(Nur) ein Rasiermesser (?)

Auch, wenn Frau nicht müde wird zu behaupten, Mann und Frau wären gleich. Ich sage, sie sind es nicht. Das sieht man schon allein an der Tatsache, dass die Männer von der Plage des Bartwuchses heimgesucht werden. Das lästige Zeug will jeden Tag wieder auf’s neue entfernt werden.

Unter der Woche, wo man (ich) nie die Zeit hat, die man morgens bräuchte (wer hat die da schon…), greife ich zu so einem Elektro Dingens. Funktioniert, tut, was es soll – und ist blöd. Am Wochenende aber, da gönne ich mir den Luxus (und die Zeit) mich mit einem Messer zu rasieren. Bisher habe ich das mit einem „normalen“ aus dem Laden getan. Das geht gut, aber irgendwie wollte ich etwas eigenständiges.

So habe ich mich entschlossen, mir ein eigenes Rasiermesser zu bauen. Ok. So ganz stimmt das nicht. Mit Metall hab ich’s – immer noch – nicht so und so habe ich mich auf den Holzteil und die Fertigung der Griffschalen beschränkt.

Eine nette Sonntags Vormittags Bastelei zusammen mit Niklas in der Werkstatt:

Im Netz habe ich einen Anbieter gefunden (http://www.koraat-knives.at), der Rasiermesser anbietet. Dort wird im Grunde all das angeboten, was das Rasiermesser Herz so braucht. Ich habe mich für ein eigens von mir konfiguriertes Messer entschieden. Es sind unzählige verschiedene Variationen möglich.

Bei den Griffschalen ist die Entscheidung auf Olivenholz gefallen. Das habe ich so noch nicht gesehen und es sollte einen schönen Kontrast zu meinem bisherigen, Ebenholz – Rasiermesser, bieten.

Geliefert wurde mir die Klinge und das benötigte Nietmaterial.

Weil ich mal eine echte Referenz haben wollte, habe ich darum gebeten, die Klinge – entgegen dem sonst üblichen Usus – rasierfertig zu schärfen.

Das wurde dann auch getan. Und weil ich natürlich vor Neugierde fast geplatzt bin, musste ich am nächsten Tag (noch ohne Griffschalen) einen ersten Versuch starten, wie ein „richtiges“ Rasiermesser schneidet. Ich kann nur sagen: bisher waren meine Rasiermesser offensichtlich nicht scharf. Mit diesem Messer braucht man praktisch gar nicht die Haut zu berühren und ist trotzdem so gut rasiert, da wird ein Elektrorasierer nie im Leben hinkommen. Ich bin vollends begeistert!

… und werde wohl oder übel noch ein wenig das Schärfen vom Rasiermesser üben müssen…

Und wenn das Messer dann so toll aussieht, ist es eine umso größere Freude, wenn man sich dann damit rasieren darf.

Keine Ahnung, wie das mit den Vermieten funktioniert. Der Verkäufer hat mir dann per eMail noch ein paar Tips gegeben, wie man das macht. Mal sehen, wie ich das hinbekommen werde.

Das sind die beiden kleinen Olivenholz Brettchen, aus denen ich die Griffschalen machen möchte. Das Holz gefällt mir sehr gut.

Das Ausgangsmaterial in der Übersicht. Das Messer hat folgende Spezifikationen:

Kopfform Schorkopf französisch
Kopf gerundet (mit jeder Kopfform kombinierbar)
Serrierung Feine Serrierung*
Konturen Normale Konturen
Rücken Glattrücken
Daumenmulde Serrierung in Daumenmulde fein
Angel Serrierung in der Angel fein
Finish Erl mit polierter Schmiedehaut
Finish_Hohlung Klinge fein satiniert (seidenmatt)
Schliff 1/2 hohl
Breite Ausführung in 6/8

Mein bisheriges Messer. Alt möchte ich nicht sagen. Gefällt mir immer noch. Aber irgendwie sollte es jetzt „mal was Neues“ sein.

Weil mir die bisherige Form der Griffschalen gut gefallen hat, übertrage ich die gleich auf die künftigen.

Ein wenig breiter wollte ich sie machen, als die bisherigen. Da das neue Messer auch ein wenig breiter ist.

Damit die Griffschalen einheitlich werden, leime ich sie zusammen und bearbeite sie in einem Schritt.

Dafür verwende ich die Papier dazwischen Methode. Das hält hinreichend gut und am Ende kann man die beiden Hälften wieder gut voneinander trennen.

So sieht’s dann aus.

So vorbereitet, kann ich die grobe Form aussägen.

Die Feinarbeit erledige ich dann mit meinen besten und feinsten Raspeln.

Niklas möchte „etwas“ Drechseln. Er beginnt im Längsholz. Ok – das war heute nichts.

Also schnappt er sich ein anderes Stückchen aus der Restekiste und legt wild entschlossen los. Es soll eine Schüssel werden – ich bin ja gespannt.

Die Form nimmt langsam Gestalt an.

Am Kopfstück muss ein kleiner Spacer eingebracht werden. Kontrastholz hatte ich nicht, also mache ich aus der Not eine Tugend und schnappe mir kurzerhand ein Restholz vom Original.

Es wird spannend: geht das Holz tatsächlich wieder so einfach auseinander, ohne dass die Teile brechen?

Tatsächlich. Hat gut geklappt.

Die paar Reste vom Papier sind schnell weg geschliffen.

Nun kann ich die Löcher für die Nieten bohren.

…. ok. Wäre sinnvoller gewesen, wenn ich das Holz erst danach auseinander gemacht hätte. Da muss ich noch an der Prozessoptimierung arbeiten… 🙂

Die Nietstifte passen schon mal rein.

Erster Versuch mit den Nieten. Da drin wollte ich den Nietstift fixieren und dann vernieten. Gut. Das war nichts. Das Holz ist und bleibt einfach zu weich.

Also wechsele ich auf meinen „Amboss“. Ein Stück Eisenbahnschienen, das ich beim Kauf meiner ersten Drechselbank als Dreingabe bekommen habe.

Dafür ist das Ding genau richtig. Menschen, die von so etwas mehr Ahnung haben (= der Verkäufer), als ich haben mir folgendes geraten:

Sie benötigen für das Vernieten nur eine harte Unterlage (kleiner Amboss oder Schraubstock) optimalerweise mit einem kleinen Loch (etwa 3-4mm tief)  darin, welches den selben Durchmesser hat wie die Nietstifte. Das fixiert den unteren Teil des Niets während Sie die andere Seite vernieten. Zum vernieten einfach den Draht ca. 1,5 mm oberhalb der Nietrosette abzwischen und flachfeilen bis noch ca. ein knapper mm über die Rosette übersteht. Diesen Drahtteil dann mit dem Hammer in kreisenden Bewegungen stauchen bis es ein schönes rundes „Köpfchen“ wird. Das selbe dann auf der Unterseite wiederholen, hierbei können sie den bereits geformten Nietkopf direkt auf den Amboss auflegen da hier nichts mehr verrutschen kann.

In der Zwischenzeit ist Niklas tatsächlich mit seiner kleinen Schüssel fertig geworden und signiert sein Meisterwerk.

Da war er stolz – der Lauser!

🙂

Und ich hab’s dann am Ende tatsächlich noch geschafft, die beiden Griffschalen miteinander zu vernieten.

Geschliffen habe ich per Hand bis Korn 600.

Zum Schluss habe ich alles noch mit Orangenöl behandelt. Das schützt nicht nur das Holz sondern auch das Messer selbst.

Halbwegs gut geworden die Nieten.

Mir gefällt’s richtig gut – mein Rasiermesser.

Fertig.

PS: wie auch sonst bei meinen Artikeln, habe ich sämtliche hier gezeigten und benutzten Dinge zu regulären Preisen gekauft. Die Klinge wurde mir nicht zu Test Zwecken zur Verfügung gestellt sondern ich habe ich regulär gekauft.

 

 

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Mein Weg als Hobbyschreiner

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