3. Teil – Sitzbock

Heute geht es mit dem Bau vom „Sitzbock“ weiter. Meine Stemmmaschine kommt zum Einsatz und ich muss mir noch was einfallen lassen, wie ich die Verbindungen so machen kann, dass sie zwar „fest“ aber trotzdem „beweglich“ sind. Eigentlich ja ein Widerspruch in sich.

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Eine (Rest) Leiste von der dickeren Eschen Bohle habe ich noch. Das geht sich gerade noch aus, um die 4 Teile für die beiden Sitzböcke zu machen.

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Der Zuschnitt ist dann kurzerhand erledigt.

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Die Kufen sollen in einem Winkel von 22 Grad angestellt werden. Im Netz haben sie gemeint, das sei ein „guter“ Winkel.

Keine Ahnung. Unsere Wald und Wiesen Schlitten haben gar keinen Winkel. Die besseren Rodel, die wir haben, haben einen. Im Netz war man sich nicht ganz einig, ob es jetzt 10, 20 oder gar 25 Grad werden sollen.

Mit 22 Grad Kufenneigung bin ich dann später am schnellsten. Jawohl!

🙂

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Dieses Maß wird dann mit der Schmiege an der Säge eingestellt.

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Die Schultern von den Zapfen setze ich an der Tischkreissäge ab. Das verhindert später Ausrisse an der sensiblen Flanke.

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Gut geworden.

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Nun kommt wieder mein „Zauberteil“ zum Einsatz. Damit kann ich die Zapfen einfach und gefahrlos an der Tischkreissäge schneiden. Die Hände sind  aus dem Gefahrenbereich.

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Gut geworden.

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Die schrägen Zapfen mache ich lieber per Hand. Das war mit zu blöde, diese dauernde Einstellerei an der Maschine. Am Ende ist dann doch was falsch und dann ist das Geschrei groß.

Schneller geht’s allemal per Hand und ein wenig Übung schadet mir gar nicht…

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Geht tatsächlich ratz fatz.

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Gut geworden. Alles schön einheitlich.

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Nun kann ich das Maß für das Zapfenloch am lebenden Objekt abnehmen und auf den Querholm übertragen.

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Hm. Das wird kniffelig. Das Zapfenloch muss schräg werden. Das geht nur per Hand. Im dem tatsächlich ziemlich harten Eschenholz gar kein so leichtes Unterfangen.

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Irgendwann war aber auch das geschafft.

 

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Na toll. In einer Pause habe ich mir das ganze noch einmal durch den Kopf gehen lassen.

Ergebnis: Mir sind die knapp 3 cm der bisherigen Verstrebungen zu schwachbrüstig. Mit dem Schlitten wird später auch Niklas fahren, ich fahre auch nicht immer nur mit angezogener Bremse. Da schadet es nicht, ein wenig Puffer zu haben.

Also. Ich hole mir noch eine Eschenbohle. Die ist allerdings dünner. Also werde ich sie zusammenleimen. Das hat noch den Vorteil, dass das stabiler sein sollte.

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Auch hier kommt wieder der PU Leim zur Anwendung. Mit einem Restholz verteile ich alles gleichmäßig. Das sollte gut halten.

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Der Hersteller empfiehlt, die Flasche kopfüber zu lagen, um so möglichst wenig Luft in der Flasche zu haben, mit der der Leim reagiert und schneller altert. Ok. Mache ich. Bin mal gespannt, ob’s tatsächlich was bringt…

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Dann waren einige Zwingen gefragt – und Warten.

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In der Wartezeit kann ich mich den bereits fertigen Teilen widmen und finale Arbeiten erledigen.

Die Kanten von den Teilen möchte ich mit einem Viertelstabprofil versehen. Das mache ich an der Tischfräse und der Hochgeschwindigkeitsspindel. Da ist die Absaugung besser und ich kann die geschwungenen Teile besser führen.

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Gefällt mir gut.

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An den Ecken arbeite ich mit meinem Lie Nielsen, „immer dabei“ Hobel Nr. 102 auch passende Rundungen an.

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Geht doch.

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Nun können die Teile noch einmal geschliffen werden. Dieses mal kann ich das allerdings in der Werkstatt machen – der PU Leim ist ja nun „fast“ weg.

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So sollen die Teile grundsätzlich zusammen.

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Mit den in der Zwischenzeit fertigen, neuen Teilen für die beiden Sitzböcke kann ich nun wieder Maß nehmen, wo die Zapfenlöcher an den Kufen hin sollen.

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So sollen die Sitzböcke später dann – in etwa – aussehen.

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Die Zapfenlöcher werden sauber angezeichnet.

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Dieses mal möchte ich mir das Leben leichter machen und nutze die Stemmmaschine.

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Damit kann ich sehr schöne, saubere „viereckige Löcher“ stemmen. Wenn ich mir vor Augen führe, wie lange ich für zwei Zapfenlöcher gebraucht habe, sind die knapp 2 Minuten mit der Maschine fast schon lächerlich.

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Beim Anzeichnen der Löcher für die Streben mache ich es mir leichter und übertrage das einmal angezeichnete Maß auf die anderen Streben. Das reduziert auch gleich noch Maßfehler.

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Die senkrechten Löcher sind schnell erledigt.

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Dreimal Eintauchen – fertig.

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Ein wenig kniffliger waren dann die „schrägen“ Zapfenlöcher. Da kommt recht viel Druck drauf und so muss das Werkstück gut und sicher gespannt werden. Da habe ich mir aus Restholz kurzerhand einen passenden Keil zurechtgeschnitten und so war alles fest.

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Geht gut.

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Alle Löcher sind drin.

Dieses mal habe ich einen anderen Ansatz gegenüber dem ersten „Versuch“. Ich arbeite keine Zapfen & Zapfenlöcher an. Ich stemme an beiden Teilen ein „Zapfen“ – Loch. Dort kommt dann ein angepasster „Domino“ Dübel rein. natürlich nicht die originalen (die hätten ja runde Kanten). Ich werde mir ein passendes Profil fertigen und davon dann die paar Teile passend abschneiden. Das hat gleich noch den Vorteil, dass ich von den Längen her sehr flexibel bin.

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Dieses Loch habe ich nicht nachbearbeitet. Per Hand kriege – ich’s – nicht besser hin. Das dauert keine 2 min.

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Für diese kleinen Teile nehme ich lieber „Fritz & Franz„; die Finger danken es einem.

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Noch eine kleine Nachbearbeitung mit dem selbst gebauten Einhandhobel von Gerd.

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So passen die Zapfen Hölzchen sehr gut & stramm.

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Um beim Verleimen keine bösen Überraschungen zu erleben, habe ich lieber noch einen Hauch von den Zapfen abgeschnitten. So passen sie – sicher – rein.

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Die Zapfen in den Kufen brauchen aber eine Spezialbehandlung. Die Kufen müssen beweglich sein, sonst kann der Lenkrodel nicht das tun, was er soll – lenkbar sein.

Also habe ich an den Zapfen an den Seiten jeweils ein wenig abgenommen, so dass diese Verbindung zwar „fest“ aber trotzdem beweglich ist.

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So sieht’s gut aus.

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Die Zapfen an den übrigen Verbindungen sollen dagegen „stramm“ sitzen.

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Theoretisch sieht’s schon mal gut aus.

Zurück zur Projektübersicht „Rodel“.

3 Kommentare zu “3. Teil – Sitzbock”

  1. Hallo,

    wirklich wunderbar ihr Schlittenprojekt, ich bin fasziniert!!!
    Ich hätte in diesem Zusammenhang noch 2 Anregungen die vielleicht den einen oder anderen Leser auch interessieren (mich natürlich auch)

    • wie sieht das mit der Rückstellung der Formverleimten Teile aus. Für mich war das immer ein Thema wie genau das gepresste teil gegenüber der Form aussah(will das teil nach dem trocknen des Leimes in seine ursprüngliche Form zurück und muss ich deshalb die Pressform überzogener bauen?)
    • sie haben schon mehrere male ihre Stemmaschine im Einsatz gehabt, ich kannte so eine Maschine gar nicht(kann an meiner eingeschränkten Sicht liegen) und würde gern die Funktionsweise kennenlernen.(wie macht man das am besten ohne nachher vorgeworfen zu bekommen, schleichwerbung für diese Firma gemacht zu haben??)
      Das was ich bis jetzt von der Maschine sah, war klasse!!

    Vielen Dank für den interessanten Blog und ich hoffe sie haben sich von ihrer Verletzung wieder gut erholt,

    viele Grüße aus Zittau, David T.

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    1. Hallo David,
      🙂

      zum Thema „Rückstellung“:
      Das war etwas, bei dem ich auch unsicher war. Ich habe es jetzt einfach mal ohne „Zugabe“ gemacht. „Gefühlt“ hat sich keine/merkliche Rückstellung ergeben. Ein wenig speziell war das schon, so, wie ich es gemacht habe. Ich habe einen Leim verwendet, der keine Feuchtigkeit einbringt und auch beim Biegen wurde der Feuchtigkeitsgehalt im Holz nicht geändert. Das Thema mag aber anders sein, wenn die Teile mit dem Dampfbiegeverfahren gebogen werden (zu diesem Thema kommt nächstes mal etwas – mehr kann ich noch nicht verraten 🙂 ).

      Zum Thema „Stemm Maschine“:
      Stimmt. Das ist eine Maschine, die man (in Deutschland) gar nicht so häufig sieht. Ich habe sie das erste mal in den US-Videos gesehen und war recht angetan. Vor einiger Zeit war in der Holzwerken auch mal ein Artikel zu diesen Maschinen.
      Im Grunde ist das auch nur eine Bohrmaschine. Die Hauptarbeit wird von einem Bohrer erledigt. Der Bohrer läuft in einem Vierkant, der unten bogenförmig angeschliffen ist und mit einer Schneide versehen worden ist. Mit einem langen Hebel wird dann „gebohrt“. Den letzten (kleinen) Rest vom runden Loch nimmt dann der Vierkant weg („stemmt“). Solange alles scharf ist, ist das nicht anstrengender, als das Bohren an einer Tischbohrmaschine.
      Stemmen „mag“ ich nicht so gern. Von daher finde ich diese Art von Maschine – für mich – sehr passend. Ein ähnliches Ergebnis kann man auch mit z. B. einer Domino Fräse erreichen – dort dann aber mit runden Ecken. In meinen Augen eine Maschine, die man sicher nicht jeden Tag braucht. Wenn aber, ist man/ich schon sehr froh über sie… Gekauft habe ich sie bei einem Online Händler in Groß Britannien.

      Herzliche Grüße

      Tom

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