Rohbau – 2. Teil

Heute naht Hilfe: Gerd hat mir seine Hilfe angeboten – die nehme ich sehr gerne an und schwups bin ich schon im Auto  🙂

Auf dem heutigen Programm steht,

  • das Sägeblatt kürzen und
  • das zweite Loch im Sägeblatt bohren

Das ist ein überschaubares Arbeitspensum und sollte schnell gehen.

… wie naiv ich doch war. Aber seht selbst, was sich dann ergeben hat.

Doch halt. Ich bin in der Werkstatt von Gerd! Da gibt es – immer – etwas zu entdecken. Meine Augen brauchen nicht lange, um etwas zu entdecken.

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Das sind die „Zauber Eisen“ von Gerd (ich habe mal einen Vergleichstest gemacht – bei dem haben die Eisen von Gerd alle anderen sehr deutlich geschlagen; inkl. Veritas und Lie Nielsen!). Hier noch die Rohformen. Die Fase arbeitet Gerd dann mit der Fräse an, danach werden die Eisen noch gehärtet.

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Aus diesen „Platten“ werden die Eisen per Laser ausgeschnitten. Am (inneren) Rand kann man noch  den Ansatz erkennen, wo der Laser angefangen hat, zu schneiden.

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Die neue alte Schleifmaschine ist nun auch betriebsbereit. Ein schöner, großer (nass) Schleifstein (rechts) und noch etwas zum Polieren (links). An die Stange passen die Vorrichtungen von der Tormek.

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Ein alter Stanley Nr. 55. Habe ich auch noch nicht gesehen. Schon toll das Teil. Aber so kompliziert zum Einstellen, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass mit dem Ding – wirklich – gearbeitet worden ist.  Selbst Profile können damit hergestellt werden und sogar noch mit einem Winkel (der Hobel/das Eisen mit der Führung lässt sich neigen).

Interessant aber alle mal.

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Die schönen kleinen Schrauben stellt Gerd auch her.

… Uwe wird sie gut kennen 🙂

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Sie Kluppe zum Sagenschärfen.

Das steht bei mir auch noch auf dem Programm; aber das wird noch ein wenig dauern.

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Ein Hobel, den Gerd für einen Kunden baut steht auch schon im Rohbau da.

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Ein kleiner Teil der Hobelsammlung von Gerd. Die Hobel sind einfach schön anzuschauen – und das tolle ist, sie funktionieren auch hervorragend!

Das ist ja nicht immer so, mit den schönen Dingen im Leben 🙂

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Das ist ein alter Ziehklingenhalter von Stanley. Hier fehlt noch eine Vorrichtung, über die man den Winkel einstellen konnte.

Das man „irgend etwas“ braucht, um die Ziehklinge zu halten weiß jeder, der schon mal länger als 3 Minuten ernsthaft mit einer Ziehklinge gearbeitet hat – die Dinger werden wahnsinnig heiß.

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Nun aber genug der Schwelgerei – ich bin ja zum Arbeiten hier! 🙂

Gerd hat die ein oder andere Säge in seinem Sägenschrank hängen, die wir als Vorbild & Muster nehmen können.

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So – in etwa – soll meine dann einmal aussehen.

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Mein Griff, den ich im Schweisse meines Angesichtes gemacht habe. Also, mir gefällt er ja sehr gut!

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„Ah – das ist also der Griff, den Du gemacht hast“.

„Ja – schön, gell?! Da habe ich einen ganzen Nachmittag dran rumgereilt und geschliffen, das war ganz schön Arbeit!“

„Ja, das glaube ich.“

Schweigen. Prüfen.

Wie? Keine Begeisterungsstürme ob der tollen Form oder der super Oberfläche? Na ja. Gerd ist eben eher der „stille Typ“ – ist schon in Ordnung und kommt mir durchaus gelegen.

….

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„So kommt der Griff dann also an die Säge, ja?!“

„Ja. Passt ganz genau rein, nur das zweite Loch fehlt noch.“

„Hm. Aha. Hm“.

Sie kommen – immer noch – nicht, die Begeisterungsstürme….

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„Du hast die obere Schraube in den Sägerücken gesetzt.“

„Ja, das hält den Sägerücken dann besonders gut.“

… macht man nicht.

„Die Position der beiden anderen Schrauben ist nicht optimal. Die gehören auf die gleiche – gedachte – Linie.“

„Hm.“

….

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„So in etwa“.

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„Oder so“

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„Wäre diese Griff Form etwas für Dich?“

„Wie jetzt?“

„Na, so könnte es passen“

Jetzt war der Punkt, wo ich fast einen Tag Arbeit davon schwimmen gesehen habe.

…. Pieeeeeep ! ……… Pieeeeeeep!! ……

Da habe ich geistig erst mal eine kleine Verschnaufpause gebraucht. Ich war – echt – ein gutes Stück weit „stolz“ auf meinen schönen Griff. Mit hat er wirklich gefallen.

Nun gut. Hilft ja nichts. Gerd hat die Ahnung und die Säge soll schon „gscheit“ werden. Also, ein neuer Griff muss her.

War ich froh, dass ich Gerd habe und das noch aufgefallen ist!

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„Schau mal, wie wäre es denn, wenn wir aus einem dieser Hölzer einen neuen bauen würden?“

…. ein ganz tiefer Schnaufer geht durch die Werkstatt….

„gerne“

🙂

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Die Entscheidung ist dann auf „Koto“ gefallen.

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Ist mir sogar ganz recht, wenn das Holz ein wenig dunkler ist. Das Helle würde ohnehin nicht so lange bleiben..

„Welche Form hätten’s denn gerne?“

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Und weil Gerd nicht nur Hobel baut, finden sich in seinem Fundus auch die ein oder andere Vorlage für einen Griff.

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Jetzt muss ich mir nur noch eine für meine Hand passende Form aussuchen. Meine Wursthände wollen einen großen Griff haben. Irgendwie liegt mir die offene Form auch eher, als die geschlossene.

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Nach einigem Probieren habe ich mich dann für diese entschieden. Nur diese „Ecke“ (oben links) gefällt mir nicht. Da haben wir kurzerhand die Form von meinem „Meisterwerk“ übernommen.

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Die Form wird auf das Holz übertragen – inkl. der Korrektur an der Spitze. Quasi ein Unikat.

🙂

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Die Bandsäge wird noch genau ausgerichtet.

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Und dann kann’s auch schon losgehen.

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Ok – das geht schon schneller und auch genauer, als mit der Stichsäge, wie bei mir.

Eine Bandsäge passt aber einfach nicht mehr in meine Werkstatt und die Erweiterung der Werkstatt im Keller ist – leider – einfach nicht Mehrheitsfähig.

… schade.

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Die Sägespuren sind noch ein wenig zu egalisieren. Gerd hat mir seine guten Liogier Feilen gegeben (Hub 12 und 15).

Wow – das sind mal tolle Teile!

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Eingespannt in die Holzzwingen.

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Und los geht’s!

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Da kommt eine sehr gute Oberfläche heraus.

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Erstes Maßnehmen.

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Das Ausrichten.

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Nun kann das Sägeblatt mit der Hebelschere passend geschnitten werden.

Der Schlosser bei mir um die Ecke hatte so ein Teil nicht – und hat dankend abgelehnt.

Ist mir sowieso lieber, mit Gerd zu arbeiten.

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Die Hebelschere geht durch das wirklich harte Sägeblatt durch wie durch Butter.

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Der kleine Grat wird noch am großen Bandschleifer egalisiert.

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Alles im Winkel. Es kann weitergehen.

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Nun kann genauer Maß am Griff genommen werden.

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Und auch noch die Schräge am Sägeblatt angezeichnet werden.

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Die kleine Ecke war schnell weg.

… es kann so einfach sein, wenn man das richtige Werkzeug hat.

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Nun musste der Schlitz für das Sägeblatt eingesägt werden. Ein durchaus heikler Schritt – der Schnitt muss sitzen.

Gerd hat sich an der Horizontalfräsmaschine eine Haltevorrichtung gebaut, in die der Griff eingespannt werden kann.

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So ist ein mittiger, absolut lotrechter  Schlitz für das Sägeblatt sichergestellt.

Ich hatte es da mit meiner Freihand Sägerei schwieriger.

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Ganz sind wir mit dem kleinen Sägeblatt nicht reingekommen. Den letzten Rest habe ich dann mit einer der Sägen von Gerd nachgearbeitet. Irgendwie müssen ja schliesslich noch Ungleichmäßigkeiten reinkommen, sonst glaubt mir hinterher keiner mehr, dass ich die Säge gebaut habe…

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Bis hier her soll der Sägerücken gehen.

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Hier kommt dann die große Medaillon Schraube hin.

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Und das ist der schon angesprochene gedachte „Kreis“, auf dem sich die Schrauben befinden sollen.

Ok, ein echter Kreis ist’s nicht, aber es wird schon klarer, was Gerd anfangs gemeint hatte – der Abstand zum Rand soll gleich sein.

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Mit diesem Kleber wird das Sägeblatt dann später in den Sägerücken eingeklebt.

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Apropos Sägeblatt. Da war doch noch was. Das fehlende Loch muss noch gebohrt werden.

Das ist also der „Trick“. Gerd bohrt mit einem Bohrer aus Vollhartmetall vor. Diese kleinen Bohrer hat er sich aus dem Zahnarztbedarf besorgt.

… muss man wissen.

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Der „Trick“ dabei ist dann, dass man in einem Rutsch durch bohrt und NICHT immer wieder absetzt.

Der Effekt wäre, dass das Metall heiß wird, abkühlt – und so noch zusätzlich gehärtet würde. Das ist dann genau das, was ich hatte. Nichts ging mehr.

Also: mit kleinem Durchmesser, gleichmäßigen Vorschub und in einem Rutsch durch.

Klar – geht’s auch anders?

🙂

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Es ist so einfach, wenn man’s richtig macht.

🙂

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So sieht ein Loch aus.

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Nun kann das noch zu kleine Loch mit dem passenden Bohrer auf den Enddurchmesser aufgebohrt werden.

Es empfiehlt sich, den Bohrer frisch zu schärfen – die Dinger werden bei der Arbeit sehr schnell stumpf.

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Ein kleiner Grat ist am Austrittsloch noch vorhanden. So kann das Blatt nicht richtig in den Griff geschoben werden.

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Mit diesem Fräser lässt sich der Grat gut entfernen.

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Das Ergebnis überzeugt.

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Die Löcher im Griff werden dann noch bis zur anderen Seite durchgebohrt.

Wichtig ist, dass das Werkstück gut fixiert und der Bohrer zentriert ist. Also zuerst mit dem kleinen Bohrer vorbohren, Werkstück fixiert lassen, großen Bohrer montieren und dann mit unveränderter Einstellung das große Loch bohren.

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Nun kommt wieder die Stunde von Gerds Spezialbohrer. Der ist im Durchmesser so groß wie der andere, nur dass er noch einen speziellen Senker hat.

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Auf diese Art und Weise können dann die Schraubenköpfe präzise im Holz versenkt werden – und die Ränder sind nicht ausgerissen; so, wie das bei einem Forstner Bohrer gerne mal passiert.

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Fertig ist ein präzises Loch.

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Und das zweite folgt sogleich.

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Noch ein wenig Handarbeit mit dem Stemmeisen. Die Schrauben haben einen Vierkant, damit sie sich beim Festziehen nicht im Loch mit drehen.

Das ist anzupassen.

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Nun kann eine Anprobe gemacht werden.

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So vorbereitet, kann nun auch das dritte Loch passend angezeichnet  werden.

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Durch die ersten beiden Schrauben ist alles schon halbwegs fixiert – so gesichert, kann nun gebohrt werden.

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Sauber 🙂

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Um ein wenig Arbeit per Hand zu sparen, fräst Gerd am Griff mit einem 1/4 Stab Fräser je eine Rundung an.

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Der Rohbau vom Griff.

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So weit – oder so ähnlich – war ich schon mal. Dieses mal aber in „richtig“.

Wieder zu Hause, kann ich die Säge dann fertig bauen.

Meinen herzlichen Dank an Gerd & Hanne – es ist immer wieder schön, bei Euch sein zu dürfen.

Es geht weiter mit „Finale – 3. Teil

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2 Kommentare zu „Rohbau – 2. Teil“

  1. Ein wunderbarer Bericht vielleicht hätte ein Film noch mehr gebracht.
    Ständig bin ich im Internet am suchen wenn ich Namen Werkzeugen oder anderen einzelheiten lese.Klasse einfach nur klasse.

    Gefällt mir

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