von der letzten Lieferung noch übrig waren.

Der Klassiker: das Runde muss in das Eckige – oder war das in einem anderen Kontext?

🙂

Es geht los mit Hobeln. Mal sehen, was das Stückchen so hergibt.

Sieht schon sehr viel versprechend aus. Allerdings reicht das „so“ nicht für eine noch so kleine Box.

Also wird es in der Mitte aufgetrennt. Mit dem Streichmaß ermittele ich die Mitte.

Mit diesem Maß kann ich dann die Säge einstellen.

Mit den beiden Schiebehölzern kann ich halbwegs gefahrlos sägen.

Das hat gut geklappt.

Ich bin ganz begeistert von dem tollen Holz!

Niklas hat sich ein Stückchen Metall geschnappt. Er will unbedingt Schmieden. Dazu braucht er aber mehrere kürzere Stücke. Es wird Maß genommen.

Gefeilt werden muss natürlich auch. Recht geschäftigt der junge Mann.

Diese Stärke passt genau für die edlen Scharniere. Eigentlich wollte ich die Brettchen noch dünner machen. Dann hätte ich die Scharniere aber nicht mehr nutzen können.

Es macht durchaus Sinn, sich am Anfang Gedanken über das Ziel zu machen 🙂

Nun nur noch einmal durch die Dickte und ich habe zwei wunderschöne Bretter Pistazien Holz.

Nun kann es also losgehen.

Wie hoch muss die Box denn später Innen eigentlich sein?

Um später bei der Maserung nicht durcheinander zu kommen, markiere ich mir die beiden Bretter schon mal mit dem Schreinerdreieck.

Nun kann ich die Maße auf die Bretter übertragen.

Und wieder: genau Markieren, damit die tolle Maserung später nicht durcheinander kommt.

Die vier Seitenteile habe ich nun.

Niklas wechselt an die Drechselbank zu seinem neuesten Fund aus dem Wald.

Auch das Aushöhlen will gelernt & geübt werden.

Ich möchte dieses mal die Maserung nicht durch Zinken stören und habe mich daher für eine Gehrungsverbindung entschieden. Damit  ich im Eifer des Gefechtes beim Sägen nicht doch noch durcheinander komme, markiere ich mir lieber die „richtigen“ Gehrungen – da kenne ich mich zu gut…

Bei einer Gehrungsverbindung muss es sehr genau zugehen. Eine auch nur ein kleines Stückchen offene Verbindung sieht einfach nur blöde aus.

Also werden die vier Brettchen sauber auf der Stoßlade mit dem Lie Nielsen Bestoßhobel Nr. 51 bestoßen. Über die langen, durchgehenden Späne von Kopfholz freue ich mich jedes mal aufs Neue – heißt das doch, dass das Eisen „richtig“ scharf ist und der Hobel exakt arbeitet.

So gefällt mir das.

Ich wechsle zu meinem schärfsten Sägeblatt (= Feinschnitt). Der Rest der Sägeblätter sägt – ist aber sicher nicht mehr „richtig“ scharf.

Nun kann ich die Schnitte an der Säge machen.

Noch ein Check, ob auch ja alle gegenüberliegenden Seiten ganz genau gleich lang sind – sonst ist’s nicht weit her mit einer Box im Winkel….

Nun kann ich die Seitenbretter auf das Endmaß schneiden.

Ein erster Test zeigt, dass es gut geklappt hat.

… was ich mit den kleinen Resten (im Hintergrund) mache, weiß ich noch nicht. Ich habe beschlossen, sie mal zur Sicherheit aufzuheben. Man weiß ja nie.

… was für eine gute Entscheidung; dazu dann aber später…

So sollte es sein. Eine dichte Verbindung und durchgehende Maserung. Das sieht schon mal recht viel versprechend aus.

Doch bevor ich die Box zusammen leimen kann, muss ich erst noch eine Nut für den Boden anbringen.

Die Nut schneide ich dann – doch – auf der Säge. Ich wollte eigentlich meinen schönen Nuthobel von Gerd in Aktion bringen. Mit den Gehrungen konnte ich die Bretter aber nicht mehr richtig einspannen.

… hätte ich mal früher dran denken sollen.

So geht’s aber auch. Wäre ja gelacht.

Für einen Boden aus Pistazien Holz reicht das Holz leider nicht mehr. Der Deckel war mir wichtiger. Und so bekommt die Box einen Boden aus Ahorn Holz.

Mein Anschlagbrett an der Hobelbank leistet mal wieder gute Dienste beim Verputzen und ich spare mir das laufende Umspannen.

Nun kann ich das Endmaß für den Boden von den Seitenteilen auf den Boden übertragen.

Der Boden wird abgeschrägt. Wie viel, das nehme ich wieder direkt ab.

Mit dem Streichmaß übertrage ich dann die Maße.

Oberste Regel: Zuerst Kurz, dann Lang.

Also im ersten Schritt quer zur Faser (= kurzes Holz), dann längs der Faser. So hobelt man im zweiten Schritt die Ausrisse vom ersten Schritt wieder weg.

Man hat schon zu tun. Aber ich freue mich, endlich mal wieder einen Hobel in die Hand nehmen zu dürfen.

Und noch mehr freue ich mich, wenn’s dann sogar was wird.

Maß nehmen – passt.

Doch bevor ich die Box verleime, widme ich mich dem künftigen Deckel. Der kann dann schon mal trocknen, während ich mich der Verleimung der Box widme.

Die gespiegelte Maserung finde ich phantastisch!

Doch bevor ich die zwei Bretter verleimen kann, werden sie „noch schnell“ mit dem LN Nr. 62 gefügt.

Damit da ja nichts schief geht (im wahrsten Sinne des Wortes), hole ich sogar die „dicken Blauen“ raus. Die verwinden sich – gar nicht; im Gegensatz zu meinen anderen Zwingen.

So kann der Leim nun erst mal schön trocknen.

Meine neue Domino Fräse 500 möchte ich mal zum Einsatz bringen. Das ist eine gute Gelegenheit. Den Dominos traue ich mit ihrer Stärke mehr zu, als den Lamellos.

Zwei Kleine passen gut rein.

Und jetzt kann ich dann die Box verleimen. Alles ist vorbereitet. Wenn der Leim angetragen ist, muss es ja leider doch immer schnell gehen.

Zur Unterstützung habe ich mir noch meine Rahmenspanner rausgeholt. Sehr praktisch die kleinen Dinger.

Wieder aus der Zwinge, kann ich die Box mit dem Lie Nielsen Nr. 62 verputzen. Der Deckel soll ja schön satt aufliegen.

Alles dicht.

Nun ist auch der Leim vom Deckel Brettchen getrocknet.

Auch das wird noch bestoßen.

Ich habe mich dazu entschieden, das Brettchen mit je einer Hirnleiste gegen das Verwerfen zu sichern. Leider hatte ich kein Pistazien Holz mehr. So konnte ich nur noch aus der Not eine Tugend machen und die beiden Überstände vom Deckel Brettchen an beiden Seiten abzusägen, um dann daraus die Hirnleisten zu machen.

Viel war das nicht. Um nicht noch mehr Holz zu verlieren, habe ich die Leistchen mit meiner neuen, selbst gebauten Säge gesägt (der Sägeschnitt ist mit rd. 0,5 mm deutlich schmäler als der von der Kreissäge mit rd. 3,2 mm.

Da bin ich – sehr – zufrieden.

So sollen die beiden Hirnleisten dann hin.

Damit es später eine dichte Fuge gibt, bestoße ich alles wieder.

So soll es dann später mal aussehen.

Die Nut für die Hirnleisten schneide ich auch an der Säge. Hier sind „Fritz und Franz“ mal wieder sehr hilfreich.

Gut geworden.

Nun kann ich das Maß von der Nut für die Feder übertragen.

Damit einfach gestrickte Menschen wie ich nicht doch noch durcheinander kommen, markiere ich mir lieber, was weg soll – und was bleiben muss…

Mit meinem großen Falzhobel/Simshobel wird dann die Feder vom Deckel Brettchen so lange & gefühlvoll bearbeitet, bis alles „stramm“ zusammen passt und keine Fugen mehr zu sehen sind.

Letzte Anprobe.

Leim wird dann aber nur in der Mitte aufgetragen. Sonst ist der Witz der Hirnleiste weg, denn das Holz kann sonst nicht mehr arbeiten. An sich müsste ich Holz Dübel zum Halten der Leiste anbringen. Ein paar kleine Reste vom Ebenholz liegen schon bereit (im Hintergrund). Dafür war mir aber die Feder zu filigran.

Nun muss es eben „so“ gehen….

Es geht weiter mit „Gentleman’s Box – Deckel

 

Advertisements

Mein Weg als Hobbyschreiner

%d Bloggern gefällt das: