2. Teil – Schablonenbau + Holz biegen

Es geht weiter mit dem Eckregal. Heute stehen mit dem Schablonenbau, dem Hobeln von dünnen Leisten und dem Biegen von Holz einige recht komplizierte und aufwändige Arbeiten an.

Ich bin gespannt, ob alles so klappt, wie ich mir das vorgenommen habe:

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Nun kommt die Herausforderung: Eine geschwungene Front.

Die Linie zeichne ich mir mit meiner flexiblen Schablone an.

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Diese Kurve kann ich dann mit der Stichsäge aussägen.

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Hinreichend gerade – für eine Stichsäge in meinen Augen durchaus sehenswert. Mehr erwarte ich nicht von so einer Maschine; das ist einfach kein Präzisionswerkzeug.

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Die Kurve mache ich „schön“ mit meinem Lie Nielsen Schweifhobel. Der zieht selbst im Kopfholz hauchdünne, gleichmäßige Späne. Man muss nur darauf achten, „den Berg immer runter“ zu hobeln – wie beim Skifahren

… das war früher einmal dieser Sport, bei dem die Leute auf zwei Brettern stehend auf einem weißen Belag – sie nannten ihn „Schnee“ – die Berge hintergerutscht sind und einen heiden Spaß hatten.

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Das ging recht flott – die Kurve gefällt mir.

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Hm. Wenn man das Brett aber in seine Bestimmungsecke hält, ist es mir noch zu groß. Gut, dass ich noch einmal geschaut habe. Wäre ja ärgerlich gewesen.

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Also mache ich die Kurve kleiner – in etwa so, wie auf der Skizze auf dem Brett.

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Diese Kurve werde ich im Laufe des Projektes noch öfter brauchen. Daher habe ich mich dazu entschieden, eine Schablone zu bauen.

Ich hole mir von den Resten der Wickelkommode, die ich „abgebaut“ habe, ein Brett – das soll es sein.

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Mit Hilfe von diesem Fräser mit Anlaufring kann ich dann am Kurvenlineal entlangfahren.

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An der Fräsmaschine ist das schnell erledigt – ging natürlich auch mit einer Oberfräse. Hier ist die Absaugung aber effektiver.

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An sich ist das schon mal gar nicht schlecht geworden. Problem ist nur, dass bei einer Tischlerplatte in der Mitte schon mal gerne Holzfehler verbaut werden. Die sind jetzt ausgerissen und haben hässliche Löcher hinterlassen.

So kann ich das nicht lassen. Beim späteren Abfahren dieser Kurve würden eben diese Löcher in das gute Brett übertragen werden. Blöd. Und nu?

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Dann ist mir eingefallen, dass ich noch Reste vom Kanu Bau habe. Ich schneide mir einen schmalen Streifen Sperrholz runter.

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Den nagele ich jetzt auf meine Kurve. Fertig. So was freut mich ja immer wieder. Einfach, effektiv – und kostet „nix“ 🙂

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Nun kann ich das „gute“ Brett auf meine Schablone mit doppelseitigem Klebeband kleben.

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Puh – da muss ja doch noch einiges weg.

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Das schöne Holz will ich nicht nur durch die Absaugung jagen. Ich schneide daher mit der Stichsäge das Gros schon mal weg. Dann wird der Fräser auch nicht so stark belastet.

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Das war – natürlich – genau so geplant…. Der Anlaufring kommt nicht an die Nägel. 🙂

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Wow!

Ich bin – echt – beeindruckt. So etwas habe ich bisher noch nicht gemacht. Das funktioniert prima.

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Weil’s mir einfach gefällt, möchte ich wieder an der Kante vorne des Deckbrettes eine Schräge anbringen.

Die Tiefe reisse ich mir mit dem Streichmaß an.

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Mit einer Armada von Hobeln versuche ich, der Schräge Herr zu werden. Gar nicht so einfach, ein „schiefes“ Brett zu klemmen.

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Der Lie Nielsen Schweifhobel ist einfach eine Wucht! Toll, wie der arbeitet. Selbst von dem gemeinen Hirnholz ist er völlig unbeeindruckt und belohnt mich mit langen Hirnholzspänen.

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Das Gröbste ist geschafft. Gefällt mir gut. So wirkt das Eckregal luftig und leicht, ist aber trotzdem mit den rd. 3 cm starken Deckbrett sehr stabil.

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Aus diesem Brett möchte ich die Frontschürze machen. Das wird sehr kompliziert.

Das Holz muss gebogen werden. Ich habe mich dazu entschieden, mir dünne Brettchen zurecht zu schneiden und die dann in einer Form zu verleimen. Das wird recht aufwändig.

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Die Brettchen werden sehr dünn; viel Spielraum habe ich dann nicht mehr. Daher kontrolliere ich lieber noch einmal den Parallelanschlag, ob auch wirklich alles gerade ist. Passt.

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So vorbereitet, kann ich mir ca. 3,5 mm starke Brettchen runterschmeißen.

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Das geht schon mal ganz gut.

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Danach kommen die Brettchen noch einmal durch die Dickte. Gut, dass ich Anfangs schon beide Seiten vom „dicken“ Brett gehobelt hatte. So habe ich jetzt eine Bezugsfläche und brauche nur noch die Dickte zu bemühen.

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So dünne Brettchen in der Dickte zu hobeln ist nicht ohne. Meist wird das nichts. Die Bretter fangen an zu flattern oder es geht gar nicht, weil die Dickte z. B. 2 mm gar nicht mehr hobelt.

Also muss ich hier auf einen Trick zurückgreifen. Ich nenne es mal „Hobelbrett“.

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An das Ende wird ein Anschlag geklebt. Schrauben wären nicht so gut – die im Kontakt mit den Hobelmessern macht nicht lange Spaß.

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An diesem Anschlag kann das dünne Brettchen dann durch die Dickte gelassen werden, ohne dass es wegrutscht. Durch das Brett muss die Dickte nicht auf so eine (zu) dünne Hobeldicke eingestellt werden und das dünne Brettchen wird (weitestgehend) am Flattern gehindert, da durch das Hobelbrett unterstützt.

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So sieht das Ganze dann in der Gesamtansicht aus.

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So vorbereitet, kann dann auch ein sehr dünnes Brettchen gut in der Dickte gehobelt werden.

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Rd. 2,5 mm. Diese Stärke sollte sich gut biegen lassen, ohne zu brechen. Ob’s funktioniert, weiß ich auch erst hinterher…

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Mit dem Hobelbrett geht es an sich schon recht gut. So 100 % lassen sich aber leider nicht alle Hobelschläge vermeiden und so sind ein paar Brettchen recht kurz geworden.

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So muss ich die vordere Schürze ein wenig mehr einrücken, als ich ursprünglich „geplant“ hatte.

Nun gut, weiß ja keiner…. 🙂

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Um das gebogene Brett für die Frontschürze bauen zu können,  brauche ich noch eine andere Schablone.

Dazu habe ich mir aus dem Baumarkt das billigste Holz in großen Abmessungen geholt. Das wird dann grob zugeschnitten und winklig gehobelt.

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Ich brauche eine Positiv- und eine Negativ Form.

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Die beiden recht massiven Holzstücke werden aus je drei Balkenteilen zusammengeleimt.

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In der Zwischenzeit kann ich schon mal die Fräse mit dem Anlaufring herrichten. Da muss ich – jedesmal – überlegen, wie das wieder geht. Weil mir das irgend wann mal zu blöde war, jedesmal wieder aufs Neue 30 min. rumzuprobieren, habe ich das letzte mal eine Bildfolge erstellt und mir die Bilder in die Kiste mit den Anlaufringen gelegt.

Jetzt kriege selbst ich das ratz fatz und einfach hin.

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Der Leim ist halbwegs trocken. Ich schicke die zwei Stücke noch einmal durch die Dickte. Das soll alles möglichst gerade sein.

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So vorbereitet, kann ich die Kurvenform von der ersten Schablone auf die künftigen übertragen.

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Zwei Formen.

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Eine positive und eine negative oder auch konkav und konvex. Wer jetzt wissen will, welche welche ist – ich muss da auch jedesmal nachschauen. Das will einfach nicht in meinen Kopf rein 🙂

Den groben Zuschnitt habe ich mit der Stichsäge und meinem überlangem Sägeblatt gemacht.

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Nun kann ich die ursprüngliche Form auf die künftige Form schrauben.

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Daran kann dann der Anlaufring von der Fräse entlang geführt werden.

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Weil das ganze aber sehr hoch ist, schafft selbst die Tischfräse das nicht in einem Rutsch.

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Das ist aber kein Problem. Nun kann ich den Fräskopf weiter nach oben fahren und die eben gefräste Fläche als Anschlagfläche für den Anlaufring nehmen.

Das war so einfach, dass ich da Anfangs gar nicht drauf gekommen bin. Das war mal wieder so eine „das kommt mir morgends in der U – Bahn beim Grübeln“ – Idee…  DSC_0824

Schön geworden. Hat besser geklappt, als ich gedacht hätte.

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Bei dem Gegenstück muss ich wieder auf das Kurvenlineal zurückgreifen.

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Der Anlaufring wird nun oben montiert.

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Und los geht’s!

Wirklich? Leider nein. Mit montiertem Fräsanschlag komme ich nicht um die Kurve. Und nu?

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Augen zu und durch.

Wirklich wohl war mir bei der Sache nicht. Ich habe alles 5 mal kontrolliert und mich möglichst weit vom Fräser weg gestellt und das Holz immer zwischen mir und dem Fräser.

NICHT NACHMACHEN!

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Weil’s gar so schön ist, gibt das auch noch eine riesen Sauererei in der Werkstatt, weil die Absaugung nicht richtig funktioniert.

Nun gut. Irgendwann war dann auch dieser Teil erledigt.

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Wenigstens hat sich der Aufwand gelohnt. Sie passen zusammen!

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Nun muss es schnell gehen. Ich richte mir alles zum Verleimen zurecht.

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Die einzelnen Lagen werden je auf einer Seite reichlich mit Leim bepinselt.

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Dann übereinander gelegt und so in die Form gelegt.

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Nun können die Zwingen zugezogen werden.

Es macht Sinn, wenn man an den Stellen, wo der Leim auf die Form trifft, etwas Plastik dazwischen legt. Sonst hält der Leim an Stellen, wo er gar nicht halten soll.

Leider habe ich erst zu Hause gemerkt, dass die Heinzen im Baumarkt (…) in  dem Regal, aus dem ich die Balken geholt hatte, unterschiedliche Maße gelagert hatten. Hätte ich zwar wissen können, habe aber nicht dran gedacht. Im Ergebnis war meine Form daher 1 cm zu schmal und die gebogene Front hat über die Form hinaus geschaut.

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Ich konnte mir aber mit zusätzlichen Zwingen behelfen. Bleibt zu hoffen, dass alles gut geht beim Verleimen.

Es geht weiter mit „3. Teil – Frontbrett fertig stellen und Schubkastenfront mit durchgehender Maserung

Zurück zur Projektübersicht „Eckregal

11 Kommentare zu “2. Teil – Schablonenbau + Holz biegen”

  1. Ich finde es Super, dass du sehr viele Bilder hochgeladen hast. Das verdeutlicht jeden Schritt noch einmal. Zusätzlich wertet, dass den Artikel auf.

    Besten Gruß.

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  2. Hallo Tom,
    das ist ja sehr interessant und spannend mit dem Holzbiegen. In meinen Augen ist das schon etwas ganz anderes, wenn man sich von geraden Kanten und rechten Winkeln löst. Auch bin ich schon fast der Überzeugung, dass man bei Formen und Proportionen vielleicht nicht zu viel planen und zeichen sollte – eben so, wie Du es hier auch machst. Die Ergebnisse sind oft stimmiger.
    Haben die beiden Hälften Deiner Form eigentlich den gleichen Radius oder hast Du die Dicke des zu biegenden Holzes berücksichtigt?
    Ich bin auf jeden Fall beeindruckt und gespannt auf die Fortsetzung…
    Gruß
    Martin

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    1. Schönen guten Abend Martin,

      ja, dieses Projekt war ein „Lust Projekt“. Das wollte ich einfach mal probieren und etwas Neues ausprobieren.
      Die beiden Hälften haben – theoretisch – die gleiche Kurve. Radius kann man gar nicht sagen, weil es eine ungleichmäßige Kurve ist. Ganz genau genommen müsste man die Stärke vom zu verleimenden Holz bei der Kurve berücksichtigen. Bei einer Verleimform ist das aber in meinen Augen nicht von so zentraler Bedeutung. Da geht es primär um den halbwegs gleichmäßigen Druck, damit die Form ordentlich verleimt werden kann.

      Relevant wäre das aber – und da hast Du vollkommen Recht -, wenn man damit z. B. eine Kontur, Muster oder dergleichen erzeugen möchte, wo das Holz ganz akkurat „gefügt“ werden muss. Diese Stufe fehlt hier ja noch. Ich muss ja nur die richtige Kurve nachempfinden. Etwaige kleinere Lücken in der Verleihung sieht man später ja nicht. Auf Sicht wäre das natürlich anders. Dann würde ich allerdings auch keine so unregelmäßige Kurve machen. Vielleicht das nächste mal.

      Herzliche Grüße

      Tom

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  3. Der Spruch ist top!

    Du zeigte am Anfang eine Bogenfräshaube an deiner Fräse wo du den Oberfräser eingespannt hast. Die hättest du auch zum Anlaufringfräsen für die konvexe Schablone benutzen sollen! Damit geht das Ganze problemlos und sicher.

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    1. Hallo,
      da hast Du schon Recht.
      Ich kann das Ding bisher leider nur provisorisch mit den beiden Magneten befestigen. Das hatte ich da sogar probiert – jedoch mit einem recht unbefriedigendem Ergebnis. Da werde ich die Jungs von Felder dann in Nürnberg fragen, wie die sich die Befestigung richtig vorstellen. Die Löcher im Tisch passen nämlich nicht (oder die Haube nicht zum Tisch; die war bei meiner Maschine mit dabei).
      Herzliche Grüße

      Tom

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  4. Hallo Tom,
    Zum Thema konkav und konvex hatte mein Physiklehrer ein kleines Sprichwort: Ist das Mädchen brav, bleibt der Bauch konkav; hat das Mädchen …, wird der Bauch konvex.
    damit kann ich mir das seit Jahren merken! 😉
    Gruß Alex

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