2. Teil – Formverleimung mit PU Leim

Heute steht die Formverleimung mit dem PU Leim an. Das hat sich alles in allem über mehrere Tage gezogen. Die eigentlichen Formen zum Verleimen waren auch erst noch fertig zu machen.

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Die Länge der Rodelschienen geben das Maß vor („Messen am lebenden Objekt“). An den Enden habe ich noch ein – sattes – Übermaß gelassen. Man weiß ja nie und ich kenne mich…

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Ich könnte jetzt sagen, dass ich das Holz bewußt so ausgesucht habe, dass ich die Schablone noch mit meiner Stichsäge bearbeiten kann.

… man darf aber nicht lügen – und so hatte ich einfach nur Schwein, dass das extra lange Sägeblatt gerade so noch gepasst hat. Ich habe mich ja vor dem geistigen Auge schon alles mit der Hand sägen gesehen.

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Knapp, aber geht.

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Die Kurve nimmt die von der Schiene auf (die Linie links vom Schnitt war nur ein erster Versuch).

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Das lange, gerade Stück schneide ich dann aber doch an der Kreissäge; das geht um Längen besser.

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Die Feinarbeit erledige ich dann mit dem Lie Nielsen Nr. 4. Immer bergab hobeln, das verhindert Ausrisse.

Wie beim Skifahren – nein, beim Rodeln 🙂

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Zwischendrin kann ich schon mal testen, ob die zugesägten Leisten von der Stärke her so passen, dass ich sie biegen kann ohne sie zu zerbrechen.

5 mm waren zu viel; also sind noch rd. 1,5 mm runter gekommen.

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Wichtig war mir, dass die Form wirklich gerade ist und die Flächen satt aufliegen. Jede Ungenauigkeit hier schlägt sich am Ende im Ergebnis wider, weil der Pressdruck nicht gleichmäßig ausgeübt wird und dadurch die Leimfuge ungleichmäßig wird. Braucht kein Mensch.

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So passt es aber gut zusammen. Die Form für die Kufen ist fertig.

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Nun noch eine Form für die Lenkholme. Die Kurve hierfür mache ich mit meinem großen Kurvenlineal; eigentlich ja für das Anlaufringfräsen gedacht. Geht aber auch für so etwas sehr gut.

Den „Versatz“ gibt die geplante Breite der Kufen vor. So zumindest (meine) Theorie… 🙂 Dazu aber später mehr.

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Niklas gesellt sich irgendwann zu mir und passt auf, dass der Papa alles richtig macht.

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In diese Kurven komme ich mit dem LN Nr. 4 nicht mehr hin; der Schweifhobel ist zu klein.

Also kommt das – neue – Ziehklingen Messer zum ersten, richtigen Einsatz. Ja. Das ist „das“ Messer…..

Schon ein komisches Gefühl.

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Es schneidet aber nicht nur Sehnen an der Hand gut. Im Holz leistet es auch gute Dienste. Also multifunktional einsetzbar. Auch gut.

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Damit die einzelnen Leisten beim Verleimen nicht zu sehr verrutschen und dadurch der Verschnitt so groß wird, habe ich hinten noch ein Anschlagbrett montiert, das ich dann später als Referenz nutzen kann.

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Und weil ich die Form mindestens zweimal brauche für die beiden Kufen, muss ich sie irgendwie vor dem PU Leim schützen. Simples Packetband tut da gute Dienste.

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So geschützt, sollte nicht allzu viel passieren.

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Die erste, sehr strenge, Qualitätskontrolle ist schon mal bestanden.

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Und weil der junge Mann nicht nur rumstehen und schlau daher quatschen möchte, schnappt er sich ein paar Resthölzer und bastelt „eine Lanze zum Fischen“. Wo er die Fische hernehmen möchte, ist mir allerdings ein Rätsel. Nun gut. Wenn er damit glücklich ist… 🙂

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Nun noch „die dicken Blauen“ rausgeholt.

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Den Leim und die Handschuhe vorbereitet und nun kann’s – endlich – losgehen.

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Ich bin gespannt, wie das mit diesem Zauberzeug funktioniert…

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Pro Kufe habe ich eine Flasche gebraucht. Diese Leimschnüre habe ich dann noch mit einem Resthölzchen gleichmäßig verstrichen.

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Und dann ging’s an’s Verleimen. Die Form hat an sich gut funktioniert. Der Spanngurt war aber trotzdem nötig, weil es die Form immer nach links gezogen hat. Eigentlich klar, wenn man sich den Kraftfluss vor Augen führt. Mit dem kleinen Provisorium (nein, nicht Niklas…) hat es aber sehr gut funktioniert.

Gut, dass mir das mit dem Spanngurt noch eingefallen ist. Sonst hätte ich doch noch Probleme bekommen. Eine so lange Zwinge hätte ich nämlich nicht gehabt.

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Bevor alles – ganz – fest gezurrt wird, habe ich die einzelnen Leisten noch mit einem Hölzchen an die hintere Referenzfläche geklopft.

Gut, dass ich Handschuhe angezogen habe – das Zeug klebt wie Hölle! Und vor allem: überall….

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So muss es mindestens 4 Stunden trocknen.

Das eröffnet für künftige Projekte durchaus eine Alternative, wenn man schwierige oder komplizierte Leimaufgaben zu lösen hat. Die offene Zeit ist deutlich länger, als bei Weißleim (dort nur rd. 20 min.). Einzig diese Sauerei in der Werkstatt muss irgendwie im Zaum gehalten werden. Ich habe an den relevanten Stellen Malerfolie ausgelegt, das ging. Ist aber natürlich gegenüber Weißleim zusätzlicher Aufwand.

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Schon nach ca. 10 min. quillt der Leim und überbrückt so kleinere Spalten. Genau das, was er sollte.

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Damit ich Zeit spare, habe ich je eine Kufe und einen Lenkholm gleichzeitig verleimt.

…. warten, warten, warten und wieder: warten…..

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Nach etwas mehr als 4 Stunden können die Teile dann aus den Formen werden.

Einen Schönheitswettbewerb gewinne ich – so – noch nicht. Die Form halten die Teile aber. Das ist die Hauptsache.

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Dieser PU Leim quillt sehr stark. Gelesen hatte ich das schon. Jetzt erlebe ich’s mal live…

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Dann geht auch gleich die zweite Tranche in die Formen.

…. Warten….

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So. Kaum sind 2 Tage vergangen, schon habe ich alle vier Teile fertig aus den Formen.

Es kann weitergehen.

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Das war eine Sauerei!

Ich habe keine Bilder davon. Ich bin aber – trotz -10 Grad Celsius – rausgegangen und habe die Teile im Freien geschliffen. Mir war das mit dem PU Leim nicht ganz geheuer. Den Staub wollte ich nicht in der Werkstatt und/oder den Filtern haben.

Das war eine sehr gute Entscheidung. Ich hatte meine Industriestaubmaske, eine Mütze, Handschuhe und meine älteste Dreckjacke an. Die ganze Aktion hat rd. 1 Stunde gedauert. Danach war mir so schlecht, dass ich (….) gar keinen Hunger hatte auf das durchaus gute Essen. Ich habe mich dann erst einmal komplett umgezogen, alles in die Wäsche gegeben, mich geduscht und für diesen Tag Ruhe gegeben. Am nächsten Tag ging’s dann wieder.

Ich sag mal so: beste Freunde werden wir nicht werden, der PU Leim und ich. So ist das Zeug schon sehr gut, hält wie der Teufel und ist wasserfest. Für Spezialanwendungen werde ich ihn mir schon in der Hinterhand behalten – sonst aber wo möglich, meiden.

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Nun kann ich mit dem Hobeln der Teile beginnen.

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Die Rodelschienen, die ich mir im Netz besorgt habe, geben die Endmaße vor. Es wird Maß genommen – und mindestens 3 mal kontrolliert. Hier & jetzt sollte ich keine Fehler machen.

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Abgeschnitten ist es dann schnell.

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Da sind sie die Teile – fast schon im Endmaß.

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Die Höhe vom Schlitten übertrage ich von meinem „Urmeter“. Das habe ich für mich als angenehm festgelegt.

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Nun also der zweite Schnitt an den Kufen.

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Wird ja tatsächlich langsam ein richtiger Schlitten.

Lina hatte zu den Teilen aus den Formen nur gemeint, „der wird ja so groß, wie der Schlitten vom Bauern im Wald, mit dem er das Holz aus dem Wald holt, Papa!“.

Dieses Mal war das allerdings Absicht. Ich wollte Puffer haben und sicher sein, dass alles in der Form war, in der es auch sein sollte.

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Mit der Dickte bekommen die Kufen also das Endmaß – geht gerade so von der Breite durch; ein wenig drehen musste ich, das ging aber.

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Die fertigen Teile, die formverleimt worden sind.

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Das ist erstaunlich gut geworden. Mit so einem gleichmäßigen Ergebnis habe ich gar nicht gerechnet. Da freue ich mich. 🙂

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Schon fast Kunst am Bau – schönes Muster.

Es geht weiter mit „3. Teil – Sitzbock

Zur Projektübersicht „Rodel

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6 Kommentare zu “2. Teil – Formverleimung mit PU Leim”

  1. Sehr schön bisher – in einem anderen Bericht hatte ich gesehen, saß beide Kufen als ein Stück hergestellt wurden und am Ende dann auseinander geschnitten. Aber bei Dir sieht das ganze auch sehr gleichmäßig aus.

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    1. Schönen guten Morgen,
      einen Stuhl auf diese Art & Weise zu bauen geht – ist aber noch mal eine ganz andere Hausnummer. Die Biegeradien sind deutlich kleiner. Häufig wird das Holz beim Stuhlbau auch gedämpft.
      Herzliche Grüße
      Tom

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