10. Schubkasten – 1. Teil

Für heute steht etwas an, auf das ich mich fast gefreut habe. Ich möchte eine Schublade aus Massivholz bauen und die Verbindungen per Hand (halbverdeckt) zinken. Mal sehen, wie ich’s nach so langer Abstinenz hinkriege :-).

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Ich muss mir beim Schubkasten etwas „spezielles“ einfallen lassen. Die Zarge ist ein Stückchen nach Innen versetzt. Wenn ich eine „normale“ Schublade machen würde, dann wären die ersten ca. 10 cm der Schublade im ausgezogenen Zustand von der Tischkante verdeckt. Das möchte ich nicht.

Also habe ich mir gedacht, machst du die Seitenteile einfach ein Stückchen länger. Dieses „Zuviel“ kann dann noch in den seitlichen Führungen bleiben und die Schublade halten. Ich gehe davon aus, dass das hält.

Sieht komisch aus – ist auch komisch.

Wenn’s aber klappt, habe ich mir Geld für einen verhältnismäßig teueren Vollauszugsmechanismus gespart – und eine Schublade, die nur aus Holz gefertigt worden ist.

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Das Stückchen in der vorderen Zarge hatte ich mir damals extra aufgehoben. So kann ich das Teil nun als Vorderstück für die Schublade nutzen – und die Zarge wirkt einheitlich mit durchgehender Maserung.

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Hm. Das Brett, das ich mir extra für die Schublade bei Seite gelegt hatte, hat sich seit dem ziemlich geworfen – fast 3 mm.

Das könnte ich jetzt natürlich recht einfach mit der Dickte wieder „gerade“ hobeln. Das Holz ist aber wie eine Frau – und hat seinen eigenen Willen. Die Verwerfung wäre recht bald wieder da und würde die Verbindungen unnötig belasten.

Braucht kein Mensch. Das Brett wird für etwas anderes genutzt.

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Glücklicherweise hatte ich noch ein ausreichend großes, weiteres Brett, das sogar schon gehobelt war – sich aber dafür trotzdem nicht geworfen hat.

Geht doch.

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Ok – leider viel zu dick/stark für einen Schubkasten. Das kommt durch die Dickte.

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Doch zuvor schneide ich es schon mal auf die später benötigte Breite.

Das Maß übertrage ich von der Schubkastenfront auf den Parallelanschlag.

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So vorbereitet, kann ich das Brett auf die benötigte Breite sägen.

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Aus eins mach zwei. Die Leiste rechts hebe ich mir mal noch auf. Man weiß ja nie, ob & wo man das mal wieder brauchen kann.

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Und jetzt darf das Brett auch Bekanntschaft mit der Dickte machen.

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Nun sind wir also in der Region, wo ich hin wollte. Das sind schöne, stimmige Schubkästen-Seitenteile.

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So habe ich mir den Schubkasten prinzipiell vorgestellt.

Geht doch!

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Nun kann ich die Einzelteile mit dem Schreinerdreieck markieren – da tue ich mir beim Arbeiten einfach leichter und komme weniger durcheinander.

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Dieses mal möchte ich mit der Nut für den Boden anfangen. An ihr kann ich dann die Schwalben ausrichten.

Das hat in der Vergangenheit mein Vorstellungsvermögen das ein oder andere mal an die Grenze (und leider auch darüber hinaus) meiner Vorstellungskraft gebracht. Mit der Konsequenz, dass die Aufteilung der Schwalben blöd ausgesehen hat.

=> Wie macht Ihr das denn? Zuerst die Zinken/Schwalben und dann die Nut, anders rum oder….?

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So angezeichnet, kann ich die Säge einstellen.

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Mit den Schiebehölzern ist mir das – deutlich – lieber. Einmal abgerutscht und schon ist die Hand im Sägeblatt.

Braucht kein Mensch und so geht’s wunderbar.

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Das Sägeblatt ist einen Hauch zu dünn für die rd. 5 mm breite Nut für den Schubkastenboden.

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Mit einem zweiten Durchgang an der Säge ist die Nut aber fix auf das vorgesehene Maß erweitert.

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Es macht schon Sinn (zumindest bei mir), sich die Teile so hinzulegen, wie sie später zusammen kommen sollen. Das reduziert blöde Flüchtigkeitsfehler, weil man gedacht hat, „das kommt doch da hin“ – und es dann genau anders rum war.

Die Rückwand vom Schubkasten habe ich beim letzten Durchgang für die Nut gleich so gekürzt, dass der Boden noch durchgeschoben werden kann. Dann muss ich nicht neu Maß nehmen und der Boden ist – sicher – bündig.

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Heute läuft’s – alle Teile sind im Winkel. Ich brauche die Stoßlade nicht bemühen.

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Heute mache ich mir mehr Gedanken über die Prozessabläufe… 🙂

Dieses Brett soll der Boden werden. Weil das geleimt werden muss und der Leim noch trocknen muss, bevor ich am Boden weiter machen kann, schiebe ich die Herstellung von Leimholz zwischen rein.

Wenn das selbst gemachte Leimholz dann trocknet, kann ich mit dem Zinken anfangen.

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Die drei Teile sind an der Säge schnell abgeschnitten.

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Damit sich der Boden nicht zu sehr wirft, drehe ich die Teile abwechseln mit der rechten Seite (= dem Kern zugewandte) und der linken Seite (= Aussen am Baum).

Bei so breiten Lamellen entsteht dann – unweigerlich – eine (übertrieben ausgedrückt) „Wellenbahn“. Die wird aber durch die umlaufende Nut im Zaum gehalten. Und durch den Wechsel wird das verleimte Brett nicht vollkommen „rund“.

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So gefällt es mir – das Schreinerdreieck kann drauf.

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Bei so dünnem Holz füge ich am liebsten, indem ich die beiden Bretter zusammenzwinge und dann mit dem Hobel drüber gehe (das genaue Vorgehen habe ich mal bei dem Sonderartikel Fügen beschrieben).

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Der Lie Nielsen Nr. 62 zieht zwei gleichmäßige und durchgängige Späne – das war’s schon.

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Ich kann die Verleimutensilien vorbereiten.

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Damit die dünnen Brettchen sich nicht durch den enormen Zwingendruck wölben, habe ich noch eine Querverstrebung angebracht – die hält die Platte schön eben.

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Den Leim nehme ich noch ab, so lange er noch im kaugummiartigen Zustand ist. Das geht noch sehr gut, verschmiert aber die Holzporen nicht (mehr).

So kann der Boden jetzt trocknen, bevor es weitergeht.

Es geht weiter mit „11. Schubkasten – 2. Teil

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