Fehlerkultur

1. Teil

Fehler dürfen nicht passieren!

Den Satz hört man oft. Ich bin der Überzeugung: Der Satz ist Unsinn – ja, sogar falsch.

Da könnte man jetzt ewig drüber sinnieren. Fehler werden gemacht in der Werkstatt. Ich nehme mich da leider (?) nicht aus. Manchmal, weil ich’s anfänglich nicht besser weiß. Manchmal, weil ich einen Punkt noch nicht vollständig durchdrungen habe und mit das erst hinterher auffällt. Wenn ich etwas baue, merke ich – da ich meist ohne richtigen Plan arbeite… – manchmal erst während des Bauens, das das so gar nicht funktioniert, wie ich mir das eigentlich vorgestellt habe.

Ist das „schlimm“? Nun ja. Das kommt darauf an. Ist der Finger erst einmal ab, wird’s schwierig. So was „darf“ tatsächlich nicht passieren. An diesen Stellen bin ich lieber eher übervorsichtig. Funktioniert aber z. B. eine Verbindung von zwei Holzteilen nicht, kann man durchaus nachdenken. Meist findet sich noch eine andere Lösung. Manchmal „passiert“ es auch, das eben diese – nicht im Vordergrund stehende – Lösung eine viel bessere Lösung ist, als diejenige, an die man im ersten Moment gedacht hat.

Zur Fehlerkultur ein paar Gedanken von mir dazu:
Fehler sind die Grundlage für Veränderungen
Wer keine Fehler macht, macht alles so, wie immer. Dann bleibt er stehen. Ein kluger Mensch hat das dann mal – in etwa – so umschrieben: „Wenn Du stehen bleibst, fährt der Zug an Dir vorbei.“
Ohne Fehler kann sich nichts Neues entwickeln. Ohne sie wäre so etwas wie eine Evolution nie möglich gewesen.

100 % Genauigkeit bremsen
Klar. Es geht. Ich kann alles so planen, durchdenken und mich absichern, dass ich – sicher – überhaupt keine Fehler mache. Die Frage ist dann aber: Wieviel (effektiv) arbeite ich dann eigentlich noch? In meinen Augen geht es darum, ein gesundes Mittelmaß zwischen dem Risiko, einen Fehler zu machen und der Produktivität auf der anderen Seite zu finden. Ich strebe den Fehler nicht an, akzeptiere ihn aber und gehe damit um.

Fehler als Chance
Der Mensch an sich ist bequem. Da nehme ich mich gar nicht aus. Ich fühle mich in meiner mir bekannten Umgebung wohl. Genauso ist’s auch in der Werkstatt. Da arbeite ich so, wie ich’s „schon immer gemacht“ habe. Bis es so nicht mehr geht. Dann bin ich – durch den Fehler – gezwungen, eine neue Lösung einfallen zu lassen. Das erweitert mein Fachwissen, hält mich flexibel und kann zu Lösungen führen, die viel besser sind, als bisher.

Ich will jetzt nicht dazu aufrufen, Fehler zu machen. Nur, die Verteufelung bringt auch nichts. Wichtig ist, das man analysiert, warum etwas nicht so funktioniert hat, wie es eigentlich hätte funktionieren sollen. Dann – und das ist wahrscheinlich der wichtigste Schritt – müssen die Konsequenzen daraus gezogen werden. Und da steckt schon die Krux begraben. Die Konsequenz. Der Umgang mit „ihr“ ist schwierig. Denn manchmal neigt sie dazu, etwas aufzuzeigen, was man nicht will. Dann schummelt man sich – wieder – durch. Und flux ist er wieder da. Der Fehler.

Also. Ich freue mich zwar nicht, wenn ich Fehler mache. Ich versuche aber, das Beste daraus zu machen. Die besten Lösungen von mir haben sich – meist – aus genau so einer Situation heraus entwickelt.

2. Teil

Fehler
 
Nicht so gemacht, wie es ursprünglich einmal geplant war
Wie war der Plan eigentlich?
 
Nicht so geworden, wie es eigentlich sein sollte
Wie sollte es eigentlich sein?
Nicht so schnell fertig geworden, wie beabsichtigt
Wettbewerb oder Hobby zum entspannen?
Das fertige Produkt ist die Summe dessen, was reingekommen ist.
Was will mir das sagen?
Am letzten Wochenende ist wegen einer kleinen Unachtsamkeit etwas nicht so gelaufen, wie ich es mir ursprünglich einmal vorgestellt hatte. Deshalb mußte ich dann stundenlang etwas „reparieren“. Das hätte ich nicht machen müssen, wenn ich den Fehler nicht gemacht hätte.
 
Lohnt sich Ärger hierüber?
Heute sage ich: Nein
Tatsächlich habe ich mich aber – sehr – darüber geärgert. Schließlich sollte es doch „perfekt“ werden.
Pah!
Das Ganze soll in erster Linie Spaß machen. DAS ist das Ziel der ganzen Aktion in der Werkstatt. Es muss seinen Zweck erfüllen und soll gefallen. Was gefällt schon? Meist fällt das, worüber man sich selbst fürchterlich ärgert, jemanden, der das Möbel das erste mal unvoreingenommen sieht, gar nicht auf. Und dann ist es doch schon wieder in Ordnung.
Was mich das Wochenende aber gelehrt hat:
  • aus einem „das ist mir jetzt egal“ wird ganz schnell „Mist, so geht’s gar nicht“
  • aus einem „nur noch schnell den Schnitt“ wird meist „jetzt sitze ich hier stundenlang, um das zu reparieren“
  • aus einem „Mist, so geht’s gar nicht“ wird am Ende „oh – sieht sehr schön aus!“
  • flexibel bleiben, in Alternativen denken und nicht aufgeben!
 
Die Lösung beim Auslöser (= Schubkästenregal / Frontbrett) habe ich mir nun überlegt. Geplant war, ringsum eine Schattenfuge zum Korpus zu machen. Die sollte ursprünglich mit einer Feder, die im Frontbrett angearbeitet wird, realisiert werden.
 
Pedder hat mich nun – richtigerweise – darauf aufmerksam gemacht, dass durch die vielen Schnitte recht viel „Breite“ fehlt. Ist ja auch logisch – aber eben auch genau der Fehler, den ich gemacht hatte. Was also tun – das Brett passt so tatsächlich nicht mehr rein; es ist nun zu klein (ich will kein Wort darüber verlieren, dass ich das, was jetzt fehlt, kurz vorher erst abgeschnitten hatte…).
Ein neues Brett würde – deutlich – über 100 € kosten (der Holzbezug in München ist leider immer noch „unzumutbar“; über Dictum hätte ich aber etwas bekommen können – Danke an dieser Stelle nochmal!). Das wollte ich nicht ausgeben. Basta. Ich habe mir jetzt überlegt, schlicht eine „fremde Feder“ einzuarbeiten. Das ist beim herstellen zwar aufwändiger. Beim montieren sollte es aber einfacher gehen (ich hätte an 4 Seiten gleichzeitig eine Feder einschieben müssen, ohne im vorhinein zu wissen, wie „tief“ ich eigentlich gehen kann, da der Korpus mit den Zinken noch nie vollständig zusammengesteckt war).
Was nun zu tun ist:
  1. Nut ringsum im Korpus fräsen
  2. Fremde Feder herstellen
  3. Nut am Frontbrett anbringen (hinten)
  4. Korpus zusammen stecken, dann die fremde Feder in die Nut im Korpus stecken und mit dem Frontbrett von hinten unsichtbar verschrauben (Langloch); die fremde Feder ruht in der Nut hinten im Frontbrett. So kann ich das Frontbrett auch schön „gemütlich“ ausrichten.
 
Das sollte nun aber gehen…
 
Herzliche Grüße
Tom
 
 
PS: … vielleicht findet sich der eine oder andere hier ja wieder…. J

5 Kommentare zu “Fehlerkultur”

  1. Auch ich habe nur durch Fehler dazu gelernt. Stand ja auch niemand neben mir, der mir beibrachte, wie es einfacher und/oder richtig geht. Werkzeuge 3x gekauft und Holz verbraucht wie im Hochbau… Und? Es macht noch immer Spaß!!

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    1. Fehler sind gut, wenn man daraus lernt. Am besten die Fehler Anderer.

      Ein netter Fehler ist mir passiert. Ich testete den Festool Dominofräser. Tolles Teil, aber:
      Ein Fester Boden sollte an eine Seitenwand gedübelt werden. Beim Domino wird die Fräsung auf einer Seite exakt und eng gemacht, an der zweiten Seite wird eine Fräsung schmal und passgenau gefräst, ab der zweiten Fräsung wird die Maschine umgestellt und die Schlitze etwas größer gefräst. In die Stirnseite machte ich also die engen Löcher, in die Seite ein enges Loch und der Rest halt größer.
      Da das ganze aus verschiedenen Teilen bestand, war beim Zusammenleimen etwas Eile geboten. Dübel in die Löcher der Seitenwand gesteckt, zusammengefügt, mit ein paar Handballenschläge zusammengepresst und Zwingen aufgespannt. Als ich dann das ganze drehte sah ich das Unglück.
      Da ich die Dübel in die großen Löcher der Seitenwand gesteckt hatte passten sie nicht genau in die engen Löcher der Stirnseite und setzten auf die Kanten auf. Da die Schlitze aber 16mm tief in die Seitenwand eingelassen waren, gab der schwächere Teil, nämlich die Oberfläche der Seitenwand nach. Die Dübel kamen aus der Außenseite raus. An eine Reparatur war nicht zu denken. Das Teil war Schrott.

      Wolfgang

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      1. Schönen guten Abend Wolfgang,
        … nur gut, dass nicht nur mir „so etwas“ passiert – und das geht nicht nur mit der Domino so… :-). Zwei „nette“ Beispiele sind schon in Arbeit und kommen dann demnächst auf dem Blog.

        Herzliche Grüße

        Tom

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  2. Ja, das kenne ich. Vor allem, wenn man sich vorher etwas vorgestellt hat und dann klappt das doch nicht, weil einem, wie Du schon erwähntest, die Erfahrung fehlt. Wenn man den Fehler kompensieren kann, ist es auch nur halb so schlimm.

    Beim meinem letzten Projekt waren die Teile dann – wahrscheinlich zu viel weggeschliffen – nicht mehr ganz bündig, so dass das mit der Verleimung nichts mehr wurde.

    „Repariert“ habe ich das einfach mit Taschenbohrungen, wobei mir auffiel, dass das eine ziemlich patente und unterschätzte Lösung ist, die ich jetzt bestimmt noch öfters einsetzen werde.

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