2014 – Eine Drechselbank zieht ein

Seit einigen Monaten trage ich mich mit dem Gedanken, mich mit dem Drechseln näher auseinander zu setzen. Es fallen doch immer mal wieder kleinere Dinge an, für die es praktisch wäre, Drechseln zu können.

Ich habe mich daher in der letzten Zeit ein wenig umgeschaut und informiert. Klar war, dass ich keine Super Profi Maschine brauche; der letzte Schrott sollte es aber auch nicht sein. Neu kann man da richtig Geld lassen. Die Maschinen, die meiner Ansicht nach für mich in Frage gekommen wären, liegen so um die 2,5 T€ – zuviel. Also habe ich mich nach Gebrauchten umgeschaut. Es ist auch auf dem Drechselmarkt so, wie es immer ist. Die guten Dinge halten den Preis – und es gibt unglaublich viel Schrott.

Nachdem ich nach fast 4 Monaten schon gar nicht mehr daran geglaubt habe, hat jemand im Internet eine Drechselbank inseriert. Mit dem Auto rd. 30 min. von uns entfernt; zum Preis von einem guten Akku Schrauber. Das war interessant. Das Ding hat schon einige Jahre auf dem Buckel (so etwas ist mir meist egal – wenn noch alles in Ordnung ist). In diesem Fall war mir das sehr recht – die Maschine ist aus Guss und damit sehr schwer, was ja eher von Vorteil ist – wenn sie dann mal an Ort & Stelle steht. Ich habe mir sagen lassen, dass das wie bei einem Motor vom Auto ist. Nichts geht über Hubraum – und kann nur durch noch mehr Hubraum getoppt werden. Ein paar Eckdaten:

– Bettlänge: > 1 m

– Spitzenhöhe: 35 cm

– Gewicht: > 250 kg

– Starkstromanschluss (2,7 PS)

Für das eingesetzte Geld hätte ich noch nicht einmal eine neue Einsteigerdrechselbank bekommen. Und da dann noch mit allen Eckdaten deutlich schlechter. Mal sehen, ob sich meine Strategie auszahlen wird.

Nun galt es aber, das Ding aus dem Keller des Verkäufers zu wuchten und bei mir wieder in den Keller. Eine echte Herausforderung.

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Da war das Schlimmste vom ersten Teil ist geschafft. Mit 3,5 Männern haben wir die Bank aus dem Keller eines Reihenhauses (mit einem kriminell engen Treppenhaus) raus auf den Anhänger gewuchtet. Damit das ganze wenigstens ein wenig leichter wird, haben wir den Motor ausgebaut. Das hat locker 80 kg gespart (zu zweit haben wir ihn „gerade so“ heben können).

Niklas prüft doch noch einmal, ob auch alles wirklich fest ist 🙂

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Endlich. Nach insgesamt rd. 3 Stunden richtig harter Schlepperei war das Mordstrumm in meiner Werkstatt. Ob sie in dieser Ecke stehen bleibt, weiß ich noch nicht. Alles andere würde noch größere Umbauarbeiten in der Werkstatt voraussetzen, die ich mir, wenn es geht, gerne sparen möchte.

Das probiere ich jetzt mal aus.

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Weiß der Geier, was da wieder war. Wir haben die Kabel genau so angeschlossen, wie sie vorher waren. Der Motor drehte aber auf einmal falsch rum.

Glücklicherweise hat Thomas Elektrotechnik studiert und kennt sich „mit Strom“ aus. Als wir dann aber auf einmal mit 7 Kabelsträngen konfrontiert waren, als die Phasen zu tauschen waren, haben wir auch erst mal blöd geschaut. Thomas hatte eine Vermutung – und das Internet hat sie bestätigt. Wir mussten Kabel 1 und 3 tauschen. Jetzt dreht sie richtig rum.

Weil das ganze recht aufregend war und Thomas schon ins Schwitzen kam, fächert Niklas ihm Luft zu 🙂

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Die Eckdaten von dem Motor – heute wird so was in ausgewachsenen Maschinen verbaut.

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Schön war, dass noch – einiges – an Zubehör mit dabei war. Allein dafür hätte ich noch einmal den gleichen Preis zahlen müssen, wie ich ihn für die Bank gezahlt habe.

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So waren auch einige Eisen mit Dabei – leider völlig verschliffen. Das war dann eine Beschäftigung für die nächsten 3 Wochen… 😦

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Einen ersten Versuch konnte ich mir trotzdem nicht verkneifen.

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Niklas wollte natürlich auch unbedingt einmal etwas drechseln, klar.

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Mein aller erstes Drechselstück – da ist noch Raum nach oben…

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Nun ging es an’s Schärfen der Eisen. Da war ich ziemlich dankbar, eine Tormek mit Diamantscheiben zu haben.

Lassen sich Hobeleisen und Stechbeitel noch gut auf Banksteinen schärfen – spätestens bei den Drechseleisen macht das absolut gar keinen Spaß mehr (macht das Schärfen denn überhaupt Spaß?).

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Niklas macht den Test, ob die Eisen scharf sind.

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In der Zwischenzeit hat er sich eine Beschäftigung gesucht – und entrostet seinen Hobel (Juuma Einhand Flachwinkeler).

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„Papa – das dauert ja ewig“…

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So sehen junge Hände aus, die gearbeitet haben.

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„Darf ich meinen Hobel auch in das neue Hobelregal legen?“

Klar – darf er. Da war er richtig stolz

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Papa hat sich die Schleifmaschine so hingestellt, dass er sich setzen kann. So geht’s besser.

Diese Schärfaktion hat – ewig – gedauert. Ich denke, dass ich sicherlich fast 3 Wochen immer wieder mal ein Stündchen geschärft habe. Ich denke aber, das Gröbste sollte jetzt geschafft sein. Das Nachschärfen sollte dann nicht mehr so schlimm sein. Aber leider ist das Schärfen von Drechseleisen ähnlich nervig,  wie bei den Hobeleisen…

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Die Kinder konnten es gar nicht erwarten und haben sich schon mal ein paar Scheite vom Brennholzunterstand aus dem Garten geholt.

Das Holz wird für das Drechseln vorbereitet.

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Mein aller erster Versuch, ein kleines Schälchen zu drehen.

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… mehr Bilder von der Schale gibt’s aber nicht 🙂

Ich bin gespannt, wo mich meine Drechselreise hinführen wird.

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6 Kommentare zu „2014 – Eine Drechselbank zieht ein“

  1. Hallo Tom,

    viel Freude mit der Bank.Kann nur sagen, das ist eine tolle Ergänzung zur übrigen Holzbearbeitung. Bin gespannt, wie Dein Drechselweg verlaufen wird. Schöne Projekte und keine Nürnberger.

    Herzliche Grüße

    Uwe

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    1. Schönen guten Abend Uwe,
      Danke – ich bin auch schon sehr gespannt. Derzeit müssen „wir“ uns erst einmal aneinander gewöhnen. Das kommt mir fast wie das neue Hemd vor, das erst einmal ein wenig im Schrank liegt. Irgendwann ist das Hemd dann angekommen – und wird sehr gerne getragen.
      Bisher habe ich leider noch nicht wirklich viel Vorzeigbares zustande gebracht. Mal sehen. Ich werde wohl – doch – noch einen Kurs machen. Nur diese Internet Videos reichen einfach nicht.
      Herzliche Grüße
      Tom

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  2. Hallo Tom,

    schön zu sehen wie deine Werkstatt wächst. Eine Spitzenhöhe von 35cm ist schon beachtlich, auch die 250kg machen was her!

    Im Oktober hatte ich einen Drechselkurs besucht, dort habe ich den FU an neuen Drechselbänken schätzen gelernt. Ein Riemenwechsel ist da schon etwas umständlicher.

    Viel Spaß beim Drechseln, das macht genau so süchtig wie das Hobeln!

    Grüße
    Christoph

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    1. Schönen guten Abend Christoph,
      ja, da bin ich mal gespannt, wie das bei mir werden wird mit dem Drechseln. Bis jetzt habe ich allerdings noch nicht so viel gedrechselt. Derzeit stehen noch andere Projekte im Vordergrund. Einen FU hätte ich auch gerne gehabt. Aber man kann nicht alles haben 🙂

      Herzliche Grüße

      Tom

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