Holzwerkertreffen 08.07.2017 – Hobelwettbewerb

Dieses Wochenende hatte ich ein echtes Highlight – das Holzwerkertreffen.

Das findet nun schon seit ein paar Jahren statt. Keine Massenveranstaltung, eher im kleinen Kreis – aber genau das macht den Reiz aus. Es fand ein reger Austausch statt, Werkstücke wurden voller Stolz präsentiert (und ebenso bewundert), kurioses, seltenes und aussergewöhnliches Werkzeug vorgestellt. Und wir haben eine ganze Hobelarmada gegeneinander antreten lassen. Es haben sich „alte“, aktuelle und künftige Klassiker getroffen und gezeigt, was sie drauf haben.

Aber alles der Reihe nach….

Der herrlich hochsommerliche Tag wird auf der Terrasse genutzt. Glücklicherweise haben wir jetzt auch auf der Terrasse einen Sonnenschutz – anders wäre es nur sehr schwer auszuhalten gewesen. Gerd und Hanne hatten bei der Anreise ganz spezielle Schwierigkeiten mit der Hitze und mich freut es umso mehr, dass sie – dennoch – die Strapazen auf sich genommen haben!

Klaus hat seinen „Werkstatthocker“ mitgebracht. Eine echte Wucht! Für die Werkstatt an sich viel zu schade. Aber er hatte eine schöne Bühne und konnte zeigen, was in ihm steckt (oder besser: auf ihm sitzt?).

 

Gerd hat ein Exemplar von der tollen Feilenhalterung für das Sägenschärfen mitgebracht. Ich bin ja – immer wieder – schwer beeindruckt, ob der Genialität dieses „Dings“. So einfach und doch so effektiv. In dieser Ausbaustufe können nun auch doppelseitige Dreikantfeilen genutzt werden.

Aus diesem Holz (Bubinga) drechselt sich Gerd die Griffe selbst. Das (im wahrsten Sinne des Wortes) „i-Tüpfelchen“ ist der weiße Punkt. Nein, kein Elfenbein – ein kleines Stückchen Knochen.

Der Griff liegt sehr gut in der Hand, ist eine echte Wucht schon allein wegen der atemberaubenden Maserung – und nun auch noch das Detail mit dem Punkt. 🙂

Huch – was ist denn das Gerd?

Ahhhh!

Das also ist sie – ja „sie“. Die Rauhbank, die Gerd nun auch in der Fine Woodworking vorstellen wird. Ein echtes Schwergewicht. Ich nenn sie jetzt einfach mal „Wuchtbrumme“ 🙂

 

 

 

Ich denke, die Bilder sprechen für sich. Ich weiß, Gerd hört das nicht gerne. Aber der Hobel ist so schön – fast zu schade, um damit „richtig“ zu arbeiten.

Das der Hobel aber nicht nur ein Präsentiermäuschen ist, sondern ziemlich zulangen kann, zeigt er nachher noch in beeindruckender Art & Weise.

Gerd hatte aber noch einige weitere Überraschungen für uns im Gepäck.

Es geht los mit einem extra breiten Pairing Chisel (rd. 40 mm breit).

Ein kurzer Test darf natürlich nicht fehlen.

Martin hat sich auch eines machen lassen; allerdings in rd. 21 mm breit.

Ich habe eine schmälere Variante und bin auch sehr angetan von diesem Werkzeug. Man kann damit sehr präzise Nachstechen und hat durch die Länge eine sehr gute und feinfühlige Führung.

Ein Kantenhobel, den sich Gerd im Netz gekauft hat. Der Hersteller ist ein „Ableger“ von ECE.

Und hier die Variante von Gerd mit einigen verbesserten Details. Insbesondere hat Gerd die Öffnung für den Spanraum vergrößert und das obere Teil weggelassen.

Über das kleine Holzstückchen in der Mitte wird die Stärke/Breite der Fase eingestellt (eine Art Tiefenbegrenzer).

So ist es ein „Fritsche“. 🙂

Gerd hat noch einen Stanley No. 5 1/2 mitgebracht – aber natürlich mit einem seiner Zaubereisen. Eine erste Begutachtung.

Und einen No. 80 Ziehklingen Hobel. Natürlich mit einem Eisen von Gerd.

Der muss – natürlich – sofort ausprobiert werden. Es muss ein „Abfallstück“ vom Ahorn Holz herhalten, das ich rausgeschnitten habe – wegen der vielen und großen Astlöcher.

Der No. 80 hat sich „von sowas“ nicht wirklich beeindrucken lassen.

Zum Vergleich wollten wir eine Ziehklinge gegen den No. 80 antreten lassen.

Leider versteckt sich meine „richtige“ Ziehklinge seit über einem halben Jahr in den Untiefen der Werkstatt. Ich hatte aber noch eine jungfräuliche Ziehklinge.

Wolfgang lässt sich das nicht zweimal sagen, schnappt sich den Abziehstahl und zieht einen Grat an.

Und los gehts. So im direkten Vergleich haben wir keine riesen Unterschiede bemerkt. Auf Dauer ist der No. 80 aber sicherlich besser. Das Eisen lässt sich einfacher/auf gewohnte Art & Weise schärfen (normales Hobeleisen), die Finger danken es, weil eine Ziehklinge mit andauernder Beanspruchung durchaus sehr warm werden kann und zu guter Letzt kann man ihn auch besser greifen.

Was’n das für ne alte Socke? 🙂

Das ist ein Lie Nielsen Nr. 1.

Ein voll funktionsfähiger Hobel. Aber so klein, dass er in einer Hand verschwindet. Zum Arbeiten wohl eher nichts. Aber für’s Büro als z. B. Briefbeschwerer eine willkommene Abwechslung.

Schön ist er, der kleine.

Die wundersame Vermehrung geht los. Flugsamen sind unterwegs und die Hobelkinder erblicken das Licht der Welt.

Hier im direkten Vergleich sieht man mal sehr gut die wirklich beeindruckende Größe von der Wuchtbrumme von Gerd.

  • Rauhbank (von Gerd)
  • Lie Nielsen Nr. 8 – für sich allein schon ein sehr beeindruckender Hobel, aber im direkten Vergleich…
  • Lie Nielsen Nr. 7 – „nett“
  • Lie Nielsen Nr. 1 – putzig, der Kleine…

Die Griff Form von Gerd hat im direkten Vergleich zu Lie Nielsen besser abgeschnitten.

Meine Winkellehre zum Prüfen der Winkel am Eisen – die Kaufversion.

Gerd ist dann eher der Pragmatiker und macht sich „so ein Ding“ selbst – aber ohne die Zwischenwinkel (die wohl kein Mensch braucht), dafür aber auf die wesentlichen Winkel beschränkt.

Ich find’s gut.

Gerd hat noch seine Rückensäge mitgebracht und die ein oder andere Griff Form.

Die Muster wurden dankend angenommen.

Klaus hat sich diese durchaus pfiffigen Holzzwingen gebaut. So simpel, wie sie ausschauen, solch versteckten „Problemchen“ birgt der Bau. Gegenläufige Gewinde; Gewindeschneider, die sehr gut zentriert werden müssen;  Langlöcher für die Gewindestangen bis hin zur Entscheidung, ob Leder oder Schmirgelpapier die Haltekraft verstärken sollen.

Sehr schön geworden.

 

Martin konnte zu diesem Thema auch etwas beitragen – wenn auch in einer kleineren Ausführung. Aber mindestens genauso hilfreich und praktisch.

Der Mix macht’s.

Ein Grundhobel aus früheren Zeiten – mit Holzsohle.

Und ein doppelseitiger Seitenfalzhobel von Preston. Veritas baut heute genau so einen nach.

Und im Vergleich dazu meine Version von Lie Nielsen. Persönlich gefällt mir die Variante von LN besser. Nicht nur, weil sie „besser“ in der Hand liegt (bei der doppelseitigen Variante muss man immer aufpassen, nicht in das oben liegende Eisen zu greifen). Man kann bei  LN auch das Vorderstück abnehmen und so bis in die aller letzte Ecke kommen.

Braucht man sicherlich nicht oft, aber wenn, ist man sehr dankbar drüber, ihn zu haben.

Martin hat noch ein echtes kleines Schätzchen aus den Tiefen des Internet aufgetaucht.

Eine Trockenschleifmaschine mit Handkurbelantrieb.

Das sieht sehr gut aus und hat einen soliden Eindruck gemacht.

Gerd hat noch seine Schleifunterstützung mitgebracht, mit der er die Spiegelseiten vom Hobeleisen schärft. Das Eisen wird mit einem Magneten (seltene Erden) gehalten und so kann richtig Druck ausgeübt werden.

Wieder eine von diesen pfiffigen Ideen von Gerd…

Martin hat eine selbst gebaute Vorrichtung mitgebracht. Mit ihrer Hilfe kann mit einer Oberfräse + Kopierring an einem Stückchen Holz ein Loch / Schlitz eingefräst werden – ohne ständig messen zu müssen und immer in gleicher Qualität.

Sehr pfiffig.

Ger hat ein „Stückchen“ Holz mitgebracht. Der Hobelwettbewerb geht los. Ich richte das Holz noch kurz her.

In der Zwischenzeit kann sich Gerd der Feinjustierung an dem Prachtstück widmen.

Ich hatte dann sogar die große Ehre, die ersten Späne ziehen zu dürfen.

Funktioniert schon gut, das Ding.

… da muss ich jetzt wirklich die Füße still halten, sonst gibt’s Ärger mit dem Finanzminister 🙂

Martin wollte natürlich auch mal.

Niklas freut sich über die schönen Späne.

Klaus mit ganzem Körpereinsatz.

Beeindruckende Blicke ob des Span’s, den der Hobel erzeugt.

Harry stellt die Lie Nielsen Nr. 8 daneben.

Klaus ist begeistert, was die Nr. 8 da so von sich gibt.

Niklas nutzt die Gunst der Stunde, schnappt sich die dicksten Hobelspäne – und macht Feueranzünder draus.

… wir haben da einen kleinen Pyromanen in der Familie… 🙂

Nun fängt’s aber an, ernst zu werden. Gerd holt seinen Kasten-/Bestoßhobel raus.

Feinjustierung ist gefragt.

Bettungs-/Schnittwinkel bei diesem Fase oben Hobel ist rd. 17 Grad.

„Das“ ist mal ein Span.

Um das ganze aber objektiv ablaufen zu lassen, hat Gerd auch noch einen Messfühler mitgebracht. Der hat – im Gegensatz zu den Messschrauben, die man mit unterschiedlich viel Kraft zudrehen und so das Messergebnis beeinflussen kann – eine definierte Kraft, mit der auf das zu messende Gut gedrückt wird.

Eine sehr objektive und gute Art & Weise zu messen.

Na, wieviel haben wir nun?

=> beeindruckende 0,021 mm!

Harry stellt sich der Herausforderung und geht mit dem Kunz Premium (Fase oben, 45 Grad Bettungswinkel, 25 Grad Fase) ins Rennen.

=> 0,029 mm

Ich gehe mit meinem Lie Nielsen Nr. 164 ins Rennen (Fase oben, 12 Grad Bettung, 25 Grad Fase).

Ein hauchdünner Span – durch den man sogar lesen kann.

=> 0,024 mm

Martin hatte auch einen Lie Nielsen Nr. 164 dabei.

=> 0,032 mm

Gerd will noch mal.

Er „wirft“ seinen Putzhobel (auf diesen Namen haben wir uns dann geeinigt) ins Rennen (55 Grad Bettungswinkel, Fase unten, 30 Grad Fase).

Ein hauchdünner, durchgehender Span.

Mit einer herrlich spiegelnden Oberfläche, die die Kamera leider nicht in seiner Natürlichkeit einfangen kann..

=> 0,04 mm

Martin hat die Version vom Nr. 62 von Dick mitgebracht (12 Grad Bettungswinkel, 32 Grad Fase).

=> 0,048 mm

Auch der Stanley 5 1/2 stellt sich der Herausforderung (45 Grad Bettungswinkel, 30 Grad Fase, Eisen von Gerd).

=> 0,04 mm

Die Variante von Kunz Premium des Nr. 62 (12 Grad Bettungswinkel, Fase oben, 25 Grad Fase).

=> 0,022 mm

Harry wirft noch seine Stanley Rauhbank Nr. 8 mit Ron Hook Eisen ins Rennen (45 Grad Rettung, 25 Grad Fase (unten).

=> 0,023 mm

Das war wirklich sehr beeindruckend. Klar, das die Eisen alle frisch geschärft waren. Schön, mal einen so umfassenden Vergleich zu haben. Schade, dass Rolf nicht kommen konnte – dann wäre auch die Veritas Fraktion vertreten gewesen und hätte sich der Herausforderung stellen können.

Niklas tut es den Erwachsenen gleich und legt los mit Hobeln. „Euere Späne sind ja viel zu dünn – die kann ich nicht gebrauchen. Das taugt für mich nicht“.

So unterschiedlich können die Anforderungen doch sein 🙂

Harry wollte mal „mit einer richtigen Säge“ sägen und hat sich die Säge von Gerd geschnappt.

Er war sehr beeindruckt, ob der Schnittgüte. Wir haben uns am Ende darauf geeinigt, dass der (vermeintliche) Siegeszug der Japan Sägen schlicht damit zu begründen ist, dass die schon geschärft kommen. Einen – echten – Vorteil haben sie meist nicht. Bis auf den Unterschied Zug- vs. Schubsägerichtung.

Nach der Anstrengung dürfen sich die Hobel nun aber ausruhen.

Der Kleine hat noch nicht genug und will auch mal zeigen, was in ihm steckt.

Der junge Mann in der anderen Ecke der Werkstatt war auch ganz schön fleissig und hat mit ganzem Körpereinsatz einiges an Spänen produziert.

Nun ist aber gut. Es wurde – einiges – an Hobelspänen produziert. Wir hatten eine Menge Spaß und haben sehr viel dazu gelernt.

Und: wir durften die wahnsinnig leckeren Kuchen von Caro und den Espresso / Cappuccino von Niklas genießen.

Ein durchwegs gelungenes Treffen.

Meinen herzlichen Dank an Euch!

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Mein Weg als Hobbyschreiner

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