Maschine oder Handwerkzeug?

Ein Thema, das mich – immer wieder – beschäftigt.
 
Maschine oder Handwerkzeug?
Da kann man tagelang drüber diskutieren.
Meiner Ansicht nach gibt’s da kein „richtig“ oder „falsch“. Beides hat seine Berechtigung – inkl. der Vor- und Nachteile. Die Beantwortung dieser Frage hängt auch vom Ziel ab. Jemand, der sein täglich Brot damit verdient wird die Frage wahrscheinlich anders beantworten als jemand wie ich, der das Ganze als Hobby betreibt. Bei mir bildet sich aber in der letzten Zeit doch eine klare Tendenz aus.
grobe & schwere Arbeiten => Maschine
feine Arbeiten / Finisch => Handwerkzeug
 
Hier ein paar Gedanken von mir zu diesem Thema:
 
  • Die Maschine als Ausgleich für fehlendes Können?
Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich beim Griff zur Maschine das Gefühl habe, etwas „nicht zu können“ und dies dann mit einer Maschine versuche, auszugleichen. Das kann natürlich auch ein Grund sein für die Maschinennutzung. Da nehme ich mich gar nicht aus.
 
  • Mit Handwerkzeug näher dran am Geschehen – man kann noch etwas mit den eigenen Händen „machen“
Ich erlebe es aber auch in zunehmendem Maße, dass es sehr befriedigend sein kann, etwas „nur“ mit Handwerkzeug gemacht zu haben. Jeder, der einmal einen Hobel mit einem  – wirklich – scharfen Eisen über ein Holz geführt hat und sich über die herrlich glatte und spiegelnde Oberfläche gefreut hat, wird mir da nachempfinden können. Für mich ist es auch wichtig, am Ende eines Projektes sagen zu können, „das habe ich gemacht“. Kann ich das im gleichen Maße sagen, wenn ich überwiegend Maschinen genutzt habe? Ich denke nein.
 
  • Die Maschine als das Arbeitstier in der Werkstatt
Alles hat aber seine Grenzen. Für mich ist sie spätestens dann erreicht, wenn mir die Maschine sehr viel schwere Arbeit abnehmen kann. Das kann z. B. das Auftrennen einer rohen Bohle Holz mit der Tischkreissäge sein oder auch das Aushobeln der Bohle mit der Abrichte. Sehr gerne nehme ich auch die Hilfe der Dickte an. Ein Brett – durchgehend – auf eine einheitliche Dicke per Hand zu bekommen ist schon eine echte Kunst.
 
  • Die Maschine als Zeitgewinn
Ein Aspekt, der auch bei mir als Hobby – Mensch nicht zu unterschätzen ist. Das Ganze soll irgendwann ja auch mal fertig werden. Ein Brett vollständig mit Handhobeln abzurichten geht. Klar. Es dauert aber. Die Maschine braucht dafür nur einen verschwindend geringen Anteil von Zeit.
  • Handwerkzeug, wenn die Maschinen ihren (eng) definierten Anwendungsbereich überschritten hätte
So viele Maschinen kann man – gerade, wenn man das Ganze nur als Hobby betreibt – gar nicht kaufen, als das man wirklich jeden erdenklichen Arbeitsschritt damit abdecken könnte. Handwerkzeug ist da meist flexibler. Ich bin zwar heilfroh, eine Hobelmaschine zu haben. Die hilft mir aber gar nichts mehr, wenn ich ein Brett habe, das breiter ist und deswegen nicht mehr in die Maschine passt.
 
  • Handwerkzeug, wenn’s „richtig“ genau werden soll
Zumindest in meiner Erfahrung ist es so, dass es mit dem Handwerkzeug genauer wird. Ein Brett aus der Hobelmaschine ist sehr gleichmäßig dick. Hobelspuren lassen sich aber – trotzdem – nicht vermeiden. Ein paar Striche mit einem richtig scharfen Hobel und schon ist’s perfekt. Gleiches bei einer Verbindung. Eine Schlitz- / Zapfen Verbindung ist mit einem Hobel oder Stecheisen schnell und einfach nachgearbeitet. Das Ganze auf der Säge oder Fräse und schon ist schnell mal zu viel weg – und das Ganze geht von vorne los.
 
  • Handwerkzeug, um bisherige (nicht alte!) Techniken am Leben zu erhalten
Zumindest ich habe den Eindruck, dass durch die Maschinennutzung das bisherige Wissen der vorangegangenen Schreinergenerationen mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt wird. Da steckt dann aber das Risiko drin, dass dieses Wissen in zunehmendem Maße verloren gehen wird. Keiner nutzt es mehr. Wer schleift sein Werkzeug heute noch selbst? „Früher“ zählte es zum Basiswissen eines jeden Lehrlings, wie man ein Stechbeitel oder Hobel scharf bekommt. Heute schaut man dann auf eine Video Plattform – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.
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9 Kommentare zu „Maschine oder Handwerkzeug?“

  1. hy, cooler blog, sehr interessantes Thema.

    ich selber bin zwar Maurer, aber finde es sehr interessant in andere Gefilde einzutauchen. bei einen meiner projekte, einen wooden dummy, habe ich mir gesagt – keine Maschinen, Handarbeit – was dazu geführt hat mich u.a. mit Hobel, Stechbeitel und auch deren schärfen auf Wassersteinen zu beschäftigen, GEIL, ich probiere gerne, lerne gerne neue Sachen und Handarbeit, ich bin stolz darauf es zu können.

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  2. Hallo Tom,
    Eine schöner Beitrag auf den ich per Zufall gestoßen bin.

    Zu mir möchte ich kurz vorweg sagen ich mache eine Ausbildung zum Holzmechaniker (2te Jahr) in einer Schreinerei der 8ten Generation.
    Wo man sicherlich denkt das Handwerk wird geschätzt sag ich naja.

    Ich handhabe diese Philosophie wie folgt ob Hand oder Maschine.
    Das Holzwerken unterscheide ich in Arbeit und Hoby. Bei Arbeit ist wichtig das Leistung/kosten Verhältnis da sind Maschinen einfach besser (cnc mit eingeschlossen). So auch der Verlust des Wissen zum schleifen beim Lehrling usw. Das schlimme ist dabei es besteht auch wenig bis keine Interesse bei den Azubis(Klassen Kammerdiener/ anderen jahrgänge)

    Betrachte ich das Hobby ist mir im Vordergrund das Handwerk keine Zeit/Kostet und etwas komplett mit der Hand zu bauen lernt man einfach mehr zu schätzen.
    Nur wenn man nicht voran kommt wirkt es Denpremierend und man greift dann doch zu Maschine.
    Also die gesunde Mischung macht es und jeder sollte für sich das entscheiden. Und man mit dem egbniss zufrieden ist. Und man brauch nicht für jeden Arbeit Schritt eine Maschine das Handwerk lebt von Improvisation.

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  3. Hallo Tom,
    ich nutze auch gern Handwerkzeug, weil ich viel lieber ohne Gehörschutz arbeite (Bin, „Gott sei Dank“ kein Schmied;-)).
    Das Pfeifen eines Hobels oder das Ritze Ratze einer Säge ist doch wie Musik in den Ohren. Leider muss man aber auch immer den Zeitaufwand berücksichtigen, der bei einigen Projekten doch die ein oder andere Maschine sinnvoll macht.
    Ein weiteres Plus für Handwerkzeug ist auch die Staubentwicklung. Bei Maschinen ist eine effektive Absaugung unverzichtbar (und verursacht zusätzlich Lärm!) Bei der Handbearbeitung ist das eigentlich kein Thema. Ich verzichte auch gern auf das Schleifen – wenn möglich. Es geht nichts über die Haptik einer sauber gehobelten oder mit der Ziehklinge abgezogenen Oberfläche.

    Viele Grüße
    Carsten

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    1. Hallo Carsten,
      das sind wir uns sehr einig – Du sprichst mir da sehr aus dem Herzen. Ich mag es einfach, einen Hobel über das Holz zu ziehen und diesem „zisch“ von einem ganz feinen Span zu hören. Und zu einer per Hand gehobelten Oberfläche hat mein ein völlig anderes Verhältnis als zu einer, die mit Maschinen gemacht worden ist.

      Bei Staub & Lärm sind die Maschinen dem Handwerkzeug ohnehin unterlegen.

      Und dennoch nutze ich die Maschinen auch. Mal aus dem einen, mal aus dem anderen Grund. Einmal ist es der Umstand, dass man einfach fertig werden möchte (da steht dann nicht der Weg des Machens im Vordergrund) das andere mal schlicht, weil die Hobeleisen nicht die Schärfe haben, die sie bräuchten, um „gute“ Ergebnisse zu erzielen und der entsprechende Schärfaufwand gerade nicht betrieben werden kann / möchte. So ist es mir (leider) bei der Sitzbank ergangen. Ich hätte an drei Hobeln eine neue Fase anschleifen müssen. Ich hatte – guten Willens – sogar angefangen. Nach rd. 45 min. dann jedoch aufgegeben und das Thema auf ein ander mal vertagt. Das Thema Schärfen begleitet mich schon so einige Zeit – und ich habe immer noch nicht „den“ Weg gefunden. Da bin ich gespannt, wo ich da hingetragen werde.

      Mir schwebt seit Jahren ja schon so etwas im Kopf herum, wie eine Maschine, auf der man die normalen Schärfsteine nutzen kann, das Eisen einspannt und dann das Ganze mehr oder weniger alleine arbeitet. So etwas habe ich aber noch nicht gefunden.

      Herzliche Grüße

      Tom

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  4. Hallo Tom,

    ich habe mich auch viele Jahre mit dem Thema beschäftigt. In meinen jungen Jahren – als Ami, der nach Deutschland ausgewandert ist und nicht wusste, ob es für immer ist – habe ich mich auf Handwerkzeuge beschränkt, weil die Spannung in USA (120V) anders ist als in Deutschland (damals 220V, jetzt 230V). Banal, aber nicht ohne Logik. Als klar wurde, dass ich hier bleibe, kamen nach und nach E-Werkzeuge hinzu. Jetzt habe ich eine Mischung – TKS, Tellerschleifer und Bohrständer, plus Elektro-Handwerkzeuge (einige). Aber auch ein gutes Sortiment an Werkzeugen ohne Motor.

    Ich sehe das ganze auch mit einem gewissen Pragmatismus. Ich behaupte dass die Schreiner und Zimmerleute früher auch gern E-Werkzeuge gehabt hätten – nur gab es sie nicht, deswegen wurden sie entwickelt, sobald es geeignete Antriebskräfte gab. Die Berufsschreiner, die ich kenne, haben meistens nur noch einen einzigen (Rali) Handhobel dabei – da ist die Diskussion schon lange entschieden (bzw. gab es gar nicht, die haben von Anfang an gerne die Maschinen als wertvolle Hilfe gesehen).

    Auch ich habe schon lange meine Ulmia-Bohrwinde, meinen Schröder-Handbohrer, meine Irwin-Schlangenbohrer für Handbetrieb und noch einiges verkauft. Wer mit solchen Teilen gearbeitet hat, weiss wie mühsam das war. Ich gebe meinen Makita-Akkuschrauber nicht her, und auch nicht meine kräftige 13mm-Bohrmaschine!

    Es handelt sich bei den Handwerkzeugen manchmal um tatsächliche Vorteile, oft um Nostalgie, um Vorlieben und um Zeit – wer sie hat, so wie früher zu arbeiten. Dass eine geführte Schneide – sprich Maschine – genauer als fast jeder Handwerker ist, dürfte akzeptiert werden. Ich kenne jedenfalls keinen, der mit der Feile auf 0,01 mm arbeitet.

    Dass es die Überlegungen gibt, beweist, dass das Thema wichtig ist. Wir sind schließlich (tlw. Hobby, wie ich) Handwerker, und die Hand bildet die Verbindung zum Werkzeug.

    Habe Deinen Blog für mich neu entdeckt und würde gern an einem Eurer Treffen teilnehmen.

    Guten Rutsch und herzliche Grüße,
    Michael Meyer

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    1. Hallo Michael,
      Danke für Deine Zeilen – da ist sicherlich viel Wahres dran.

      Wegen des Treffens – schau einfach immer mal wieder auf den Blog. Sobald das wieder konkret wird, gebe ich Bescheid. Die „Holzwerkertreffen“ finden unregelmäßig statt. Das nächste ist (noch) nicht konkret geplant. Grob würde ich mal „Anfang“ 2016 sagen. Vielleicht finden wir ja noch ein Thema, das alle interessiert?

      Herzliche Grüße

      Tom

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  5. ALLES korrekt! Wenn ich mir vorstelle am Anfang mit Hobeln anfangen zu müssen, wäre ich heute nicht mehr als Holzwerker dabei. Heute habe ich Werkzeuge, die meine handwerklichen Mängel zum größten Teil ausgleichen. Es gibt Schreiner, den gibt man nur Messer und Gabel in die Hand und die bauen ein ganzes Wohnzimmer aus Eiche! Das kann ich nicht. Macht aber trotzdem noch Spaß.

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