Holzwerkertreffen 11.11.2017 – Besuch bei Wolfgang Jordan

In unregelmäßigen Abständen trifft sich eine kleine Gruppe eingefleischter Holzwerker und frönt ihrer Freizeitbeschäftigung – dem Holzwerken.

Am letzten Samstag war es wieder einmal so weit. Bei einem der letzten Treffen haben wir Wolfgang „belatschert“, uns doch mal seine heiligen Hallen mit diesen schier nicht enden wollenden Schätzen der Schreiner Zunft bestaunen zu dürfen. Ich mach’s kurz: es war ein hartes Stück Arbeit, aber wir kennen keine Probleme – nur Herausforderungen 🙂

Wolfgang hat dann das Treffen gleich zum Anlass genommen, mal wieder klar Schiff in seiner Werkstatt zu machen. Also eine klassische „win-win-Situation“.

Wolfgang betreibt eine wirklich beeindruckende Seite und beschäftigt sich unter anderem sehr eingehend mit deutschem Handwerkszeug und deren Herstellern (https://www.holzwerken.de). Die Seite wächst immer mehr und mich würde es nicht wundern, wenn es mal heißt „hast Du schon im Archiv von Wolfgang Jordan nachgeschaut?“.

Von daher freut es mich umso mehr, über unser Treffen berichten zu dürfen.

Ein schlauer lateinischer Spruch – der sich lohnt, als Leitspruch an der Werkstatt Tür zu hängen:

Nicht hetzen! Schreiner beim Arbeiten.

Wir betreten die heiligen Hallen – und sehen den ersten (kleinen) Teil der Hobelsammlung.

Alles hat seinen Platz – und freut sich, wenn es mal wieder zeigen darf, was in ihm steckt.

Es dauert nicht lange und wir gehen auf Entdeckungstour.

Wolgang, in seinem Element, erklärt uns jede Einzelheit und stellt uns die Unterschiede der einzelnen Hersteller vor. Ich  habe für mich mitgenommen, dass es durchaus nicht einfach ist – und es auch schon damals so war, dass es nur in den seltensten Fällen ein eindeutiges „richtig“ oder „falsch“ gibt…

Ein Falzhobel.

Die am meisten belastete Kannte wurde mit einem Einlegeholz verstärkt. Die Anschläge schauen sehr vertrauenserweckend aus – keine Selbstverständlichkeit.

Das Widerlager aus Messing –

… nicht rund. Heute würde man sagen „eine Domino Fräsung“.

Diverse Profilhobel. Die Vorgänger unser heutigen Fräser für die Oberfräse.

Alles hatte seine Nummer und wurde eindeutig beschriftet.

Ein Nuthobel. Der prinzipielle Aufbau ist bei den Holzhobeln dieser Bauart sehr ähnlich, wenn nicht sogar gleich. Die Unterschiede liegen dann im Detail.

Das war „ein komisches Ding“. Wolfgang hat gemeint, das wäre ein Hobel, mit dem man Handläufe vom Geländer gehobelt hat. Stelle ich mir nicht ganz trivial vor, mit einem Hobel zu arbeiten, der in beide Richtungen „schief“ ist…

Eisenhobel hat Wolfgang auch – das wird aber nicht seine große Leidenschaft werden. Dieser muss auch erst noch aufgearbeitet werden.

„Was ist denn das für ein Mord’s Trumm Hobel?!

Das war wohl ein Zimmermanns – Hobel, mit dem man recht passable Federn anhobeln konnte.

Ein echter Schatz in der Fundgrube von Wolfgang. Ein Nuthobel, sehr aufwändig gearbeitet mit sehr interessanten Einzelheiten; z. B. runde Vorschneider und einen Anschlag, um immer wieder den gleichen Abstand zwischen den Nuten einstellen zu können (ähnlich dem Prinzip wie in der Domino Fräse mit den Anschlägen).

… gab’s also alles schon mal.

Mehrere „Nr. 3“ Hobel – mit einem etwas ungewöhnlichen Einstellmechanismus, der sich über die Jahre nicht durchsetzen konnte.

Ein deutscher Einhandhobel – in Metall.

Der Beweis, das nicht nur die Chinesen sich von der ein oder anderen Idee „inspirieren“ lassen und ein sehr „ähnliches“ Modell eines etablierten Geräts bauen.

Das sind deutsche Nachbauten, englischer Hobel.

Das ist einer von diesen Hobeln, an denen man sich einfach nicht satt sehen kann, weil er so schön ist.

… ach ja, arbeiten konnte man diesen Hobeln auch 🙂

Ein Infill Hobel. Der Hobelkörper ist im Grunde ein „U-Profil“. Gerd hat mir mal erzählt, dass das für diese Art von Hobeln nicht so geeignet ist, da im Metall dann Spannungen entstehen, die den Hobel über kurz oder lang „krumm“ werden lassen. Bei einem Hobel nicht so gut.

Wolfgang hat dann gleich mal auf seiner Seite nach den genauen Einzelheiten nachgeschaut. Diese Fülle an Informationen kann sich ja keiner merken.

Ein „Rückwand- Hobel“. Diese Art von Schlagknopf war typisch für den Hersteller.

Da konnte ich es mir nicht verkneifen und wollte den Hobel mal ausprobieren.

Das Eisen war nicht wirklich scharf, darum ging’s aber auch nicht. Man erkennt aber, was der Hobel machen soll.

Schon pfiffig.

Die verstopften Späne haben wir dann mit einem angespitzten Hölzchen rausgepfriemelt.

Das war der Hobel, mit dem ich gearbeitet habe.

Und hier im direkt Vergleich ein anderer, an sich „gleicher“ Hobel – aber doch in Details anders.

Ein sehr einfacher Grundhobel. Wir hatten fast den Eindruck, als ob da jemand aus dem Handlaufprofil einfach ein Stückchen rausgeschnitten und ein Eisen eingesetzt hat.

Deutlich bequemer zum Arbeiten war dann dieser Grundhobel, bei dem man besser anfassen kann.

Zwei Ausführungen von einem Schiffshobel. Würden sie richtig funktionieren, wären sie super praktisch. Man kann die Hobesohle nämlich an den gewünschten Radius anpassen.

… leider wird das Hobelbild nicht sonderlich gut. Flexibel & Hobel passt eben einfach nicht zusammen.

Die Einhandhobelfraktion.

Ein Ziehklingenhobel.

Das schaut stabil aus.

Im Vordergrund ein Nr. 80 Ziehklingenhobel, im Hintergrund das hölzerne Pendant.

Ein Selbstbau von Wolfgang mit einem Ron Hook Eisen. Wolfgang ist  sehr angetan von diesem Hobel.

Die Eisen Feineinstellung erfolgt mit diesen beiden kleinen Schrauben – die sind allerdings unter dem eingebauten Eisen „versteckt“.

Das Eisen kann (konnte?) man so kaufen.

Ein Putzhobel. Wenn nicht dieser völlig unpassende hintere Einstellknauf nicht wäre, ein toller Hobel. Die Eiseneinstellung mit den beiden Schrauben stellt eine absolut präzise Einstellmöglichkeit sicher. Die Pockholzsohle lässt den Hobel wunderbar gleiten.

Zum Verputzen ganz empfindlicher Funierflächen sehr gut geeignet.

Harry hat dann die Rauhbänke „entdeckt“.

Wolfgang hat dann gleich noch eine größere Fug-Rauhbank aus dem Schrank gezogen.

Man sieht, dass ein Hobel auch „schön“ sein darf und sich die Hersteller von damals durchaus auch mit der Optik befasst haben.

Die Stoßlade von Wolfgang.

Hier nutzt er die große Rauhbank.

Eine Gehrungs Stoßlade. Wenn man’s braucht, ein praktisches Teil.

Eine Tischbohrmaschine – mit Handbetrieb.

Und noch eine handbetriebene Tischbohrmaschine.

Eine Bohrwinde mit Getriebe (?).

Und noch einige Bohrwinden…

Martin hat sich auch eine Bohrwinde genauer angeschaut –

… und ein „Geheim Versteck“ für Bohrer gefunden.

Eine „spezial Bohrwinde“ für enge Platzverhältnisse.

Mit dem Kardangelenk kann auch in beengten Platzverhältnissen noch gut gebohrt werden.

So ein Monster per Hand eingetrieben – da braucht’s dann durchaus Schmackes….

Der ein oder andere Spezial Bohrer und -Werkzeug.

Eine per Hand angetriebene Schärfmaschine.

 

Bis hin zu so kleinen Details, wie einem Wasserhahn für die Benetzung vom Schleifstein.

… sehr schön.

Eine Gehrungssäge.

Und hier ein durchaus grober Fuchsschwanz.

Nur ein kleiner Auszug aus den vielen Gestellungen.

Weiter geht’s mit den Rückensäge. Den  Schrank hat Wolfgang selbst gebaut. Gefällt mir sehr gut – aber so lange ich (noch?….) nicht so viele Sägen habe, brauche ich keinen Sägenschrank.

Eine sehr einfache Säge – aber auch „so eine Säge“ hat ihre Daseinsberechtigung.

Eine Gratsäge.

Auch eine gekröpfte Säge zum Sägen von Randnahen Dingen hat Wolfgang. Ich könnte mir vorstellen, dass das beim Sägen von Fußbodenleisten durchaus hilfreich sein kann.

Alte Schränkzangen.

Eine alte Rückensäge.

Und ich konnte es mir nicht verkneifen, mit einer der Sägen einen Probeschnitt zu machen.

… ging sehr gut…

Noch ein Schrank voll mit Werkzeug, das entdeckt werden möchte…

Verschiedene Winkel in sehr unterschiedlichen Ausführungen.

Und noch ein Hobel.

… oder eher: Hobelchen 🙂

Holz-Zwingen. Interessant zu sehen, wie unsere Vorväter versucht haben, Stabilität in die Konstruktion zu bringen z. B. durch eine Gewindestange und/oder durch eine Vielzahl von von Schlitz-Zapfen-Verbindungen (mit einer max. möglichen Leimfläche).

Huch, was macht denn so ein moderner Niederhalter in der Werkstatt von Wolfgang?

Ah – alles wieder in Ordnung. Es geht auch „antik“ 🙂

Und hier einige Werkzeuge, die wir nicht ganz zuordnen konnten. Im Hintergrund einige Streichmaße.

Die „Dinger“ im Vordergrund – darauf haben wir uns dann zumindest geeinigt – waren Lehren, die vom Fassbauer verwendet worden sind, um die Wölbung der einzelnen Dauben vom Fass kontrollieren zu können. Daher auch die vielen Markierungen.

Verschiedene Zugmesser.

… die hab ich nicht ausprobiert… – den kleinen Seitenhieb konnte ich mir nicht verkneifen 🙂

Ein Spaltmesser, mit dem man z. B. Dachschindeln spalten kann.

Eine Vorderzange mit Scherensystem.

Eine Sägebank.

Und sogar eine selbst gebaute Wipp-Drechselbank lag in einer Ecke von Wolfgang’s Werkstatt.

Sie liegt allerdings unaufgebaut und auf dem Kopf liegend. Richtig glücklich ist Wolfgang mit ihr allerdings (noch?) nicht geworden.

Ein frühes Werbegeschenk.

Ein Werkzeugkasten.

Wahnsinn! Da steckt so viel Mühe und Detailarbeit drin. Wirklich jammer Schade, dass es heute „so etwas“ nicht mehr gibt.

Ein Ratschen-Schrauben-Dreher-Satz. Die Anzahl der Bits ist allerdings sehr begrenzt.

Eine „dritte Hand mit Lupe“. Auch praktisch.

Die Schärf Ecke von Wolfgang.

Friedrich wird seine wahre Freude haben – das sind Klinker, die nach seiner Methode behandelt worden sind.

Ein recht pfiffiges Teil. Das ist ein Buchständer, der aus einem Stück Holz gefertigt worden ist. Bestimmt nicht ganz trivial, so etwas zu bauen.

Und noch ein gemeinsames Abschluss Foto.

Schön war’s!

Danke an Wolfgang, dass wir Deine Schätze bewundern und Dich mit unseren unzähligen Fragen löchern durften.

 

Noch eine kleine Anmerkung in eigener Sache:

Ich habe mich im Rahmen der mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten durchaus bemüht, die Bilder richtig zu beschreiben – bei der Fülle an Informationen möchte ich aber nicht ausschliessen, dass mir der ein oder ander Fehler/Ungenauigkeit untergekommen ist. Bitte einfach fragen, dann wird’s geklärt.

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2 Kommentare zu „Holzwerkertreffen 11.11.2017 – Besuch bei Wolfgang Jordan“

  1. Sehr schön euer Besuch bei Wolfgang. Ich war auch einmal bei ihm und er mehrfach bei mir. Da wir einen dauernden Kontakt haben. Seine Sammlung hat sich auch erweitert seit meinem Besuch. Leider ist mein Platz auf wenige qm begrenzt sonst könnte ich auch diverses Werkzeug zeigen. Deshalb habe ich mich entschlossen das mit Büchern zu dokumentieren. 3 Bücher 2 über Fassbauer 1 über Stellmacher Werkzeug (erscheint Anfang Dezember).

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    1. Schönen guten Abend Heid Kurt,
      Wolfgang hat schon davon erzählt, dass ihr in regem Austausch seid 🙂 Sag doch bitte Bescheid, wenn Deine Bücher veröffentlicht sind. Wenn Du möchtest, kannst Du natürlich auch sehr gerne bei unserem „Holzwerkertreffen“ teilnehmen. Ich denke, da würde sich das „Sommerfest“ anbieten. Ich schreibe dann nächstes Jahr auf dem Blog wieder was zum Termin. Würde mich freuen, wenn’s bei Dir zeitlich/organisatorisch passen würde.

      Herzliche Grüße

      Tom

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