4. Teil – finale Arbeiten

Heute wird der Rennrodel fertig. Es sind noch folgende Arbeiten zu erledigen:

  • Schienen an die Kufen anpassen
  • Lenkholme anpassen
  • Sitzstoff
  • Lenkseile

Zum Teil sind da Arbeiten dabei, die ich gar nicht selber machen kann (nähen). Aber vielleicht kann ich da Lina und/oder die Schwiegermutter um Hilfe bitten. Es geht los:

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Die Rennschienen haben bereits Gewindestangen angelötet. Die Löcher dafür müssen vorgebohrt werden. Damit nichts verrutscht, sichere ich sie mir mit ein paar Zwingen.

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So halbwegs genau sollte es schon werden. Die Gewindestangen sind kürzer, als die Kufen hoch sind – das wäre mir zu schwach gewesen. Selbst mein „Ur Rodel“ hatte stärkere Kufen. Da werde ich mir noch etwas einfallen lassen müssen, wie ich das ganze Festkriege. Eine Idee habe ich schon, dazu weiter unten mehr.

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Einmal Maß genommen, mache ich es mir dann aber leichter – die maße der einen Schiene übertrage ich direkt auf die andere Kufe. Vorher habe ich – natürlich …  – geprüft, ob die Gewindestangen auch ja alle wirklich an der gleichen Stelle sind…. 🙂

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Gebohrt ist dann doch schnell.

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Ich habe also ein wenig im Netz rumgesucht.  Das, was ich suche, heißt „Hülsenmutter“. Im Grunde hätte ich ja nur eine Hand voll gebraucht. Ein kleineres Gebinde gab’s nur leider nicht und mein Baumarkt um die Ecke hatte solch speziellen Teile nicht. Diese Art von Muttern hat dann gleich noch den Vorteil, dass oben nichts übersteht, an dem man sich später verletzen könnte.

… eine kleine Geschichte am Rande zu dem Thema möchte ich Euch nicht vorenthalten:

Wir haben hier in München einen wirklich sehr guten „Schraubenladen“ in der Innenstadt (Nähe Viktualienmarkt). Die haben leider durchaus ihren Preis. Dafür wird man dort aber im Grunde immer sehr gut beraten – und wie auch immer sie es anstellen, aber sie haben wirklich jede (!) Schraube. An einem Freitagnachmittag hab ich mir also gedacht: machst du früher Schluss und machst noch einen Abstecher in die Stadt. Vom Büro aus laufe ich da nur ca. 20 min hin. Gesagt, getan. 16:01 Uhr war ich vor dem Laden. Als ich in die kleine Straße eingebogen bin, stand ein Mann vor besagtem Laden. Wild gestikulierend. Mir schießt es in den Kopf: Mist, jetzt hast Du nicht gecheckt, ob die überhaupt aufhaben (… um 16 Uhr am Nachmittag….). Was soll ich sagen. Sie hatten nicht mehr auf. Der mir Unbekannte und ich standen dann also vor der Tür, haben den 3 netten Angestellten durch die Scheibe noch gedeutet, dass es schnell ginge. Nein. Es ging kein Weg rein. Die Herren haben sich (wirklich) einen Ast gelacht, „lustig“ auf die Uhr gezeigt und sich dem Feierabend Ratsch hingegeben.

Ich möchte es mal so formulieren: In München wird gerade mit „kauf lokal“ geworben.

… so fällt mir das schwer. Die rd. 40 min. Fußmarsch in der Kälte verschmerze ich schon noch. 3,95 € Versandkosten kommen mich aber billiger. So habe ich  jetzt zum wohl gleichen Preis, gefühlte 80 Schrauben auf Vorrat – und der Schraubenladen einen Kunden weniger. Schade. Da habe ich schon mit meinem Vater eingekauft.

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Damit ich nicht zu tief bohre, habe ich mir noch einen Tiefenstop nach Hausfrauen Art gebastelt. Er tut aber, was er soll.

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So soll’s dann sein – bündig. Gefällt mir sehr gut.

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Nun muss ich aber aufpassen. Das Leimen geht los.

Im Eifer des Gefechtes darf ich nicht „vergessen“, dass ich nur die oberen Verbindungen leimen darf. Die Verbindung zu den Kufen wird nicht geleimt – die soll ja beweglich bleiben.

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Es kommt wieder der PU Leim zum Einsatz.

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Das war dann schnell erledigt.

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Das Zeug quillt wirklich ganz schön. So viel habe ich gar nicht angegeben – dachte ich.

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Niklas kommt mich besuchen und will „mit der Kinderschleifmaschine schleifen“.

Ist iO – soll auch seinen Spaß haben.

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So. Wird ja immer mehr zum richtigen Rennrodel.

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Nun schlägt die große Stunde vom ausgemusterten Rennradschlauch.

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Aus dem schneide ich mir passende Stücke für die untere Verbindung zu den Kufen.

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Das dichtet die Verbindung ab und sorgt für die nötige Beweglichkeit.

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Niklas wechselt in der Zwischenzeit zur Metallbearbeitung – ist heute mehr angesagt in der Werkstatt.

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Damit der Zapfen nicht aus dem Zapfenloch rutscht, sichere ich ihn mit einer (Edelstahl) Schraube. Das Loch habe ich rd. 1,5 mm größer als den Schraubendurchmesser gemacht, um die Beweglichkeit zu erhalten.

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Auch dieser Schraubenkopf ist bündig.

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Nun geht es an die Lenkholme. Es wird Maß genommen.

Hm. So 100 % bin ich nicht zufrieden. Ich muß gestehen, da ist mir ein kleines Missgeschick passiert. Die Holme treffen Aussen an den Kufen auf – eigentlich sollten sie Innen auftreffen. Ich hatte nicht auf der Agenda, dass die Kufen (bedingt durch die 22 Grad Neigung) weiter nach Innen kommen, als sie breit sind. Ich wollte den Sitzbock aber auch nicht wieder schmäler machen, das sitzt sich so unangenehm.

So habe ich dann entschieden, dass die Lenkholme von Aussen auf die Kufen treffen sollen – ein Alleinstellungsmerkmal 🙂

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Anfangs wollte ich die Lenkholme nur mit langen Gewindestangen auf dem Sitzbock befestigen. Das Profil der Lenkholme ist aber sehr hoch und so war mir das dann zu heikel wegen der Festigkeit. Ich werde die Lenkholme daher ein wenig in den Sitzbock einlassen und so für mehr Stabilität sorgen.

Die Aussparungen mache ich fix an der Tischkreissäge.

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Per Hand geht’s natürlich auch – und das hat gleich den Vorteil, dass die Ausrisse viel geringer sind.

… da freue ich mich ja. Meine selbst gebaute Rückensäge funktioniert prima. Eines der nächsten Projekte wird sein, ein kleineres Modell zu bauen. Gerd hat mir das Material dafür schon geschickt 🙂

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Geht sehr gut so. Es braucht gar nicht immer großartig Maschinen. Das Handwerkzeug hat durchaus seine Berechtigung.

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Nach ein paar Minuten war das geschafft.

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Zwischendrin immer mal wieder Maß nehmen, ob’s auch wirklich passt. Ich kenn mich ja… 🙂

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Na also. Geht doch.

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Nun kann ich noch die Löcher für die langen Gewindestangen bohren. Damit ich dann später nicht auf der Mutter sitzen muss (dann stelle ich mir durchaus unangenehm vor, auf einer Buckelpiste…), habe ich sie noch ein wenig gesenkt. Und damit ich sie unterwegs nicht verliere, habe ich selbstsichernde Muttern genommen. Damit das ganze nicht rostet, habe ich mich für Edelstahl entschieden – durchaus teuer. Aber dadurch, dass ich keine passenden Schrauben gekauft sondern mir aus einer Gewindestange das entsprechende Stückchen rausgeschnitten habe, hielt sich das dann doch wieder (einigermaßen…) in Grenzen.

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So weit so gut. „Fast“ fertig.

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Niklas hat die Zwischenzeit genutzt und sich eine kleine Schüssel gedrechselt. Das macht ihm wirklich Spaß und wenn ich mit daneben stehen kann, geht’s auch ganz gut (und beide Seiten fühlen sich wohl damit).

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Hm. Eines meiner Ziele war es, den Rodel so beweglich wie nur irgend möglich zu machen. Bis zum Einbau der Lenkholme war das auch gegeben. Nun nicht mehr.

Es kann also nur daran liegen, dass die „stramm“ sitzenden Lenkholme eine Bewegung verhindern. Also baue ich das noch einmal auseinander. So will ich das nicht lassen.

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Das Spiel rechts und links der Lenkholme wird vergrößert.

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Auch die Löcher für die Gewindestangen bohre ich um 1,5 mm auf.

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Wieder zusammengebaut sieht man den Effekt. Die Lenkholme sind durch die Gewindestangen „fest“, können sich aber durch den Freiraum dennoch bewegen.

Geht doch 🙂

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Noch ein Feintuning war notwendig. Wieder war die Kufenneigung der Auslöser. Die Schräge hätte bewirkt, dass das Holz der (Innen) Kufe auf dem Schnee aufsitzt. Das bremst und tut dem Holz auch nicht nicht.

Das „zuviel“ hobele ich kurzerhand weg.

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So sieht die Kufe dann im Profil aus. Nicht viel. Aber genau der Unterschied zwischen „Holz schleift am Schnee“ und „der Rodel gleitet nur auf den Metallschienen“.

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Nun geht es an die Sitzbespannung.

Aus einem Laden bei uns um die Ecke (wir wohnen in der Nähe von Starnberger See; recht praktisch in diesem Fall), habe ich mir einen Rest von einem Segelstoff besorgt. Der ist recht fest, fühlt sich gut an (stoffmäßig) ist halbwegs wasserdicht – und er ist nicht so rutschig, wie eine „Plastik“ Folie.

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Es wird Maß genommen. Da habe ich sehr reichlich.

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Dann muss ich aus diesem „krummen Teil“ etwas halbwegs gerades machen.

Ich behelfe mir mit einem alten Hobeleisen, einem Zimmermannswinkel und meinem langen Alu-Metermaßstab. Ich bin mir zwar ein wenig komisch vorgekommen, es hat aber funktioniert.

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Fertig ist der Stoff für den Sitz.

… jetzt muss ich den „nur noch“ genäht bekommen….

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Doch bevor ich das Thema näher angehe, kann ich mich schon mal der Oberflächenbehandlung widmen.

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Ich wollte den natürlichen Charakter vom Eschenholz erhalten und keinen Lack verwenden. Dazu kommt, dass ich mir von einer Lasur verspreche, dass es länger und besser hält. Der Lack bekommt über die Jahre nur (sehr feine) Sprünge/Risse in die das Wasser eindringen kann, aber nicht trocknen. Das macht jedes Holz kaputt. Die Lasur aber dringt ein, man hat noch das Gefühl „Holz“ und keine Chemie in der Hand zu haben und selbst, wenn über die (hoffentlich langen Jahre) die Lasur mal „weg sein“ sollte – die Esche hält das schon mal aus. Wir reden ja über (gefrorenen) Schnee und keine Dauerbehandlung im Wasser.

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Das habe ich dann drei mal durchgeführt.

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In der Zwischenzeit kann ich den Stoff so abklemmen, wie er dann genäht werden soll.

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Oh je! Das war ein Theater. Unsere Nähmaschine hat den dicken Stoff nicht mehr gepackt. Mit der Hand ging nicht (konkret: meine Frauen hier sind in den Streik getreten… :-)).

Ich habe mir dann (leider) so behelfen müssen, dass ich zu einer Näherin bei uns hier gegangen bin. Sie hat das dann für uns gemacht. Wie ich finde ist es sehr schön geworden. Selbst den Saum hat sie noch „umgenäht“, so dass da nichts ausfransen kann. Das Geld ist es allemal wert. Dauert halt – und ich/wir haben’s jetzt nicht mehr ganz selbst gemacht.

Mit dem Nähen kann/will ich jetzt aber trotzdem nicht anfangen 🙂

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Das nächste „Thema“: Die Nieten.

Ich habe mir ein Locheisen gekauft, passend zu den Nieten. Glücklicherweise habe ich die ersten Tests in einem Reststück gemacht.

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Meine Nietzange war leider zu klein für die großen Nieten. Richtig funktioniert das so einfach nicht.

Irgendwas stimmt da nicht. Nur was?

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Diese Plastik Dinger, die der Packung beiliegen, wollen so gar nicht in die Niete passen.

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Das „Zuviel“ wegdrechseln auf einem „Hilfsfutter“?

Keine gute Idee; geht gar nicht.

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Wir haben seit ein paar Wochen einen Hund (brauner Labrador). Lina hat für ihn einen „Ochsenziemer“ gekauft. Den mag er (der Hund) sehr gerne. Lina möchte ihn aber kürzer schneiden.

…. als Mann denke ich mir da nur: der arme Hund, der Ochse 🙂

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Zurück zum eigentlichen Thema – den Nieten. Eine – meine – Nietenschachtel.

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Ich bin in meiner Verzweiflung zurück in den Baumarkt gefahren. „Da sind alle nötigen Teile drin“.

Offenbar werde ich wirklich langsam alt. Weder ich noch Caro haben diese beiden Dinger in dem Wirrwarr gesehen. Nun gut. Jetzt wissen wir’s ja. Diese Plastik Dinger lassen wir jetzt einfach links liegen – und uns nicht von den Teilen auf die falsche Fährte locken.

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Fast schon albern. Aber ich war schlicht zu faul, ständig neu messen zu müssen. Ich fand’s einfacher, aus einem Restholz eine „Bohrschablone“ zu machen.

Hat wunderbar funktioniert.

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Dieses mal also mit diesen Zauberdingern und viel Gefühl im Fäustlingshammer… 🙂

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Nun geht’s.

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Es sind aber – einige – Ösen, die da rein müssen.

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So. Das wäre – endlich – geschafft.

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Nun kann ich also den Sitzbock mit den Kufen verschrauben. Auch hier habe ich mich für selbstsichernde Muttern entschieden. bin gespannt, ob das halten wird.

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Damit mein armes Hinterteil nicht allzu sehr geschunden wird, wollte ich – wenigstens – ein bisschen Polsterung. Die Rohrisolierungen aus dem Sanitärbedarf sind genau richtig und mit meinem alten Hobeleisen gut zu bearbeiten.

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Die „Schnur“, mit der ich die Bespannung machen möchte, durchtrenne ich über einer Kerze. Sonst franst das Ding aus und dauernd mit dem Feuerzeug rumhantieren war mir zu blöde.

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Längs habe ich Taschen einnähen lassen, damit ich auch dort spannen kann. Die Schnur hat sich ganz gut durchfädeln lassen, als ich einen kleinen Schraubenschlüssel mit eingebracht habe, der dann gut durchgeschoben werden kann.

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Gleichmäßig spannen, sonst wird’s schief.

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Ok. Sicherlich kein Kunstwerk. Aber so sollte es gehen.

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Bevor ich nun endlich die Schienen montieren kann, fette ich sie noch einmal mit meiner neuen „Super Waffe“ ein. Dieses Fett soll nicht klebrig werden.

Da fehlt mir noch die Langzeiterfahrung. Zumindest im letzten Vierteljahr hat es gut funktioniert.

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Nun also kommt die große Stunde der Hülsenmuttern…

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Ja, so gefällt mir das. Alles bündig.

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Die Kufen/Schienen sind nicht über die ganze Länge zu 100 % gerade. Eine ganz leichte Kurve ist angebracht. Davon verspreche ich mir ein besseres Kurvenverhalten, weil nicht die ganze Länge der Schiene Kontakt hat (gleiches Prinzip wie bei den Schlittschuhen).

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Jetzt ist im Grunde alles fertig. Mein Brennstempel kann – endlich – angebracht werden.

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Nun noch ein kleines Band um die Lenkholme.

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Fertig.

🙂

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3 Kommentare zu “4. Teil – finale Arbeiten”

  1. Hallo Tom,

    sehr schön geworden. Bist du schon mal Probe gesessen? Ist bestimmt bequem, oder?
    Aber, fehlt da nicht das Lenkseil? Normalerweise fährt man Kurven, indem man ein Kufe mit dem Bein nach unten/innen drückt und die andere Kufe nach oben zieht. Dafür haben die meisten Rodel ein Lenkseil aus Edelstahl. Hast du schon eine Idee?

    Viele Grüße,
    Bernd

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    1. Schönen guten Abend Bernd,
      da hast Du Recht. Das kommt noch. Mir schwebt da ein nicht rostendes Seil vor. Ich möchte aber auch etwas haben, mit dem man den Schlitten mal über eine längere Zeit einen Berg hoch ziehen kann. Da bräuchte ich dann fast zwei Seile. Die Idee wäre etwas, das man „kippen“ kann (nach vorne zum Ziehen und nach hinten zum Lenken). Die Länge muss dann aber irgendwie anpassbar sein. Sicherlich lösbar. Wie hast Du das gelöst?
      Herzliche Grüße
      Tom

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