Schneidebrett mit Gratleisten

Ein Freund von uns hat mich gebeten, ihm ein Schneidebrett für die Küche zu bauen. Ein nettes kleines Nachmittags Projekt. Obwohl so klein, steckt da im Grunde sehr viel Technik drin und ich kann mich mal wieder grundsätzlichen Dingen, wie der Herstellung einer Gratleiste oder dem Aushobeln eines Brettes mit Handhobeln widmen.

DSC_1390

Der Plan – überreicht bei einer Geburtstagsfeier am Vormittag – recht übersichtlich. Mehr braucht’s aber auch nicht.

Peter hat sich für kanadischen Ahorn und einen kleinen Kontraststreifen aus Kirsche entschieden. Na, so ein Glück, dass ich das noch in meinem Fundus hatte…

Wir haben uns für dieses Holz entschieden, weil es sehr hart ist und geschlossene Poren hat (im Gegensatz zu z. B. Eiche oder Esche). Bei einem Schneidebrett, das auch immer mal wieder mit Flüssigkeiten in Berührung kommt wichtig.

DSC_1391

Das rohe Holz ist schnell aus dem „Reste“ Stapel rausgesucht. Ok, „so“ kann ich’s natürlich nicht lassen 🙂

DSC_1392

Dann kann es auch schon an’s Aushobeln gehen. Die erste Seite & Kante werden gehobelt.

DSC_1393

In der Dickte werden dann die dazu parallelen Flächen erzeugt.

DSC_1394

Erste grobe Anprobe. Gefällt mir schon mal ganz gut. Auch der Kontraststreifen kommt schön raus.

DSC_1395

Gesagt, getan. So sollen sie zusammen.

DSC_1396

Das Fügen mache ich lieber wieder per Hand (Lie Nielsen Nr. 7 1/2; Flachwinkler mit Eisen von Gerd Fritsche).

Das geht in meinen Augen viel genauer, als mit der Maschine – und macht noch dazu Spaß.

 

DSC_1398

Zwischendrin immer wieder Kontrolle, ob die Flächen auch wirklich überall gut aufliegen. Ein klein wenig an einer Ecke „rütteln“ und man merkt schon, wo schon flächiger Kontakt besteht oder wo der Hobel noch einen Besuch abstatten muss.

DSC_1399

Dann geht’s auch schon ans Verleimen. Alles ist vorbereitet. Die Zeit ist beim Verleimen eigentlich – immer – zu kurz. Weil das Schneidebrett mit Flüssigkeiten in Kontakt kommt, habe ich mich für den „blauen“ Leim entschieden. Wie ich gelernt habe, ist der zwar nicht wirklich „wasserfest“, aber zumindest wasserfester, als der übliche Weißleim.

Peter will das Brett ja nicht als Boot nutzen und dann passt das schon.

DSC_1400

Die dicken Blauen Zwingen bringen mächtig Druck auf. Die Leiste einmal quer rüber und die Zwingen an den Fugen helfen, dass alles gerade bleibt. Das reduziert später die Hobelarbeit per Hand. Das große Ding passt dann nämlich nicht mehr in meine Hobelmaschine.

DSC_1401

In der Zwischenzeit bis der Leim einigermaßen trocken ist, kann ich mich den Gratleisten widmen. Die möchte ich machen, damit sich das Brett bei den ständigen Feuchteänderungen nicht wirft und später beim Schneiden anfängt, zu wackeln.

Das mache ich im ersten Schritt an meiner Tischfräse.

DSC_1402

Die Gratfeder wird hergestellt.

DSC_1403

Das ist schon mal gut geworden. Wichtig ist, dass man auf die Faserrichtung achtet. Die Jahresringe sollen „stehend“ sein – sonst kann es durch die Dimensionsänderungen passieren, dass die Gratleiste nicht mehr hält oder gar bricht.

DSC_1404

DSC_1405

Damit das Brett aber später nicht allzu sehr aufträgt und in die Höhe geht (Stichwort: Arbeitshöhe) möchte ich die Gratleiste möglichst dünn halten. Die notwendige Stabilität, um 4 cm Ahorn zu halten möchte ich erzielen, indem die Gratleiste in die Breite geht.

Das sollte halten.

DSC_1407

Doch bevor ich nun die, was die Passung angeht, sehr heikle Gratnut herstelle, muss ich das Brett – frisch aus den Zwingen genommen – erst noch präzise gerade hobeln.

Die Arbeit mit den Handhobeln macht immer wieder Spaß. Eine sportliche Komponente ist da auch noch mit dabei – ganz umsonst…

Es geht mit meiner Lie Nielsen Rauhbank Nr. 7 mit „quer“ los.

DSC_1408

Dann kann es „längs“ weitergehen.

DSC_1409

Wenn die Fläche dann eben ist, kann sie verputzt werden. Das mache ich mit meinem Lie Nielsen Nr. 164. Der zieht, frisch geschärft, wunderbare Späne und erzeugt eine herrliche Oberfläche.

Hmmmm…..

DSC_1410

„Wo gehobelt wird, da fallen Späne“.

Stimmt.

DSC_1411

Nun kann ich mich der Gratnut widmen. Es wird alles angezeichnet. Das Maß für die Gratnut habe ich von der vorhin hergestellten Gratleiste übernommen.

Um den Gratfräser zu schonen, nehme ich das Gros mit einem Falzfräser weg. Den aber noch nicht ganz auf die richtige Tiefe, so wird’s dann genauer.

DSC_1412

Meine Frässchablone fixiere ich dieses Mal mit Schrauben. Das spart mir die Schraubzwingen. Die Löcher verschliesse ich hinter her wieder mit kleinen, selbst hergestellten Dübeln.

DSC_1413

Die Gratnut im ersten Schritt – nach dem Falzfräser.

DSC_1414

Und nach dem zweiten Schritt mit dem Falzfräser ist sie fertig.

Der „Trick“ ist, die Gratnut nicht über die ganze Länge parallel herzustellen. Die Gratleiste lässt sich dann nur sehr schwer anbringen. Die Reibung über eine so lange Strecke ist einfach zu groß. Daher habe ich die Schablone wieder so eingestellt, dass auf einer Strecke von rd. 40 cm ein Unterschied zwischen Anfang und Ende von 2 mm entsteht.

DSC_1415

An der Gratfeder angezeichnet (Maß am lebenden Objekt genommen), sieht das Ganze dann so aus. Das muss noch weg.

DSC_1416

Dafür extra die Maschine einzustellen, ist recht aufwändig. Ehrlich gesagt, ist mir auch noch keine sinnvolle Möglichkeit dafür eingefallen.

Mit meinem Grathobel reicht es aber,  drei Hobelzüge an einer Seite der Gratleiste zu machen. Fertig.

DSC_1417

So können sie jetzt rein.

DSC_1418

Damit die Gratleiste später auch das machen kann, was sie soll – dem Holz das Arbeiten ermöglichen und gleichzeitig eben halten – darf man sie nur an einer Ecke leimen.

DSC_1419

So weit kann ich die Gratleiste nur mit der Hand einschieben. Der Rest geht dann mit „guten Argumenten“ – und meinem Hammer.

DSC_1420

Fertig.

 

Advertisements

Ein Kommentar zu “Schneidebrett mit Gratleisten”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Mein Weg als Hobbyschreiner

%d Bloggern gefällt das: