6. Schweizer Kante/Abplattung – Teil 1

Nachdem nun endlich die Platten daran gehindert sind zu Schüsseln (Gratnut & Gratleisten), kann ich mich der Optik widmen. Die doch recht massive Platte soll „luftiger/leichter“ wirken.

Ich habe mich dazu entschlossen, wieder eine „Schrägung“ wie schon beim Esszimmertisch anzubringen. Das gefällt uns sehr gut. Wie ich – nun – weiß, nennt man diese Form der Kanten auch „Schweizer Kante“.

Da ich das mit meiner Fräse nicht mehr machen kann, muss ich das mit den Handhobeln machen. Da steht einiges an Arbeit vor mir und ich muss mir auch den ein oder anderen Gedanken zu weiteren Gestaltung machen.

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Nun habe ich mir einen „Trick“ einfallen lassen. Ich mache die Kante gerade so, dass die schräge Kante an der Oberkante der Gratnut anfängt. Das hat dann den Vorteil, dass die Gratleiste nicht mehr zu sehen ist. Hat was.

Damit die Kante rund herum gleichmäßig wird, nehme ich den Abstand mit dem Streichmaß ab.

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Dieses Maß kann dann ringsum die Platte angetragen werden.

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Bei der „Tiefe“ der Kante habe ich mich an den tatsächlichen Gegebenheiten orientiert; d.h. ich wähle den Abstand so, dass die Kante genau an den Tischbeinen aufhört.

Das soll dann harmonischer ausschauen. Ob’s dann tatsächlich so ist, wird man sehen.

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In meinem Alter (…) erkennt man den dünnen Strich vom Streichmaß nicht mehr ganz so gut (… der wahre Grund ist aber wahrscheinlich, dass das Licht zu schlecht ist… 🙂 ). Also ziehe ich alles noch einmal mit einem Bleistift und dem kleinen Kombiwinkel nach.

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Na also, geht doch.

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Es geht los mit dem „Querholz“ der Platte. Das hat den Vorteil, dass die unvermeidlichen Ausbrüche an der Stelle, wo der Hobel „aus dem Holz kommt“, dann später weg gehobelt werden, wenn „Längs“ gehobelt wird.

Der erste, richtige Einsatz von meinem neuen, selbst gebauten Einhandhobel.

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Wow!

Im Hirnholz ein hauchdünner, durchgehender Span. Der Hobel „scheint“ gut zu funktionieren. Da freue ich mich richtig drüber!

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Ich habe den Hobel dann so eingestellt, dass der Abtrag sehr groß war. Da geht richtig was weg.

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Die Qualitätskontrolleure sind da und passen auf, dass alles gut wird.

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Irgendwann wird die Kante dann aber zu breit und die Arbeit zu anstrengend, als das man das nur mit einer Hand machen kann/möchte.

Ich wechsle auf den Lie Nielsen Nr. 4.

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Der zieht auch herrliche Späne im Querholz.

Das Bild gefällt mir ausgesprochen gut – das wollte ich Euch nicht vorenthalten 🙂

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Damit ich nicht – ständig – kontrollieren muss, bis wohin ich eigentlich hobeln muss, habe ich mit den „Kleinen“ eine separate Kante bis zum Riss angehoben. Wenn die dann weg ist, bin ich fertig.

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Meine „spezial, spezial Konstruktion“ 🙂

Mein kleiner Hocker wird mißbraucht, um die Platte ein wenig anheben zu können. Dann kann ich sie auf der einen Seite mit der Vorderzange und auf der anderen Seite mit einer Schraubzwinge fixieren. Das war eine sehr gute Entscheidung, die vordere Schürze meiner selbst gebauten Hobelbank länger zu machen, als die Bankplatte dick ist. So kann ich dort eine Zwinge ansetzen. An meiner Ulmia geht das nicht.

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Mit der Zeit sammelt sich während des Arbeitens dann eine rechte Hobelarmada an, die auf ihren Einsatz wartet.

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Niklas ist angesteckt vom Hobelvirus und wollte auch hobeln; war klar. 🙂

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Nun kommt etwas, von dem ich, als es losging, selbst noch nicht so richtig wußte, wie es eigentlich werden soll. Das „Finish“ der Gratleisten.

Sicher ist schon mal, dass der Bereich, der in die Schrägen fällt, weg muss. Da mache ich mir das Leben leichter, und säge mal ein Stückchen weg.

Aufpassen, dass keine Macken in die Platte beim Sägen kommen!

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Dann kann das Gros mit dem großen Stechbeitel im Längsholz weggenommen werden.

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Das ist schnell erledigt. Sieht schon halbwegs brauchbar aus. Aber jetzt geht die „Entscheidungsfindung“ ja erst los.

Wie soll das gestaltet werden?

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Ich fange mal mit dem kleinen Lie Nielsen Nr. 102 an.

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Die Gratleisten haben nun die Schräge der Kante. Ein Anfang.

Irgend etwas stört mein „Wohlbefinden“ noch. Vielleicht ist es diese senkrechte Kante am künftigen Übergang zur „Schweizer Kante“.

Das ist noch zu wenig harmonisch.

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Das dauert doch ziemlich und artet fast in „Arbeit“ aus… 🙂

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Nun kann ich an der „langen Kante“ im Langholz die Kante anhobeln. Dort läuft der Lie Nielsen – Flachwinkler (großer Simshobel) am besten.

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Niklas macht es sichtlich Spaß, seinen alten Herrn beim Schwitzen zu zusehen.

Der Lauser 🙂

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Ein wenig Spaß zwischendrin muss auch sein. Es kommen lustige Späne da raus 🙂

Könnte man fast als Anzünder zum Feuermachen nutzen.

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Aber es ist tatsächlich – einiges – an Arbeit und dauert seine Zeit. Nun gut. In einer Hobbywerkstatt spielt Zeit eher eine untergeordnete Rolle.

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Aha! Das also war’s. Ich habe so lange rumprobiert, bis es mir gefallen hat. Draus geworden ist dann eine – durchgehende – Schräge; ohne senkrechte Kante.

Das wirkt in meinen Augen deutlich gefälliger und in sich stimmiger. So bleibt’s jetzt. Auch die eigentlichen Kanten der Platte treffen sich exakt in der Ecke.

Das freut mich.

Es geht weiter mit „7. Schweizer Kante – Teil 2

Zurück zur Projektübersicht Couch Tisch.

5 Kommentare zu “6. Schweizer Kante/Abplattung – Teil 1”

  1. Hallo Tom,
    die Kanten sehen incl. Gratleisten sehr schön aus! Glückwunsch zu deiner gelungenen Handarbeit.
    Schöne Grüße,
    Dominik

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  2. Hallo Tom, Sehr schön geworden. Um die Gratleisten optisch noch ein wenig mehr in den Hintergrund zu bringen, könntest Du die Schrägen am oberen Teil nochmal um 2-3 cm nach hinten bringen. Damit hättest Du von der Optik her ein gleichbleibend umlaufende Tischplattendicke mit Immer gleicher Kante.

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    1. Schönen guten Abend Wolfram,
      Danke.
      Die Schräge ist schon sehr flach. Das kommt auf den bisherigen Bildern noch nicht vollständig rüber, aber so sind die Gratleisten nur zu sehen, wenn man sich unter den Tisch bückt. Die Zarge kommt ja auch noch. Noch weiter nach Innen wollte ich nicht – die Gratleiste soll ja noch was halten können.
      Herzliche Grüße
      Tom

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