1. Teil – Aushobeln & Herstellen der Leisten

Der Bau eines Rodel Schlitten – ein Projekt, auf das ich schon sehr lange wirklich Lust habe. Jetzt, wo meine Hand – endlich – wieder einsatzfähig ist und das Wetter auch nach „Winter“ aussieht, kann ich es auch angehen.

Ich freue mich richtig auf das Projekt. Nach über 2,5 Monaten, in denen ich nicht in der Werkstatt arbeiten konnte, habe ich fast schon Entzugserscheinungen bekommen. Ich werde auch einmal diesen wasserfesten Polyurethan Leim („PU – Leim“) ausprobieren und weil bei dem Rodel so viel gebogenes Holz vorkommt, werde ich Formen bauen müssen.

Wieder viel Neues – los geht’s!

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Beim Holz habe ich mich für Esche entschieden. Das ist schön elastisch und fest. Bei einem Rodel (und einem Sohn wie Niklas…) bestimmt sinnvoll.

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Die Rodelschienen habe ich mir bei einem professionellen Rodelbauer bestellt. Im Netz wurde gesagt, dass eine schlichte Metallschiene (= mein allererster Gedanke und mit Abstand am günstigsten) nicht gut funktioniert. So sind es jetzt tatsächlich Rennschienen geworden; sogar mit aufgelöteten Gewindestäben, damit die Lauffläche nicht von den Schraubenköpfen unterbrochen wird.

Dann brauche ich noch Holz für die Formen („günstiges“ Fichten/Tannen Holz aus dem Baumarkt) und ein wenig Gummi für die Verbindungen (da muss ein alter Fahrradschlauch herhalten). Ein paar Schrauben noch. Es kann losgehen.

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Einen richtigen Plan habe ich nicht. Dieses mal ist’s viel besser. Ich habe ein Original. So – in etwa – soll der Rodel einmal werden. Der neue soll ein wenig länger, breiter und vor allem beweglicher werden. Das Elastische macht dann den Unterschied aus, ob man in der Kurve bremsen muss, um rumzukommen oder ob eine Gewichtsverlagerung reicht, um den Rodel rumzubringen.

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Ich fange mit dem Formenbau an. Die müssen erst einmal trocknen und während dessen kann ich mich dann dem Eschenholz widmen.

Damit die Verleimung halbwegs hält, werden die Kontaktflächen gehobelt. Sägerauh wäre mir zu heikel gewesen.

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Die parallel Seite kommt dann durch die Dickte. Die beiden anderen Seiten spare ich mir. Ich muss ja keinen Schönheitswettbewerb gewinnen.

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Die Verleimung kann beginnen. Alles ist vorbereitet.

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Hm. Ok. Ich geb’s zu. Der Leim ist nicht mehr der Neueste und der Leimtopf stand offenbar ein wenig offen rum. Mit meiner multipel einsatzfähigen Leimklinge kriege ich den Leim aber auch so raus und kann ihn auf das Holz schmieren.

Ich habe beschlossen, dass es für die Formen schon noch reichen wird…

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Und schon ist das Holz für die erste Form in den Zwingen.

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Nun kann ich mich dem Eschenholz für den Schlitten widmen. Die erste Seite wird gehobelt.

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Die zweite Seite kommt durch die Dickte.

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Und da sind sie. Die Ausgangsbretter, aus denen der Rodel entstehen soll.

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Da habe ich lange überlegt. Die Schienen und die Steuerholme (? heißen die so?), möchte ich aus diversen Lagen zusammen leimen („Schichtverleimung“). Wie dick die einzelnen Schichten allerdings sein dürfen, weiß ich nicht.

Die Entscheidung ist auf 0.5 cm gefallen. Das Maß bekomme ich gut aus diesem Brett raus. Wenn ich die Formen dann habe, kann ich ja probieren, ob das so geht – oder die Lamellen doch noch dünner gemacht werden müssen, um ohne zu brechen den Kurven der Schablone zu folgen.

Auf dem Schreinerpapier wird ausgerechnet, wieviel ich hier rausbekomme und ob das reicht.

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Nun kann der Schnittmarathon losgehen. Die einzelnen Lamellen werden vom Brett runtergeschnitten.

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Die einzelnen Lamellen sollen eine möglichst „gute“ Oberfläche haben. Um mir das später notwendige Hobeln zu erleichtern, schicke ich das Brett nach jedem Schnitt einmal durch die Dickte. Auf diese Art und Weise hat jede Lamelle eine „gute“ Seite. Die andere (nur gesägte) Seite kann ich dann später einfach durch die Dickte schicken und habe schon eine Referenzfläche.

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So ganz optimal ist das mit der Dickte aber auch nicht. Das ist eine ewige Umbauerei an der Maschine und dauert jedesmal seine Zeit.

Also hole ich meine Lie Nielsen Rauhbank Nr. 7 raus. Das geht genau so gut – und viel schneller.

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Mit der Zeit wird das Brett immer schmaler und die Hände kommen immer näher an das Sägeblatt ran. Mit meinem Schiebeholz fühle ich mich viel besser.

Noch einen Unfall brauche ich so schnell nicht mehr…

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Die einzelnen Lamellen werden sauber gelagert. Die „schlechte“ Seite habe ich mir eindeutig markiert.

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So. Die Lamellen sind alle geschnitten.

Da wäre eine Bandsäge hilfreich gewesen.

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Nun kann ich die Lamellen noch mal durch die Dickte schicken, um beide Seiten „verleimfähig“ zu haben. Wobei man es bei dem PU Leim auch nicht zu sehr übertreiben braucht. Der quillt, ist spaltüberbrückend und kann so eine nicht ganz perfekte Oberfläche ausgleichen.

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Hm. Ich habe mit den Lamellen ein wenig rumprobiert. 5 mm waren für die Biegung der Kufen zu dick. 3,5 – 4 mm ging aber gut. Die Hobelmaschine war davon allerdings nicht mehr so angetan und so sind mir leider ein paar Leisten kaputt gegangen. Glücklicherweise habe ich mir ein paar Ersatzleisten gemacht und so ist es gar nicht schlimm.

Es geht weiter mit „2. Teil – Formverleimung mit PU Leim

Zur Projektübersicht „Rodel

5 Kommentare zu “1. Teil – Aushobeln & Herstellen der Leisten”

  1. Schönes Projekt – steht schon ewig auf meiner ToDo Liste – Naja leider wurde mir jetzt einer Geschenkt. … Vielleicht baue ich den aber Mal nach. – Bin gespannt wie du die Flexible Verbindung mit den Kufen hinbekommst. Muss ja trotzdem irgendwie dicht sein, damit kein Wasser eindringt.

    Gruß. Uwe, der südlich von München wohnt.

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    1. Schönen guten Abend Uwe,
      das mit den flexiblen Verbindungen, die trotzdem halten hat mir tatsächlich einiges an Kopfzerbrechen bereitet. Ich denke aber, jetzt eine gute Lösung gefunden zu haben. 🙂
      Herzliche Grüße

      Tom

      … im Süden von München

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  2. Tolles Projekt, das werde ich sicher aufmerksam verfolgen. Beim wasserfesten verkleben habe ich sehr gute Erfahrungen mit dem PU-Kleber von Würth gemacht. Gummihandschuhe nicht vergessen

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  3. Hallo Tom,
    ich lese deine Seite schon ewig mit und, was soll ich sagen, weiter so!

    Da ich auch in München wohne war ich schon ein paar Mal versucht, dich wegen irgendwelcher Kleinigkeiten anzuhauen.
    Jetzt kann ich vielleicht „in Vorleistung gehen“.

    Ich hab vor einigen Jahren selbst so einen Rennrodel gebaut.

    Kann ich hier irgendwie Bilder hochladen?

    Ich habe ebenfalls Esche verwendet. Ist das klassische Material dafür.
    Als Schienen habe ich stinknormalen Flachstahl (Baustahl, rostet) verwendet. Funktioniert ganz hervorragend. Die Gewindebolzen hab ich aufgeschweißt.
    Als Leim hab ich den Titebond III Ultimate (Dictum) verwendet. Der ist ebenfalls sehr wasserfest. Ich hab in Vorabversuchen verschiedene Leime ausprobiert und festgestellt, dass dieser Leim sehr wenig kriecht.
    PU-Leim hab ich damals nicht ausprobiert.

    Die Escheleisten hab ich über Kochtöpfen im Dampf erwärmt und über die Formen gebogen, festgezwingt und so trocknen lassen. Dann halten die schon mal weitgehend die Form. Hat viele Vorteile. Die Schubspannungen in den Leimschichten sind viel geringer und das Verleimen selbst ist viel entspannter.

    Wenn du magst, kann ich einen kurzen Baubericht mit Bildern verfassen. Wäre evtl. was für die Leserprojekte.

    Viel Spaß bei deinem Rodelprojekt,
    Bernd

    PS: Ich wohne im Süden, wenn du den Rodel mal sehen möchtest.

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    1. Hallo Bernd,
      die Idee mit dem Leserprojekt nehme ich gerne auf. Im Grunde reicht ein PDF File (z. B. aus Word generiert). Das könnte ich dann bei den Leserprojekten einstellen und so noch einen anderen, zweiten Weg zeigen, wie man zu einem Rodel / Schlitten kommt.

      Ich freu mich!

      Herzliche Grüße

      Tom

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