5. Teil – geschwungene Profilleiste hobeln + Finale

Heute wird das Eckregal fertig. Ich muss

  • mir noch etwas einfallen lassen, wie die Schublade geführt werden soll,
  • eine geschwungene Profilleiste mit einem Profilhobel herstellen
  • mir etwas zur Aufhängung einfallen lassen
  • die Oberflächenbehandlung machen (dieses Mal: Schellack)

Alles Arbeiten, bei denen man geneigt ist zu sagen: „das dauert nicht mehr lange“ – und dann steht man doch einige Stunden in der Werkstatt. Im Hobbybereich ist aber meist der Weg das Ziel – und dieser Weg gefällt mir.

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Bei der Schubkastenführung (… ist mir dann noch brühend heiß eingefallen, dass ich „so was“ ja auch noch brauche…) will ich keinen großen Aufwand treiben. Das ist eher eine Schublade zur Zierde. Leider auch deswegen, weil sie recht weit hinten sitzt und so nur eingeschränkt nutzbar ist.

Also wird die Schublade auf einem einfachen Hölzchen / Leiste laufen. Das Maß dafür nehme ich direkt ab und übertrage es gleich auf das Holz, aus dem die Laufleiste gefertigt werden soll.

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Das alles muss demnach weg.

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Mit diesen Maßen kann ich dann die Fräse einstellen.

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Mit den Sicherheitseinrichtungen und Andruckvorrichtungen ist das dann kein Akt mehr.

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Mit dem großen Lie Nielsen Simshobel wird die eben gefräste Leiste noch ein wenig verputzt.

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Passt.

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So soll die Schublade dann später geführt werden.

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Nun noch an der Tischbohrmaschine ein paar Löcher vorgebohrt, damit ich die Führungsleisten besser montieren kann.

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Das Frontbrett muss irgendwie am Deckbrett befestigt werden, dem Holz aber gleichzeitig das Arbeiten ermöglichen. Das werde ich wieder mit Halteklötzchen machen.

An einer Leiste fräse ich mir einen Falz aus.

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Ein Opferholz verhindert Ausrisse am Austrittspunkt des Fräsers.

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Nun kann ich das kleine Klötzchen runterschmeiden.

Das ist durch das andauernde Wechseln zwischen Fräse und Säge viel Kurbelei an der Maschine. Einfacher wäre es ja, den Falz einfach einmal entlang der Leiste zu fräsen und dann in einem Rutsch die Klötzchen abzuschneiden. Man muss hier aber auf die Faserrichtung achten. Die haltende „Nase“ von den Nutklötzchen muss im kurzen Holz sein, sonst kann es anderenfalls dazu führen, dass das Klötzchen durch das Arbeiten des Holzes reisst.

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Nun noch an der Tischbohrmaschine ein Loch gebohrt und gesenkt.

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Die Kanten werden noch gebrochen – es soll ja schön und ordentlich aussehen. Auch solche „unsichtbaren“ Bereiche sind nach meinem dafürhalten wichtig und machen deutlich, ob sich jemand Mühe gegeben hat oder das nur „so dahin gebaut“ hat.

Fertig sind die Halteklötzchen.

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Nun kann ich die Nut auch im Schürzenbrett fräsen. Zum Einsatz kommt hier wieder der Fräser, mit dem ich schon die Nut im Vorderbrett vom Schubkasten gemacht habe.

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Noch ein klein wenig Nacharbeit mit dem Seitenwangen Hobel und schon passen die Nutklötzchen dort hin, wo sie hin sollen.

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Da war ich ein wenig (zu) schnell. Das Frontbrett wird schon montiert.

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Zwei Schrauben auf Höhe der Schublade (in Langlöchern; d.h. das Loch ist größer als die Schraube und ermöglicht dem Holz so das Arbeiten) und der Rest mit den Halteklötzchen.

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Den kleinen Rest – Überstand nehme ich mit der Kreissäge und einem ganz genauen Schnitt weg.

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So schliesst alles ganz sauber und bündig ab.

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Ganz so einfach wollte ich es mir aber nicht machen. Die Idee ist (um die Styling Diskussion von oben aufzugreifen…), ein Halbkreis – Profil unten am Brett anzubringen.

Ich richte mir eine kleine Leiste her und möchte erst einmal probieren, wie das in dem Kirschholz wird.

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Das ist das Profil, das ich gerne anbringen möchte. Das Eisen gehört zu einem Lie Nielsen Profilhobel, den ich schon lange mal zum Einsatz bringen wollte.

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Damit es auch gescheit wird, muss das Eisen vorher noch geschärft werden.

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Man muss sich schon konzentrieren. Der Hobel verkantet schon mal und dann ist das Profil schnell dahin.

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Mit dem frisch geschärften Eisen zieht aber selbst ein solch schabender Hobel schöne Späne.

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Das Profil wird schön sauber.

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Im Längsholz funktioniert das recht gut.

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Nun wieder eine Anprobe, wie sich das eigentlich macht. Auch in Kombination mit einem Streifen von einem dunklen Holz. Hm. Alles nicht so einfach… DSC_1018

Die Entscheidung vertage ich mal; zumindest zum Teil. Sicher ist, dass ich „unten“ noch was dran machen möchte. Ein „Pfiff“ soll noch mit dran.

Also schneide ich von der Leiste, in der ich das Profil eben getestet habe, drei Stücke raus. Diese Stücke müssen jetzt auch die Kurve vom Brett bekommen. Da hilft mir wieder die Schablone vom Anfang.

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Nur so kann ich die Rundung innerhalb der Leiste abbilden. Das mittlere Stück mache ich dann später.

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Damit beim Fräsen nichts verrutscht, schraube ich die kleinen Stückchen in einem Bereich fest, in den der Fräser später – sicher – nicht hinkommen wird.

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Die Höhe vom Fräser wird eingestellt. Der Anlaufring läuft an der Schablone.

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Der eigentliche Fräsvorgang ist dann schnell erledigt.

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Nun kann ich auch das Mittelteil fräsen.

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Das Ergebnis sind nun drei Stücke von der Leiste mit der Kurve vom Frontbrett.

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Den Rest, den der Fräser nicht mehr wegnehmen konnte, weil ich ihn nicht noch höher ausfahren konnte, nehme ich mit den Hobeln weg.

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Nun kann ich das vorhin geübte Profil an den gebogenen Stückchen anbringen. Konzentration ist angesagt!

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Gefällt mir sehr gut.

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Die drei einzelnen Stückchen mit dem Profil werden nun auf das Frontbrett geleimt.

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Die Überstände nach dem Aushärten vom Leim mit der Dübelsäge sauber abgeschnitten. Der Vorteil einer solchen Säge ist, dass die Sägezähne wenig geschränkt sind und so die Säge ganz dicht an der Oberfläche geführt werden kann ohne, dass Kratzer entstehen.

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Dann kann ich die Frontschürze mit den Halteklötzchen festmachen.

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Die Führungsleiste für die Schublade wird noch verputzt. Das Hobeleisen ist frisch geschärft und erzeugt eine wunderbar glatte Oberfläche.

Da möchte man die Finger gar nicht mehr von lassen…

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Maß nehmen, ob alles passt.

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Gefällt mir sehr gut. Die Fugen sind sehr klein, so dass der Gesamteindruck von der Frontschürze nicht zerstört wird.

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Die Entscheidung ist gefallen – es wird kein Tisch.

Hm. Wieder nichts aus meinem Plan geworden. Aber was macht man nicht alles für seine Frau…. 🙂

Nun musste ich mir also noch etwas einfallen lassen, wie ich das Eckregal an der Wand befestigen möchte. Beine kriegt das Ding ja jetzt doch nicht.

Also werde ich an beiden Kanten an der Wand je eine Leiste befestigen und auf die dann das Eckregal legen und mit Halteklötzchen festschrauben. Das hat dann gleich den Vorteil, dass das Holz ein Stück weit stabilisiert wird und auch noch arbeiten kann.

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Gesagt, getan. Und weil das Auge ja auch mit isst, werden die Löcher auch noch gesenkt.

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Fertig ist das Regal – noch ohne Oberflächenbehandlung.

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Da ich bei diesem Projekt ohnehin schon so viel Neues ausprobiert habe, bleibe ich nicht stehen und starte mal einen Versuch mit Schellack.

Ich hatte mir mal vor ca. 2 Jahren in meinem jugendlichen Leichtsinn je ein großes Päckchen von den Schellack Flocken gekauft (je in unterschiedlicher Farbe). Dann war es eine größere Odyssee, bis ich – endlich – wirklich reinen Alkohol bekommen hatte. Fündig bin ich dann erst in der Apotheke geworden – mit entsprechendem Preis. Die Apothekerin hat mehrfach betont, dass „dieser“ Alkohol nur ja nicht getrunken werden dürfte. Meint die, ich bin lebensmüde? Nun gut. Heute weiß ich, das der Schellack mit der Zeit leider schlecht wird und ich das ganze als Lehrgeld abbuchen kann.

Ich habe dann aber bei einem sehr guten Farbenladen um die Ecke von meinem Büro eine bereits fertig angemischte Flasche Schellack „gefunden“. Die ist noch ganz frisch – die wird’s jetzt.

Hat noch den Vorteil, dass ich nichts „rumpanschen“ muss. Man muss es ja nicht gleich am Anfang übertreiben und das maximale Schwierigkeitsmoment wählen…

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Ich möchte die Oberfläche nicht in Hochglanz. Nur „ein bisschen“. Daher nehme ich nur ganz, ganz wenig vom Bimsmehl auf den Ballen (der ist schon mit Schellack getränkt und wird in einem luftdichten Glas aufgehoben – sonst trocknet der sofort aus).

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Darum kommt dann ein Baumwolltuch (möglichst fusselfrei).

Los geht’s!

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Damit streiche ich dann das Eckregal „mehrere“ male ein. Das geht sehr schnell, da der Alkohol wirklich sehr schnell verfliegt und man den nächsten Auftrag vornehmen kann.

Ich habe – geschätzte – 5/6 Aufträge gemacht. Den ersten und zweiten je mit ein wenig Bimsmehl.

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Nach knapp 15 min. war ich damit fertig.

Ich denke, das mir der Schellack gut gefällt. Einfach in der Handhabung, schnell in der Anwendung – und als riesen Vorteil, kann  man defekte Stellen auch noch nach Jahren „einfach“ ausbessern. Ok – habe ich nur gelesen. Könnte mir aber durchaus vorstellen, dass das so ist. So ganz ohne Grund haben die bisherigen Schreiner den Schellack wohl nicht so oft & gerne genommen. Und: er ist völlig biologisch. Einziger Nachteil ist (irgendwo muss ja ein Haken sein), dass er nicht wasserfest ist. Mit einem Tuch schnell drüber und gut ist.

Das werde ich weiterhin ausprobieren.

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Nun geht es also an die Montage. Dieses gelbe Teil ist recht praktisch. Ich komme mir zwar jedesmal wie eine Hausfrau vor, die nur ja nichts im Haus dreckig machen will – mir aber egal. Das Ding tut nämlich wirklich, was es soll: sauber halten.

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Alles im Wasser. Leichter geht’s, wenn die mittlere Schraube zuerst leicht angezogen wird und dann die beiden Äusseren.

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Das gleiche Spielchen noch an der anderen Seite. Und dann von unten noch ein paar Halteklötzchen ran.

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Das wird unsere „Geschichts – Ecke“ mit Bildern vom Grundstück und Verwandtschaft. Da passt ein solches Möbel schön dazu und ist ein echter Blickfang, wenn man in den Flur tritt.

Fertig.

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11 Kommentare zu „5. Teil – geschwungene Profilleiste hobeln + Finale“

  1. Hallo Tom,
    ein Tolles Regal hast du da gebaut, ich hoffe das ich dich bald mal wieder besuchen kann und das gute Stück dann live sehe.
    Wenn du mal nach Italien fahren solltest, kannst du dir dort im Supermarkt reinen Alkohol kaufen, der kostet nur einen Bruchteil von dem was man bei uns bezahlt

    Gruß Marcus

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  2. Richtig toll, Thomas. Das ist super geworden – in diesem Teil hat mir besonders der Profilhobel gefallen. Ich hatte mich an den alten Möbeln schon immer gefragt, wie man solche Profile von Hand macht.

    Eine Frage noch zu dem gelben „Bohrloch-Sauberhalt-Ding“: Was ist das genau und wie funktioniert es?

    Beste Grüße,
    Andreas

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    1. Hallo Andreas,
      🙂 Danke.
      Dieses „Bohrloch-Sauberhalt-Ding“ ist im Grunde nur ein Staubsauger in klein. Das Schöne ist, dass sich durch das Saugen ein Unterdruck bildet, der dann dafür sorgt, dass tatsächlich ca. 95 % vom Staub aufgefangen werden. Sicherlich kein Must have – ich find’s aber sehr praktisch. Hat mir schon so manchen Ärger erspart. Du weißt sicher, was ich meine…

      Herzliche Grüße

      Tom

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      1. Dieses “Bohrloch-Sauberhalt-Ding” ist im Grunde nur ein Staubsauger in klein.

        Danke für die Auskunft. Batteriebetrieben? Gibts den online zu kaufen?

        Grüße,
        Andreas

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      2. Ja, der läuft über eine Batterie. Ich habe das Ding jetzt seit rd. 4 Jahren und noch die erste Batterien (wir sind in dieser Zeit in unser Haus eingezogen; also durchaus genutzt).
        Den gibt’s bestimmt online; müßte ich jetzt aber auch suchen. Einen Link möchte ich hier ohnehin nicht einstellen. Würde mal sagen: die üblichen Verdächtigen („kärcher bohrlochstaubfänger“)…

        Herzliche Grüße

        Tom

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