4. Teil – Schublade bauen + Zinken per Hand

Das Frontbrett konnte über Nacht trocken. Heute sehe ich das erste mal, wie das mit der durchgehenden Maserung und den (möglichst dichten) Fugen bei der Schublade geklappt hat. Dann kann ich – endlich – wieder per Hand zinken. Das wird recht kniffelig, weil am Frontbrett natürlich nichts gerade ist.

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So gefällt mir das sehr gut. Ganz dünne Fugen, die obere (Längsschnitt) ist praktisch nicht zu sehen.

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So soll es dann später einmal montiert werden.

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Ich geb’s zu. Mir war es einfach zu heiß, das nur zu rechnen. Also schneide ich mir aus einem Abfallholz ein Maßholz. So groß wird die Schublade.  DSC_0896

Nun kann ich mir die drei Seitenteile für den Schubkasten vom Brett schneiden.

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Die Teile werden mit dem Schreinerdreieck markiert.

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Das Streichmaß wird auf die Brettstärke eingestellt.

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Und dieses Maß dann auf die Bretter übertragen.

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Die Größe der Zinken lassen sich recht gut mit der Zinkenschmiege einstellen.

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Die so ermittelten Maße werden dann auf alle Seiten übertragen. Weil ich dabei gerne durcheinander komme, markiere ich mir die Abfallstücke.

Wie ärgerlich wäre es, wenn man genau das falsche Stückchen raussägt – und wieder von vorne anfangen kann? ….

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Dann wird gesägt.

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Nicht unbedingt meine Kernkompetenz. Aber das ist ja mit ein Grund, warum ich das hier mache 🙂 Und soo schlecht ist es gar nicht geworden.

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Die Eckstückchen säge ich dann an der Vorderzange. Ich tue mir dabei leichter, wenn ich das Holz mit einem Winkel ausrichte. Dann muss ich mich nur noch darauf konzentrieren, gerade nach unten zu sägen.

Man muss es sich ja nicht unnötig schwer machen. Keep it simple!

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Nun geht es an’s Stemmen. Zuerst senkrecht, ein klein wenig vor der Markierung.

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Dann im Wechsel von vorne und das gleiche von der anderen Seite. Recht bald bin ich dann durch.

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Halbwegs ordentlich geworden.

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Die letzten Feinheiten steche ich dann mit den Stemmeisen nach.

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Die müssen natürlich schön scharf sein, sonst klappt das im Hirnholz nicht.

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Nie von oben nach unten stemmen! Das geht sonst mit der Faser. Dabei besteht das Risiko, dass das Holz gespalten wird – und alles ist dahin.

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Gefällt mir.

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Die Maße der halbverdeckten Schwalben kann ich nun auf das Frontbrett übertragen. Mit einem Anreissmesser geht das am genauesten.

Als ich dann fertig war, ist mir ein Tip von Bernhard eingefallen – hätte mir mal eher einfallen können:

Wenn man die Nut für den Boden zuerst macht, kann man ein kleines Stückchen in die zu verbinden Teile stecken und erreicht so, dass die beiden Hölzer sicher in der Flucht sind. Das Maß nehmen fällt dann auch leichter, weil die beiden Bretter nicht mehr so leicht verrutschen. Beim nächsten mal dann aber…

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Sägen  & Stemmen – wie schon oben beschrieben.

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In die Ecken komme ich am besten mit dem „Fishtail“ – Eisen.

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Ok – nicht 100 %, geht aber.

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Nun das gleiche Spielchen noch hinten bei  den offenen Schwalbenschwänzen.

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Die erste grobe Anprobe passt schon mal.   DSC_0932

Doch. Halt! Es muss ja noch eine Nut für den Boden rein. Das ist nur gar nicht so leicht, bei einem gebogenem Frontbrett. Hobeln geht da nämlich nicht.

Dann ist mir eingefallen, dass ich vom Parkett Verlegen im Wohnzimmer noch einen Nutfräser mit oben liegendem Anlaufring habe (das blöde Ding hat ein kleines Vermögen gekostet…). Das sollte gehen.

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Wo die Nut hin soll, nehme ich direkt vom Objekt ab.

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Dann kann die Nut gefräst werden.

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Mit der gleichen Einstellung werden dann auch die übrigen drei Brettchen geschnitten.

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Das hintere Brett wird noch bis zum Falz abgeschnitten – dort muss das Bodenbrett rüber.

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Im Bodenbrett muss ein kleiner Falz angebracht werden. Das möchte ich an der Tischfräse machen.

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Ich weiß, dass die Nut 5 mm tief ist. Dieses maß habe ich mir an einem Seitenbrett an beiden Seiten angezeichnet. Dadurch ergibt sich dann die Gesamtbreite des Bodenbrettes.

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Nun kann die umlaufende Nut gefräst werden. Zuerst das Querholz, dann das Längsholz. Auf diese Art & Weise werden evtl. Ausrisse gleich wieder mit gefräst.    DSC_0942

Fertig.

@Bernhard: die Schrägen sind schöner – dauern aber länger und so langsam geht mir leider die Zeit. aus. Bei der nächsten Schublade.

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Die Nut muss noch ein ganz klein wenig nachgearbeitet werden. Das ist flux mit dem Lie Nielsen Seitenwangenhobel Nr. 98 & 99 erledigt.

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Die Kurve vom Frontbrett muss sich natürlich auch im Boden widerspiegeln. Das erledige ich mit dem kleinen Einbandhobel Nr. 60 1/2.

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Nun sind die Teile fertig zum Verleimen.

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Noch nicht verputzt – frisch „aus dem Leim“.

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Nun kann ich den noch überstehenden Boden abschneiden.

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Das mittige Loch für die Schraube, die den  Boden hält, mache ich an der Tischbohrmaschine. Ein klein wenig größer, so kann der Boden arbeiten.

Wichtig ist die Maserung vom Boden – so (quer) kann das Holz nach hinten arbeiten. Wäre der Boden seitlich eingebaut, würden die Seitenteile von der Schublade nach Aussen gedrückt werden – und nicht mehr in der Führung passen. Braucht kein Mensch.

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Der Rohbau steht. DSC_0958

Niklas wollte auch was sägen. Das „ging natürlich“ nur mit meiner Japansäge….

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Normalerweise verputze ich ja mit dem Hobel. Das war mir hier aber zu heiß. Wenn da was schief geht und ausreist, sind 2 Tage Arbeit hinüber.

Also wird das an der Schleifscheibe erledigt.

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Schön geworden 🙂

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Die Bretter bringe ich mit dem Lie Nielsen Nr. 60 1/2 auf eine einheitliche  Höhe.

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Fertig ist die Schublade mit gebogenem Frontbrett.

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Niklas ist auf den Geschmack gekommen und schleift kleine Teilchen. Die Maschine anmachen durfte er aber nicht.

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Da freue ich mich -richtig schön geworden. Man muss schon sehr genau hinsehen, um die Schublade zu erkennen.

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Niklas schleift noch ein klein wenig nach.

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Die Nut für die Schubkästenführung mache ich an der Fräse.

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Die Nut braucht gar nicht tief zu sein.

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Anfangs- und Endpunkt der Frasung habe ich mir am Vorsatzbrett markiert.

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Niklas ist auf den Geschmack gekommen und möchte auch hobeln.

„Papa, warum bricht das Holz da am Ende immer weg? Das sieht total blöd aus.“

Da lernt er gerade ein essentielle Lektion. Ich erkläre es ihm dann an einem praktischem Beispiel.

„Das ist wie mit den Spaghettis“. Wenn Du ein Bündel rohe Spaghetti in die Hand nimmst und mit einem Hobel längs langfährst, passiert nichts. Wenn Du aber mit dem Hobel oben an den Köpfen langfährst, werden die Spaghetti brechen. Genau so ist es auch beim Holz.

Lösung: Die Kanten werden ein wenig gebrochen, dann trifft man die äussersten Holzfasern nicht beim hobeln und nichts bricht mehr weg. Das hat er dann verstanden und hat sich gefreut.

Es geht weiter mit „5. Teil – geschwungene Profilleiste hobeln + Finale

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6 Kommentare zu “4. Teil – Schublade bauen + Zinken per Hand”

  1. Hallo Tom,

    Wie immer wieder ein toller Beitrag den es Spaß mach zu lesen. Bin immer wieder über deine Herangehensweise erstaunt und lerne auch daraus. Mach weiter so,bin gespannt wies weitergeht. Und immer fleißig die Kinder mit einbeziehen. Ich finde es wichtig in der heutigen Zeit, das Kindern noch solche Werte beigebracht werden.

    Grüße Andreas S.

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  2. Hallo Tom,

    Ist toll geworden die Schublade. Ich bin immer wieder erstaunt was Du noch so für Spezialhobel hervorzauberst (von einem Seitenwangenhobel hatte ich bisher noch nie gehört).

    Viele Grüße

    Andreas

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  3. Hallo Tom,
    Schöner Eintrag, ich freue mich immer, wenn es weiter geht (und ein neuer Bericht online ist).
    Was ich ehrlich gesagt nicht verstanden habe, ist die Tatsache, dass du das Rückseiten-Brett auf die Bodenhöhe abgesägt hast, ich hätte spontan auch die Rückseite genutet und den Boden fest eingebaut (natürlich mit Spiel zum arbeiten)… kannst du mir da auf die Sprünge helfen? Du wirst ja sicher einen Grund dafür haben 😉

    Beste Grüße,
    Matthias

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    1. Schönen guten Abend Matthias,
      das Bodenbrett könnte man auch hinten ein nuten. Wenn, dann muss man dem Bodenbrett aber eine ausreichend große / tiefe Nut geben, damit es arbeiten kann. Bei einer so kleinen Schublade mag das noch ohne klappern gehen. Wenn’s größer wird, sieht das schon anders aus. Der Zusammenbau gestaltet sich dann mit den Zinken (vorne & hinten) auch „nicht ohne“ und erhöht in der stressigsten Phase (Verleimen) den Druck noch einmal.

      Diese Probleme umschifft die gezeigte Variante – und ich sehe keine Nachteile. Es kommt sogar noch der Vorteil dazu, dass man das Bodenbrett jederzeit später einmal austauschen kann, wenn das notwendig sein sollte.

      Herzliche Grüße

      Tom

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      1. Das ging ja schnell – danke für die Antwort. Du hast natürlich völlig recht, deine Argumentation ist sehr schlüssig 😉 solche kleinen Dinge muss man sich merken, das machtdas Leben leichter – wenn man im richtigen Moment wieder dran denkt (was du ja in deinem Beitrag auch schreibst…)
        Danke nochmal!
        Beste Grüße, Matthias

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